Zitat: Bist du da vielleicht ein wenig vermeidend unterwegs? „Ich will, was ich nicht kriegen kann, weil es mir dann eh nicht gefährlich werden kann ..."
Gut möglich. Die Erfahrungen mit Frauen waren bisher nicht gerade optimal. Auch kein Alptraum - aber eben nicht optimal. Das Mädel ist völlig anders. Nicht nur in Sachen Erkrankung, sondern auch charakterlich für die Norm eher ungewöhnlich und wahrscheinlich für mich unterbewusst auch spannend und vor allem sicher. Sie ist eher ruhig, sehr religiös (was ich nicht bin), naturverbunden, freut sich über kleine Dinge und wirkt einfach unschuldig. Unschuldig ist auch so ein Begriff den ich nicht wirklich beschreiben oder definieren kann, aber vllt. weiß der ein oder andere was ich meine. Bisher wenig Erfahrung mit Beziehungen, keine Partymaus, familiär integriert und gebunden. Vieles, in welchem ich mich wiedererkenne. Das klingt jetzt unglaublich lapidar, aber ich kann hier eben schlecht beschreiben, wie ich Sie wahrnehme bzw. wie Sie sich gibt. Sie galt auch generell in der Einrichtung als sehr lieb, engagiert, ein "Vorzeigefall", so wie es laufen kann. So eine Person habe ich bisher unabhängig von der Erkrankung noch nicht kennengelernt. Letztlich ein Charakter, mit dem ich mir tatsächlich mehr vorstellen könnte - seit Langem mal wieder.
Zitat: Du weißt aber ja gar nicht, wie sie tatsächlich empfindet, du vermutest es nur.
Ja, aber es ist in diesem Fall schon sehr wahrscheinlich. Ich kann euch hier schlecht "zeigen" wie sie mir mit interagiert hat, aber ich glaube nicht, dass mich mein Gefühl da täuscht. Die Zeichen waren schon recht eindeutig.
Zitat: Sehe ich bisschen anders. Klar, du kennst ihre Biografie bereits, sie wiederum wüsste dann, dass du sie trotz allem willst. Zudem lernt sie doch deine Geschichte inklusive Schwächen eh irgendwann kennen.
Auch richtig. Ein schöner Perspektivwechsel. Trotzdem ist aufgrund der Professionellen - Klienten Beziehung per Definition immer ein gewisses Ungleichgewicht vordefiniert. Sicherlich auch gesellschaftlich bedingt. Sie braucht(e) Hilfe, wir sind die Behandler. Das impliziert automatisch ein gewisses Ungleichgewicht. Das Wort "Macht" finde ich in diesem Zusammenhang wie schon beschrieben eh ungünstig. Es sind einfach unterschiedliche Lebenswelten, Ausgangspunkte, die an einem sehr ungleichen Fundament ansetzen.
Zitat: Nun hast du einige Möglichkeiten: Sie vergessen, (ein Jahr) abwarten, die Einrichtung wechseln …
Richtig. Nun die Frage an dich: Wenn du dich versuchst, in die Situation hineinzuversetzen.... was natürlich nur bedingt möglich ist. Was würdest du tun?
@felicitas2023:
Ja, die Story ist an sich nicht übel.
😄 Aber wie gesagt, der Leidensdruck ist durchaus hoch. Höher als gedacht. Diese pauschale "Unmöglichkeit", trotz vermeintlichem Willen von beiden Seiten ist übel. Ich hatte schon öfters Themen, in denen ich aufgrund von Trennungen oder Ähnlichem Leidensdruck hatte. Hier ist das trotzdem anders. Man fühlt sich machtlos, weil es schlicht ein Dilemma ist, welches keine wirklich befriedigende Lösung aufzeigt.
Ich danke dir (und auch allen anderen) trotzdem für die Ermutigung, dass das bisher die richtige Entscheidung war. Damit kämpfe ich noch immer sehr - das Hinterfragen, was wäre wenn ich einen Zettel mit der Nummer zugesteckt hätte, etc.
Aus neutraler Position zu hören, dass das so gut war, hilft ungemein. Ich werde es rankommen lassen müssen. Und vermutlich hast du auch Recht, dass sich irgendwann alles im Sande verläuft. Aktuell finde ich das zwar furchtbar, aber ich weiß auch, dass die Zeit einiges ändert.