Zitat von Fenjal: Moral?, nur, der fremdgegangene Ehemann findet ins Ehebett zurück.
Er hat zwar seine Frau betrogen, sie super abgewertet und ja als Ehefrau würde man niemals fremdgehen, der moralische Kompass... und so.
Was ich nicht ganz verstehe: Du hast einerseits ja eine recht lockere, unverkrampfte und damit (in meinen Augen) natürliche und vernünftige Einstellungen zu den erfreulichen und erfreulichsten Dingen des Lebens, was ich naturgemäß absolut gut und richtig finde; andererseits aber weist Du immer wieder darauf hin, dass Männer ihre EF gegenüber der AF, wahrscheinlich noch im Bett oder sonstwo neben ihr liegend, abwerten, über sie herziehen, sie als dieses und jenes hinstellen usw.
Ja, und weiter? Das ist dann das eigentlich Unmoralische? Oder wie ist das zu verstehen? Solche Partnerabwertungen und Partnerverlustigungen sind ja generell gang und gäbe, dazu braucht sich wahrlich niemand erst in ein fremdes Bett zu legen. Am krassesten geht es doch, so viel ich darüber weiß, unter besten Freundinnen zu. (Unter besten Freunden, am Wirtshaustisch, ist interessanterweise oft das Gegenteil der Fall: da werden die Partnerinnen ja geradezu hochgesungen bis zum allgemeinen Erröten und Lippenlecken ...) Da wird ja sogar jedes Partnerdetail noch in alle Einzelheiten zerlegt unter höchstem Amüsement vielfach.
Und diese "Partnerabwertung" erscheint mir weder verwunderlich noch irgendwie unmoralisch, sondern ist einfach ein Ventil, über das all diese partnerschaftlichen Frustrationen und Ärgernisse und Unzulänglichkeiten usw., die sich oft noch dazu über lange Zeit angehäuft und regelrecht angestaut haben, auf eine letzlich ja harmlose Weise abgelassen werden.
Was mir seit jeher überhaupt am seltsamsten vorkommt: Dieser sogenannte sexuelle Betrug hat in vielen Fällen ja eine ganz enorme Sprengkraft, bis hin sozusagen zum Selbstmordattentat, und bei den diversen Partnerberatungsbushaltestellen wird ein solcher Betrug im Allgemeinen ja auch als etwas ganz Fürchterliches definiert und an allen Ecken und Enden bearbeitet.
Und mich hat immer verwundert: Was ist eigentlich mit dem weitaus häufiger vorkommenden und in Wahrheit ja viel fataleren Liebesbetrug? Der wird ja kaum erwähnt, als wäre der Sex die Hauptsache und die Liebe eine völlige Nebensache, die mehr oder weniger ganz vernachlässigt werden kann.
Was die Liebe betrifft, wird einem vielleicht ellenlang ein völliger Schwachsinn erzählt, auch wenn der runtergehen mag wie Öl, man bekommt dieses und jenes zu hören und noch vor die Tür gelegt usw. - aber dann stellt sich irgendwann heraus, dass es eigentlich um diverse Interessen und Vorteile gegangen ist oder lediglich (im besten Fall) um schönäugige Sympathie, ein bisschen Verliebtheit, ein bisschen Begehren vielleicht, nicht selten um eine bloße Not- und Zwischenlösung, und später dann um nichts weiter mehr als um die Gewohnheit und Bequemlichkeit. Und dann kommt man meinetwegen nach 20 Jahren dahinter: ein halbes Jahr wenigstens wohlwollend beäugt oder benötigt, 19 1/2 Jahre als biologisches Möbelstück in die Ecke gestellt und als gediegener Vollidiot biologisch abbaubar verrottet.
Dieser Liebesbetrug erscheint zumindest mir doch als um Welten hinterhältiger, heimtückischer und zerstörerischer als dieser zumeist ja vollkommen bedeutungslose Sexbetrug und der weitaus bessere und berechtigtere Grund zu Aufregung und Empörung.
Aber darüber herrscht weitestgehend schlicht und einfach Stillschweigen. Ausgesprochen bemerkenswert, wie ich finde. Und vielleicht ja auch erhellend.