Spannendes Thema!
Und gute Frage...
Ich schätze so mit Ende 30 sind viele Menschen in vielerlei Hinsicht an einem Punkt, zu hinterfragen, wie es bisher gelaufen ist. Nicht nur, aber besonders auch in Partnerschaftsfragen.
Ich denke, jeder zieht da ein bisschen seine eigenen Schlüsse...
Ja, man hat gemerkt, dass das (Liebes-)leben kein Disneyfilm ist.
Ja, man hat gemerkt, dass Beziehungen zu Ende gehen, obwohl sie mit so großen Gefühlen und so ehrlichen Vorsätzen eingegangen wurden.
Ja, Liebe verschwindet.
Ja, irgendwann sieht man den Menschen, den man so sehr geliebt hat, mit anderen Augen.
Ja, man merkt, dass es irgendwie blöd ist, wenn im eigenen Leben alles nur darum kreist, einen Partner zu haben, besonders da man den passenden Partner nicht herbeizwingen kann.
Ja, man merkt, selbst wenn man weiß, dass man einen völlig akzeptablen Partner an seiner Seite hat, dass man unzufrieden wird, sich nach Veränderung und Herzklopfen sehnt. Man weiß gar nicht warum genau, aber die Unzufriedenheit schleicht sich an.
Total verständlich, wenn man sich dann auf "hatte ich schon, brauch ich nicht mehr" zurückzieht.
Halte ich auch für ein absolut sinnvolles Zwischenstadium. Erst mal gucken, was es sonst noch so gibt im Leben, erst mal alles etwas nüchterner betrachten, erst mal übertriebene Erwartungen abbauen. Aufpassen muss man nur, dass das nicht lediglich eine Mauer des Selbstschutzes ist, hinter der man sich mittelfristig selber einsperrt.
Aber: Ich für mich spüre in mir auch immer ein großes Bedürfnis, anderen Menschen partnerachaftlich nah zu sein, einen oder mehrere Menschen ganz nah bei mir zu haben, sich gegenseitig zu "befruchten". Und ich würde vermuten, dass das ein Grundbedürfnis ist, das in den meisten Menschen in der einen oder anderen Ausprägung vorhanden ist. Ganz abgesehen davon, dass sich ein Hormonrausch, wenn er denn reinkickt, sich nicht wird ignorieren lassen, und in Windeseile jegliche mühsam erarbeitete Diszanziertheit und Nüchternheit umgehen wird.
Für mich ist es, herauszufinden, was die Liebe "ist" und was wir als Gesellschaft "draus gemacht" haben. Diese ganzen Schalen aus Erwartungen, Liebesfilmromantik, getriggerten Ängsten vorm allein sein usw. abschälen, bis die Liebe so viel weniger aber auch so viel mehr ist, als sie in unserer Teeniezeit war.
Also, was ist für mich "hatte ich schon, brauch ich nicht mehr":
-Exklusivität
-Dieses krasse verschränken zweier Leben, so dass zwei Leben quasi eines werden
-Das "für immer"-Versprechen, das sich aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin nicht halten läßt
-Diese Idee, dass eine Partnerschaft eine ganz bestimmte Form annehmen muss
Was ist für mich "möchte ich immer und immer wieder":
-Hormonrausch. Nix läßt einen sich so lebendig fühlen
-tiefe Begegnungen. Lernen vom Anderen.
-andere Menschen als Partner dauerhaft und stabil in meinem Leben haben
-über mich lernen, so wie man es nur in einer Partnerschaft kann
-mit offenem, verletzlichen Herzen durch die Welt gehen
-mich auf neues einlassen
Die Liebe ist tot. Es lebe die Liebe!