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Getrennt, weil er gestorben ist

Acht

Acht


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Zitat von furchii:
@Acht leider ist es teilweise jetzt, nach 4 Monaten schon so, dass das Verständnis weniger und erwartet wird, dass es mir schon wieder gut geht. Damit kann ich gar nicht umgehen.

Aussortieren, auch die selbsternannten Sozialpädagogen darunter, die zu wissen meinen, was, wann, wie und zu welcher Zeit sein muss. Es ist dein Tempo und dein ganz persönlicher Weg.

28.06.2020 14:17 • x 1 #31


Kelene

Kelene


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Das ist wirklich immer so.
Viele die nicht damit zu tun haben können das nicht nachvollziehen.
Da kommen Sätze wie: jetzt muß doch wieder gut sein.....und dergleichen.
Es gibt ja nicht umsonst das Trauerjahr.
Trauern braucht Zeit.
Nimm dir soviel davon wie du brauchst.
Und wenn du wieder bereit bist wird es wieder jemanden in deinem Leben geben.
Keiner kann und muß ihm das Wasser reichen können.
Warum auch?
Lass dir deine Erinnerungen und Gefühle nicht klein reden.
Stimmt, er würde sicher nicht wollen das du allein bleibst.
Aber er würde ganz sicher wollen das du dir Zeit nimmst.

28.06.2020 14:21 • x 3 #32



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Irrlicht

Irrlicht


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Liebe Furchii, ich habe deinen Thread gerade entdeckt und deine Zeilen haben mich sehr berührt.
Erstmal tut es mir sehr leid, was passiert ist und ich kann mir vorstellen, dass es dir unendlich schwer fällt zu akzeptieren was passiert ist und ihn loszulassen.

Auf der anderen Seite ist da aber auch das wertvolle Geschenk, ein Wegstück mit ihm gemeinsam gegangen zu sein. Ihr habt tiefe Gefühle und wunderschöne Momente zusammen erleben dürfen, selbst noch auf dem Sterbebett. Die kann dir niemand nehmen und die kannst du dein ganzes weiteres Leben als wertvollen Schatz in deinem Herzen tragen.

Denke daran, dass er sich ganz sicher wünschen würde, dass Du später wieder ein glückliches Leben führst.
Im Moment ist das natürlich nicht möglich. Du bist mitten in einem Trauerprozess und der braucht viel Zeit. Gib sie dir.

Mache dir keine Gedanken darüber, dass du vielleicht nie wieder jemanden lieben könntest. Du wirst es können - viel später. Und sogar sehr gut, denn durch ihn hast du gelernt, was Liebe für dich bedeutet.

Im Moment sollte das aber wirklich nicht dein Problem sein. Du bist noch jung, du hast Zeit. Erinnere dich an ihn und lass die Trauer zu, dann wirst du ganz allmählich wieder die anderen schönen Dinge bemerken, die das Leben dir bieten kann.
Alles Liebe dir ... Irrlicht

28.06.2020 14:34 • x 1 #33


Andy17


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@crank1983
Ein großer Meister in der Trauerbewältigung bist du nicht gerade.
@furchii
So wie du diese Beziehung beschreibst, muss sie etwas ganz Besonderes gewesen sein. Du hast in einer leider viel zu kurzen Zeit etwas erfahren, was viele in ihrem ganzen Leben nicht bekommen.

28.06.2020 19:03 • x 3 #34


furchii

furchii


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Ich habe einfach das Gefühl, dass mein Leben in Scherben liegt... oft ist mir einfach alles egal. Ich bringe im Moment keine gute Arbeitsleistung und das ist mir auch klar und ich bin immer wieder Krank geschrieben, weil es oft einfach nicht geht... wenn sie mich rausschmeißen, wäre es mir wohl egal... die meiste Zeit will ich mir einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und im Bett liegen, bis der Tag vergeht.
Ich weiß wirklich nicht, ob ich selber noch hier wäre, wenn ich ganz sicher wüsste, dass man sich nach dem Tod wiedersieht, dass es tatsächlich einen Himmel gibt, wo man sich wiedersieht, wenn man tot ist.
@Irrlicht du hast völlig Recht, es fällt mir unglaublich schwer, zu akzeptieren, was passiert ist und ich kann es auch einfach nicht. Es übersteigt mein Denken... ich kann es einfach nicht verstehen, was ja aber nichts nützt.
Mir fehlt die Geborgenheit, die er mir gegeben hat SO sehr. Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen, seit 4 Monaten nicht. An keinem einzigen Tag habe ich nicht geweint. Gestern habe ich einen Spruch gelesen und er trifft einfach zu 1000% zu:

"If Love alone could have saved you, you never would have died."

Wenn es das gewesen wäre, hätte ich ihn tausend Mal retten können, so sehr liebe ich ihn. Unsere Freunde und Bekannten haben immer zu uns gesagt, man sieht es uns so sehr an, wie sehr wir uns lieben, man kann förmlich die Herzen aus unseren Augen springen sehen..
Wenn ich nur einen einzigen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass er wieder da wäre. Es ist gut, dass ich hier darüber schreiben kann und eure Worte und eure Anteilnahme finde ich schön, danke dafür. Ich wurde noch nie mit dem Tod eines mir nahestehenden Menschen konfrontiert (Gott sei Dank) und umso härter trifft es mich jetzt, es ist ja noch dazu eine völlig neue Situation für mich. Oft hat er zu mir gesagt, ich bin ein Geschenk... dass er niemals mehr damit gerechnet hätte, jemanden wie mich zu treffen, sich nochmal zu verlieben. Er hat mal zu mir gesagt, die Zeit mit mir könne man mit Gold nicht aufwiegen. Er war so zuvorkommend, nicht nur zu mir, sondern generell.. er hat einem Bekannten einen Job verschafft, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.. als eine Freundin von uns in einer finanziell schwierigen Lage war, hat er sie zum Essen eingeladen.. als eine andere Freundin eine Wohnung gesucht hat, hat er ihr Kontakte verschafft...

Oft treiben meine Schuldgefühle mich zur Verzweiflung, weil ich oft darüber nachdenke, warum ich ihm nicht schon viel früher gesagt habe, dass er zum Arzt gehen soll. Ich habe nichts gemerkt, außer dass er sichtlich abgenommen hat, das habe ich ihm auch gesagt, aber er hat nur gelacht.. er hat im Laufe des Jahres immer wieder gesagt, dass er Rückenschmerzen hat.. und ich habe nichts gemerkt. Wäre er vor einem Jahr schon zum Arzt gegangen und man hätte den Lungenkrebs entdeckt, vielleicht würde er jetzt noch leben...

29.06.2020 08:59 • x 1 #35


Acht

Acht


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Zitat von furchii:
Ich bringe im Moment keine gute Arbeitsleistung und das ist mir auch klar und ich bin immer wieder Krank geschrieben, weil es oft einfach nicht geht... wenn sie mich rausschmeißen, wäre es mir wohl egal... die meiste Zeit will ich mir einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und im Bett liegen, bis der Tag vergeht.

Furchii, das ist völlig normal. Ich hatte länger als ein Jahr massive Schwierigkeiten mir Dinge zu merken. Mein Kurzzeitgedächtnis hat komplett gestreikt und ich musste mir überall riesige Zettel in der Wohnung aufhängen, um mich wenigstens an die wichtigsten Sachen zu erinnern. Gekündigt wurde ich nach einem dreiviertel Jahr auch. Ich war darüber erleichtert, weil ich endlich mal meine Ruhe hatte.

Zitat von furchii:
Oft treiben meine Schuldgefühle mich zur Verzweiflung, weil ich oft darüber nachdenke, warum ich ihm nicht schon viel früher gesagt habe, dass er zum Arzt gehen soll. Ich habe nichts gemerkt, außer dass er sichtlich abgenommen hat, das habe ich ihm auch gesagt, aber er hat nur gelacht.. er hat im Laufe des Jahres immer wieder gesagt, dass er Rückenschmerzen hat.. und ich habe nichts gemerkt. Wäre er vor einem Jahr schon zum Arzt gegangen und man hätte den Lungenkrebs entdeckt, vielleicht würde er jetzt noch leben...

Hör bitte auf dir selbst so zu schaden

29.06.2020 12:51 • x 2 #36


Irrlicht

Irrlicht


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Zitat von furchii:
Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen, seit 4 Monaten nicht

Zitat von furchii:
Ich habe einfach das Gefühl, dass mein Leben in Scherben liegt... oft ist mir einfach alles egal

Ach Furchii... dein Leben liegt nicht in Scherben, es ist momentan nur in sehr starke Schieflage geraten.
Und ja... natürlich musst du jeden Tag weinen und dir ist alles egal. 4 Monate sind noch nicht lange.
Man spricht von einem Trauerjahr, aber das ist individuell sehr unterschiedlich ... und ihr wart sehr intensiv zusammen. Du musst durch diese Trauer durch das kann man nicht beschleunigen. Aber am Ende des langen Tunnels gibt es wieder Licht.

Zitat von furchii:
er hat im Laufe des Jahres immer wieder gesagt, dass er Rückenschmerzen hat.. und ich habe nichts gemerkt. Wäre er vor einem Jahr schon zum Arzt gegangen und man hätte den Lungenkrebs entdeckt, vielleicht würde er jetzt noch leben...

Solche Überlegungen gehören auch dazu. Was hätte ich tun können um es zu verhindern...
Die Antwort ist: NICHTS hättest du tun können.
Rückenschmerzen hat in dem Alter fast jeder und auch abnehmen ist kein eindeutiges Zeichen.
Du schreibst selbst, er hat über deine Bedenken gelacht. Es ging ihm gut und mit so einer Diagnose konnte keiner rechnen.
Mit deiner damaligen Sicht gibt es nichts, was du hättest anders machen können. Die Zukunft kann keiner wissen.
Versuche solche Überlegungen von dir weg zu schieben. Sie sind unsinnig und lassen dich nur unnötigerweise noch mehr leiden.
Im Moment ist dein einziges Ziel: atmen, essen und den heutigen Tag überstehen. Mute dir nicht zu viel zu. Im Moment bist du nicht leistungsfähig.

Bist du in ärztlicher Behandlung? Vielleicht hilft dir vorübergegend ein leichtes Mittel... oder im Zweifel eine Psychotherapie,.obwohl du nicht krank bist, sondern in Trauer.
Der Austausch mit Gleichgesinnten in einer Trauergruppe ist auch sehr hilfreich.

29.06.2020 13:37 • x 3 #37


Bumich

Bumich


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Zitat von furchii:
ch bin im Moment in psychologischer Behandlung und ich war auch schon in einer Trauergruppe... dass mir das besonders hilft, könnte ich jetzt nicht sagen.
es gibt bessere und es gibt schlechtere Tage. Richtig gute Tage gibt es nicht, seit mir die Liebe meines Lebens genommen wurde.
Er fehlt mir mit jedem einzelnen Atemzug, den ich mache. Eigentlich war gestern ein Tag, den ich unter anderen Umständen als nahezu perfekten Tag beschrieben hätte, ich war mit meiner ganzen Familie im Garten, wir haben Geburtstag gefeiert und ich habe viel mit meinem Neffen und meinem Neffen 2. Grades gespielt... und trotzdem war so eine unheimliche Leere in mir und als ich Abends nach Hause gekommen bin, habe ich wieder bitterlich geweint, so wie jeden Tag, seit er nicht mehr da ist. Das geht seit fast 4 Monaten so, kein einziger Tag ist seitdem vergangen, an dem ich nicht geweint habe.


Trauergruppe und Seelsorge ist nicht verkehrt um mit solcher Ausnahmesituation klar zu kommen. Solltest du vielleicht auch weiter machen, bis du alle Trauerphasen durch hast. Der Tod ist zwar das Natürlichste der Welt und trotzdem absolute Ausnahmesituation.
gerade im jüngeren Alter ist der Tod noch weit weg. So denkt man. Irrtum. So wie das Leben allgegenwärtig ist, ist auch der Tod allgegenwärtig. Solche Art Erkenntnisse sind immer hart. Eine schöne Illusion ist geplatzt wie eine Seifenblase. Du steckst ja noch mitten in deinem Trauerweg. Und so schnell geht das auch nicht. Du solltest dir Zeit geben. Im Moment kannst du dir dein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Aber es werden Zeiten kommen, wenn du deine Trauer abgeschlossen hast, da wirst du alles in einem anderen Licht, aus einer weiteren Perspekfive sehen. Und jeder trauert auf seine Art. Ganz gleich welche Gedanken und Gefühle auch erscheinen, sie sind willkommen. In der Trauer gibts kein richtig oder falsch. Nimm an was erscheint. Mir hats damals geholfen. tiefer und tiefer in die Trauer einzutauchen. So tief, bis nur noch Trauer da ist. Bis man sich in der Trauer aufgelöst hat. Dann passiert etwas denkwürdiges. Unabhängig davon, mit Bewusstheit und Aufmerksamkeit kannst du in dieser Krise viel über dich und die Existenz lernen.

Mir scheint auch, du kannst noch nicht so recht die unausweichliche Tatsache des Todes akzeptieren. Phase 1. Akzeptieren das der geliebte Mensch von der Form in die Formlosigkeit gewechselt ist. Dahin, wo alles herkommt und wo alles hingeht.
Phase 2. Durchleben von allen Emotionen, derer der Mensch fähig ist.
Phase3. Suchen und Trennen. Suchen nach guten Erinnerungen. zu dem Entschluss kommen, wieder zurück ins eigenen Leben zu wollen. Oder sich zu entscheiden in der Trauer zu verharren. Beides ist möglich. In Phase 4 wirst du einen neuen Bezug zu dem Leben und den Tod, dir selbst und allem sein. Grob umrissen. Ist auch meine persönliche Erfahrung.

alles gute

30.06.2020 14:13 • x 1 #38


furchii

furchii


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Zitat von Bumich:

Trauergruppe und Seelsorge ist nicht verkehrt um mit solcher Ausnahmesituation klar zu kommen. Solltest du vielleicht auch weiter machen, bis du alle Trauerphasen durch hast. Der Tod ist zwar das Natürlichste der Welt und trotzdem absolute Ausnahmesituation.
gerade im jüngeren Alter ist der Tod noch weit weg. So denkt man. Irrtum. So wie das Leben allgegenwärtig ist, ist auch der Tod allgegenwärtig. Solche Art Erkenntnisse sind immer hart. Eine schöne Illusion ist geplatzt wie eine Seifenblase. Du steckst ja noch mitten in deinem Trauerweg. Und so schnell geht das auch nicht. Du solltest dir Zeit geben. Im Moment kannst du dir dein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Aber es werden Zeiten kommen, wenn du deine Trauer abgeschlossen hast, da wirst du alles in einem anderen Licht, aus einer weiteren Perspekfive sehen. Und jeder trauert auf seine Art. Ganz gleich welche Gedanken und Gefühle auch erscheinen, sie sind willkommen. In der Trauer gibts kein richtig oder falsch. Nimm an was erscheint. Mir hats damals geholfen. tiefer und tiefer in die Trauer einzutauchen. So tief, bis nur noch Trauer da ist. Bis man sich in der Trauer aufgelöst hat. Dann passiert etwas denkwürdiges. Unabhängig davon, mit Bewusstheit und Aufmerksamkeit kannst du in dieser Krise viel über dich und die Existenz lernen.

Mir scheint auch, du kannst noch nicht so recht die unausweichliche Tatsache des Todes akzeptieren. Phase 1. Akzeptieren das der geliebte Mensch von der Form in die Formlosigkeit gewechselt ist. Dahin, wo alles herkommt und wo alles hingeht.
Phase 2. Durchleben von allen Emotionen, derer der Mensch fähig ist.
Phase3. Suchen und Trennen. Suchen nach guten Erinnerungen. zu dem Entschluss kommen, wieder zurück ins eigenen Leben zu wollen. Oder sich zu entscheiden in der Trauer zu verharren. Beides ist möglich. In Phase 4 wirst du einen neuen Bezug zu dem Leben und den Tod, dir selbst und allem sein. Grob umrissen. Ist auch meine persönliche Erfahrung.

alles gute


Ja das stimmt.. also was heißt akzeptiert, ich kann es einfach noch immer nicht wahrhaben, wie gesagt, oft glaube ich noch immer, ich muss nur genug weinen und genug traurig sein, dann kommt er wieder.. Dann sieht der da oben, wie schlecht es mir geht und schickt ihn mir zurück, weil ich genug Buße getan habe oder keine Ahnung.. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, in einem Jahr, in fünf Jahren, in zehn Jahren noch immer ohne ihn zu sein. Dass er einfach weg ist, für immer. Und dass nichts etwas daran ändern kann. Diese Endgültigkeit kann ich nicht verstehen, wahrhaben, akzeptieren.. Ich weiß nicht ob das normal ist. Ich versuche auch manchmal selber hart zu mir zu sein, indem ich zu mir sage, reiß dich zusammen, er ist tot, er ist nicht mehr da und akzeptier es endlich. Aber es hilft nicht.

@Acht ich hoffe die Frage ist nicht indiskret oder sowas, natürlich musst du auch nicht darauf antworten.. Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du nicht mehr jeden Tag geweint hast? Konntest du seitdem wieder aus ganzem Herzen jemanden lieben?

30.06.2020 18:52 • #39


Irrlicht

Irrlicht


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Furchii, ich kann dir ein Buch empfehlen, in dem es genau darum geht was du da gerade beschreibst.
Es heißt "Das Jahr magischen Denkens" von Joan Didion.
Sie beschreibt, wie sie ein Jahr lang nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes diese Tatsache nicht wirklich akzeptieren konnte. Sie beschreibt exakt das Gefühl was du gerade fühlst. Man muss nur fest genug dran glauben, dass er wiederkommt, dann wird es geschehen, dann wird er wiederkommen, so dachte sie.
Erst ganz allmählich nahm sie die Tatsache an, dass er nicht wiederkommen wird und konnte begreifen und akzeptieren was geschehen ist. Dann konnte sie sich wieder dem normalen Leben zuwenden.

Es ist sehr einfühlsam und gut lesbar geschrieben.
Vielleicht hilft es dir zu verstehen, dass es gut und wichtig ist was du gerade durchmachst und wie du reagierst, um das Geschehene zu verarbeiten.

Die beiden waren allerdings Jahrzehnte lang verheiratet. Vielleicht läuft bei dir dieser Prozess schneller ab. Dennoch ist es ganz normal und wichtig , diese Phasen durchzumachen.
Ignorieren und so tun als wäre nichts bringt dich nicht weiter; es würde dich immer wieder einholen.

30.06.2020 19:39 • x 2 #40


Acht

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Zitat von furchii:
Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du nicht mehr jeden Tag geweint hast?

Ich glaube, das war zwischen einem dreiviertel bis zu einem Jahr, also am Anfang bin ich auch in der Öffentlichkeit in Tränen ausgebrochen, später nur noch heimlich für mich alleine. Nach ca. anderthalb Jahren hatte ich mich zumindest so einigermaßen im Griff, um das Ganze langsam zu begreifen und um zu funktionieren. Ich hatte halt eine achtjährige unglaublich harmonische, respektvolle, liebevolle und bunte Beziehung. Mein Freund war Maler und es war nie langweilig mit ihm, gleichsam aber auch nicht hektisch, sondern immer entspannt. Er war einfach mein Zuhause und auch ein Stück weit in seiner Art mit Menschen umzugehen und die Dinge zu betrachten, ein Vorbild für mich.
Ehrlich gesagt, vermisse ich ihn noch immer sehr. Akzeptiert habe ich meine Situation, ich kann auch wieder lachen und zufrieden sein, allerdings bin ich auch jetzt manchmal noch wütend darüber, dass alles so gekommen ist. Ich wäre gern mit ihm zusammen alt geworden. Vielleicht hatte ich zu lange, einfach zu viel Glück.
Unsere damals gemeinsame Hündin ist heute noch bei mir und mittlerweile sehr, sehr alt. Ich hab ein bisschen Angst davor, sie auch noch gehen lassen zu müssen.

Zitat von furchii:
Konntest du seitdem wieder aus ganzem Herzen jemanden lieben?

Das kann ich dir ehrlich gesagt gar nicht beantworten. Je mehr ich darüber nachdenke, desto diffuser wird es da in mir drin. Ich denke, ich bin immer noch nicht so weit, auch wenn ich das zeitweise anders eingeschätzt habe.

30.06.2020 19:46 • x 2 #41


furchii

furchii


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Zitat von Irrlicht:
Furchii, ich kann dir ein Buch empfehlen, in dem es genau darum geht was du da gerade beschreibst.
Es heißt "Das Jahr magischen Denkens" von Joan Didion.
Sie beschreibt, wie sie ein Jahr lang nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes diese Tatsache nicht wirklich akzeptieren konnte. Sie beschreibt exakt das Gefühl was du gerade fühlst. Man muss nur fest genug dran glauben, dass er wiederkommt, dann wird es geschehen, dann wird er wiederkommen, so dachte sie.
Erst ganz allmählich nahm sie die Tatsache an, dass er nicht wiederkommen wird und konnte begreifen und akzeptieren was geschehen ist. Dann konnte sie sich wieder dem normalen Leben zuwenden.

Es ist sehr einfühlsam und gut lesbar geschrieben.
Vielleicht hilft es dir zu verstehen, dass es gut und wichtig ist was du gerade durchmachst und wie du reagierst, um das Geschehene zu verarbeiten.

Die beiden waren allerdings Jahrzehnte lang verheiratet. Vielleicht läuft bei dir dieser Prozess schneller ab. Dennoch ist es ganz normal und wichtig , diese Phasen durchzumachen.
Ignorieren und so tun als wäre nichts bringt dich nicht weiter; es würde dich immer wieder einholen.


Danke für den Tipp, hab mir schon eine Leseprobe runtergeladen.
Ich glaube, was Erschwerend hinzu kommt, dass ich es nicht wahrhaben und akzeptieren kann ist, dass ich an der Trauerfeier nicht teilnehmen konnte/durfte, weil die nur für "geladene Gäste" war... ich wusste, wo und wann sie stattfindet, aber ich durfte nicht dabei sein. Es gibt auch kein Grab, sodass ich mich zumindest so verabschieden könnte, weil die Urne von der Familie mitgenommen wurde (er ist ursprünglich aus der Steiermark, wohnte aber in Wien, vielleicht wird die Urne in der Steiermark beigesetzt, das weiß ich nicht, weil ich keinen Kontakt mit der Familie habe) ... seine zwei Schwestern tun so, als würde ich nicht existieren (haben sie während unserer Beziehung auch schon, aber da war es eigentlich kein Thema).. ich habe versucht, Kontakt mit der einen Schwester aufzunehmen, aber es kam nichts zurück.

@Acht das kann ich alles sehr gut verstehen und nachvollziehen. Also hat es bei dir auch lang gedauert, bis du es tatsächlich begreifen und wahrhaben konntest?
Es ist echt so unglaublich furchtbar, wenn man das Glück hatte, so eine Beziehung zu führen und jemanden so sehr zu lieben und dann wird man auseinandergerissen.. immer wieder fallen mir neue Erinnerungen und Momente ein.. immer wieder fallen mir neue Dinge ein, die wir mal gemacht haben und die wir jetzt nie wieder gemeinsam machen können. Es gab so viel, was wir noch zusammen hätten machen wollen, aber es blieb keine Zeit mehr.. jetzt im Sommer wäre ein Urlaub in Südtirol geplant gewesen.
Seine Diagnose hat er am 21.2 bekommen und in der Nacht von 7.3 auf 8.3 ist er gestorben, also nur zwei Wochen nach der Diagnose. Wir hatten nur noch zwei Wochen zusammen. Zwei Wochen....
Mehrmals hat er mir gesagt, es geht ihm bis zu meinem 30. Geburtstag (der war im Mai) wieder so gut, dass er ihn mit mir verbringen kann.
Letzten Endes hat er ihn dann doch nicht mehr erlebt... ich habe so sehr daran geglaubt, dass er überlebt... niemals hätte ich gedacht, dass er stirbt. Er war immer so stark. Im Nachhinein betrachtet war es dumm, nicht zu sehen, wie es um ihn steht, aber ich dachte einfach wirklich, dass es ihm wieder besser gehen wird, dass er es schafft und er zumindest noch einige Jahre hat...

01.07.2020 11:35 • x 1 #42


Sliderman


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@furchii
Ich kann dir nur raten alles aufzuschreiben! Schreib die ganzen 4 Monate auf. Mit all deinen und seinen Emotionen. Selbst wenn es ein Buch wird, egal.
Das schmerzt dann zwar nochmal , aber du wirst dir selbst dankbar sein.

01.07.2020 11:45 • x 1 #43


WW-Bärchen

WW-Bärchen


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Zitat von furchii:
dass ich an der Trauerfeier nicht teilnehmen konnte/durfte, weil die nur für "geladene Gäste" war... ich wusste, wo und wann sie stattfindet, aber ich durfte nicht dabei sein.

Ist nicht dein Ernst, du warst 2,5 Jahre seine Partnerin und die haben dich nicht auf die Beerdigung gelassen.
Willst du uns mal davon erzählen ?

01.07.2020 14:04 • #44


Benita

Benita


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Zitat von furchii:
Ich weiß, es gibt keinen Menschen ein zweites Mal. Ich weiß aber, ich will niemanden, der nicht so ist wie er.

Ich habe schon öfter gelesen, dass man sich nach dem Tod des Partners durchaus wieder verlieben und lieben kann.
Aber ich glaube das bei mir nicht. Er war meine Lebensliebe. Er war dieser eine Mensch...

Sei dankbar für die Zeit mit ihm und das er viel mit dir teilen konnte, was für dich als, wie du es beschreibst "normaler Typ" nicht umgesetzbar gewesen ist.
Jeder Mensch ist einzigartig und es ist unfair den einen mit dem anderen vergleichen zu wollen.

Werde selbst der "Typ" den du dir von aussen wünscht, so kannst du ähnliches auch eher anziehen.

Lasse dir die Zeit für deine Trauer, er hat dir gezeigt wie das Leben spannend und abenteuerlich gelebt werden kann, vielleicht ist das ja sein geistiges Vermächtnis an dich ?

Alles Gute !

01.07.2020 14:23 • x 1 #45



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