Ihr Lieben, es ist hier ein wenig ins Off-Topic geraten, aber ich möchte gerne noch auf ein paar Dinge eingehen.
Ich bin ein sehr nachdenklicher, reflektierter und auch selbstkritischer Mensch. Vielleicht manchmal auch zu selbstkritisch, zu hart zu mir. Ich suche die Schuld immer erst bei mir, bevor ich auf andere zeige. So ähnlich war es auch die letzten sechs Monate seit der Trennung. Ich sah schnell, was ich falsch gemacht hatte, wo ich versagt hatte. Aber mit der Zeit erkannte ich dann auch, dass der Anteil meiner Noch-Frau nicht gering war.
Mir ist klar und bewusst, dass ich sie vernachlässigt hatte. Ich dachte immer, ich mache doch alles, kümmere mich um alles, unterstütze sie. Aber es war vermutlich zu wenig. Über zu lange Zeit. Ich habe "gelernt", dass es für Frauen schon ein Problem ist, wenn man sagt "ich helfe dir", denn das suggeriert offenbar, dass gewisse Themen "Aufgabe" der Frau sei, man aber die Einstellung an den Tag bringen muss, dass es gemeinsame Aufgaben sind. Ich erwähne das, weil ich inzwischen das Gefühl bekommen habe - nicht nur durch das Forum hier, sondern auch durch zu viele Instagram-Reels vermeintlicher starker Frauen, die ihre Trennung als Lifestyle-Produkt verkaufen - dass man als Mann eigentlich nichts mehr richtig machen kann. Just saying. Aber in unserem Fall habe ich vermutlich wirklich zu wenig gemacht. Mein Schwerpunkt lag darin, unseren Lebensstandard zu sichern, mich um das Haus und alles organisatorische Drumherum zu kümmern. Das Haus, die Finanzen, die Verträge, die Technik, den Haushalt, den vollen Kühlschrank, die Urlaubsplanung... lauter solche Geschichte. Dass meine Frau mit den Kindern völlig überfordert war sah und wusste ich, doch ich glaubte, dass ich hier eigentlich ebenfalls viel leiste. Ich muss gestehen, heute sehe ich das anders - es war zu wenig.
Ich erkenne auch an, dass ich meiner Frau die letzten Jahre zu wenig Liebe gegeben habe. Die Liebe war aber da, sie war groß. Ich konnte es nur nicht so zeigen, da sie zum einen durch den Kinderstress kaum empfänglich erschien und ich selbst in tiefen mentalen Problemen steckte. Ich wünschte mir in diesem Zeitraum eigentlich, dass sie für mich da wäre. Mich emotional unterstützte. Aber das kam nie. Gab ich meiner Frau Liebe, Nähe oder Zeichen der Verbundenheit, kam kaum etwas zurück. Dies verletzte mich, ich kam mit ihrer Zurückweisung nicht klar. Und reagierte selbst mit Zurückweisung. Ich zog mich dann zurück, beachtete sie eine Zeitlang weniger. Ich suchte auch kaum das Gespräch, da ich ihre Antworten schon kannte. Ich glaube nicht, dass sie in dieser Phase bereits mich nicht mehr wollte, aber die Erschöpfung mit den Kindern war wohlmöglich der auslösende Punkt für die immer weiter voranschreitende Entfremdung.
Ich hätte mehr kommunizieren sollen, sie mehr entlasten - so wie ich es seit der Trennung getan habe. Ich hätte mich mehr um sie kümmern sollen, als es ihr nicht gut ging, obwohl es mir selbst schlecht ging und ich mich alleine fühlte.
Aber. Und das ist die andere Seite. Meine Frau hat mir in 12 Jahren so gut wie nie gesagt, dass sie mich liebt. Tatsächlich war es so, dass wenn es in all den vielen Jahren mal "Spannungen" zwischen uns gab, sie daran erinnert habe, wann sie mir dies eigentlich zum letzten Mal gesagt hätte. Geändert hat sich dadurch nie etwas. Sie fühlte sich nicht von mir gesehen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal etwas "liebes" zu mir gesagt hätte. Ein Zeichen der Liebe, ein Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung. Mir war das bewusst, aber meinem Unterbewusstsein noch viel mehr.
Ich glaube schon, dass meine Frau mich geliebt hat. Aber paradoxerweise hat sie alles, was sie bei mir vermisst hat, mir auch nicht gegeben. Und wenn ich ganz ehrlich bin... bei ihr hat dies bereits viel früher begonnen als bei mir. Wir hatten bereits 2019 eine kleinere Krise, bei der wir viel geredet haben und ich Unzufriedenheit äußerte. Damals hatten wir noch keine Kinder und ich "drohte" auch, dass ich sie verlassen würde, wenn sich nichts ändert. Vermutlich gehört es zur Wahrheit, dass sich dieses Thema auflöste, als ein Jahr später unsere Tochter auf die Welt kam. Wer weiß... vielleicht hätte ich sie wirklich irgendwann verlassen, wäre dies nicht "passiert". Ich werde es nie erfahren.
Ich glaube ebenfalls, dass meine Frau beziehungsfähig ist. Sie war immer in Beziehungen, immer langfristig. Sie war nie ein Party-Girl, hüpfte nie von Bett zu Bett, im Gegenteil. Aber sie rutschte immer in Abhängigkeiten. Habe ich sie klein gehalten? Wenn es so gewesen sein sollte, dann nie bewusst oder aus Absicht. Ich wollte eigentlich immer eine starke Frau auf Augenhöhe haben. Dies war bei meiner Frau nicht der Fall und trotzdem habe ich sie sehr geliebt. Ich habe sie vergöttert, war immer stolz auf sie. Trotz dessen, dass mir vieles fehlte. Vielleicht weil ich immer wusste, dass das Potenzial in ihr schlummert und wir es eines Tages fördern wollten. Ich habe geglaubt, dass vieles noch vor uns liegen würde und vielleicht deshalb auch meine Ehe aus dem Fokus verloren. Weil ich dachte, es ist noch Zeit.
Ich kann meine Fehler aus der Vergangenheit nicht korrigieren. Ich habe meiner Frau versucht sehr authentisch zu verstehen zu geben, dass ich sie jedoch erkannt habe und für mich selbst ein besserer Mensch werden möchte. Ein besserer Mensch, ein besserer Vater und ein besserer Partner. Ich bin überzeugt, dass ich meiner Frau heute alles geben könnte und gerne geben würde, was sie von mir braucht. Doch für sie kommt das alles zu spät und vielleicht soll es einfach so sein. Vielleicht könnte sie mir nie das geben, was ich bräuchte.
Es ist traurig und schade, dass wir das nicht hinbekommen habe. Und ja, ich sagte, es sei etwas banales - damit wurde ich jedoch missverstanden, denn ich finde das Kommunikation durchaus etwas banales ist. Jeder sollte in der Lage sein, zu sagen, was er denkt und fühlt. Das konnte ich jedoch nur begrenzt, meine Frau gar nicht. Daran ist es letztendlich gescheitert. Nicht nur alleine daran, aber zum Großteil. Denn alles hat irgendwo seine Ursachen. Ich habe erst nach 10 Jahren erfahren, wie groß das Leid meiner Frau in ihrer Kindheit wirklich war. Vorher wusste ich nicht viel, sie wollte mit mir darüber nicht reden. Aber genau da liegen die Ursachen für vieles: Ihr Bindungsproblem, ihre emotionale Abhängigkeit, ihre Muster, ihr Schweigen, ihre Sehnsüchte und ihr Wunsch nach vielem, was aus ihr selbst kommen müsstet statt von Außen.
Und trotzdem... weil ich auch meine Muster habe, denke ich noch viel zu oft, dass ich versagt habe. Mehr für sie hätte da sein müssen, sie mehr fördern und unterstützen, sich vielleicht zu öffnen. Aber eine Stimme in mir sagt genauso, dass das vermutlich auch nicht gereicht hätte.
Es ist brutal, mit einem Menschen zusammen zu leben, der für einen emotional nichts mehr fühlt. Ich gehe jeden Tag durch die Hölle. Es wundert mich selbst, dass ich das alles noch schaffe, mit erhobenem Kopf jeden Tag zu überstehen. Aber das ist auch das, was ich in diesem Jahr wiedererlangt habe: Emotionale Stabilität und Stärke. Wir unternehmen seit Ende April nichts mehr zusammen als Familie. Meine Kinde sind jeden Tag mit ihrer Mutter, Tante und Onkel im Schwimmbad und ich bin kein Teil mehr davon. Mit mir wollen die Kinder nicht wirklich oft mitkommen. Es ist hart, von heute auf Morgen so ausgegrenzt zu werden. Ich fühle mich sehr einsam, obwohl ich vollen Fokus auf mich setze, mein Leben fortsetze und Menschen um mich herum habe, die zu mir stehen.
Ich weiß nicht, was noch alles kommen wird. Meine Noch-Frau will keinen Rosenkrieg, doch ihr anwaltliches Vorgehen steht dazu in krassem Widerspruch. Ich kenne sie, ich weiß, dass sie hier stark von ihrer Schwester beeinflusst wird, aber ich muss sie an ihren Taten messen. Das macht es zusätzlich hart. Jemand schrieb, dass ich vielleicht irgendwann als alleinerziehender Vater "enden" könnte... und ja... ausgeschlossen ist es nicht. Ich habe Gründe zu denken, dass dies passieren könnte. Aber dann ist es so, ich werde für meine Kinder immer da sein.
Abschließend... ich bin ein Gefühlsmensch. Ich weiß, dass ich alleine für den Zusammenbruch unserer Ehe nicht verantwortlich bin. Dafür gibt es einfach zu viele rationale Gründe. Und doch fühle ich diese endlose Schuld. Warum habe ich es nicht klarer kommen sehen? Warum habe ich zu wenig gemacht? Was habe ich dieses und jenes nicht...? Es ist kein schönes Gefühl.