Genau diese Frage muß ich mir auch seit 2 Wochen stellen.
Ich war mit meinem Ex 10 Jahre lang zusammen. Nach der Trennung vor knapp über einem Jahr, habe ich mir eine Wohnung genommen und war so unfassbar glücklich und erleichtert, in meinen eigenen 4 Wänden zu leben.
Grade die Sonntage, wenn meine Jungs noch beim Ex waren, habe ich so genossen. Wenn ich wollte, habe ich an diesen Tagen genau nichts gemacht. Bisschen geputzt grade mal, Wäsche gewaschen und sonst nur rumgegammelt. Ohne schlechtem Gewissen.
Die vergangenen 8 Monate war ich mit meinem letzten Freund zusammen. Anfangs war er mein absoluter Traumprinz. Ich war soooo verliebt. Er hat mir jeden Wunsch abgelesen, mir fast täglich Liebesgeständnisse auf kreativste Art und Weise gemacht und die Zeit mit ihm zu verbringen, war einfach schön. Aber dennoch brauchte ich immer wieder mal einen Tag, an dem ich zu Hause sein wollte. Anfangs erklärte ich ihm, daß ich Sonntag gerne zu Hause bin. Aber das akzeptierte er ziemlich bald nicht mehr. Also stand ich auch sonntags parat. Das einzige, abends bestand ich darauf, alleine nach Hause zu fahren, um zumindest mal alleine schlafen zu können. Auch das verstand er nicht wirklich, musste er aber akzeptieren. Aber es war ihm immer zu wenig alles. Er wollte immer mehr. Je mehr er mich unter Druck setzte, umso mehr ging ich einen Schritt zurück, umso mehr ging er zwei Schritte auf mich zu. Aber dazu gibt es eh einen eigenen Threat.
Jedenfalls hab ich mich vor 2 Wochen getrennt und fühle mich seitdem total befreit. Ich kann wieder machen was ich will, kann alleine zu Hause sein, wann immer ich das möchte. Ich versuche mich mehr meinen Kindern zu widmen, jobmässig mehr Gas zu geben und geniesse es, auch wenn ich mal ganz alleine bin. Er konnte das nicht verstehen. Er brauchte immer jemand - vorzugsweise die Partnerin - um sich.
Eine meiner Freundinnen hat sich zur selben Zeit wie ich getrennt. Sie ist nun bei ihrem Exex eingezogen - auf freundschaftlicher Basis - und bandelt mit dem Ex (der vor dem aktuell Letzten jetzt) wieder an. Weil sie nicht alleine sein kann. Für mich unvorstellbar. Ich geniesse gerade meinen Freiraum so sehr.
Ich kann mir irgendwann natürlich wieder eine Beziehung vorstellen. Aber ich weiß nicht, ob mit allem drum und dran. Ich glaube, ich würde meine Wohnung behalten wollen. Ich möchte auch einfach nicht, daß der Alltag so schnell mit einzieht. Ich finde es schön, wenn man sich nicht jeden Tag sieht und das Prickeln dadurch länger erhalten bleibt. Aber auch alle andere meine Freundinnen, stürzen sich sofort in ihre Beziehungen. Die eine hat den Einzug ihres Freundes, als Bedingung für ihre weitere Beziehung gestellt. Für mich undenkbar. Die andere eben, würde ihr Ex sagen "nehmen wir uns gemeinsam eine Wohnung" würde sie keine Sekunde überlegen. Wieder eine andere ist seit ca. 1 Monat mit ihrem Freund zusammen, sie haben Schlüssel getauscht und er ist jeden Tag bei ihr. Das ist für mich alles so unvorstellbar. Wie ich noch jünger war, war das auch alles kein Problem für mich, aber heute möchte ich das irgendwie nicht mehr.
Aber welches Verhalten ist denn normal? Ich glaube schon langsam, daß ich mit meiner Einstellung eher abnormal bin. Manchmal denke ich, vielleicht liegt es daran, daß ich Einzelkind bin und ziemlich früh gelernt habe, mir selbst zu genügen. Keine Ahnung. Aber es tut gut, wenn man liest, daß auch andere so empfinden.
