Blanca
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Zitat von Mauseline:Jetzt denke ich, das ich die Affäre wieder aufnehmen sollte. Ich würde ihm wenigstens stundenweise Nähe, Liebe und Zärtlichkeit geben können. Auch wenn er mich dafür nicht lieben könnte. Auch wenn er mich verachtet, täte ihm das doch gut.
Nein, es täte ihm nicht gut. Du schreibst es doch selbst:
Zitat von Mauseline:Ich merkte auch das er jedes mal nachdem wir zusammen waren die Achtung mehr und mehr verlor, weil ich immer wieder kam wie ein treuer Hund. Egal wie schlecht er mich behandelte. Ich zog dann irgendwann die Notbremse, weil sich bei ihm Hass gegen mich entwickelte.
Warum willst Du Hass in sein Leben bringen? Nichts anderes würde erneut provoziert, falls Du ihm nachstellst.
Hass frisst des Menschen Seele auf. Wünschst Du ihm das wirklich?
Zitat von Mauseline:Was soll ich jetzt tun?
Beim Lesen Deiner Beiträge gewinne ich den Eindruck, daß Deine Ex-Affaire weniger Deine "große Liebe", sondern vielmehr der lebendig und anfassbar gewordene Stellvertreter für all Deine inneren Sehnsüchte war, bzw. eine Projektionsfläche dafür. Diese Sehnsüchte hast Du vermutlich schon früh im Leben entwickelt, aber tief in Deinem Herzen vergraben, statt sie auszuleben.
Ein erfahrener Psychologe könnte Dir gezielte Fragen stellen - beginnend mit Deiner Kindheit - um herauszufinden, was für Sehnsüchte das konkret sind und warum Du sie Dein halbes Leben lang in Dir beerdigt hast, bis Dir Deine Ex-Affaire begegnet ist.
Leider gibt es fähige und weniger fähige Therapeuten und "dank" Corona dürften persönliche Sitzungen sich momentan noch schwierig gestalten. Ich persönlich halte im übrigen auch mehr von einem stationären, mehrwöchigen Intensivaufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, da dort ad hoc ein ganzes Therapeutenteam zur Verfügung steht, Du die Chance hättest, andere Menschen mit ähnlicher Problematik kennenzulernen (nein, Du bist nicht allein darin!) und Dich mit ihnen auszutauschen und man Dir verschiedene Wege zeigen würde, wie Du Zugang zu Dir, Deinem inneren Kind und Deinen Gefühlen findest, statt Dich selbst immer weiter zu verletzen, indem Du wie ein Dornenvogel diesem Mann hinterherfliegst.
Viel riskieren tust Du mit so einem Aufenthalt nicht: Bestenfalls findest Du zu einem anderen Umgang mit Dir selbst und schlimmstenfalls hast Du ein paar Wochen Auszeit in einer schönen Gegend und mit interessanten Leuten verbracht. Da der Klinikalltag von Gruppensitzungen und -übungen geprägt ist, wird es definitiv nicht langweilig und wenn Du Glück hast, wird innerhalb dieses geschützten Raums eine Offenheit entstehen, die es Dir erlaubt, Dich selbst in den Berichten anderer Co-Patienten ein Stück weit wiederzufinden, dies angemessen zu reflektieren und dann auch Deine eigenen Emotionen zu erkennen, sie benennen zu können und andere Wege zu finden, mit ihnen umzugehen, als sie wieder und wieder auf die Projektionsfläche "Ex-Affaire" zu projizieren und das solange, bis deren Rückstrahlung Dich innerlich getötet haben wird.
Zitat von Mauseline:Vergessen werde ich ihn nie. Die Wunde, die diese Liebe in mir hinterlassen hat wird nie verheilen.
Warum solltest Du ihn vergessen müssen? Er war ein Kapitel in Deinem Leben, das durchaus seine Bedeutung hatte. Eure Affaire war die Pandorra-Box-Öffnung, die Deine innersten Gefühle nach oben und an die frische Luft brachte, nach all diesen Jahren, die Du sie tief in Dir vergraben hattest.
Irgendwann in 5, 10, 20 Jahren wird es nicht mehr wichtig sein, daß Eure Affaire beendet wurde. Sie wird aber hoffentlich eine andere Bedeutung für Dich haben. Diese Affaire war nicht das große Wunder Deines Lebens und auch nicht das der "Liebe" - sie war ein wichtiger Katalysator auf der Reise in Dein Ich. Warum das vergessen?
Mit dem zweiten Satz hingegen bin ich nicht einverstanden: Von "Liebe" kann hier meines Erachtens keine Rede sein - auch wenn es sich für Dich so anfühlt.
Du hast nie mit Deiner Ex-Affaire gelebt und kannst insofern gar nicht wissen wie es wäre, ihn - etwa jetzt zur Corona-Zeit oder meinetwegen auch nur im Rahmen einer mehrwöchigen Safari-Expedition - 24/7 um Dich herum zu haben. Wir Menschen sehnen uns immer nach dem, was wir nicht haben können. Wird so ein Traum dann tatsächlich mal wahr, zerfällt er mitunter binnen kürzester Zeit an der Realität selbst banalster Dinge.
Hinzu kommt der Push & Pull-Effekt, der auch bei Eurer Affaire dafür sorgte, daß Du nicht nur den anfänglichen Hormonrausch erlebtest, sondern auch gehörig Bindehormone ausgeschüttet hast. Das Ganze gepaart mit einem eh schon längst traurigen inneren Kind und der fehlenden Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft ist der perfekte Cocktail, um Dramatik entstehen zu lassen, wo in Wahrheit vermutlich schon 3-6 Monate Alltagsleben gereicht hätten, um diesen Mann mit völlig anderen Augen wahrzunehmen.
Um Dir einen weiteren Eindruck davon zu vermitteln, wie ich das meine, verweise ich auf einen früheren Beitrag von mir unter ein-thread-ueber-affairenfilme-t54228-s15.html#p1889679
Ganz kurz dazu: Viele halten "Die Brücken am Fluss" für einen Liebesfilm. Ich nicht. Für mich ist es ein Affairenfilm - warum, wird in diesem Beitrag näher erläutert.
Zitat von Mauseline:Wir werden gemeinsam alt, das habe ich ihm geschworen. Ich denke auch er spürt das ich nicht zu 100% zurück gekommen bin. Aber das wenige, was ich ihm bieten kann, reicht ihm. Und ich werde es ihm weiterhin geben. Dazu bin ich verpflichtet.
Es ist o.k., wenn man bescheiden ist und sich mit wenig begnügen kann. Aber man sollte dann zumindest zufrieden leben können - also wenn man schon nicht wirklich glücklich ist.
Manchmal allerdings stellt sich auch heraus, daß man das Glück bereits in den eigenen Händen hielt - es aber nicht als solches erkennen konnte.
Du fragst:
Zitat von Mauseline:Was sollte mir professionelle Hife bringen? Sie kann mein Leben nicht ändern.
Ich frage:
Willst Du denn überhaupt, daß Dein Leben sich ändert? Oder fühlst Du Dich wohl mit diesem Sehnsuchtsgedöns, das Du gerade durchlebst?
Also falls Du wirklich mit der Bereitschaft in Therapie gehst, Dich und damit auch Dein Leben zu verändern, dann wird man Dir dort auch Wege vermitteln, wie Du das schaffen kannst.
Was definitiv nicht geschehen wird ist, daß das Therapeutenteam Dir eine Anleitung in die Hand drücken wird, wie Du dabei konkret vorgehen solltst. Du wirst erst mal eine Menge Fragen beantworten, eine Menge Eindrücke auf Dich einwirken lassen und viele Übungen vornehmen müssen, ehe Du genug über Dich selbst herausgefunden hast um Dir darüber klarzuwerden, was konkret sich an Deinem Leben ändern muß, damit es Dir besser geht als jetzt und dann erst wirst Du vielleicht gebeten, Dir einen Plan zu machen, wie es nach der Therapie weitergehen soll.
In weiterer Folge wird es nicht die Therapie sein, die Dein Leben ändert, sondern Du selbst wirst es tun. Es ist Kernaufgabe jeder Therapie, Dir dies zu ermöglichen, indem sie Dir Einsichten vermittelt, Wege aufzeigt, etc. - aber abnehmen kann und wird sie Dir das keinesfalls.
Zitat von Mauseline:Wäre ich nochmal jung würde ich heute vieles anders machen. Jetzt sind all diese Chancen vorbei.
Der Sinn des Lebens ist es zu leben. Deshalb ist das Rennen auch erst gelaufen, wenn das Leben vorüber ist.
Mag sein, daß Du Deinen Mann nicht nochmal heiraten würdest. Mein eigener Ex bekäme mich heute auch nicht nochmal aufs Standesamt, ich ihn mittlerweile ebensowenig. Dennoch käme es mir nicht in den Sinn, diese Ehe per se als "Fehler" zu bezeichnen oder irgendetwas anders machen zu wollen, als ich es damals gemacht hatte.
Natürlich hätten Dein oder mein Leben einen völlig anderen Verlauf genommen, hätten wir uns damals anders entschieden. Aber woher willst Du eigentlich wissen, daß es dann besser gewesen wäre? Frag Dich lieber, vor wieviel Mist Dich Deine damalige Entscheidung stattdessen womöglich immer noch bewahrt hat, der so spurlos an Dir vorbeigezogen ist.
Es ist nie zu spät, seinem Leben einen neue Richtung zu geben. Selbst mit 80 oder 90 noch nicht!
Und davon bist Du weit weg. Also bitte nicht so fatalistisch, sondern hab den Mut und bemüh Dich um Unterstützung. Glaub mir, irgendwann in ein paar Jahren wirst Du auf diesen Beitrag hier blicken und nur noch müde die Achseln zucken. Daß Du das moomentan weder so sehen kannst, noch willst ist mir sonnenklar. Aber dennoch wird es geschehen - wenn Du es zuläßt.
Oder ist es wirklich so erfüllend, den sterbenden Schwan zu geben?
Nee, ne?