Zitat von ElGatoRojo: Ist "Kinder betreuen" Arbeit oder Freizeitvergnügen?
Kinder betreuen ist Arbeit, wenn man (sich oder aus Notwendigkeit) dazu verpflichtet ist.
Und Freizeitvergnügen, wenn man sich aussucht, wann, ob, wie lange und in welcher Qualität man es macht.
Jetzt schauen wir mal, für wen in unserer Gesellschaft die Carearbeit optional ist und sich alle freuen, wenn er viel übernimmt. Und bei wem sie schlicht vorausgesetzt wird.
Ich nähe gerne Kinderkleidung in meiner Freizeit. Ist mein Hobby, bereitet mir Vergnügen und Entspannung. Weil ich es mir aussuchen kann. Und wenn mir nicht danach ist, läuft in meiner Familie keiner unbekleidet rum.
Dennoch würde ich niemals bezweifeln, dass der Schneider um die Ecke einen wertigen Beruf ausübt, für den er selbstverständlich bezahlt werden sollte, Ruhezeiten verdient hat und einen Feierabend.
Oder ist es etwas ein Privileg für ihn, als Schneider arbeiten zu dürfen, weil es für mich ein Hobby ist?
Oder darf ich einer industriellen Näherin in der Türkei vorwerfen, wenn sie nach der Arbeit erschöpft ist, dass sie sich nur richtig organisieren muss, damit es ganz leicht wird, weil das meine Erfahrung mit meinem Hobby ist?
Zitat von ElGatoRojo: Putzen, Waschen und Kochen ist rational oder umständlich zu bewältigen
Zitat von ElGatoRojo: Weil ich 13 Jahre eine Wochenendehe führte ist mir schon klar geworden, wieviel Zeit ich dafür benötige, welchen Aufwand man machen kann und wo man rationalisieren kann.
Du vergleichst einen Singlehaushalt für einen Mann, der tagsüber nicht zu Hause ist, mit einem Familienhaushalt, bei dem eine Kultur und Kindheit geschaffen wird und nicht nur "satt und sauber".
Zitat von ElGatoRojo: Die Verteiling obliegt der freien Entscheidung der Beteiligten.
Konnte Deine Frau, als sie mit Dir verheiratet war, wirklich frei entscheiden? Oder hätte eine Entscheidung gegen Carearbeit und für Erwerbsarbeit zu einer Scheidung geführt? Konnte sie sich also in Wirklichkeit nur entscheiden, entweder Mann und Kinder zu haben und dafür die Hausarbeit und Carearbeit übernehmen zu müssen, oder weiter zu arbeiten, aber unverheiratet und kinderlos oder als Solomutter?
Und fällt Dir jetzt auf, warum die Geburtenrate in Deutschland schon lange unter dem Selbsterhaltungswert liegt?
Zitat von ElGatoRojo: Auch deine anderen Tätigkeiten machen in einer Beziehung nicht nur die Frauen.
Hat ja auch niemand behauptet. Es geht darum, den Haushalt nicht als Hobby, sondern als Aufgabe anzusehen.
Zitat von ElGatoRojo: Und man klann sie so organisieren, das keiner der beiden sich benachteiligt fühlt.
Ja, kann man. Nichts anderes sagen die Zahlen, die ich zu Trennungsgründen und Arbeitsverteilung angeführt habe. Dass man die Arbeiten gerecht verteilen kann, steht ja außer Frage. Aber jedes Mal, wenn eine Frau Dir gegenüber anmerkt, dass eine bestimmte Verteilung nicht fair ist, behauptest Du, dass man das ja gar nicht messen könne oder solle, dass das die Paare schon klären und das kein Scheidungsgrund sein darf oder kann.
Dabei ist die Realität messbar eine andere.
Und dann kommen wir zum eigentlichen Punkt, warum "traditionelle" Männer so gegen Alleinerziehende (eigentlich ja nur alleinerziehende Mütter) auf Sozialhilfe und Arbeitsmöglichkeiten für Frauen mit Kindern sind:
Zitat von NurBen: Wenn 37% der Singlemütter auf Sozialleistungen angewiesen sind, ist der einzige Grund warum sie nicht auf einen Mann angewiesen sind, dass wir ein soziales Auffangbecken haben.
Gäbe es das soziale Auffangbecken nicht, müssten Frauen wieder bei ihren Männern bleiben, egal wie die sich benehmen, und sich mit "Weiblichkeit" um Männer bemühen und ihnen "Respekt und Dankbarkeit" entgegen bringen, um überleben und ihre Kinder ernähren zu können.
Und diese Form der finanziellen Alleinherrschens und der damit einhergehenden Machtmöglichkeiten ist durchaus gewollt. Wer den Job hat, muss eben auch mal eine Wochenendehe haben und kann dann leider, leider keine Carearbeit übernehmen und keine Hausarbeit für andere. Derjenige mit der Care- und Hausarbeit hat hingegen nicht die Möglichkeit, sich von Montag bis Freitag nur um sich zu kümmern.
War es denn nicht auch Deine Entscheidung, Kinder zu bekommen? Wie konntest Du es dann rechtfertigen, Dich über weite Strecken nicht um sie zu kümmern? Weil Du das Geld nach Hause geschickt hast? Merkst Du den Zusammenhang zwischen bezahlter Arbeit und "Verhandlungsgeschick" bei der Carearbeit?
Zitat von ElGatoRojo: Daher sollten sie doch schon fähig sein, ihr Beziehungs-Umfeld nach ihren Vorstellungen einzustellen.
Also Scheidung, wenn ein Mann nach Hochzeit und Kindern glaubt, weiterhin nur seinem 40-Stunden-Job mit Pendelzeit nachgehen zu müssen und Windeln, Haushalt und Fürsorge wie einem Hobby nachgehen zu können? Oder wie sonst stellt man sein Umfeld ein? Ich würde es ja zunächst mit einem sachlichen Gespräch versuchen, bei dem man auch mal alle anfallenden Arbeiten benennt und feststellt, dass gelegentliches Kochen ein Hobby ist und täglich mehrfach ein abwechslungsreiches und nährstoffreiches Essen auf dem Tisch zu stellen, eben ein Beruf und keineswegs reduzierbar mit "mal eben Dinonuggets in den Ofen" schieben. Wo bleibt denn da der Respekt und die Dankbarkeit?
Aber Du bist der Erste, der Listen über Haus- und Carearbeit lächerlich findet und messbare Daten über die reale Arbeitsverteilung unbesehen diskreditiert. Und damit bist Du sehr wahrscheinlich bei den 68% der Männer, die die Aufgaben als fair verteilt ansehen, ohne sie sich wirklich angesehen zu haben. Und Deine Frau gehört vermutlich zu den 44%, die das ebenso empfindet. Würde sie zu den 24% der Frauen gehören, die genau hingesehen und erkannt haben, dass sie stets mehr leisten müssen, weil sie nicht das Geld verdienen, wärst Du jetzt vermutlich geschieden. Und das nicht, weil Deine Frau Dich nicht mehr liebt oder Dich nicht mehr interessant genug findet oder jemand besseren gefunden hat. Sondern weil Dein Wohlstand und Deine Bequemlichkeit mehr auf ihrer Arbeit beruhen als auf Deiner eigenen.
Die Lösung für die 24% der Paare ist nicht, dass die Frauen sich gefälligst mit dem deutschen Putzmichel zufrieden geben sollen, sondern dass diese Männer ihre Bequemlichkeit aufgeben müssen und genauso viel wie Frauen werden leisten müssen.