Hallo liebe Schreiber, vielen Dank für die zahlreichen Antworten, auch wenn ich mich erst jetzt wieder melde, es hat gut getan sie zu lesen bzw. bin ich auch traurig zu hören, dass andere ähnliches erlebt haben.
Ich habe mich nun von ihr getrennt. Zum Glück konnte ich noch in derselben Woche, in der sie sich im Urlaub befand, eine vorläufige Bleibe finden, eine sehr kleine Wohnung, befristet auf drei Monate, aber zumindest bin ich allein. Na ja, alleine nicht, meine besten Freunde sind fast jeden Abend hier.
Leider waren die letzten Tage sehr schlimm. Zwei Tage nachdem sie verreist ist, schrieb sie mir: Die Verlobte bzw. Ex-Verlobte unseres Chefs hat sein Handy. Ich hatte mich ja eh schon gewundert, woher sie eigentlich meine Nummer hatte, ich kannte sie ja nur sehr oberflächlich. Als sie mich anrief und mir alles von der Affäre erzählte, war das mit seinem Handy. Auf dem sie Bilder gefunden hatte. Von meiner Freundin. Von meiner Freundin und IHM... Nichts, worüber ich nachdenken möchte, aber: die Ex-Verlobte hatte IHM nun gedroht, dass sie die Bilder an alle Kollegen schicken würde, damit alle sehen, was für ein Chef er ist und die Leute wissen, wie man in dieser Firma also aufsteigen kann...
Wäre ich nicht in derselben Firma angestellt - meine Reaktion wäre wohl gewesen, Tja, dumm gelaufen. Aber falls ich doch dort noch einmal auftauchen muss (bin derzeit krank geschrieben und hoffe, alsbald eine andere Stelle zu finden)?
Ich will nicht, dass irgendjemand davon weiß. Ich stelle mir vor, ich dort erscheine und mich alle von der Seite her anstarren. Völlig egal, ob sie dabei Mitleid, Freude am Klatsch oder gar Schadenfreude empfinden, völlig egal, ob mir jemand auf die Schulter klopfen will. Ich will nicht, dass es jemand dort erfährt und kann keine Genugtuung bei dem Gedanken empfinden. Egal wie schlimm es ist, egal wie mies das Verhaltend er beiden, es geht niemandem etwas an. Wenn ich doch noch eine Weile dort arbeiten muss, wird es schlimm genug sein, dass diese beiden dort sind. Aber wenn dann auch noch jeder davon weiß...
Ich habe dann der Ex-Verlobten geschrieben, ihr gesagt, dass ich ihre Wut und ihren Wunsch nach Rache verstehe, dass sie es mir zuliebe aber bitte bleiben lassen soll. Letztendlich hat sie von ihrem Vorhaben abgesehen. Aber das waren weitere qualvolle Stunden, auf die ich gerne verzichtet hätte.
Als meine Freundin von der Reise zurückkehrte fragte sie mich, ob ich ihr eine zweite Chance geben kann. Meine Antwort war nein. Und es geht nicht mal darum, ob ich es will. Ich KANN es nicht. Ich sehe sie an und erkenne die Frau nicht wieder. Vertrauen? Das Wort kann ich nicht mehr mit ihr in Verbindung bringen. Das einzige, was ich will, ist, dass sie mir nie mehr Schmerz zufügt und das geht nur, wenn ich sie weitgehend aus meinem Leben entferne.
Der Witz an der Sache: am Ende dieses Treffens habe ich SIE fast getröstet. Sie ist am Ende. Hat mir erklärt, dass sie mit IHM gar nicht mehr spricht, dass er seine künftige Ehe retten will, dass sie ihn auf Facebook gelöscht hat und und und... Das alles spielt keine Rolle mehr für mich. Ich kann nicht mehr. Sie hat vor mir geweint, ich nicht. Dabei glaube ich, das mein Schmerz größer ist als ihrer. Ich war nur viel zu gelähmt, um ihn zum Ausdruck zu bringen.
Danke auch noch mal an alle mit dem Ratschlag, ich solle mich krankschreiben lassen. Ehrlich gesagt kam mir das als Lösung gar nicht in den Sinn. Obwohl ich gerade innerlich leide wie selten zuvor dachte ich gar nicht, dass es einen Arzt interessieren könnte. Erst als mein Arzt meine, natürlich schreibt er mich krank, das sei ja ein Unding, wurde mir klar, dass ich mich wirklich ganz krank fühle. Innerlich.