Jetzt, wo ich mir das alles noch einmal durchlese und mir natürlich Gedanken mache und nach möglichen Gründen suche, merke ich, dass ich einiges ungewollt unterschlagen habe, was meiner Meinung nach für die Gesamtbewertung mit einfließen sollte.
Eigentlich gibt es schon einige Dinge, die tief in mir drin sind und mich stören, die ich aber teilweise verdrängt oder einfach nicht so ernst genommen habe.
Ein Punkt ist zum Beispiel ihr Vater. Er hat ziemliche gesundheitliche Probleme, für die er zu einem gewissen Teil selbst verantwortlich ist. Die Familie hat wohl schon einiges versucht, um ihn auf den richtigen Weg zu bringen, was aber eher semi-gut funktioniert.
Ich habe allerdings zunehmend das Gefühl, dass sie versucht, mir diesen „Rucksack“ mit aufzusetzen. Dass ich davon nicht unbedingt begeistert bin, versteht sich vermutlich von selbst. Ich möchte für meine Partnerin da sein und sie unterstützen, aber ich sehe nicht ein, Verantwortung für Probleme zu übernehmen, die ich auch nicht lösen kann.
Des Weiteren empfinde ich sie generell als ziemlich negativ. Ich habe oft das Gefühl, dass sie bei anderen Menschen zuerst nach dem Negativen sucht, während sie bei sich selbst eher das Positive sieht. Das ist natürlich meine subjektive Wahrnehmung, aber es fällt mir mittlerweile immer wieder auf.
Ein gutes Beispiel ist das Thema Sport und Aussehen.
Ich war vor ihrer Vorgängerin sportlich und schlank. Während meiner letzten Beziehung habe ich das irgendwann vernachlässigt und bin gemütlicher geworden. Seit Anfang des Jahres bin ich aber wieder dabei, sportlich der Alte zu werden, und merke tatsächlich auch unterwegs, dass ich von Frauen der Kategorie „A“ angeflirtet werde – die Kategorisierung bitte mit einem Augenzwinkern lesen.
Was mir dabei fehlt, ist von ihr eigentlich ein bisschen Anerkennung oder einfach ein warmes Wort. Stattdessen hinterfragt sie eher, wie ich das gemacht habe.
Dabei ist die Antwort eigentlich ziemlich simpel: Wir erledigen beide unseren eigenen Einkauf, und ich gehe entweder vor der Arbeit oder nach Feierabend zum Sport. Ich habe meine Ernährung und meinen Alltag entsprechend angepasst und ziehe das momentan einfach durch.
Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass sie selbst – wie sie es sagt – „das ein oder andere Kilo zu viel“ hat und „ungern auf ihre Limonade verzichtet“. Das sind ihre eigenen Worte. Ich möchte ihr daraus auch keinen Vorwurf machen. Jeder muss selbst wissen, wie er mit seinem Körper und seiner Ernährung umgehen möchte. Aber ich finde es trotzdem auffällig, dass mein positiver Wandel nicht einfach als solcher anerkannt wird, sondern eher hinterfragt wird.
Und dann ist da noch das Thema Wertschätzung.
Ich habe teilweise das Gefühl, dass mir diese fehlt. Ich bin ihr erster Freund und gebe mir wirklich Mühe, dass es ihr an nichts fehlt und dass sie merkt, dass sie mir wichtig ist.
Ich habe sie zum Beispiel mit Konzerttickets überrascht, die zu dem Zeitpunkt bereits ausverkauft waren. Ich habe mir also Gedanken gemacht, mich darum gekümmert und wollte ihr damit eine Freude machen. Ich bin mir sicher, dass sie sich darüber auch gefreut hat. Aber ein einfaches „Danke“ habe ich dafür nicht bekommen.
Und genau solche Kleinigkeiten summieren sich bei mir.
Es geht mir dabei nicht darum, ständig gelobt oder für jede Kleinigkeit gefeiert zu werden. Ich erwarte auch keine Gegenleistung für Dinge, die ich freiwillig für sie tue. Aber ein gewisses Maß an Dankbarkeit und Wertschätzung gehört für mich zu einer Beziehung dazu.
Stattdessen habe ich zunehmend das Gefühl, dass für sie vieles selbstverständlich ist.
Vielleicht hat sie das auch von zuhause so mitgenommen. Ihre Familie und sie sind finanziell etwas privilegierter aufgewachsen, und ich habe manchmal den Eindruck, dass sie unbewusst erwartet, dass ich diesen Lebensstandard beziehungsweise diese Art von Versorgung einfach fortführe.
Ich denke, mir wird wahrscheinlich noch mehr einfallen. Aber allein diese Punkte, die mir jetzt spontan wieder in den Sinn gekommen sind, zeigen mir schon, dass da offensichtlich mehr in mir arbeitet, als ich zunächst gedacht habe.