Frederik82
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Wir haben uns über Ihre Mutter kennengelernt. Sie hat einen Frisörsaloon im Heimatdorf meiner Eltern. Gefühlt bin ich da schon mein halbes Leben hingegangen. Anfang 2022 hat sich meine damalige Freundin (F) von mir, von heute auf morgen getrennt. Die Beziehung ging ca. 2,5 Jahre. Im Nachhinein gab es genug Anzeichen für eine Trennung, die ich aber nicht gesehen habe. Mir wurde komplett der Boden unter den Füßen weggezogen. Grundsätzlich ist hier zu sagen das ich diese Beziehung mit meinem Verhalten kaputt gemacht habe. Zu wenig Wertschätzung ihr entgegengebracht, zu wenig für die Beziehung getan, mich in der Beziehung ausgeruht usw. Das einzige was ich Ihr vorwerfen könnte war, dass Sie nie etwas angesprochen hat, wenn Sie was gestört hat. Sie hat es in sich hineingefressen, resigniert und dann Schluss gemacht. Ich habe diese Trennung nie richtig überwunden, ganz zu schweigen das ich Sie verarbeitet hätte.
Nicht lange nach dieser Trennung habe ich die Tochter (C) der Mutter mit dem Frisörsaloon kennengelernt. Sie war die letzten Jahre in Hamburg und ist dann wieder zu Ihren Eltern in ihr Heimatdorf zurückgekommen und hat dort bei Ihrer Mutter angefangen zu arbeiten.
Kurz zur Vergangenheit von C. Sie war in H. in einer langjährigen Beziehung und hat sich von Ihrem damaligen Freund getrennt. Gefühle waren noch vorhanden aber für Sie gab es keine Entwicklung in der Beziehung. Hinhalten mit zusammenziehen, Heirat usw. Die Wohnung von C und Ihrem Freund lagen direkt Tür an Tür im selben Haus. Die Trennung lief so semi gut ab. Ca. 3 Monate nach dieser Trennung hatte ihr Ex-Freund eine neue Freundin, die sofort bei ihm eingezogen ist. Etwas um das C. jahrelang gekämpft hatte. Sie musste nun das neue Glück der beiden jeden Tag miterleben. Zusätzlich war das die Corona Zeit was alles noch viel schlimmer für Sie gemacht hat. Sie hatte etwas später einen one-night Stand und wurde ungewollt schwanger und hat sich zu einer Abtreibung entschieden. Schlussendlich hat Sie die Entscheidung getroffen zurück in Ihre Heimat zu gehen.
Dort hat Sie angefangen Ihren Meister zu machen, da Sie den Frisörsaloon Ihrer Mutter übernehmen wollte. In Dieser Zeit war Sie in einer kurzen Beziehung mit jemanden den Sie schon länger kannte und bisher nur Freundschaft vorhanden war. Die Beziehung ging nach ein paar Monaten in die Brüche, da er Zuviel getrunken hatte und Ihr gegenüber aggressiv, ausfällig usw. wurde. Auch das war keine leichte Zeit für Sie.
Ein paar Monate später kommen wir jetzt zu dem Punkt an dem wir uns kennengelernt haben. Sie hat mir die Haare geschnitten und wir haben uns sofort gut verstanden, hatten unsere erstes Date und wurden ein Paar. Ich dachte das ich zu diesem Zeitpunkt die Beziehung mit F. überwunden hätten. Trotz der nur 3 Monate in denen ich alleine war. Das war leider ein Trugschluss. Je länger ich mit C ein Paar war, desto mehr hat sich die nicht überwundene Trennung von F in die Beziehung reingefressen. C hat es natürlich bemerkt und mir immer wieder Hilfestellung angeboten. Ich wollte und konnte das nicht richtig annehmen und dachte es wäre besser, wenn ich das mit mir selber ausmache.
Nach ganz kurzer Zeit wurde C. von mir ungewollt schwanger. Wir haben beide überlegt und die gemeinsame Entscheidung getroffen zur Abtreibung. Also man sieht diese Beziehung war von Anfang an nie richtig harmonisch. Immer überschattet von aktuellen Problemen oder Problemen aus der Vergangenheit.
Anfang 2024 haben wir uns eine gemeinsame Wohnung gesucht und tatsächlich eine absolute Traumwohnung gefunden. Ab hier ging es gefühlt nur noch Bergab. Die Streits und Meinungsverschiedenheiten die wir auch vor dem Zusammenziehen schon immer hatten wurden immer mehr und heftiger. Oft waren es banale Dinge. Da wir beide aber Stur sein können, haben sich solche Streits immer mehr hochgespielt. Meine Art mit sowas umzugehen ist Humor und Provokation. Das hat sie immer mehr aufgeregt und bis Sie sich nicht mehr helfen konnte und auf mich losgegangen ist. Versöhnt haben wir uns immer. Ich war ihr auch nie böse oder nachtragend. Für Sie war das aber immer ganz schlimm. Sie hat oft gesagt, dass ich das schlechteste aus ihr heraushole.
Sie hat immer in der Beziehung für Lösungen gekämpft. Mir Wege aufgezeigt damit es harmonischer wird. Ich habe das alles zwar zur Kenntnis genommen aber es mit einem Schulterzucken hingenommen und fast 1:1 mein Verhalten von meiner Ex-Beziehung zu F kopiert. C. habe ich oft emotional verhungern lassen und ihr sehr oft nicht das gegeben was sie sich von mir und einer Beziehung erhofft hat. Sie hat deutlich mehr in die Beziehung und in mich investiert wie ich in Sie und in die Beziehung. Nicht weil ich Sie nicht geliebt habe, sondern weil ich gefühlstechnisch teilweise wie gehemmt ihr gegenüber war. Ich habe grundsätzlich Probleme meiner Partnerin die Gefühle zu zeigen die ich für Sie empfinde.
Letztes Jahr hatte Sie erste Symptome von MS. Kribbeln, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen usw. Es folgten Arztbesuche, Krankenhausaufenthalt usw. Bis dahin gab es noch keine Diagnose von MS. Ihre Symptome haben sich größtenteils wieder zurückgebildet. Woher das alles gekommen ist war unklar. Evtl von einem heftigen Zeckenbiss der sich entzündet hatte im Sommer.
Schlussendlich hat Sie sich Anfang April von mir getrennt. Ein kleiner Streit der sich mal wieder hochgeschaukelt und völlig eskaliert ist ging dem davor. Ich selber habe noch das Wort Trennung ausgesprochen, weil ich gemerkt habe das halt irgendwas in der Beziehung nicht stimmt. Sie ist über die Nacht zu Ihren Eltern gefahren. Am nächsten Tag wiedergekommen und hat mir eröffnet das Sie nicht mehr will und Sie dachte das ich eh Schluss machen wollte. Wir haben lange geredet und sind zur Entscheidung gekommen erst mal räumliche Trennung. Sie zieht in eine kleine Wohnung von Ihrer Mutter und mit etwas Abstand fangen wir eine Paartherapie an. Wir hatten dann noch einen schönen Tag und eine schöne Nacht. Völlig harmonisch, wohl weil der Druck draußen war.
Wir hatten ausgemacht das wir uns in einer Woche wiedersehen, weil sie da einen Termin bei einer Gesprächstherapeutin in der Nähe von unserer Wohnung hat. Wir hatten in dieser Woche sporadisch guten Kontakt per Whats App oder per kleinen Briefchen in der gemeinsamen Wohnung. Das Wochenende vor unserem Treffen, dass montags stattfinden sollte war ganz schwer für mich. Deshalb habe ich sie 2-3-mal angeschrieben obwohl Sie ihre Ruhe wollte.
Als wir uns montags nach Ihrem Termin gesehen haben, war Sie wie ausgewechselt. Komplett kühl, distanziert. Zumindest am Anfang von unserem Treffen. Sie hat gemeint für Paartherapie hätte Sie momentan keinen Kopf, da Sie sich um ihre Selbstständigkeit kümmern muss und dass Ihre Symptome (das Kribbeln) seit Sie in der Wohnung von Ihrer Mutter wäre, komplett weg sei. Sie meinte das es dabei bliebe das Schluss ist. Im Laufe des Gesprächs wurde sie wahninnig emotional hat geheult und geschrien das ich die Beziehung an die Wand gefahren hätte (was auch stimmt). Im nächsten Augenblick war Sie wieder kalt mir gegenüber. Irgendwann ist Sie aus der Wohnung gestürmt. Ich hinterher und wir haben uns nochmals eine halbestunde in Ihr Auto gesetzt und geredet. Hier hat Sie es dann zugelassen, dass ich Sie in den Arm nehme und tröste. Wir haben beide geheult und uns im Guten verabschiedet.
Die nächsten 4 Wochen waren die Hölle für mich. Viel zu Spät habe ich gemerkt was ich an dieser Frau eigentlich hatte und dass ich Sie über alles Liebe. Es wurden von meinerseits teilweise die klassischen Fehler gemacht. Zu oft kontaktiert, Brief geschrieben, Ihr Blumen in die gemeinsame Wohnung gestellt oder ein kleiner Zettel mit einem Gedicht darauf hingelegt. Sie war immer mal wieder in unserer Wohnung um ihre Habseligkeiten zu holen.
Es sei hier aber gesagt der Kontakt war nie böse. Wir haben nicht gestritten. Auch wenn wir uns geschrieben haben. Es fiel kein böses Wort. Teilweise gab es auch längere Gespräche in WhatsApp. Auf den Brief hat sie geantwortet. Beim lesen des Briefes hat sie geweint. Sie vermisst das gemeinsame einschlafen mit mir. Ich habe gemerkt das Ihr das alles nicht leicht fällt. Aber sie bleibt bei Ihrer Entscheidung. Auszug und Trennung. Während den Gesprächen hat sie gemeint das wir zu unterschiedlich wären und ich gewisse Verhaltensweisen an den Tag lege mit denen Sie nicht umgehen kann und Sie glaubt auch nicht, dass ich mich ändern könnte auf die Schnelle.
Ich habe den Kontakt Stück für Stück heruntergefahren. Kontakt nur noch per Email (aber auch nicht jeden Tag). Sie meinte damit kommt Sie klar. Telefonieren will und kann Sie nicht. Wenn Sie meine Stimme hört kämen zu viele Sachen hoch. Die negativen Dinge in den letzten Monaten würde das positive von uns einfach überschatten. Habe ich soweit alles akzeptiert und wir haben uns ab und an eine Email geschrieben. Teilweise wegen was Organisatorischem, teilweise wegen was Privatem.
Letzte Woche Donnerstag hat Sie die endgültige Diagnose von MS bekommen. Wir haben darauf hin kurz telefoniert und der Email Kontakt wurde wieder mehr. Ich habe ihr meine uneingeschränkte Hilfe, in jeglicher Art zugesichert und dass ich immer für Sie da sein werde. Egal in welcher Form. Das hat sie gefreut aber gemeint das Sie das momentan nicht von mir annehmen kann, weil gerade jetzt auch emotionaler Stress zu Schüben von MS führen kann.
Seit dem Zeitpunkt habe ich jegliches umwerben für Sie eingestellt. Da ich nicht will das es Ihr schlechter geht. Höchstwahrscheinlich haben die letzten Monate von unserer Beziehung dazu beigetragen, dass es ihr schlechter ging. Unserer Beziehung war nicht der Auslöser von MS aber gut getan haben ihr die Streits auch nicht.
Gestern hatte Sie einen schlimmen Tag. Stress mit Ihrer Mutter die nicht mehr will das Sie den Saloon übernimmt (sehr schwieriges Verhältnis von Mutter und Tochter). Sie hat mir das per Email geschrieben und wir haben mehr oder weniger den ganzen Tag per Email kontakt. Gestern hatte ich das Gefühl das Sie mehr aus sich rauskommt und es Sie freut das ich für Sie da bin.
Ändert aber alles nichts an der Tatsache das Sie nächste Woche Sonntag ihr restliches Zeugs aus der Wohnung holt. Was Ihre Gefühle zu mir angeht weiß ich nicht wie es da aussieht. Kurz nach der Trennung meinte Sie, die Gefühle wären zwar weniger geworden aber noch definitiv vorhanden. Wie aktuell der Stand ist, weiß ich nicht und auf nachfragen habe ich keine Lust.
Fazit. Ich weiß das ich die Beziehung kaputt gemacht habe. Ich gebe ihr keinerlei Schuld. Ich weiß das Sie eine tolle Frau ist. Ich frage mich ob es noch Hoffnung gibt. Durch Ihre Krankheit hat sie jetzt natürlich komplett andere Prioritäten. Sie sagt selber das Alleinsein tut ihr momentan gut. Deshalb halte ich mich was Ex-zurückgewinnen komplett zurück. Alles andere wäre unverantwortlich.
Ich gehe zu einer Psychotherapeutin und versuche die Probleme die ich habe mit Frauen in der Partnerschaft, Gefühle zeigen, Gefühle zulassen, Trennungen richtig zu verarbeiten usw. anzugehen. Zusätzlich mache ich wieder vermehrt Sport.
So das ist der Stand der Dinge. Ich habe mir jetzt vieles von der Seele geschrieben. Ist jetzt sicher zu lang. Falls niemand antwortet benutzte ich es einfach als Tagebuch.