Hey @Juli007 ,
ich gestehe, ich habe mir jetzt nicht alles durchgelesen.
Ich erkenne mich in manchem was du schreibst wieder.
Ich war auch mit einem Workaholic verheiratet. Auch mein Exmann hat sich meiner Meinung nach in die Arbeit geflüchtet, weil er sich seinen Dämonen nicht stellen konnte und wollte. Deiner hat das immerhin getan, scheinbar waren seine Dämonen noch schwieriger zu kontrollieren.
Auch ich habe lange zeit mit komplettem Unvertändnis auf die Trennung reagiert, habe keinen seiner Gründe gelten lassen, habe gekämpft, geheult, geschimpft, war der Meinung, dass mir schreckliches Unrecht widerfährt...
Leider habe ich buchstäblich Jahre in diesem Zustand verbracht, und das ist im Nachhinein das, was ich anders machen würde.
Deshalb von mir folgende Vorschläge:
Zitat von Juli007: Und könnt ihr mir sagen, wie man seinen körperlichen Zustand irgendwie verbessert?
Mir fällt Essen so schwer, ich bin total unter Strom, unruhig und zittrig.
Mach dich mal zu Autonomem Nervensystem Vagus/Parasympathikus schlau.
Kurzfassung:
Unsere Körperfunktionen, die wir nicht steuern können (Herzschlag, Verdauung, Organfunktion usw.) werden vom autonomen Nervensystem gesteuert. Dieses Nervensystem besteht aus 2 Gegenspielern: Dem Sympathikus und dem Parasympathikus.
Der Sympathikus aktiviert uns und wenn er stark aktiviert wird, kickt unser Kampf/Flucht/Freeze system. Wir werden zittrig, stehen unter Strom, die Muskelspannung und der Blutdruck wird erhöht für den Fall, dass ein Kampf stattfinden soll, klares Denken und langfristige Planung werden gehemmt, auch das Schmerzempfinden... es geht erst mal darum und NUR darum, dem Tiger zu enkommen. Dieser Teil sollte nur kurzfristig stark aktiviert werden, sonst kommt es zu den bekannten und vielfältigen Stressymptomen. Eine Trennung ist ein enormer Stress.
Dem gegenüber steht zur Balace der Parasympathikus. Steht er im Vordergrund, unterstützt er Heilung, Verdauung, lässt uns den Wunsch haben, Beziehungen zu pflegen...
Also wäre hier der erste Rat: schau, dass du deinen Parasympathikus/Vagusnerv aktivierst.Youtube gibt eine Menge dazu her. Gute Möglichkeit sind Atemübungen (länger aus als Einatmen), Licht, Mass., Achtsamkeit, Meditation, sanfte Bewegung, Rituale, sich etwas gutes tun. Schau, was für dich passt.
Dann wirst du auch nach und nach wieder etwas ruhiger werden innerlich und dann fällt dir das Essen (und evtl. ach schlafen?) wieder leichter. Wird halt nicht von heute auf morgen passieren, gib dir Zeit.
Zitat von Juli007: dieses ständige „mein Kopf ist so leer“ ist für mich einfach keine Erklärung!
Ich hab ihm auch gesagt, dass er seinen Kindern ja wenigstens eine nachvollziehbare Erklärung geben muss.
Zitat von Juli007: Meine Kinder haben höchste Priorität, weshalb ich diese Aussage gerade wirklich verletzend finde.
Und dann scheinen deine Gedanken sehr um deine Kinder zu kreisen.
Ich denke, auch das könnte zum Teil Ausdruck deiner "Kampfstimmung", deiner Sympathikusdominanz sein. Versuche mit den Gedanken etwas still zu werden.
Du musst nicht verstehen, warum er sich trennt.
Er muss dir keine Erklärung liefern, vielleicht kann er es gar nicht.
Auch die Kinder müssen nicht verstehen, was genau der Grund ist. Wir können andere immer nur bis zu einem gewissen Grad verstehen.
Wichtig ist, dass du verstehst, und am besten auch den Kindern auch so kommunizierst, dass du zwar nicht genau verstehst, was in ihm vorgeht, dass du aber weißt, dass er ein sehr treuer, loyaler Mensch ist und er deshalb offensichtlich unter enormem Druck steht, dass er dafür bereit ist, die Ehe aufzugeben.
Was außerdem wichtig ist: Die Kinder werden klar kommen. Du kannst ihnen helfen, indem du ihnen zeigst, dass du wohl sehr traurig bist, aber auch klarkommst. Noch ein Grund, aus dem Kampf/Flucht-System rauszukommen.
Ebenfalls wichtig, und eines der wichtigsten Dinge überhaupt, die Kindern erklärt werden müssen: Dein Mann verlässt DICH. Ja, ist eklig, schlimm... ABER er verlässt nicht die Kinder. Dein Mann liebt DICH evtl. nicht mehr. Aber seine Kinder wird er immer lieben.
(Ich würde mir auch keine größeren Gedanken darüber machen, ob da vielleicht noch irgendwie eine andere Frau im Hintergund ist. Vielleicht ist es so, vielleicht nicht. Ändert an eurer Situation nicht viel)
Zitat von Juli007: Trotzdem verstehe ich diese plötzliche Wandlung nicht. Wie ein Psychopath.
Dass solche Gedanken kommen, halte ich für völlig natürlich. Wenn die Wut kommt, will auch sie gespürt werden.
Wichtig ist allerdings: Drück möglichst schnell die Stoptaste.
Du machst die Situation für dich nicht besser, und für deine Kinder wesentlich schlimmer, wenn du in Opposition gehst. Wieder ein Symptom deines Kampf/Flucht-Systems.
Er ist ganz sicher kein Psychopath.
Nochmal: Es kann gut sein, dass du seine Gründe nicht verstehen kannst, es kann gut sein, dass er sie nicht erklären kann, deshalb gibt es aber trotzdem verdammt gute Gründe. Niemand geht aus 20 Jahren Ehe weg, wenn es nicht verdammt gute Gründe gibt.
Versuch, wohlwollend über ihn zu denken, versuch ihn zu verstehen. Lies dich tiefer über Depression ein, viele depressive Menschen haben schlicht keine Kraft, eine Beziehung zu führen.
Wenn du wohlwollend bist, wird alles einfacher. Sei es ein nochmal zusammenfinden, wenn es denn sein soll, sei es eine friedliche Trennung. Und ganz besonders: Für deine Kinder ist das ein wirkliches Geschenk.