×

Lieber Forenbesucher,

wer bei uns Unterstützung sucht, soll sie finden, und wer helfen möchte, ist hier herzlich willkommen. Moderatoren und Mentoren begleiten das Forum und achten darauf, dass Beiträge respektvoll bleiben. Sachliche, tröstende, wohlwollende und empathische Beiträge sind ausdrücklich erwünscht, damit sich alle Mitglieder wohl fühlen. Abwertende oder verurteilende Inhalte haben hier keinen Platz.

27

Plötzliche Trennung nach ü20 J - ich bin fassungslos

J

Juli007
Mitglied

Beiträge:
12
Themen:
1
Danke erhalten:
12
Mitglied seit:
Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich heute hier angemeldet, weil mein Mann sich vor mir getrennt hat. Von heute auf morgen hat er 22 Jahre Beziehung einfach so weggeworfen. Wir haben drei gemeinsame Kinder, zwei Hunde, ein Haus….

Rosig war unsere Beziehung in den letzten Jahren nicht, was in erster Linie seinem Arbeitspensum geschuldet war. Ich habe alles alleine gestemmt. Arbeiten, Kinder, Haus, die Betreuung meiner Mutter sowie ein Kind mit chronischer Erkrankung. Ich war sehr oft am Limit und er hat zwar zwischendurch versucht mich mal zu unterstützen, aber das war kaum der Rede wert. Absprachen wurden nie eingehalten und ich wurde dadurch wohl zum Meckerziege für ihn.

Das hört sich absurd an, aber gestern bekam ich noch einen großen Blumenstrauß, wie er es alle paar Wochen oder alle paar Monate immer mal macht. Abends auf der Couch, unterhielten wir uns und das Gespräch ging irgendwie in diese Richtung. Kein böses Wort, kein Streitgespräch, keine vernünftigen Antworten…. Er fühle sich leer. Es tut ihm leid.

Mein erster Gedanke war natürlich, dass eine andere Frau dahinter steckt, eine andere Erklärung gab es für mich gar nicht. Aber ich kann jederzeit an sein Handy, mir ist dergleichen auch nichts aufgefallen und er schwört darauf, dass das nicht der Fall ist. Ob es stimmt - keine Ahnung, aber eigentlich hätte er dafür noch nicht mal Zeit. Er ist selbstständig und arbeitet unfassbar viel. Dadurch hat er uns ein sehr schönes Leben ermöglicht, aber eben nur in materieller Hinsicht.

Er geht seit neun Monaten zu einem Psychologen, weil er sehr depressiv verstimmt war, sich schlecht abgrenzen kann. Ob das eine Rolle spielt, kann ich nicht beurteilen.

Ich kann das alles noch überhaupt gar nicht begreifen. Ich fühle mich wie in einem Film…. Und ich habe so unfassbare Angst. Ich fühle mich so furchtbar alleine, bin so verletzt, traurig und kenne diesen Menschen plötzlich nicht mehr.

x 6 #1


Winza
@Juli007

Hallo erstmal.
Tut mir sehr leid was dir passiert ist.

Wie ist eure momentane Situation, wohnt er noch bei dir?

Zitat von Juli007:
was in erster Linie seinem Arbeitspensum geschuldet war.

Musste er soviel arbeiten?

Zitat von Juli007:
Er geht seit neun Monaten zu einem Psychologen,

Hat er erzählt was da seine Themen sind?

x 2 #2


A


Plötzliche Trennung nach ü20 J - ich bin fassungslos

x 3


sonntag_morgen
@Juli007 Der Grund für die Therapie könnte tatsächlich relevant sein - vielleicht hat er auch ein Burn-Out und sich quasi selber verloren im vielen arbeiten.

x 3 #3


S
@Juli007 Hallo, das tut mir sehr leid für dich…das gleiche habe ich erlebt, nach 28 Jahren will sich mein Mann trennen, geht auch zur Psychologin, der hat dort eine Gehirnwäsche bekommen und dein Mann wahrscheinlich auch! Ich komme mir auch grad vor wie in einem Albtraum…Steh nur noch unter Beruhigungsmittel…
Wünsche dir viel Kraft…
LG

x 1 #4


L
So wie du es beschreibst, ging es mir viele Jahre lang - und am Ende habe ich mich getrennt.
Warum?
Weil ich einen Mann an meiner Seite möchte, der mich sieht, liebt, der mich nicht wie eine Sekretärin, Haushälterin, Nanny behandelt und mich nicht alleine lässt wenn’s darauf ankommt.
Es war wie bei dir, ich habe alles alleine gestemmt. Streit gab es nicht oft. Er hat uns durch seine viele Arbeit ein gutes Leben ermöglicht. Aber Geld ist nicht alles. Die Kinder sind jetzt in einem Alter wo ich finde, dass ich auch mal wieder das Recht habe nach mir zu schauen, glücklich zu sein und genau das war ich in den letzten Jahren nicht mehr. Mein Mann ist aus allen Wolken gefallen.

Die Gefühle sind aber nicht mehr da und deshalb habe ich mich getrennt. Zum Aushalten fühle ich mich zu jung.
Ich kümmere mich jetzt um mich und meine Bedürfnisse. Und das solltest du auch tun.
Meine Erkenntnis war, kein Mensch kümmert sich um mich, es wird Zeit, dass ich das wieder mache. Ich hatte sooo Angst. Aber jetzt gehe ich mein Leben an. Es wird weitergehen. Irgendwie.

Warum willst du ihn unbedingt behalten? Denk mal darüber nach.

x 2 #5


J
@Winza

Danke dir .

Zitat von Winza:
Wie ist eure momentane Situation, wohnt er noch bei dir?

Ja, ich weiß es erst seit gestern und so richtig erst seit heute. Er könnte in seiner Firma schlafen. Noch ist er aber hier.

Zitat von Winza:
Musste er soviel arbeiten?

Er muss das nicht. Es war sein Traum! Ich habe ihm dafür den Rücken freigehalten und fühle mich jetzt wie ein ausgedienter Fußabtreter.

Die genauen Themen der Therapie kenne ich nicht. Er sagt, dass der Psychologe nichts damit zu tun hat. Aber irgendwie kann ich das nicht glauben. Ich möchte nicht verallgemeinern, aber ich höre das sehr häufig als Resultat einer Therapie.

x 1 #6


J
Zitat von sonntag_morgen:
@Juli007 Der Grund für die Therapie könnte tatsächlich relevant sein - vielleicht hat er auch ein Burn-Out und sich quasi selber verloren im ...

Das hat er definitiv, aber das schon viele, viele Jahre. Er kann auch keine Emotionen zeigen. Er sagt er fühlt nichts - auf viele Themen bezogen, nicht nur auf mich. Trotzdem verstehe ich diese plötzliche Wandlung nicht. Wie ein Psychopath.

x 2 #7


J
Zitat von Sommersprose:
@Juli007 Hallo, das tut mir sehr leid für dich…das gleiche habe ich erlebt, nach 28 Jahren will sich mein Mann trennen, geht auch zur Psychologin, ...

Danke dir . Ist es bei dir auch ganz frisch? Welche Gründe nennt er?

#8


sonntag_morgen
Zitat von Juli007:
Das hat er definitiv, aber das schon viele, viele Jahre. Er kann auch keine Emotionen zeigen. Er sagt er fühlt nichts - auf viele Themen bezogen, nicht nur auf mich. Trotzdem verstehe ich diese plötzliche Wandlung nicht. Wie ein Psychopath.

Falls es ein Burn-Out ist kann er es nicht schon viele Jahre haben - solange könnte er nicht damit leben.
Er könnte seit vielen Jahren darauf zusteuern oder seine Emotionen abgespalten haben.

Ich finde es auch komisch, dass er dir nicht den Grund für den Psychologen sagt.

x 1 #9


Waris07
Liebe @Juli007 lass dich zunächst einmal sehr ein von mir drücken. Tröstender Smiley

Zitat von Juli007:
ich habe mich heute hier angemeldet, weil mein Mann sich vor mir getrennt hat. Von heute auf morgen hat er 22 Jahre Beziehung einfach so weggeworfen. Wir haben drei gemeinsame Kinder, zwei Hunde, ein Haus….

Es tut mir sehr leid für dich und deine Familie. Ich kann gut nachvollziehen, wie schockierend das ist. Vielleicht lohnt es sich trotzdem einmal zu überlegen: Kam die Trennung wirklich aus dem Nichts, oder gab es über die Zeit schon erste Anzeichen? 🤔

Denn wenn ich das hier lese....
Zitat von Juli007:
Rosig war unsere Beziehung in den letzten Jahren nicht, was in erster Linie seinem Arbeitspensum geschuldet war. Ich habe alles alleine gestemmt. Arbeiten, Kinder, Haus, die Betreuung meiner Mutter sowie ein Kind mit chronischer Erkrankung. Ich war sehr oft am Limit und er hat zwar zwischendurch versucht mich mal zu unterstützen, aber das war kaum der Rede wert. Absprachen wurden nie eingehalten und ich wurde dadurch wohl zum Meckerziege für ihn.

Es wirkt so, als wärt ihr beide in euren eigenen Hamsterrädern gefangen gewesen, jeder hat versucht, alles zu schaffen und zu funktionieren. Dabei habt ihr nicht nur die Verbindung zueinander, sondern vermutlich auch jeweils zu euch selbst ein Stück weit verloren. Je weniger emotionale Verbindung vorhanden war, desto mehr Frust, Druck und Belastung haben sich aufgebaut - und das hat euch beide noch tiefer in diese Dynamik gezogen.

Zitat von Juli007:
Das hört sich absurd an, aber gestern bekam ich noch einen großen Blumenstrauß, wie er es alle paar Wochen oder alle paar Monate immer mal macht. Abends auf der Couch, unterhielten wir uns und das Gespräch ging irgendwie in diese Richtung. Kein böses Wort, kein Streitgespräch, keine vernünftigen Antworten…. Er fühle sich leer. Es tut ihm leid.

Es wirkt, als wäre er in diesem Moment sprichwörtlich zusammenklappen.
Er kann offenbar nicht mehr fühlt sich leer und ausgelaugt - und da ist dann vermutlich sein Fluchtinstinkt angesprungen.
Es sieht so aus, als sei seine (aktuelle) "Lösung": Ich beende die Ehe, dann wird alles leichter.

Aus meiner Perspektive ist das leider vermutlich ein Irrweg. Eigentlich würde es eher darum gehen, die Belastung an der Ursache zu reduzieren - zum Beispiel durch weniger Arbeit, Aufgaben anders verteilen oder Pausen einbauen - statt die Beziehung zu beenden.

In seiner momentanen Verfassung wirst du ihn vermutlich nicht wirklich erreichen, wenn du ihm das spiegelst. Aber es kann sich trotzdem lohnen, es vorsichtig zu versuchen. Du hast dabei nichts zu verlieren - im schlimmsten Fall bleibt alles beim Alten. Gewinnen kannst du immer, selbst wenn es nur Klarheit ist: Klarheit darüber, dass er gerade kopflos auf der Flucht ist und wie seine momentane innere Lage aussieht.

Zitat von Juli007:
Mein erster Gedanke war natürlich, dass eine andere Frau dahinter steckt, eine andere Erklärung gab es für mich gar nicht. Aber ich kann jederzeit an sein Handy, mir ist dergleichen auch nichts aufgefallen und er schwört darauf, dass das nicht der Fall ist. Ob es stimmt - keine Ahnung, aber eigentlich hätte er dafür noch nicht mal Zeit. Er ist selbstständig und arbeitet unfassbar viel. Dadurch hat er uns ein sehr schönes Leben ermöglicht, aber eben nur in materieller Hinsicht.

Es ist nachvollziehbar, dass dein erster Gedanke gleich in diese Richtung ging - das zeigt, wie sehr dich die Situation verunsichert. Mich würde interessieren: Woher kam dieses Gefühl sofort? Gab es vielleicht schon früher Situationen, die ähnliche Ängste ausgelöst haben? 🤔

Es kann helfen, das klar bei ihm anzusprechen. Du musst dabei keine Vorwürfe machen - es geht darum, deine Gedanken, Gefühle und Ängste zu teilen und für dich Klarheit zu bekommen. Selbst wenn du nicht sofort alle Antworten bekommst, gewinnst du dadurch ein Stück Orientierung und Sicherheit.


Zitat von Juli007:
Er geht seit neun Monaten zu einem Psychologen, weil er sehr depressiv verstimmt war, sich schlecht abgrenzen kann. Ob das eine Rolle spielt, kann ich nicht beurteilen.

Diese zwei Sätze sprechen eigentlich Bände. Sie zeigen, wie meilenweit ihr emotional voneinander entfernt seid. Nach neun Monaten Therapie weißt du so gut wie nichts darüber, was in ihm vorgeht oder welche Themen er dort bearbeitet. Normalerweise würde man in einer Beziehung erwarten, dass man sich über solche Dinge austauscht... wie kann es sein, dass ihr so wenig voneinander wisst? Hast du selbst schon einmal aktiv nachgefragt, um zu verstehen, was in ihm vorgeht, oder ist das bislang liegengeblieben?

Zitat von Juli007:
Ich kann das alles noch überhaupt gar nicht begreifen. Ich fühle mich wie in einem Film…. Und ich habe so unfassbare Angst. Ich fühle mich so furchtbar alleine, bin so verletzt, traurig und kenne diesen Menschen plötzlich nicht mehr.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie schockierend und beängstigend sich das gerade für dich anfühlt. Es ist, als hätte sich der Boden unter dir aufgetan - völlig verständlich bei einer Trennung nach so vielen gemeinsamen Jahren. Gleichzeitig zeigen deine eigenen Schilderungen, dass sich die Beziehung schon länger schleichend verändert hat und du vermutlich schon früh gemerkt hast, dass etwas nicht stimmt. Kein Wunder, dass dich die jetzige Situation so überwältigt.

Jetzt ist es wichtig, dass du gut für dich sorgst und dir Halt verschaffst. Sprich mit vertrauten Menschen über deine Gefühle, hol dir Unterstützung bei Freunden, Familie oder Beratungsstellen und überlege, welche Schritte dir helfen, innerlich wieder stabil zu werden. Auch organisatorische oder juristische Dinge für dich und die Kinder können Klarheit und Sicherheit bringen.

Es wäre sicherlich auch sinnvoll zeitnahe, ein klärendes Gespräch mit ihm zu führen. Frag ihn, wie er sich den weiteren Ablauf vorstellt - ob er einen Plan hat oder nicht. Gleichzeitig ist es wichtig, dass du für dich selbst einen eigenen Plan entwickelst, unabhängig von ihm. So verschaffst du dir Klarheit, Stabilität und Schritt für Schritt wieder Boden unter den Füßen - auch wenn er selbst noch unsicher ist. Aufmunternde Emojis

x 1 #10


S
@Juli007 ja seit zwei Wochen…er kann so nicht mehr weiter leben mit den Kindern und mir…da steckt aber eine andere dahinter 100 %…musst mal lesen „Trennung nach 28 Jahren“ …jetzt z. B. ist er unten in der Werkstatt und geht mir aus dem Weg…furchtbar diese Situation…

x 2 #11


J
@Waris07
Danke für deine Mühe und deine lange Antwort.

Du hast absolut Recht, wir haben die Verbindung zueinander verloren. Ich möchte meine Hände nicht in Unschuld waschen, aber ich habe immer meine Gefühle kommuniziert, ihn immer gefragt, wie er sich fühlt, wie die Therapie war etc. Er kann mir vieles vorwerfen, aber kein Desinteresse. Aber er ist seit vielen Jahren wie versteinert. Es fing an, als sein Vater vor vielen Jahren starb, danach ein Freund. Er hat alles nur noch negativ gesehen. Wirklich alles! Negative politische Entwicklung und er hat schlechte Laune. Er konnte sich null abgrenzen. Das wurde immer schlimmer, weshalb ich (!) ihm einen Psychologen suchte.

Ich habe die Trennung seinerseits wirklich nicht kommen sehen, weil er trotz allem immer auf mich bedacht war. Aber du hast vollkommen Recht, ich erreiche ihn gerade überhaupt nicht. Er sitzt da wie versteinert. Haben bis vorhin noch geredet und zusammen gesessen und er ist total überfordert.

Die Vermutung, dass eine andere Frau dahinter stecken könnte, war meine Vermutung, da es überhaupt nicht seinem Naturell entspricht. Er kann sich halt nicht richtig erklären und ich suche händeringend eine Erklärung. Ich kann ihn jederzeit erreichen, hab Zugriff auf sein Handy, weiß wo er ist, aber man weiß ja nie.

Ich habe ihn bereits gefragt, wie er sich das jetzt vorstellt, auch bzgl. Haus. Er hat gar keinen Plan! Null! Ich solle mir keine Sorgen machen. Das ist aber nicht meine Art. Ich habe Angst ums Haus und das Zuhause meiner Kinder.

x 2 #12


J
@sonntag_morgen

Doch, den Grund kenne ich. Ich habe den sogar für ihn gesucht 🤐 . Ich kann nicht beurteilen, was er hat. Ich bin kein Fachmann. Er oft grundlos traurig, fühlt sich leer etc.

x 1 #13


J
Zitat von Sommersprose:
@Juli007 ja seit zwei Wochen…er kann so nicht mehr weiter leben mit den Kindern und mir…da steckt aber eine andere dahinter 100 %…musst mal ...

Das fühle ich so sehr. Ich habe ihn vorhin auch gebeten zu gehen, weil ich einfach mal runterkommen musste.
Aber warum kann er mit dir und den Kindern nicht mehr leben? Begründet er das nicht?

#14


Waris07
@Juli007

Es sieht so aus, als stecke er wirklich tief in einer Lebens- und Sinnkrise und vielleicht auch verstärkt durch frühere Verluste und Traumata. Das ist seine Baustelle, die er alleine bearbeiten muss, wenn er das will und du kannst ihn dabei nicht erreichen, solange er versteinert da sitzt oder wegrennt.

Dein Raum liegt jetzt klar bei dir: Du darfst für dich handeln, dich schützen, deine Grenzen setzen und für Stabilität sorgen - emotional, organisatorisch und praktisch. Überlege in Ruhe, wie dein Weg aussehen kann, damit du in deiner Mitte bleibst, Klarheit hast und Schritt für Schritt für dich und deine Kinder sorgst. Alles andere ist seine Verantwortung - dein Fokus liegt auf deinem Leben und deiner Handlungsfähigkeit. Aufmunternde Emojis

@Scheol , könntest du dich bitte einklinken? Beim Thema Traumata bist du deutlich belesener als ich. 🤗

x 1 #15


A


x 4