@Maximus111
Deine Beiträge erinnern mich sehr stark an die Art und Weise wie ich früher an Dinge heran gegangen bin. Die Reflexion ist sehr gut, das Selbstmitleid das durchschimmert aber nicht denn das ist in meinen Augen die eigentliche Herausforderung. Du bist auf der einen Seite sehr reflektiert, hat aber auf der anderen nicht kommunizierte Erwartungen (später mehr inkl. Beispiel). Das erinnert mich an das Buch "Nie mehr Mr. Nice Guy". Nice Guys sind nicht nett. Nice Guys kommunizieren nicht gerade heraus sondern lassen sich Schlupflöcher offen um im Zweifel zurückrudern zu können. ICH war ein Nice Guy und habe durch das Buch (und andere Bücher) viel über mich erfahren und vor allem wie wichtig die richtige Kommunikation ist.
Zitat von Maximus111: Mir ist klar und bewusst, dass ich sie vernachlässigt hatte. Ich dachte immer, ich mache doch alles, kümmere mich um alles, unterstütze sie. Aber es war vermutlich zu wenig. Über zu lange Zeit. Ich habe "gelernt", dass es für Frauen schon ein Problem ist, wenn man sagt "ich helfe dir", denn das suggeriert offenbar, dass gewisse Themen "Aufgabe" der Frau sei, man aber die Einstellung an den Tag bringen muss, dass es gemeinsame Aufgaben sind. Ich erwähne das, weil ich inzwischen das Gefühl bekommen habe - nicht nur durch das Forum hier, sondern auch durch zu viele Instagram-Reels vermeintlicher starker Frauen, die ihre Trennung als Lifestyle-Produkt verkaufen - dass man als Mann eigentlich nichts mehr richtig machen kann. Just saying. Aber in unserem Fall habe ich vermutlich wirklich zu wenig gemacht. Mein Schwerpunkt lag darin, unseren Lebensstandard zu sichern, mich um das Haus und alles organisatorische Drumherum zu kümmern. Das Haus, die Finanzen, die Verträge, die Technik, den Haushalt, den vollen Kühlschrank, die Urlaubsplanung... lauter solche Geschichte. Dass meine Frau mit den Kindern völlig überfordert war sah und wusste ich, doch ich glaubte, dass ich hier eigentlich ebenfalls viel leiste. Ich muss gestehen, heute sehe ich das anders - es war zu wenig.
Das sind immer die zwei seite... Sender umd Empfänger. Du kannst dich noch so sehr bemühen, es wird Situationen geben wo dein gegenüber einfach alles anders versteht. Das liegt daran das wir unterschiedliche Hintergründe, Sichtweisen und Gefühle haben. Stell dir vor du malst eine riesengrosse 6 auf den Boden und zwei personen stehen auf gegenüberliegenden Seite. Die eine Person wird eine 6 sehen während die andere eine 9 sieht (ja, man könnte das verdeutlichen mit einem Punkt etc. aber in dem beispiel geht es um was anderes). Wenn beide nun miteinander reden, redet die eine Person von einer 6 und die andere redet von einer 9. Keiner von beiden hat unrecht aber wahrscheinlich werden sie sich nicht einig.
Zitat von Maximus111: Aber. Und das ist die andere Seite. Meine Frau hat mir in 12 Jahren so gut wie nie gesagt, dass sie mich liebt. Tatsächlich war es so, dass wenn es in all den vielen Jahren mal "Spannungen" zwischen uns gab, sie daran erinnert habe, wann sie mir dies eigentlich zum letzten Mal gesagt hätte. Geändert hat sich dadurch nie etwas. Sie fühlte sich nicht von mir gesehen, aber ich kann mich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal etwas "liebes" zu mir gesagt hätte. Ein Zeichen der Liebe, ein Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung. Mir war das bewusst, aber meinem Unterbewusstsein noch viel mehr.
Du schreibst das du ihr "gesagt" (also quasi vorgeworfen) hast das sie nicht sagt das sie dich lieben würde. Im nächsten Absatz nach dem zitieren hast du gesagt das du es aber wahrgenommen hast. Stichwort verbale vs. nonverbale Kommunikation. Unterm Strich offenbart das in meinen Augen eine Unsicherheit in dir für die du eine (verbale) Bestätigung von außen brauchst. Das wäre dann auch gerne mal im "ängstichen" Bindungsstil mit integriert. Bei mir war es zumindest so ich empfinde da viele paralallen.
Zitat von Maximus111: Ich glaube ebenfalls, dass meine Frau beziehungsfähig ist. Sie war immer in Beziehungen, immer langfristig. Sie war nie ein Party-Girl, hüpfte nie von Bett zu Bett, im Gegenteil. Aber sie rutschte immer in Abhängigkeiten. Habe ich sie klein gehalten? Wenn es so gewesen sein sollte, dann nie bewusst oder aus Absicht. Ich wollte eigentlich immer eine starke Frau auf Augenhöhe haben. Dies war bei meiner Frau nicht der Fall und trotzdem habe ich sie sehr geliebt. Ich habe sie vergöttert, war immer stolz auf sie. Trotz dessen, dass mir vieles fehlte. Vielleicht weil ich immer wusste, dass das Potenzial in ihr schlummert und wir es eines Tages fördern wollten. Ich habe geglaubt, dass vieles noch vor uns liegen würde und vielleicht deshalb auch meine Ehe aus dem Fokus verloren. Weil ich dachte, es ist noch Zeit.
Auch das ist sehr ähnlich bei mir. Ich versuche immer meinen Freunden und Partnerinnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen ohne auf jemanden angewiesen zu sein. Oft habe ich versucht zu unterstützen und mir eingebildet das ich damit helfe aber letztenendes habe ich ihr einfach sehr viel abgenommen. Es gibt manchmal menschen die das gar nicht möchten. Diese Menschen haben ein anderes Lebensmodell und man muss dieses Menschen ermöglichen ihre eigenen Erfahrungen zu machen.
Zitat von Maximus111: Und ja, ich sagte, es sei etwas banales - damit wurde ich jedoch missverstanden, denn ich finde das Kommunikation durchaus etwas banales ist. Jeder sollte in der Lage sein, zu sagen, was er denkt und fühlt. Das konnte ich jedoch nur begrenzt, meine Frau gar nicht. Daran ist es letztendlich gescheitert. Nicht nur alleine daran, aber zum Großteil.
Kommunikation, gerade zwischen den Geschlechtern aber auch zwischen unterschiedlichen Menschen allgemein, ist das schwierigste überhaupt. Ich bin jetzt 49 Jahre alt und jeder verdammte Moment meines Lebens hat dazu geführt das ich heute genau dieser Mensch bin der ich nunmal bin. Das macht mich einzigartig und wenn nur ein Erlebnis anders gewesen wäre könnte ich auch anders sein... ich sag nur Butterfly effekt.... (gute Film btw...)
Zitat von Maximus111: Abschließend... ich bin ein Gefühlsmensch. Ich weiß, dass ich alleine für den Zusammenbruch unserer Ehe nicht verantwortlich bin. Dafür gibt es einfach zu viele rationale Gründe. Und doch fühle ich diese endlose Schuld. Warum habe ich es nicht klarer kommen sehen? Warum habe ich zu wenig gemacht? Was habe ich dieses und jenes nicht...? Es ist kein schönes Gefühl.
Niemand ist alleine verantwortlich. In der Regel sind es immer beide die mit ihren jeweiligen Anteilen beitragen. Diese Scham die du beschreibst, habe ich auch durchlebt.... und irgendwann erkannt dass das ziemlich arrogant ist. Ich war nicht alleine für die Ehe / Beziehung zuständig. Wenn man glaubt das man selbst alles in die Hand nehmen könnte, dann ist das fast schon übergriffig. Es grenzt an ein narzistisches Spektrum wen man(n) glaubt das man selbst alles alleine lösen könnte.
Schau bitte mal welche Themen bei dir noch aus der Kindheit übrig sind und sich gerade in die Bemerkbar machen. Ich will dir hier nicht die pauschale "Schuld" zuweisen, nur die Augen öffnen weil ich das alles schon durch habe...
Buchtipps die MIR geholfen haben (und die ich hier immer und immer wieder raushaue....)
Männerseelen (wie männer mit gefühlen umgehen bzw. wie diese zwischen den Geschlechtern aufgenommen werden),
Nie mehr Mr. Nice Guy (Klare kommunikation, verantwortung für die eigenen Bedürfnisse übernehmen)
Der ungezähmte Mann (schwierig zu beschrieben, sehr gläubig aber tolle ideen auf der Metaebene)