Liebe @Juli007 lass dich zunächst einmal sehr ein von mir drücken.
Zitat von Juli007: ich habe mich heute hier angemeldet, weil mein Mann sich vor mir getrennt hat. Von heute auf morgen hat er 22 Jahre Beziehung einfach so weggeworfen. Wir haben drei gemeinsame Kinder, zwei Hunde, ein Haus….
Es tut mir sehr leid für dich und deine Familie. Ich kann gut nachvollziehen, wie schockierend das ist. Vielleicht lohnt es sich trotzdem einmal zu überlegen: Kam die Trennung wirklich aus dem Nichts, oder gab es über die Zeit schon erste Anzeichen?
🤔 Denn wenn ich das hier lese....
Zitat von Juli007: Rosig war unsere Beziehung in den letzten Jahren nicht, was in erster Linie seinem Arbeitspensum geschuldet war. Ich habe alles alleine gestemmt. Arbeiten, Kinder, Haus, die Betreuung meiner Mutter sowie ein Kind mit chronischer Erkrankung. Ich war sehr oft am Limit und er hat zwar zwischendurch versucht mich mal zu unterstützen, aber das war kaum der Rede wert. Absprachen wurden nie eingehalten und ich wurde dadurch wohl zum Meckerziege für ihn.
Es wirkt so, als wärt ihr beide in euren eigenen Hamsterrädern gefangen gewesen, jeder hat versucht, alles zu schaffen und zu funktionieren. Dabei habt ihr nicht nur die Verbindung zueinander, sondern vermutlich auch jeweils zu euch selbst ein Stück weit verloren. Je weniger emotionale Verbindung vorhanden war, desto mehr Frust, Druck und Belastung haben sich aufgebaut - und das hat euch beide noch tiefer in diese Dynamik gezogen.
Zitat von Juli007: Das hört sich absurd an, aber gestern bekam ich noch einen großen Blumenstrauß, wie er es alle paar Wochen oder alle paar Monate immer mal macht. Abends auf der Couch, unterhielten wir uns und das Gespräch ging irgendwie in diese Richtung. Kein böses Wort, kein Streitgespräch, keine vernünftigen Antworten…. Er fühle sich leer. Es tut ihm leid.
Es wirkt, als wäre er in diesem Moment sprichwörtlich zusammenklappen.
Er kann offenbar nicht mehr fühlt sich leer und ausgelaugt - und da ist dann vermutlich sein Fluchtinstinkt angesprungen.
Es sieht so aus, als sei seine (aktuelle) "Lösung": Ich beende die Ehe, dann wird alles leichter.
Aus meiner Perspektive ist das leider vermutlich ein Irrweg. Eigentlich würde es eher darum gehen, die Belastung an der Ursache zu reduzieren - zum Beispiel durch weniger Arbeit, Aufgaben anders verteilen oder Pausen einbauen - statt die Beziehung zu beenden.
In seiner momentanen Verfassung wirst du ihn vermutlich nicht wirklich erreichen, wenn du ihm das spiegelst. Aber es kann sich trotzdem lohnen, es vorsichtig zu versuchen. Du hast dabei nichts zu verlieren - im schlimmsten Fall bleibt alles beim Alten. Gewinnen kannst du immer, selbst wenn es nur Klarheit ist: Klarheit darüber, dass er gerade kopflos auf der Flucht ist und wie seine momentane innere Lage aussieht.
Zitat von Juli007: Mein erster Gedanke war natürlich, dass eine andere Frau dahinter steckt, eine andere Erklärung gab es für mich gar nicht. Aber ich kann jederzeit an sein Handy, mir ist dergleichen auch nichts aufgefallen und er schwört darauf, dass das nicht der Fall ist. Ob es stimmt - keine Ahnung, aber eigentlich hätte er dafür noch nicht mal Zeit. Er ist selbstständig und arbeitet unfassbar viel. Dadurch hat er uns ein sehr schönes Leben ermöglicht, aber eben nur in materieller Hinsicht.
Es ist nachvollziehbar, dass dein erster Gedanke gleich in diese Richtung ging - das zeigt, wie sehr dich die Situation verunsichert. Mich würde interessieren: Woher kam dieses Gefühl sofort? Gab es vielleicht schon früher Situationen, die ähnliche Ängste ausgelöst haben?
🤔 Es kann helfen, das klar bei ihm anzusprechen. Du musst dabei keine Vorwürfe machen - es geht darum, deine Gedanken, Gefühle und Ängste zu teilen und für dich Klarheit zu bekommen. Selbst wenn du nicht sofort alle Antworten bekommst, gewinnst du dadurch ein Stück Orientierung und Sicherheit.
Zitat von Juli007: Er geht seit neun Monaten zu einem Psychologen, weil er sehr depressiv verstimmt war, sich schlecht abgrenzen kann. Ob das eine Rolle spielt, kann ich nicht beurteilen.
Diese zwei Sätze sprechen eigentlich Bände. Sie zeigen, wie meilenweit ihr emotional voneinander entfernt seid. Nach neun Monaten Therapie weißt du so gut wie nichts darüber, was in ihm vorgeht oder welche Themen er dort bearbeitet. Normalerweise würde man in einer Beziehung erwarten, dass man sich über solche Dinge austauscht... wie kann es sein, dass ihr so wenig voneinander wisst? Hast du selbst schon einmal aktiv nachgefragt, um zu verstehen, was in ihm vorgeht, oder ist das bislang liegengeblieben?
Zitat von Juli007: Ich kann das alles noch überhaupt gar nicht begreifen. Ich fühle mich wie in einem Film…. Und ich habe so unfassbare Angst. Ich fühle mich so furchtbar alleine, bin so verletzt, traurig und kenne diesen Menschen plötzlich nicht mehr.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie schockierend und beängstigend sich das gerade für dich anfühlt. Es ist, als hätte sich der Boden unter dir aufgetan - völlig verständlich bei einer Trennung nach so vielen gemeinsamen Jahren. Gleichzeitig zeigen deine eigenen Schilderungen, dass sich die Beziehung schon länger schleichend verändert hat und du vermutlich schon früh gemerkt hast, dass etwas nicht stimmt. Kein Wunder, dass dich die jetzige Situation so überwältigt.
Jetzt ist es wichtig, dass du gut für dich sorgst und dir Halt verschaffst. Sprich mit vertrauten Menschen über deine Gefühle, hol dir Unterstützung bei Freunden, Familie oder Beratungsstellen und überlege, welche Schritte dir helfen, innerlich wieder stabil zu werden. Auch organisatorische oder juristische Dinge für dich und die Kinder können Klarheit und Sicherheit bringen.
Es wäre sicherlich auch sinnvoll zeitnahe, ein klärendes Gespräch mit ihm zu führen. Frag ihn, wie er sich den weiteren Ablauf vorstellt - ob er einen Plan hat oder nicht. Gleichzeitig ist es wichtig, dass du für dich selbst einen eigenen Plan entwickelst, unabhängig von ihm. So verschaffst du dir Klarheit, Stabilität und Schritt für Schritt wieder Boden unter den Füßen - auch wenn er selbst noch unsicher ist.
