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Getrennt, weil er gestorben ist

furchii

furchii

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Hallo,
ich bin 30 Jahre alt und mein Freund (62, bitte keine Diskussion über den Altersunterschied) ist vor 4 Monaten unvorhersehbar gestorben. Seitdem steht meine Welt Kopf und ich vermisse ihn so unfassbar, jeden Tag fehlt er mir so sehr. Ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt wie ihn, durch ihn habe ich erfahren, wie es ist, jemanden mit ganzem Herzen zu lieben. Und bei ihm war es auch so. er brauchte mich nur anzuschauen und ich habe gesehen, wie sehr er mich geliebt hat.

Ich mache mir sehr viele Gedanken über die verschiedensten Dinge, bin schon zu dem Entschluss gekommen, dass ich nie wieder einen Mann so sehr lieben werde wie ihn, aber das ist okay. Er hat mir so viel Liebe gegeben, so viel, dass sie für ein ganzes Leben reicht.
Aber ich glaube, dass ich mich auch nie wieder für einen anderen Mann interessieren kann. Alle kommen mir so langweilig, einschläfernd und 0815 vor. Er war alles andere als das. Er war aufregend, spannend, voller Leidenschaft und ich habe es geliebt an ihm, dass er ein Leben geführt hat, das nicht 0815 war.

Er hat in der Gastronomie gearbeitet und viel von der Welt gesehen, daher auch viel erlebt. Unter anderem auf einem Kreuzfahrtschiff. Er hatte viel mit Promis zu tun, war einige Jahre Geschäftsführer in einem Lokal in Miami. Er hat aktiv Motorsport betrieben, war professioneller Pokerspieler. Ich habe es so geliebt wenn er mir Geschichten aus seinem Leben erzählt hat, das war so aufregend und er konnte so mitreißend erzählen. Er hatte eine unglaubliche Faszination auf mich.
Wie soll ich nur jemals wieder jemand "normalen" attraktiv finden, mit 9 to 5 Job, normalen Hobbies wie Serien schauen usw.

Er war so unglaublich liebevoll, so witzig und wortgewandt, so schlagfertig, stolz, hatte Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, er war so charismatisch und so charmant, so hilfsbereit und nett zu allen Leuten, er war so ein guter Unterhalter, er war so klug und verständnisvoll, beschützerisch und er hatte viel Einfühlungsvermögen, er hatte ein Auftreten und eine Ausstrahlung, das/die mir so imponiert hat, er war so unglaublich aufmerksam, er wollte mich immer glücklich machen, er war so leidenschaftlich, euphorisch und voller Feuer. Er wollte immer das Beste für mich. er hat mich behandelt als wäre ich ein Diamant.

Ich weiß, es gibt keinen Menschen ein zweites Mal. Ich weiß aber, ich will niemanden, der nicht so ist wie er.
Der Exfreund vor ihm war ein Typ, wie man ihn zu Hauf findet. Normaler Job, dann nach Hause gekommen und den ganzen Tag Computer gespielt.
Aber jemanden, der meinem verstorbenen Freund auch nur ähnlich wäre, habe ich noch nie getroffen. Auch nicht, bevor ich ihn überhaupt kannte.

Manchmal denk ich mir, ich will überhaupt nie wieder einen Mann. Es kann eh keiner mit ihm mithalten und mir Recht machen. Natürlich hatte auch er seine schlechten Eigenschaften, aber die hab ich angenommen und sie haben mich nicht so gestört, dass ich sie ändern hätte wollen.
Ich weiß, man sagt, es gibt keine perfekte Beziehung, aber unsere war perfekt. Für uns. Wir haben perfekt harmoniert, es gab keinen Streit (natürlich Meinungsverschiedenheiten, aber kein Streit). wir haben uns nie Beleidigungen an den Kopf geworfen, waren nie böse aufeinander. Wir haben so viel miteinander gelacht, er hat mich so viel zum lachen gebracht, wir haben oft tagelang nur geredet. Wir haben immer auf den anderen Acht gegeben, uns wertgeschätzt und das auch gesagt und gezeigt.
Wir haben uns einfach nur geliebt. Ich merke schon jetzt, wo es eigentlich noch gar kein Thema ist, dass ich Männer, die ich kennenlerne (wenn ich mich mit Freunden treffe oder so) als langweilig oder nicht gut genug abstemple. Ich möchte das aber eigentlich schon deshalb nicht machen, weil es ja irgendwie abwertend ist, aber ich kann es nicht abstellen.
Ich denke, dass das wohl so bleiben wird. Weil einfach niemand er ist.

Danke fürs Lesen.

22.06.2020 21:35 • x 4 #1


Perzet


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@furchii
Was für ein großartiges Geschenk du im Leben mit so einem Partner, mit so einer wunderbaren Liebe erhalten hast!

Schreibe darüber, halte diese Liebe lebendig auf deine Weise.

Die wenigsten Menschen werden dies überhaupt erleben. Die Latte liegt dadurch unglaublich hoch. Halte eure gemeinsame Zeit in Ehren!

Vor langer Zeit hörte ich mal die Aussage sinngemäß "Die Liebe ist eine der wenigen Sachen, die man zuerst erleben darf und dann erst dafür gezahlt wird."

Die Trennung, das Fehlen des Anderen ist jetzt gerade wegen eurer großen Liebe umso schmerzlicher.
Deswegen halte eure Liebe in guter Erinnerung, zb indem du darüber schreibst.

Fühle dich lieb umarmt

22.06.2020 21:47 • x 6 #2



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eM-Pi

eM-Pi


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Mein herzliches Beileid...
Vier Monate sind zu kurz, um sich Gedanken um einen zukünftigen Partner zu machen.
Gehe durch die Phasen deiner Trauer. Hoffe, du hast Menschen, die dich gut auffangen.
Es gibt das sogenannte Trauerjahr. Leider wird heutzutage zu schnell in die Normalität zurückgegangen...
Lass dir Zeit. Deinen verstorbenen Freund kann niemand ersetzten. Jeder ist anders. Trotzdem solltest du dich für deine Zukunft noch nicht festlegen. Es kommt vieles anders, als man denkt.
Ich wünsche dir alles Gute!

22.06.2020 21:58 • x 1 #3


Ayaka

Ayaka


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auch wenn er aus deinem Leben gerissen wurde liebst du ihn noch - daher interessieren dich auch keine anderen Männer - das braucht alles seine Zeit

und selbst wenn nicht - es zwingt dich doch keiner zur alltäglichen Video Abend Bespaßung wenn es nicht deines ist

behalte diese wundervolle Liebe in treuen Gedanken und gehe deinen Weg weiter, wohin er dich auch führen wird

ich drück dich lieb - so ein Verlust muss wirklich ganz furchtbar sein, vor allem wenn es so unerwartet kommt

22.06.2020 22:04 • x 1 #4


furchii

furchii


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Danke für eure lieben Worte.
Ich weiß natürlich, dass es viel zu früh ist für einen neuen Mann, ich suche auch gar keinen und will keinen. Ich will ja eh nur ihn.. Aber ich habe halt Angst, dass mir nie wieder jemand gut genug ist, weil ich weiß, was ich mal hatte.
Es war einfach so ein ganz besonderes Gefühl mit ihm... Er hat mich besser gemacht und ich hab ihn besser gemacht.. Ich war nicht nur sein Wunder, er war auch meins.
Wir waren unabhängig voneinander glücklich und auch schon glückliche Menschen, bevor wir einander kennengelernt haben.. Aber als wir uns dann kennengelernt haben und zusammen waren, war das nochmal auf einer ganz anderen Ebene, wir waren 2,5 Jahre zusammen und jede einzelne Sekunde dieser zweieinhalb Jahre habe ich mich gefühlt wie in anderen Sphären, weil ich so unglaublich glücklich war.

Er war ein so wundervoller Mensch... er hat mir so viel Liebe gegeben und vermittelt, er hat mir das Gefühl gegeben, alles schaffen zu können, er hat mich bei allem unterstützt und mich vorangetrieben.. Er war großzügig und er hat es geliebt, mich zum lachen zu bringen. Ich weiß noch genau, wie seine Augen immer geleuchtet haben, wenn er mich zum Lachen gebracht hat.
Es ist bestimmt so, dass es vielen Leuten nicht vergönnt ist, so eine Liebe kennenzulernen... diese eine Liebe... die Lebensliebe. Und ich bin natürlich unglaublich dankbar dafür. Aber er fehlt mir einfach so sehr... Ich wünschte so sehr, dass er noch da wäre... Ich kann dieses Gefühl gar nicht in Worte fassen, es ist einfach so, dass ein Teil von mir fehlt, das nie wieder ersetzt werden kann. Es ist ein riesiges schwarzes Loch, das nie wieder gefüllt werden kann.

Auch nicht - oder schon gar nicht - durch einen anderen Mann. Ich will niemanden, der nicht er ist... Nicht jetzt und auch nicht in 5 Jahren. Gleichzeitig will ich aber auch nicht mein ganzes restliches Leben alleine sein...
Es ist ein wunderschönes, unbeschreibliches Gefühl, jemanden so sehr zu lieben.. Und dafür bin ich so dankbar. Aber ich wünschte, er könnte diese Liebe noch empfangen.
Eine Trennung ist anders... da kann man zumindest hoffen, dass man irgendwann wieder zusammenfindet.. Unter Umständen kann man trotzdem mit der Person Kontakt haben... Aber er ist einfach weg und ich kann nichts dagegen tun.

Ich wüsste nicht, wie ein anderer Mann jemals Platz in meinem Herzen bekommen sollte, ich liebe ihn immer noch so sehr, obwohl es ja gar keinen Sinn mehr hat.
Wie schafft man es, jemanden zu lieben, obwohl es da schon jemanden gibt, den man liebt?
Er ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag gestorben und Samstag Abend habe ich ihm noch geschrieben, dass ich ihn für immer lieben werde und dass ich ihm das verspreche. Das hat er noch gelesen, bevor er gestorben ist.

Ich habe schon öfter gelesen, dass man sich nach dem Tod des Partners durchaus wieder verlieben und lieben kann.
Aber ich glaube das bei mir nicht. Er war meine Lebensliebe. Er war dieser eine Mensch...

23.06.2020 10:33 • x 1 #5


Hana-Ogi55

Hana-Ogi55


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Mein Beileid, Furchii. Einen Menschen zu verlieren, das ist der größte Verlust, den man erleidet. Du bist gefühlsmäßig noch in einem Schockzustand, denn alles kam urplötzlich über Dich herein.
Ihr hattet eine schöne Zeit, wie Du beschreibst und das ist wirklich ein Geschenk im Leben.
Habt ihr zusammen gelebt? Ich frage das, weil Du von Nachrichten schreibst ... wie: Samstag Abend habe ich ihm noch geschrieben, dass ich ihn für immer lieben werde und dass ich ihm das verspreche. Das hat er noch gelesen, bevor er gestorben ist.
Du weißt, dass er verstorben ist und Dein schmerz ist unendlich groß, verständlich.

Was ich eher nicht so nachvollziehen kann, warum machst Du Dir so viele Gedanken darüber, was in einem Jahr, in zwei Jahren oder so ist. Warum drehen sich Deine Gedanken derart viel um einen neuen Partner oder überhaupt, darum? Du schreibst ja: Ich will niemanden, der nicht er ist... Nicht jetzt und auch nicht in 5 Jahren. Gleichzeitig will ich aber auch nicht mein ganzes restliches Leben alleine sein...

Diese 4 vergangenen Monate sind viel zu kurz, um einen Verlust wirklich zu verarbeiten. Bleib in der Gegenwart und nicht zuviel in der Zukunft, von der auch die meisten von uns nicht wissen, was sie wirklich bringt.

23.06.2020 10:48 • x 3 #6


furchii

furchii


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Nein, wir haben nicht zusammen gewohnt, zu dem Zeitpunkt der Nachricht war er aber eh gerade im Krankenhaus.
Ich weiß nicht, warum ich mir so viele Gedanken mache. Aus Angst wahrscheinlich und ich bin sowieso ein Mensch, der sehr viel nachdenkt.

23.06.2020 11:11 • #7


Acht

Acht


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Zitat von Hana-Ogi55:
Was ich eher nicht so nachvollziehen kann, warum machst Du Dir so viele Gedanken darüber, was in einem Jahr, in zwei Jahren oder so ist. Warum drehen sich Deine Gedanken derart viel um einen neuen Partner oder überhaupt, darum?

Weil sie schon jetzt klar sieht, dass es nach so einer liebevollen Erfahrung auch später schwer werden wird. Das schreibe ich jetzt nach sechs Jahren, mit damals ähnlichen Gedanken.
Furchii, ich verstehe dich da leider immer noch, auch wenn schon sechs Jahre vergangen sind, seit dem Tod meines Partners, sehr gut.

23.06.2020 12:32 • x 3 #8


Isabella65


Ich kann dich beruhigen, du wirst wieder einen tollen Mann kennen lernen. Nicht jetzt, aber später. Sei dankbar für so eine tolle Erfahrung. Nimm es als Bereicherung für dein künftiges Leben.

23.06.2020 14:58 • x 1 #9


Perzet


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Die Leute, die ich kenne, die eine gute bis wunderbare Beziehung geführt haben und nur durch den Tod getrennt wurden, die haben wieder einen wunderbaren Partner gefunden.

Wahrscheinlich, weil sie bereits selber so wunderbar drauf sind und lieben können.
Du sagst selber, ihr wart jeweils glücklich und ok alleine. Zu zweit war es einfach großartig - meine Worte.
Im Moment bist du voll in der Trauerphase. Die ist soo wichtig. Deswegen sprich bzw schreibe über alles, was dir in den Sinn kommt, schönes, lustiges, trauriges, was auch immer. Das hilft ungemein.

23.06.2020 22:10 • x 1 #10


mafa

mafa


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Zitat von furchii:
Nicht jetzt und auch nicht in 5 Jahren


Du weißt gar nicht was in 5 Jahren ist. Du weißt nicht mal was morgen passiert.

23.06.2020 22:30 • #11


Abendrot


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Zitat von furchii:
Seitdem steht meine Welt Kopf und ich vermisse ihn so unfassbar, jeden Tag fehlt er mir so sehr. Ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt wie ihn, durch ihn habe ich erfahren, wie es ist, jemanden mit ganzem Herzen zu lieben.

Das ist mir auch passiert , deine Worte könnten meine Worte sein . Nur war ich schon über 40 Jahre alt und wir haben längere Zeit miteinander verbracht .
Es ist furchtbar , ich habe gelitten wie ein Tier , das man quält , keine Sonne mehr gesehen, nur geweint .der Horizont war schwarz und auch am Tag habe ich kein Licht gesehen .
Irgendwann wurde ich ruhiger , die Liebe zu ihm konnte mir niemand nehmen und mir wurde bewusst , er würde leiden , mich so leiden zu sehen , er möchte mich doch auch weiterhin glücklich sehen .
Bin da einen sehr langen Weg gegangen und habe einen Partner gefunden , der mich auf eine ganz andere Art und Weise glücklich machen konnte .
Traure , behalte ihn in deinem Herzen , es kommt etwas anderes , nicht schlechteres , wenn man irgendwann dafür offen ist , man kann eine neue Beziehung eingehen , ohne die alte Liebe zu vergessen , sie ist ein Teil von uns bleibt im Herzen , aber schmerzt nicht mehr , sondern ruft Dankbarkeit für das Erlebte hervor .

23.06.2020 23:03 • x 2 #12


Bumich

Bumich


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Zitat von furchii:
Wie schafft man es, jemanden zu lieben, obwohl es da schon jemanden gibt, den man liebt?


Wenn du liebst um der Liebe Willen. Dann ist es möglich. Nur ne Idee, vielleicht versuchst du mal, deine Liebe in dir zu kultivieren.
Wenn Liebe fließt ist sie Nektar. Wenn Liebe steht ist sie Gift. Der Geliebte ist ins formlose übergegangen. Zurück zur Quelle. Nun sollte auch deine Liebe zu ihm ins formlose übertreten. Zurück zur Quelle.

Zitat von furchii:
Manchmal denk ich mir, ich will überhaupt nie wieder einen Mann. Es kann eh keiner mit ihm mithalten und mir Recht machen.


Das gehört zu den Trauerphasen. Solche Gedanken sind nicht unnormal. Wenns bei dir gerade so ist, dann ist das ok. Du steckst ja auch noch mittendrin. Im Prozess. Vermutlich. Hast oder hattest du eine Trauerbegleitung? Oder stehst du allein auf weiter Flur?

23.06.2020 23:51 • x 1 #13


furchii

furchii


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Ich bin im Moment in psychologischer Behandlung und ich war auch schon in einer Trauergruppe... dass mir das besonders hilft, könnte ich jetzt nicht sagen.
es gibt bessere und es gibt schlechtere Tage. Richtig gute Tage gibt es nicht, seit mir die Liebe meines Lebens genommen wurde.
Er fehlt mir mit jedem einzelnen Atemzug, den ich mache. Eigentlich war gestern ein Tag, den ich unter anderen Umständen als nahezu perfekten Tag beschrieben hätte, ich war mit meiner ganzen Familie im Garten, wir haben Geburtstag gefeiert und ich habe viel mit meinem Neffen und meinem Neffen 2. Grades gespielt... und trotzdem war so eine unheimliche Leere in mir und als ich Abends nach Hause gekommen bin, habe ich wieder bitterlich geweint, so wie jeden Tag, seit er nicht mehr da ist. Das geht seit fast 4 Monaten so, kein einziger Tag ist seitdem vergangen, an dem ich nicht geweint habe.

Es ist noch immer sehr schwer für mich zu verstehen, dass ich ihn nie wiedersehen werde, weil er einfach nicht mehr existiert. Oft habe ich das Gefühl, ich muss ihm nur zeigen, wie unglaublich traurig ich bin und wie schlecht es mir geht, dann kommt er zurück... Was natürlich Blödsinn ist. Sowas hätte er mir nie angetan. Wir hätten uns niemals von selbst getrennt. Viele werden denken, das kann ich gar nicht wissen, aber ich weiß es. Nie, nie, niemals hätten wir uns von selbst getrennt.
Bei jeder einzelnen Sache, die ich mache, stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn er noch da wäre. So oft denke ich mir:"das würde ich dir erzählen/das würde dir gefallen/darüber würden wir reden"... Ich habe ihm alles erzählt. Alles. Wir konnten über alles reden, ohne Ausnahmen. Ich vermisse es, mit welcher Leichtigkeit er mich runterholen konnte, wenn ich aufgewühlt war und mein Temperament sich gezeigt hat. Ich vermisse seine Ruhe so sehr, dass er immer rational über ein Problem nachgedacht hat und immer eine Lösung gehabt hat.

Ich vermisse den Halt, die Stütze so sehr, die er mir gegeben hat.. er war einfach mein Fels. Wenn ich in seinen Armen gelegen bin, wusste ich, es kann mir nix schlimmes passieren und alles wird gut. Ich vermisse seine Lockerheit, seine locker-flockigen Witze, die einfach oft aus dem Nichts heraus gekommen sind.
Oft kommt es mir gar nicht mehr real vor, sondern wie ein Traum, die letzten 2 Jahre und 3 Monate. Einerseits kommt es mir schon wie Ewigkeiten vor, dass wir zusammen waren, dass ich ihn hatte und dass ich die schönsten 2 Jahre meines Lebens erlebt habe.. Und Andererseits ist es so kurz, viel zu kurz um zu begreifen, dass er tatsächlich nie wieder kommen, nie wieder anrufen wird. Oft gehe ich ganz bewusst Erinnerungen und Momente durch, da ist es, als würde er noch leben, als wäre er noch bei mir. Ich kann immer noch sein Lachen und seine Stimme hören, ich sehe noch genau sein spitzbübisches Grinsen, ich sehe noch genau seinen Gesichtsausdruck, mit dem er mich angesehen hat, um mir zu vermitteln, wie sehr er mich liebt. Ich rieche noch immer seinen Geruch, den ich so unglaublich geliebt habe. Es gab und gibt nichts, das besser gerochen hat als er.

Als wäre es gestern gewesen kann ich mich erinnern, als ich ihn, kurz bevor er gestorben ist, im Krankenhaus besucht und mich in seinen Hals und seine Brust gegraben habe mit meinem Kopf. Ich habe ein paar Minuten dort gelegen, dann habe ich den Kopf gehoben, ihn angeschaut und gesagt:"Das klingt jetzt wahrscheinlich blöd, aber du riechst trotzdem unglaublich gut."
Er hat mich angeschaut, mir den Oberschenkel gestreichelt und herzlich gelacht. An einem Tag waren seine Schmerzen so schlimm, dass er es kaum mehr ausgehalten hat. Er hat sich auf das Bett gesetzt, ich bin ihm gegenüber gesessen, er hat seinen Kopf in meiner Brust vergraben, ich habe seine Haare gestreichelt und seinen Hinterkopf geküsst. Das war, trotz der eigentlichen Dramatik der Situation, ein wunderschöner Moment, denn er hat unsere Beziehung repräsentiert. Liebe, Vertrautheit, Wärme, Wertschätzung, Rücksicht, dem Anderen sein innerstes Ich und Schwäche zeigen zu können. Rückblickend befand er sich da schon in der Sterbephase. Ob ich das damals schon gewusst habe, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wollte ich es nicht annehmen und wahrhaben.

Das lustige/paradoxe an der Sache ist, dass er es hassen würde, wie ich mich fühle, wie es mir geht, wie ich drauf bin. Das würde er niemals für mich wollen. Niemand weiß das besser als ich. Aber er wusste auch, wie unfassbar ich ihn geliebt habe und hätten wir gewusst, dass er stirbt, hätte er auch gewusst, wie schwer es für mich sein würde.
Am Freitag war ich in einem Lokal bei einer Band, die u.A Austropop Lieder nachgesungen haben. Nach einigen Liedern kam Danzers "lass mi amoi no'd Sunn aufgeh segn".
Ich habe so unglaublich geweint. Es waren nicht ein paar Tränen, die mir über die Wangen gelaufen sind, es war bitterliches weinen.


Madl, halt mi fest und halt mi warm
Halt mi tief versteckt in deine Arm'
Früher samma stundenlang so g'leg'n
Lass mi amoi no d'Sunn aufgehn sehn
Lass mi amoi no d'Sunn aufgehn sehn
I waß net, warum mi heut' so g'friert
Und warum's so finster in mir wird
Jo i glaub, es kommt a schwerer Reg'n
Lass mi amoi no d'Sunn aufgehn sehn
Lass mi amoi no d'Sunn aufgehn sehn

Ich vermisse ihn so sehr, dass es einfach am ganzen Körper weh tut. Dass es brennt. Und nein, das wird nicht "schon wieder gut". Es wird bleiben, für immer. Wahrscheinlich werde ich irgendwann mal wieder sagen können, dass ich glücklich bin und es mir gut geht, aber es wird nie wieder so werden, wie es war. Es wird nie wieder so gut, nie wieder so glücklich werden, wie es mit ihm war. Durch ihn habe ich erfahren, was tiefe, pure, reine Liebe ist. Wieviel Liebe man für einen einzigen Menschen empfinden kann. Was man für einen einzigen Menschen bereit ist auf sich zu nehmen, weil man ihn so sehr liebt.
Ich war sein Wunder und er war meins. Mittlerweile denke ich, dass er sowieso gestorben wäre, unabhängig davon, ob wir uns kennengelernt hätten... es ist ein tröstlicher Gedanke, dass er seine letzten 2 Jahre mit mir verbringen konnte und dass er in dieser Zeit so glücklich war, wie er nur sein konnte... dass es die schönsten letzten 2 Jahre waren, die er nur haben konnte.

Vielleicht schaffe ich es irgendwann, nicht mehr zu denken, dass er überraschend vor meiner Tür steht - so wie er es manchmal gemacht hat, als er noch gelebt hat - oder er mich überraschend von der Arbeit abholt und mir sagt, alles war nur ein Missverständnis. Vielleicht schaffe ich es irgendwann, nicht mehr nach seinem Auto zu suchen, wenn ich von der Arbeit rausgeh.
Wahrscheinlicher ist aber, dass diese unfassbare Sehnsucht nach ihm immer bleiben wird.
Die Liebe, die er mir geschenkt hat, reicht für ein ganzes Leben und trotzdem wünsche ich mir so sehr, noch mehr davon von ihm zu bekommen. Ich vermisse seine Fürsorglichkeit, dass er immer so darauf aufgepasst hat, dass es mir gut geht, seinen unglaublich liebevollen Umgang mit mir.
Ich wohne im 4. Stock und immer, als er vom Aufzug ausgestiegen ist und mir emtgegenkam, hat er gelächelt und gestrahlt und ich konnte sehen, wie sehr er mich liebt.

Gestern war mein letzter Gedanke vor dem einschlafen unser Kurzurlaub in der Steiermark, in einer Hütte mit einem Kamin, draußen hat es geregnet, wir hatten zuvor ein tolles Essen in einem Lokal, haben Musik gehört und den ganzen Abend nur geredet...
Irgendwann werde ich lächeln, wenn ich an ihn denke. Irgendwann schaffe ich ess.

25.06.2020 20:19 • x 3 #14


Acht

Acht


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Furchii, ihr habt euch viel von euren Stärken geschenkt. Das ist ein riesiger, unsichtbarer Schatz, den du da hast und da spreche ich jetzt wieder aus Erfahrung, dieser Schatz bleibt dir für immer.
Alles Liebe!

25.06.2020 20:35 • x 1 #15



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