Hallo Elisabeth,
ich finde es toll, dass Du Deine Hürden so gut überwunden hast. Sowas ist heftig. Und ich stimme Dir zu, daran wächst man, wenn man zurück blickt und sieht, was man geschafft hat. Die Erfahrungen sind wichtig. Aber nicht jeder ist in der Lage, all das so tough zu verarbeiten wie Du es geschafft hast. Ich war es auch nicht. Nach meinen Schicksalschlägen hab ich auch funktioniert und alles am Laufen gehalten. Über ein Jahr lang, wie im Tunnel, einfach funktioniert. Aber ich war emotional tot. Meinem Selbstbewusstsein hat das nicht geholfen in diesem Moment. Aber bei mir war es auch vorher schon so zerschlagen, dass das auch nicht weiter verwunderlich ist.
Zitat:Mir persönlich hat das aber nie geholfen, wenn mich jemand bemitleidet hat und sagte: Oh du Arme, alles total schlimm etc. sondern eher Menschen, die meine Probleme zwar ernst genommen aber auch relativiert haben. Oberflächlich gesehen ist das, was du beschreibst einfach täglich Brot bei jungen Leuten.
Stimme zu - aber nur zum Teil

Ich bin da Deiner Meinung, dass einem Mitleidsbekundungen nicht weiter bringen. Ganz im Gegenteil. Aber ich kann aus meiner Therapie sagen: ein guter Therapeut nimmt Deine Probleme ernst (egal ob es nun Liebskummer ist oder schwerwiegende Verluste etc.) und zeigt Dir Wege auf, wie man damit umgeht. Und ein guter Therapeut nimmt Dir auch nix ab und kaut Dir was vor, ganz im Gegenteil.
Ich glaube, dass viele junge Menschen heute gar nicht mehr richtig gelernt haben, mit Konflikten umzugehen und Sie zu lösen. Von Zuhause aus nicht, in der Schule nicht. Ich sehe es an der Grundschule meiner Tochter, wie anders das heute geworden ist. Gut anderes Thema. Dennoch hat man in der Therapie einen neutralen Gesprächspartner, der unparteiisch mit Dir umgeht. Freunde und Familie sind in der Regel auf Deiner Seite, selbst wenn Sie kritisch mit Dir sind. Sie kennen Dich vielleicht schon lange. Das ist zum einen toll. Aber Du vertraust Ihnen oft unbewusst viel weniger an als einem Therapeuten.
Und ich würde jedem empfehlen, eine Therapie zu machen, selbst wenn die Probleme nicht so massiv sind. In meiner Gruppe war lediglich eine, die mal Selbstmordgedanken hatte. Ich war 4 Jahre lang da. Alle anderen, die ebenfalls in Therapie waren, hatten große Veränderungen in Ihrem Leben, familiäre Probleme, Trennungen, Scheidungen, all das was das Leben ist. Und sie haben selbst keine Lösungen mehr gefunden. Wollten aber nicht aufgeben.
@brokenlove: Ich war 4 Jahre (200 Sitzungen) in der Therapie. Danach zahlt die Krankenkasse erstmal keine weiteren Sitzungen. Prinzipiell ist das auch okay, in dieser Zeit kann man schon viele Probleme lösen. Manchmal habe ich immer mal wieder das Bedürfnis, mich dort anzuvertrauen. Das kompensiere ich aber dann durch Aufschreiben zum Beispiel.
Mit Herausforderungen meine ich, dass in der Beziehung viele Dinge von mir gefordert werden, die es ohne Beziehung nicht gibt. Das ist zum Beispiel Verständnis, Rücksicht, Kompromisse etc. Wenn man alleine ist, macht man ja alles mit sich selbst aus. In einer Partnerschaft kommt man so aber nicht weit, das wissen wir ja alles

Generell klappt das alles gut. Aber auch zum Beispiel tiefes Vertrauen, das brauchte ich vorher nie. War niemand da, dem ich vertrauen musste. Jetzt gibt es jemanden der sich das wünscht. Und dann wird Dir klar, dass Du damit große Probleme hast.
Hier lernt man wieder mehr über sich selbst. Und so geht das immer weiter. Und ja, im besten Fall irgendwann ohne Hilfe und Therapie und mit einer großen Portion Selbstbewusstsein
