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Plötzliche Trennung nach ü20 J - ich bin fassungslos

J
Zitat von Scheol:
Wie schwer ist diese Situation gerade für dich von 1 bis 10 , wo die 1 dafür steht das es dir egal ist.

Das ist irgendwie schwankend. Heute Morgen, als ich die Situation so richtig realisiert hatte, war es eine 10. Zwischendurch beruhige ich mich etwas und dann so 6.

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S
@Fenjal mir geht es grad auch so….Mann will sich nach 28 Jahren trennen, es ist sein Elternhaus, weiß nicht wie das weiter geht, ich arbeite auch nur Teilzeit, ich kann mir keine Wohnung leisten! Morgen habe ich Termin beim Amtsgericht, Rechtsberatung…

#62


A


Plötzliche Trennung nach ü20 J - ich bin fassungslos

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hotte
Zitat von Juli007:
@hotte Danke für deine Nachricht. Ich finde mich in deinen Worten absolut wieder. Die Situation ist schon sehr ähnlich. Und deine Frau hat absolut recht. Auch ich habe immer versucht auch seine Therapeutin zu sein, weil dieser Wunsch ihm zu helfen, einfach so groß war. Ich würde wirklich gerne für ihn da sein. ...

Die Herausforderung die ich dabei sehe ist das du "zu nah dran" bist. Wenn es nicht so läuft wie du es dir wünscht, wirst du frustriert sein. Das kann sich in kleinigkeiten ausdrücken, ein Augenrollen, der Tonfall oder ähnliches. Speziell wenn Menschen unterschiedliche Herangehensweisen haben dann kann das zu reibereien führen. Du denkst dir dann "Warum macht er das nicht einfach so...." und er denkt "kann sie mich nicht so akzeptieren wie ich bin..." oder ähnliches.

Das ist ein Teufelskreis der das Vertrauen in einer Beziehung vollständig vernichten kann. Im schlimmstem fall kommt eine häufige zurechtweisung oder korrektur eher wie Gaslighting rüber anstatt wie Hilfe.

An dieser Stelle empfehle ich gerne eines meiner Lieblingsbücher.... Männerseelen von Björn Süfke. Ich habe es gekauft und meine NochFrau hatte es vor mir gelesen. Sie meinte es hätte ihr die Augen geöffnet was in Männern so vorgeht und wie Männer oftmals an dinge herangehen. Das könnte ein paar Antworten auf deine Fragen liefern. Ich habe es auch gelesen und zum ersten mal das Gefühl bekommen "nicht falsch" oder "merkwürdig" zu sein weil in dem Buch von vielen anderen Männern mit emotionalen Herausforderungen geschrieben wurde. Wenn du es gelesen hast und dein Mann das Buch eventuell auch lesen mag, könnte das auch etwas sein worüber ihr beide euch annährend könnt.

Wichtig ist das er deine unterstützung braucht. Unterstützung im sinne von "Sei bei ihm" und nicht "Kämpfe seine kämpfe". Ich darf auch lernen das Frau manchmal einfach nur einen Mann möchte der zuhört und nicht direkt mit Lösungsvorschlägen kommt (dumme angewohnheit von mir). Da sein, aktiv zuhören ist ein zeichen von Wertschätzung und manchmal alles was es braucht!

Supermegawichtig ist aber auch das du dich selbst nicht vergisst. Ein ehrliches "ich möchte zwar aber ich kann das gerade nicht" ist etwas womit man(n) in der Regel besser umgehen kann als mit einem "Ich helfe dir" während man(n) den widerwillen oder die Erschöpfung spürt.

Ich bin übrigens auch ein großer Freund von Selbsthilfegruppen. Der offene Austausch in einem geschützen Rahmen hat mir schon ein paar mal gut geholfen. Es gibt auch Gruppen für angehörige von depressiven Menschen. Über die Paritätische werden diese Gruppe (zumindest hier in NRW) koordiniert und es gibt Gruppen in allen größeren Städten.

#63


hotte
Zitat von Juli007:
@Cocolores Ich war gestern traurig, wütend und verzweifelt. Wütend auf mich, auf ihn, auf das Leben und in dieser Wut habe ich den Satz geschrieben. Ja, sowas passiert mir dann. Diesen Satz habe ich weder jetzt zu ihm gesagt, noch sonst irgendwann. Im Gegenteil. Ich kann mir viel vorwerfen, aber nicht, dass ich ...

Noch ein Tipp... Kauf dir ein Notizbuch... wenn du Frust, Angst oder irgendwas unangenehmes verspürst was dich nicht loslässt, schreib es in diesen Büchlein. Schreib deine Gedanken so rein wie sie gerade kommen, ohne Rücksicht auf irgendwen. Du kannst fluchen, beschimpfen usw.... es ist DEIN buch. Selbst schön- oder Rechtschreibung ist nicht wichtig. Wichtig ist nur das es aus dem Kopf kommt.

Das ist nicht dafür gedacht es nochmal zu lesen oder jemand anderem zu geben. Es ist nur um deinen Kopf zu entlasten.

Mir hat es geholfen.

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hotte
Zitat von Juli007:
Er ging davon aus, dass er mit mit der Trennung einen Gefallen getan hat.

Diese Aussage klingt für mich nach einer ziemlich heftigen Selbstwertkrise.
Ich lese dich hier so das dem nicht so ist und ich frage mich ob du ihm das gesagt hast.

#65


J
@hotte
Ich danke dir sehr für deine ausführlichen Antworten .

Ich habe gerade irgendwie Hemmungen ihm nahe zu sein. Ich weiß nicht… Ich habe irgendwie Angst ihn jetzt zusätzlich zu belasten. Will nicht zu viel sein. Mein ständiges Geheule hat ihn heute Morgen selber zum Weinen gebracht. Ich habe ihn 10 Jahre nicht weinen gesehen. Er sagte immer er bekommt Tränen in den Augen, aber kann nicht weinen. Heute Morgen hat sich da zumindest mal etwas gelöst.

Ich weiß auch irgendwie gar nicht, wie es weitergeht. Er auch nicht. Vorhin fährt er und fragt, ob er uns was zum Abendessen mitbringen soll. Er ist da und irgendwie doch nicht da. Ich frage wie wir das mit dem Haus machen. Ich wäre viel zu weit mit meinen Gedanken. Da ist einfach ganz viel Durcheinander in mir.

Selbstkrise macht durchaus Sinn. Ich habe ihm natürlich nicht gesagt, dass ich froh wäre, wenn er sich trennt, aber ich gebe zu, dass ich in Situationen, in denen wieder Dinge schief liefen und ich wieder alles auffangen musste, natürlich nicht freudestrahlend reagiert habe. Beispiel: Ich habe heute Nachmittag ein Meeting, kannst du Kind 3 bitte beim Training abholen, wenn du auf dem Rückweg bist. Kein Problem. Mitten im Meeting Anruf meiner Tochter im strömenden Regen, warum sie keiner abholt. Mann zu Hause- oh, habe ich vergessen. Manch einer mag darüber schmunzeln und das haben wir auch mehrfach getan, aber diese Situation war einfach Sch…. Ich könnte endlos Beispiele aufführen.

Ich versuche wirklich auf mich zu achten, aber ich gebe zu, es ist schwer. Der Alltag läuft ja weiter. Heulen, Kind kommt aus der Schule, schnell die Spuren des Vormittags abdecken und den Schalter umlegen. Ich kann das, aber es ist schwer und schmerzhaft. Abruf vom anderen Kind. Heimweh. Dort auch wieder aufbauen und irgendwie funktionieren. Ich weiß, dass ich stark bin. Ich bin es seit Jahren, aber gerade denke ich, ich kann gerade nicht mehr stark sein. Aber es muss, irgendwie.

#66


hotte
Zitat von Juli007:
Will nicht zu viel sein. Mein ständiges Geheule hat ihn heute Morgen selber zum Weinen gebracht.

Du bist NICHT zuviel! Niemand ist ZUVIEL. Du bist ein wertvoller Mensch der an seine Grenzen kommt. Sei Wohlwollend zu ihm aber auch genauso zu dir! Ihr seid beide gerade emotional am Ende.

Zitat von Juli007:
Ich weiß auch irgendwie gar nicht, wie es weitergeht. Er auch nicht. Vorhin fährt er und fragt, ob er uns was zum Abendessen mitbringen soll. Er ist da und irgendwie doch nicht da. Ich frage wie wir das mit dem Haus machen. Ich wäre viel zu weit mit meinen Gedanken. Da ist einfach ganz viel Durcheinander in mir.

Ich habe damals gelernt das so ne banalität wie einen link zu einem witzige video oder so per whatsapp schicken, ein Beziehungsangebot ist. Wenn er fragt ob er was mitbringen soll zeigt das das er an euch denkt und das er "hilfreich" sein will. Vermutlich sucht er nach wegen den ganzen "Kummer" den er bereitet irgendwie zu kompensieren.

Was meinst du mit "wie wir das mit dem Haus machen"? Meinst du im Falle einer Trennung, oder habt ihr die Trennung schon vereinbart?

Zitat von Juli007:
Selbstkrise macht durchaus Sinn. Ich habe ihm natürlich nicht gesagt, dass ich froh wäre, wenn er sich trennt, aber ich gebe zu, dass ich in Situationen, in denen wieder Dinge schief liefen und ich wieder alles auffangen musste, natürlich nicht freudestrahlend reagiert habe. Beispiel: Ich habe heute Nachmittag ein Meeting, kannst du Kind 3 bitte beim Training abholen, wenn du auf dem Rückweg bist. Kein Problem. Mitten im Meeting Anruf meiner Tochter im strömenden Regen, warum sie keiner abholt. Mann zu Hause- oh, habe ich vergessen. Manch einer mag darüber schmunzeln und das haben wir auch mehrfach getan, aber diese Situation war einfach Sch…. Ich könnte endlos Beispiele aufführen.

Ein kleines Beispiel aus meinem Leben.... ich WAR Mr. 1000% Kontrolle. Ich hatte Pläne für meine Pläne und wenn etwas gemacht/unternommen wurde kamen bei mir immer rund 80% der Zeit auf die Planung (Overthinking) und nur 20% auf die Aktivität selbst. (zugegeben... etwas aufgebauscht aber es geht um den Punkt). Seit der Trennung habe ich Schwierigkeiten Termine zu vereinbaren die über die Woche hinausgehen. Jetzt was fürs Wochenende vereinbare geht noch aber alles weitere... puuh... ich musste heute nen Friseurtermin vereinbaren... den Anruf hab ich den ganzen Tag aufgeschoben und jetzt eben endlich gemacht (Termin ende des Monats....)

Ich habe angefangen mir ALLES in meinen (digitalen) Kalender einzutragen. Egal obs ein Handwerker ist, ein Freund der vorbeikommt, ich irgendwo hinfahre.... weil ich es ansonsten vergesse. Es ist dann einfach weg. Vergraben unter stapeln von Gedanken über "Was will ich eigentlich" "wie sieht mein zukünftiges leben aus" "wie komm ich aus der Schei*e am besten/einfachsten raus" "haben pinguine knie" "was esse ich heute abend" und "wann mache ich das nächste mal wieder sport". Ja, Männer sind auch Multitaskingfähig... wir können dinge schon vergessen während die Frau noch spricht (sorry, konnte ich mir gerade nicht verkneifen).

Zitat von Juli007:
Ich versuche wirklich auf mich zu achten, aber ich gebe zu, es ist schwer. Der Alltag läuft ja weiter. Heulen, Kind kommt aus der Schule, schnell die Spuren des Vormittags abdecken und den Schalter umlegen. Ich kann das, aber es ist schwer und schmerzhaft. Abruf vom anderen Kind. Heimweh. Dort auch wieder aufbauen und irgendwie funktionieren. Ich weiß, dass ich stark bin. Ich bin es seit Jahren, aber gerade denke ich, ich kann gerade nicht mehr stark sein. Aber es muss, irgendwie.

Bitte um Hilfe! Erstens... ich würde dem Kind zumindest soviel mitgeben das es gerade nicht ganz rund läuft und ihr viel zu klären habt. Zeigt eurem Kind das man offen kommunizieren kann und das man sich für Gefühle/emotionen nicht zu schämen braucht. Akzeptier das es gerade eine Ausnahmesituation ist und wenn die Bude mal ausnahmsweise nicht geleckt aussieht ist das kein Weltuntergang.

Bitte Freunde und Familie um support. Gönn dir ab und an eine Auszeit wo dich einfach mal mit Freundinnen/Freunden triffst. Auch in der aktuellen Situation darfst du mal abschalten/entspannen/die Batterien wieder aufladen. Das mit dem Heimweh ist natürlich total übel aber gibts da nicht die Möglichkeit das sich ne Tante, Oma oder ähnliches mit einklinkt?

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