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Geoutet mit Depressionen

Aufbruch

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Hallo,

bin derzeit relativ schwer depressiv und habe mich gestern meinen Eltern und Geschistern diesbezgülich geoutet.

Reaktion meiner Mutter, wortwörtlich: "Womit habe ich das verdient" und "Undank ist der Welt Lohn"

Mein Bruder, ein gestandener Familienvater, 50-jährig, sehr gebildet und mit mehreren Studienabschlüssen, u.a. Pädagogik und Erziehungswissenschaften, hat gelacht. Richtig gelacht, nicht als Abwehrreaktion, sondern eher in Richtung Verachtung.
Ich fragte ihn, was das solle, und habe ihn auch mit einem nicht so nettenn Wort bezeichnet, weil ich seine Reaktion vollkommen unangemessen fand. Daraufhin ist er ausgeflippt u. hat mich beschimpft.

Fühle mich so alleine. Meine Seele liegt auf meiner eigenen, inneren "Intensivstation", aber kein Besuch da, sondern nur emotionale Sch.lägxe durch Mutter und Bruder.

Hat jemand Ähnliches erlebt oder sonst etwas dazu zu sagen ?

Fühle mich so mies und alleine. Richtig depressiv eben, in einem tiefen Loch

27.12.2018 18:28 • x 2 #1


hahawi

hahawi


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@unregistriert
Kannst Du da mal herschauen bitte?

27.12.2018 18:33 • x 4 #2


Babs54

Babs54


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Hallo liebe Aufbruch, das ist ja unglaublich respektlos. Das tut mir sehr leid für dich.
Ist deine Familie immer so drauf?
Geht ihr immer so respektlos miteinander um?
Das ist super gemein. Diese Krankheit ist nichts Lächerliches, sondern eine ernsthafte Erkrankung.
Hast du andere Menschen in deiner Umgebung, die dich stützen können?
Ich drück dich mal unbekannterweise.
Liebe Grüsse Babs54

27.12.2018 18:37 • x 4 #3


Emma14

Emma14


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Kannst du etwas über die Ursache deiner Depression sagen?
Zu deinem Bruder: Akademiker haben nicht zwangsläufig Ahnung von psychischen Krankheiten.
Zu deiner Mutter: Sie fühlt sich wohl angegriffen. Warum?

27.12.2018 18:39 • x 2 #4


Ninchen83

Ninchen83


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Wow...wie hart ist das denn!?
Ich kann mir vorstellen wie viel Kraft und Mut dich das gekostet haben muss dich überhaupt zu öffnen und es deiner Familie zu offenbaren und dann das! Das tut mir leid...weisst du ich denke das ist veraltetes Denken ( ohne das pauschalisieren zu wollen) ich glaube das manchen Menschen die Ernsthaftigkeit einer Depression nicht bewusst ist...nach dem Motto man solle sich zusammenreissen usw...fühl dich gedrückt. Ich finde es sehr mutig das du darüber geredet hast!

27.12.2018 18:40 • x 4 #5


unregistriert

unregistriert


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Zitat von Aufbruch:
Hat jemand Ähnliches erlebt oder sonst etwas dazu zu sagen ?


Das darfst Du Dir erstmal nicht so zu Herzen nehmen, die Reaktion Deiner Familie. "Depression" ist ein abstrakter Begriff. Wer nicht schon mal selbst unter Depressionen gelitten tut sich sehr schwer damit, zu verstehen, wie die Krankheit funktioniert. Mach ihnen keinen Vorwurf, sie kapieren es unter Umständen schlicht nicht. Es muss ihnen bei Zeiten erklärt werden. Aber nicht jetzt.

Ich habe gerade Deine anderen Threads überflogen, was Du da schreibst in Bezug auf Deinen Selbstwert, lässt tief schließen. Vielleicht ist Deine Familie gar nicht mal so unschuldig daran, das sich Depressionen entwickeln konnten - nicht mit böser Absicht, sondern einfach mit vielleicht negativer Art mit Dingen umzugehen, so wie sie es gelernt haben. Da verwehren sich Angehörige schon mal prophylaktisch sehr schnell. Aber zurück zu Dir!

Wichtig bist jetzt Du: Du hast verstanden, was mit Dir los ist. Das ist ein wichtiger Schritt. Der nächste Schritt ist Hilfe zu holen. Bist Du wegen den Depressionen schon in Behandlung?

Ein Termin beim Hausarzt wäre richtig, der Dich an einen Psychiater überweist. Der kann einschätzen ob Du teilstationäre oder stationäre Hilfe brauchst, hört sich bei Dir (auch in Deinen anderen Threads) ehrlich gesagt so an. Ambulante Behandlungen sind auch eine Möglichkeit.

Ich bin da unfreiwilliger Weise Experte auf dem Gebiet. Du kannst mich gerne auch direkt anschreiben, wenn Du das möchtest.

@hahawi Danke für's Bescheid geben.

27.12.2018 18:51 • x 9 #6


Aufbruch


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Danke @hahawi,
mir heilft jede AW schon ein bisschen, dass jemand hier ist,
Fühle mich einfach so sehr traurig, hilflos, verzweifelt und ausgeliefert

Liebe @babs54,
danke auch Dir sehr ! Es tut zudem gut zu lesen, dass es respektlos war, denn ich zweifel schon an mir selbst,
dass ich so wenig wert bin, dass ich so behandelt werde.
Nein, normalerweise wird nicht so respektlos umgegangen in unserer Familie.

Ich empfinde es auch als gemein, für meine Krnkaheit noch verächtlich gemacht zu werden.
Hätte mir Hilfe gewünscht von meiner Familie.

Nein, habe sonst keinen in meiner Umgebung, da ich gerade neu in eine Stadt (Nord-D) gezogen bin, wo ich keinen kenne.

Und lieben Dank fürs "Drücken" !

@emma14: Ja, es gibt viele Ursachen;
Missbrauch in der Jugend, langjährig (Therapie zwar gemacht, aber ich leide dennoch), chronische Erkrankung, aktuell mal wieder Liebeskummer (bin wohl in eine emotional sa.d.distiscxhe Beziehung reingeschlittert, das war mir anfangs nicht so klar sondern sickert jetzt erst sio langsam durch, und kann mich schwer davon lösen).

Guter Gedanke von Dir, dass sich meine Mutter angegriffen fühlt - vielleicht hat sie Schuldgefühle...

Mein Bruder ist psychisch an sich gut gebildet; gerade darum verstehe ich seine Reaktion nicht

@ninchen83: Ganz lieben Dank auch an Dich, Deine Meinung und Mitgefühl. Ihr helft mir so unglaublich alle, bin Euch so dankbar, so kann ich wenigstens ein bisschen aus dem tiefen, einsamen Loch heraus !

@unregistriert;:
Auch Dir bin ich so dankbar, ich antworte Dir später ausführlicher, da ich mich nun zu einem Nachsorgetermin (wegen eines Unfalls) schleppen muss - mit letzter Kraft.

27.12.2018 18:55 • x 4 #7


EchtJetzt


Da sticht es in meinem Mutterherz,wenn ich soetwas lese. Es hat dir sehr viel Mut abverlangt,dich zu outen und du hättest es verdient, dass deine Familie dir Halt und Unterstützung bietet.Ich hätte mein Kind in so einer Situation einfach nur in den Arm genommen und es gehalten.Fühl dich gedrückt

27.12.2018 19:02 • x 5 #8


AFX


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Hey Aufbruch, ........
ja, ich kenne das auch - aber da war ich jünger gewesen, viel jünger.
War immer das schwarze Schaf in der Familie gewesen. Hatte nie einen Traumberuf, mein Bruder dagegen schon.
Er hielt daran auch fest , als unser Vater frühzeitig sein Leben verloren hatte. Ich ging mit 16 Jahren nicht mehr regelmäßig zur Schule.
Fing mit Dro. an, rutschte ab. Bekam dadurch mit jungen Jahren schon Depressionen. Legte sich aber, als ich zum Bund ging. Wollte immer zur Luftwaffe zum Objektschutz. Naja, ich war Panzergrenadier - was anderes. Mein Bruder bevorzugte Zivildienst . Hätte beim Bund mich auch verpflichten können. In Simulierten Kampf Übungen bin ich immer gefallen. Wollte ich nicht. Aber danach war ich wieder auf Augenhöhe mit meinem Bruder z.B.

27.12.2018 19:03 • x 4 #9


mafa

mafa


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Respekt das du den Mut dazu hattest, ich hatte den nicht. Und ich bin geschockt über die Reaktion. Selbst wenn man keine Ahnung davon hat, und Akademiker scheinen auch keine Empathie zu haben, über eine Krankheit zu lachen ist das allerletzte ...

27.12.2018 19:07 • x 4 #10


Joshu

Joshu


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hallo Aufbruch, auch mir tut das sehr leid, und ich wünsche Dir, dass Du in dieser dunklen Zeit - im wahrsten Sinne des Wortes - die einfühlsame Hilfe findest, die Du brauchst!

Es ist ja schon viel gesagt worden zu der verständnislosen kaltherzigen - und so wie du es schilderst vollkommen unangemessenen Reaktion Deiner Familie.
Trotzdem macht mich ein Ausspruch besonders stutzig, weil ich ihn nicht verstehe. Weißt Du, so dumme oder wenig einfühlsame oder auch unbeholfene Reaktionen wie "Stell Dich nicht so an!" oder "das wird schon wieder!" oder "Dir geht es doch gut" so was in der Art, kenne ich ja zumindest , selbst die verächtliche Reaktion Deines Bruders. Dumm und völlig bescheuert, aber so ticken leider manche Menschen offenbar.

Aber: "Undank ist der Welt Lohn!" das passt ja so überhaupt gar nicht als Reaktion. Weißt Du, wie Deine Mutter das gemeint hat? Inwieweit zeigst Du aus Ihrer Hinsicht Undankbarkeit, indem es Dir schlecht geht? Das ist ja zunächst mal völlig unadäquat. Oder meint sie damit, dass Du sie mit solchen "Kinkerlitzchen" in ihren Augen behelligst? Das ist auch völlig daneben, aber dann ist es wenigstens erstmal von der Bedeutung her zu verstehen.


Zitat von mafa:
Selbst wenn man keine Ahnung davon hat, und Akademiker scheinen auch keine Empathie zu haben, über eine Krankheit zu lachen ist das allerletzte ...


Naja, bitte nicht pauschalisieren. Empathie und Mangel davon bis hin zur Psychopathologie geht quer durch alle Berufs- und Bildungsschichten. Es macht wenig Sinn, aus dem Einzelfall auf eine ganze Gruppe zu schließen, sondern der Einzelfall, das Verhältnis zu den jeweiligen Bezugspersonen, hier Mutter und Bruder, sollte genau unter die Lupe genommen werden. Aufgrund der Reaktion der beiden wundert es mich jedenfalls nicht, dass jemand, der mit denen ausgewachsen ist, im Laufe des Lebens eine veritable Depression entwickeln.

Vielleicht hat diese Erkrankung, so schwer und hart das leider ist, den Sinn, das aufzudecken, was da in der Beziehungstruktur schief gelaufen ist. Ein erfahrener Therapeut kann da sicherlich helfen.

Du kannst und musst das nicht allein durchstehen!

27.12.2018 19:07 • x 3 #11


mafa

mafa


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Zitat von Joshu:
Es macht wenig Sinn, aus dem Einzelfall auf eine ganze Gruppe zu schließen, s


Spiegelt nur meine bisherigen Erfahrungen wieder... Interpretiere es wie du willst ...

27.12.2018 20:04 • #12


fe16

fe16


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@Aufbruch

Juhu , du hast es getan . Sehr sehr gut !
Das jetzt hier so geschrieben zu sehen hat dir wohl erst mal geholfen
Du weisst aber auch was du in letzter Zeit so alles erlebt hast
Das zurück Weisungen , das nicht verstehen , warum man zurück gewiesen wird , das alles kann die Depression verstärken

Weisst du ich hab von ähnlichen Reaktionen in der Familie gehört
Es ist einfach Hilflosigkeit , ein nicht damit umgehen können
Ich möchte das nicht verteidigen , sondern die Wut ein wenig schmälern
Was deine Familie sich erlaubt hat ist nicht gut

Ich denke aber auch das du sowas in deiner Familie schon eher erlebt hast .

Wie immer nehm ich dich in den Arm

27.12.2018 20:39 • x 4 #13


arjuni

arjuni


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Es gibt ein Sonderheft:

"Stern Ratgeber: Depression und Burnout: Wege aus dem Seelentief"

Das ist sehr informativ, auch für Angehörige. Du könntest es bestellen und Deinen Eltern geben, um sie über die Krankheit aufzuklären.

27.12.2018 20:42 • x 2 #14


Löwenherz4

Löwenherz4


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Zitat von arjuni:
Das ist sehr informativ, auch für Angehörige. Du könntest es bestellen und Deinen Eltern geben, um sie über die Krankheit aufzuklären.

Angehörige machen gerne die Augen zu. Es könnte ihnen ja, zur Last gelegt werden.
Keiner will sich diese Bürde auferlegen...... dabei könnte es eine große Hilfe sein.

Schwäche zu zeigen, ist immer noch (leider) .....schwach.

27.12.2018 20:51 • x 4 #15




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