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Gehe ich auf Distanz?

Matscho
Ich habe so langsam das Gefühl, dass die Eltern ein Problem damit haben, ihr einziges Kind „abzugeben“. Ihr Vater hat mir mal gesagt, dass er sehr froh ist, dass ich derjenige bin und er bei mir ein gutes Gefühl hat. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass es ihn irgendwo stört, dass seine Tochter jetzt woanders lebt, auch wenn sie regelmäßig zu Hause ist.
Dazu kommt, dass sie und ihre Mutter eine ziemlich enge, vielleicht sogar zu enge Bindung haben. Ich übertreibe wirklich nicht, wenn ich sage, dass die beiden gefühlt die ganze Zeit hin und her schreiben.
Zu Hause ist sie halt die Prinzessin, der es an nichts fehlt. Und wenn die Eltern mal nicht da sind, liegt zur Not die Kreditkarte bereit.
Nach ihrem „wenn es sein muss“ habe ich damals darauf bestanden, dass wir mit dem Zug anreisen. Ich bin selbst in einem privilegierteren Haushalt groß geworden, aber für mich bedeutet das trotzdem nicht, dass man das Geld einfach zum Fenster rauswirft. Wobei sie das grundsätzlich auch nicht macht.
Wenn wir Meinungsverschiedenheiten haben, reden wir ganz ruhig darüber. Ich bin geduldig und halte überhaupt nichts von Schreien oder irgendwelchem „Temperament“. Mit Gelassenheit und Vernunft erreicht man meiner Meinung nach einfach mehr.
Irgendwann hatten wir auch mal das Thema mit ihren Freundinnen. Ihre Freundinnen aus dem Studium treffen sich noch regelmäßig, allerdings ohne sie. Sie sagt, dass die mit ihrer Art nicht klarkommen. Mag sein, aber ich frage mich schon, warum sie sich dann ohne sie treffen und warum aus der Schulzeit scheinbar gar nichts mehr übrig geblieben ist. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich auch da irgendwo in der Mitte.
Rückblickend ist aber auch das Thema Selbstständigkeit erwähnenswert. Eigentlich waren solche Dinge für mich bis jetzt nie wirklich ein Thema, aber sie kann zum Beispiel überhaupt keine Wäsche waschen. Ich finde das jetzt auch nicht dramatisch, dann mache ich das eben. Ich bin schließlich früh ausgezogen und musste schon früh auf eigenen Beinen stehen. Und wie gesagt: Ich mache solche Dinge auch gerne. Trotzdem bleibt am Ende das meiste an mir hängen.
Wir suchen nebenbei gerade nach einer größeren Wohnung oder vielleicht sogar nach einem Haus, aber auch das fällt größtenteils auf mich. Sie hat momentan noch Semesterferien, aber gerade in diese Richtung kam von ihr bisher nicht wirklich viel.
Bis gestern habe ich mir darüber ehrlich gesagt gar nicht so intensiv Gedanken gemacht. Aber seitdem ich das alles mal ein bisschen zusammennehme, sehe ich das Ganze irgendwie noch deutlicher. Und ich könnte wahrscheinlich noch einige weitere Beispiele nennen.

• #31


DieSeherin
Zitat von Matscho:
Ich bin seit längerem eigentlich glücklich in einer Beziehung


seit längerem? eineinhalb jahre ungefähr, oder?

ich finde es auf der einen seite ja ganz normal, dass diese erste superverliebtheit irgendwann mal einem neuen gefühl weicht und genau da wird es ja dann spannend, ob daraus eine stabile liebe geworden ist, die tragfährig für eine gemeinsame zukunft sein könnte, oder eben nicht.

bei dem, was du über euch erzählst, bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob ihr am gleichen punkt des erwachsen-seins steht, ob ihr wirklich jetzt schon zusammenziehen solltet und ob wirklich schon klar ist, dass es eine gemeinsame zukunft gibt.

es könnte sinnvoll sein, wenn du ihr mal das kommunizierst, was da gerade in dir vorgeht (kann man ja durchaus auch behutsam tun), was du vermisst, was du dir erhoffst... und dann schaust, wie sie damit umgehen kann und will!?

und lasst euch mit dem zusammenziehen bitte noch etwas zeit.

• x 1 #32


A


Gehe ich auf Distanz?

x 3


Matscho
Hallo DieSeherin,

nee, tatsächlich schon etwas länger. 😄 „Dummerweise“ wohnen wir ja zusammen. Im Grunde hat sich aber gar nicht so viel verändert, außer dass sie jetzt ein bis zwei Tage die Woche öfter hier ist. Durch Studium und Arbeit pendelt sie allerdings immer wieder hin und her.
Die Zugfahrt ist übrigens komischerweise überhaupt kein Problem für sie – mit dem Auto möchte sie nicht fahren.

• #33


DieSeherin
Zitat von Matscho:
„Dummerweise“ wohnen wir ja zusammen


ich hatte es eher so verstanden, dass es deine wohnung ist, sie aber immer mehr und mehr bei dir ist?

• #34


Matscho
Ja, es ist so gesehen meine Wohnung, aber sie ist eingezogen und für mich ist es mittlerweile einfach unsere Wohnung. Sie hat ihre Sachen mitgebracht, fühlt sich hier wohl und wir teilen uns auch die Miete usw. Ich sehe es deshalb auch so, dass wir beide die gleichen Rechte und Pflichten haben.
Ich denke, dass das eigentlich ganz gut klappt. Wie gesagt, die Wäsche mache meistens ich, dafür schwingt sie auch mal den Besen oder übernimmt andere Sachen. Aber ich sehe das wirklich nicht mehr als „meine“ Wohnung. Das kann ich so sagen. Ihre persönliche Note ist hier mittlerweile auch drin und sie hat für Studium und Arbeit ihre eigene kleine Arbeitsecke.
Trotzdem muss ich sagen: Zwei Zimmer sind auf Dauer einfach zu klein.

• x 1 #35


Brennessl
Zitat von Matscho:
Rückblickend ist aber auch das Thema Selbstständigkeit erwähnenswert. Eigentlich waren solche Dinge für mich bis jetzt nie wirklich ein Thema, aber sie kann zum Beispiel überhaupt keine Wäsche waschen. Ich finde das jetzt auch nicht dramatisch, dann mache ich das eben.

wie man sich bettet so liegt man.

ich meine das nicht böse, aber wenn du ihr diese dinge immer abnimmst, wird sie nie lernen eigenständig zu sein.

ganz ehrlich, du machst das gleiche wie ihre eltern, du lässt zu, dass man ihr den allerwertesten nachträgt.

das ist für sie ebenso wenig gut wie für dich.

Zitat von Matscho:
Wir suchen nebenbei gerade nach einer größeren Wohnung oder vielleicht sogar nach einem Haus, aber auch das fällt größtenteils auf mich.


dann sag ihr, dass du dir wüscht sie würde sich mitengagieren.

• x 2 #36


Matscho
Ich muss die Fehler natürlich auch bei mir suchen. Ich lasse das ja irgendwo selbst zu. Oft denke ich mir einfach: „Gut, wenn ich das jetzt schnell erledige, dann passt das schon.“ Aber gerade in den letzten Stunden wird mir auch zunehmend klar, dass ihre Eltern viel zu stark in unseren Alltag involviert sind.

Dinge, die ich vorher so gar nicht wahrgenommen oder vielleicht auch einfach ausgeblendet habe, werden mir jetzt immer klarer.

• x 2 #37


FoolishHeart
Zitat von Matscho:
Ich lasse das ja irgendwo selbst zu. Oft denke ich mir einfach: „Gut, wenn ich das jetzt schnell erledige, dann passt das schon.“

Erinnert mich ein bißchen an meine BW-Zeit als frischer Uffz. Mein Vorgesetzter musste mir auch erst klar machen, dass ich als Vorgesetzter Arbeit delegieren muss. Das ist der Sinn von Teamwork und Arbeitsteilung...

• x 2 #38


Brennessl
Zitat von Matscho:
Ich muss die Fehler natürlich auch bei mir suchen.


dein "fehler", wenn du das so bezeichnen magst ist, dass du nicht zu deinen bedürfnissen stehst. dass du nicht sagst was du möchtest und gerne ändern würdest. oder zumindest nicht vehement genug.

deine freundin wähnt sich wahrscheinlich in sicherheit, dass bei euch alles ok ist, während in dir der unmut brodelt und stärker wird. auch nicht fair, wenn man ehrlich zu sich sein will.

es ist die basis der beziehung, dass man zu sich und seinen wünschen steht und nicht darüber hinweg sieht.

das musst du meiner meinung lernen.

• x 4 #39


Liv225
Ich denke, wenn Du jetzt mehr reflektierst und ihr beide ein gutes Gespräch führen könnt, kann das schon gut werden. Das müsst ihr beide wollen und auch umsetzten.
Ich würde es nur nicht so „weiterlaufen“ lassen.

• x 2 #40


Matscho
Mein Problem ist, dass ich das merke, je mehr ich mich selbst reflektiere: Auf der Arbeit kann ich Gespräche führen, meine Meinung vertreten und mich auch durchsetzen. Bei Menschen, die mir wirklich nahestehen, neige ich dagegen dazu, für den Frieden lieber nachzugeben oder vieles einfach „runterzuschlucken“, damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt.
Ich bin mittlerweile aber an einem Punkt angekommen, an dem mich die angesprochenen Dinge tatsächlich stören. Aus ihrer Sicht sind das natürlich selbstverständliche Dinge und wahrscheinlich nimmt sie vieles deshalb auch gar nicht so bewusst wahr. Wie gesagt, zuhause ist sie schon sehr daran gewöhnt, dass sie vieles bekommt, was sie möchte. Ich glaube, sie erwartet dadurch vielleicht auch von mir, dass ich diesen Komfort einfach weiterführe – und ich habe das bisher ja auch zugelassen.
Dabei erwarte ich wirklich keine große Laudatio oder einen 100-seitigen Dankesbrief. Ein einfaches „Cool, danke“ oder irgendeine kleine Wertschätzung würde mir schon reichen. Ich glaube einfach, dass wir beide Mitte 20 sind und uns beide – nicht nur ich – in gewissen Punkten weiterentwickeln sollten.
Was ihre Eltern angeht, habe ich schon das Gefühl, dass sie grundsätzlich kompromissbereit sind. Gleichzeitig sind sie über wirklich jeden kleinen Schritt informiert. Selbst in Amerika hat ihre Mutter ja irgendwann gesagt: „Jetzt pack dein Handy weg und genieß Las Vegas!“ 😄
Deshalb frage ich mich schon, wie es bei ihr selbst mit diesem Thema aussieht. Ich übertreibe auch nicht, wenn ich sage, dass sie neben mir eigentlich nur ihre Eltern wirklich eng hat. Ihre „Freundinnen“ treffen sich regelmäßig ohne sie, und sie ist einfach ein etwas spezieller Typ – was ich überhaupt nicht negativ meine, weil ich wahrscheinlich selbst nicht unbedingt der normalste Mensch bin. 😄 Sie hat Interessen, die vielleicht nicht unbedingt typisch für Frauen sind, aber genau das finde ich ja auch völlig in Ordnung.
Mir geht es deshalb gar nicht darum, sie oder ihre Art zu verändern. Ich glaube nur, dass wir beide schauen müssen, wo wir vielleicht ein bisschen aus unseren gewohnten Mustern rauskommen und uns gegenseitig auch entgegenkommen.

• x 1 #41


DieSeherin
Zitat von Matscho:
Ich glaube nur, dass wir beide schauen müssen, wo wir vielleicht ein bisschen aus unseren gewohnten Mustern rauskommen und uns gegenseitig auch entgegenkommen


und das geht nur über offene kommunikation! bei meinem mann und mir gibt es auch immer mal wieder sachen, die uns nerven - aber dann sage ich "ey, mich nervt, dass du die zahnpastatube immer offen rumliegen lässt!" (fiktives beispiel 😁 ) und er sagt mir "ey, mich nervt es, dass du immer meinen rasierer benutzt!"

wichtig ist, dass man anfangs klärt, dass man ein bestimmtes tun (oder unterlassen) des anderen kritisiert, aber nicht ihn selber!

• #42


Brennessl
Zitat von Matscho:
Bei Menschen, die mir wirklich nahestehen, neige ich dagegen dazu, für den Frieden lieber nachzugeben oder vieles einfach „runterzuschlucken“, damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt.



wer "um des lieben friedens willen" die eigenen bedürfnisse nicht respektiert und unterdrückt, wird mehr und mehr unzufrieden und früher oder später auch den respekt des partners verlieren. ergo: es bringt keinen frieden.

diese lebensweise ist total kontraproduktiv. du lebst nicht authentisch, kein wunder, dass es dir nicht gut geht.


frag dich mal warum du so agierst und welche ängste dahinter stecken.

• x 2 #43


OxfordGirl
Zitat von Matscho:
Bei Rückfällen bekomme ich teilweise ihre komplette Wut ab. Ich fange sie gerne auf und bin für sie da, aber irgendwann ist das auch für mich belastend.
Für sie verzichte ich sogar komplett auf Alk., damit ich sie damit nicht trigger. Ich denke, jetzt wissen auch die letzten, was ich mit dem „Rucksack“ meine.

Wie stark ist diese Sucht ausgeprägt? Alk. ziehen sich über die Jahre nicht nur selbst in den Abgrund, sie reissen ihre Angehörigen zwangsläufig mit. Deine Freundin ist nicht zu beneiden. Sie wird, vermutlich solange ihre Eltern leben, eine tragende Rolle in dieser Familie spielen. Wenn du magst, lese dich ein wenig in das Thema ein. Das ist keine Kleinigkeit! Es wird Auswirkungen auf dich und eure Beziehung haben. Als Partner wirst du das zwangsläufig mittragen ( können/wollen) müssen.

• x 1 #44


Y
Zitat von Matscho:
mittlerweile manchmal froh bin, wenn sie weg ist. Ich habe auch gerade nicht wirklich das Bedürfnis, mit ihr zu schreiben oder zu telefonieren, wenn sie mal bei ihren Eltern ist.


Zitat von Matscho:
Und genau das macht mir Sorgen, weil das für mich irgendwie untypisches Verhalten ist.


Zitat von Matscho:
Ich hab ehrlich gesagt etwas Angst, das auszusprechen, aber distanziere ich mich gerade von ihr?

Hallo lieber Matscho,

Das was du schreibst, finde ich klingt ziemlich normal. Es macht dir Sorgen, dass sie keine Freunde hat.
und das ist ein Problem.
denn gerade in der Anfangszeit braucht man niemand anderen. Doch wenn man sich länger kennt, kann man nicht mehr alles erfüllen und möchte es auch nicht mehr.
Menschen sind komplexe Wesen, wir wachsen und entwickeln uns auch im Kontakt mit anderen Menschen, die nicht unsere Partner sind.
Wenn du der einzige Ansprechpartner bist, hast du eine hohe Verantwortung und das kann belastend sein, zu wissen, dass man dann für alles herhalten muss, was an Entwicklungen noch stattfinden soll.
Du merkst jetzt, dass ihr zu viel ins Symbiose geht.
Ich finde deine Anmerkung sehr gesund.
Du solltest deiner Freundin deine Gedanken unbedingt mitteilen.
denn wenn sie nicht auch etwas anderes als dich als Lebensmittelpunkt hat, dann könnte es passieren, dass du dich zwangsläufig distanzierst, weil du emotional überlastet bist.
Ich kann dir für dein Leben nur raten, sehr gut auf eine Ballons zu achten zwischen der eigenen Partnerschaft, die immer die höchste Priorität haben sollte aber auch dem Ausgleich durch Freunde und Bekannte. Das sind die Beziehungen, die uns rund machen. Wir erhalten Energie von Ihnen, im besten Fall positive Anregungen und können diese dann wieder mit in unsere Partnerschaft hinein nehmen.

Also, es ist sehr, sehr wichtig, dass jemand auch eigene Freundschaften bilden kann.
Ich würde gerade mit deiner Freundin in ein sehr sehr wohlwollendes Gespräch zu gehen. Denn vielleicht hat sie das Gefühl, dich absolut als Priorität sehen zu wollen und auch zu müssen, und dies gerne zu tun. Und vielleicht kannst du sie damit entlasten, dass du auch hier sagst, dass du etwas Freiraum für Freunde brauchst und ihr das gleiche auch zugestehen möchtest.
ohne dass d.h. dass du Energie von eurer Beziehung abziehen möchtest.
Ihr könnt also zum Beispiel schon ein bisschen eure Terminplanung durchgehen, wann ihr euch seht, und wann für jeden auch Zeit für Raum mit Freunden ist.

• #45


A


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