Zitat von hotte: und die häufige Meinung hier im Forum ist das du aus dir selber die ganze Kraft ziehen solltest du du brauchst,
Ich habe hier noch nie die Meinung gelesen, dass jemand in der Lage sein sollte, vollumfänglich aus sich selbst die Kraft oder Sicherheit, die er benötigt, zu ziehen.
Das kann auch meiner Sicht auch gar nicht funktionieren und niemand muss immer nur stark sein. Jeder Mensch benötigt mal Rückhalt und Sicherheit von extern; sei es vom Partner, von der Familie oder einem Freund/einer Freundin. Und das ist völlig ok. So sollte es auch sein.
Was aber problematisch ist, ist wenn jemand überhaupt nicht in der Lage ist, sich selbst zu regulieren und immer und immer wieder die Versicherung, dass alles ok ist, braucht.
Das ist jetzt nicht speziell auf die TE bezogen, sondern ganz allgemein.
Und ich kenne beide Seiten. Genau wie die TE musste auch ich früh lernen, die Stimmungen meiner Eltern zu lesen. Insbesondere bei meinem Vater war es immer ein schmaler Grat, weil er ein richtiger Spaßvogel sein, seine Laune sich aber innerhalb von Sekunden ins Gegenteil umkehren konnte..und dann gnade dir Gott. Da hat ein falscher Atemzug gereicht. So schnell konntest du gar nicht rennen und dich verstecken. Na, egal.
Was ich sagen will: Ich habe jeden Stimmungsumschwung aus 10 km gerochen und war sofort zutiefst verunsichert. Ich habe alles immer auf mich bezogen und war -wenn überhaupt- nur kurzfristig beruhigt, wenn mir rückversichert wurde, dass es nichts mit mir zu tun hat.
Die Ausprägung war von Partner zu Partner unterschiedlich stark; je nachdem, wie sehr dieser mit Geduld gesegnet war. Aber das Bedürfnis, mich rückzuversichern war immer mehr oder weniger da; und wenn es da war, dann
musste es auch vom Partner gestillt werden. Ich glaube schon, dass es für den Partner teilweise sehr anstrengend war.
Bei meinem Forengrund war das sogar der Grund, warum unsere erste Kennenlernphase gescheitert ist. Wäre er nicht zwei Monate später wieder auf mich zugekommen, wäre es das gewesen.
Mittlerweile habe ich gelernt, mich ganz gut selbst zu regulieren und nicht jede Verunsicherung dem anderen aufzubürden. Und ich merke, dadurch dass ich sehr viel besser in der Lage bin, Eigenverantwortung für meine Gefühle zu übernehmen, dass mich z.B. Stimmungsumschwünge oder die schlechte Laune anderer generell weniger und/oder weniger heftig verunsichern.
Zitat von hotte: ich bin jedoch der Meinung dass das bare minimum ist das dein Partner nicht noch öl ins Feuer giesst und deine Unsicherheit schürt
Ein gewisses Maß an Verständnis und Rücksichtsnahme sollte schon vorhanden sein, da bin ich bei dir. Es sollte aber nicht so weit gehen, dass der andere sich verbiegen oder auf rohen Eiern laufen muss, um den ängstlichen Part bloß nicht versehentlich zu verunsichern. Je nach Ausprägung kann der Grat schmal sein, dass man in diese Rolle rutscht.
Zitat von hotte: Ein eher vermeidender Bindungstyp schwankt gerne zwischen nähe und abstand
Und das sollte im Gegenzug dann auch akzeptiert und mit einem gewissen Verständnis angenommen werden. An dem Vermeider ist genau so wenig etwas falsch wie an dem Ängstlichen. Wenn sich keine Balance findet, sondern jede Seite alleinige Rücksicht für sich selbst einfordert, wird das Ganze nicht funktionieren. Und meist tut es das dann auf Dauer auch nicht, ohne dass man sich aneinander aufreibt.