Sakura_
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Mein Freund und ich sind schon länger in einer schwierigen Phase. Vor ein paar Tagen hat er mir unter Tränen gesagt, dass er sich in unserer Beziehung einsam fühlt, ihm Nähe und meine frühere Energie fehlen und er sich nicht vorstellen kann, dass unsere Beziehung in ihrer jetzigen Form noch jahrelang so weitergeht.
Ich habe daraufhin erneut Paartherapie vorgeschlagen. Das ist für mich schon länger ein wichtiges Thema, weil es bei uns alte Verletzungen gibt – unter anderem einen früheren Betrug – und ich häufig das Gefühl hatte, dass wir zwar über die Symptome unserer Probleme sprechen, aber nicht wirklich an ihre Ursachen gehen. Meine Schwierigkeiten mit Nähe und emotionaler Offenheit sind für mich teilweise auch eine Folge davon, dass ich mich nach bestimmten Dingen nie wieder vollständig sicher gefühlt habe. Paartherapie sollte für mich deshalb endlich ein Versuch sein, diesen Kreislauf gemeinsam zu durchbrechen.
Heute habe ich ihn ganz direkt gefragt, ob er das wirklich möchte. Daraufhin hat er mir etwas erzählt, was er bisher zurückgehalten hatte: Seit Kurzem macht ihm die Vorstellung Angst bzw. bereitet ihm Unbehagen, die nächsten Jahrzehnte mit derselben Person zusammen zu sein. Er weiß selbst nicht, woher das kommt oder was es bedeutet. Er fand es aber unfair, mit mir an unserer Beziehung zu arbeiten, ohne mir zu sagen, dass er solche grundlegenden Gedanken hat.
In mir ist in diesem Moment etwas zugegangen. Ich dachte nur: Wie soll ich weiter deine Partnerin sein und versuchen, unsere Beziehung zu retten, während du erst herausfinden musst, ob du dieses Grundkonzept überhaupt möchtest?
Ich habe daraufhin meine Sachen bei ihm komplett eingepackt und seinen Schlüssel zurückgegeben. Er hat sehr geweint. Ich habe ihm gesagt, dass ich eigentlich überhaupt nicht gehen möchte und es mir das Herz bricht, ihn so zu sehen – aber dass ich nicht weiß, wie ich unter diesen Umständen bleiben soll.
Später hat er versucht, seine Aussage zu erklären. Er habe nicht gesagt, dass er mich oder unsere Beziehung nicht mehr möchte. Er möchte auch keine anderen Optionen offenhalten, möchte eine monogame Beziehung und schließt überhaupt nicht aus, noch Jahrzehnte mit mir zusammen zu sein. Er versteht dieses Gefühl selbst einfach nicht. Vielleicht hängt es sogar damit zusammen, dass wir getrennt wohnen, relativ wenig gemeinsamen Alltag haben und sich unsere Beziehung dadurch für ihn nicht wie ein wirklich gemeinsames Leben anfühlt.
Und genau da beginnt gerade mein Kopf zu zerbrechen.
Denn einerseits stehe ich hinter dem Gedanken, der mich gehen ließ: Ich möchte nicht daneben sitzen und darauf warten, dass mein Partner herausfindet, ob er grundsätzlich eine langfristige Beziehung mit mir möchte. Ich war immer bereit, an uns zu arbeiten – aber dafür muss für mich zumindest feststehen, dass wir beide grundsätzlich uns wollen.
Andererseits bereue ich inzwischen wahnsinnig, wie endgültig ich reagiert habe. Vielleicht hätte ich einfach nach Hause fahren und erst einmal alles sacken lassen sollen, statt sofort meine Sachen mitzunehmen und den Schlüssel zurückzugeben. Vielleicht habe ich aus Verletzung und Stolz gehandelt, bevor ich wirklich verstanden hatte, was er mir sagen wollte.
Es sind jetzt einige Stunden vergangen und ich habe nichts von ihm gehört. Ein Teil von mir glaubt immer noch, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Ein anderer Teil hat furchtbare Angst, dass er gerade zur Ruhe kommt, den ersten Schmerz verarbeitet und irgendwann feststellt, dass es richtig ist, es dabei zu belassen.
Und das Schlimmste ist: Ich wünsche mir gerade so sehr, dass er anruft – und habe gleichzeitig wahnsinnige Angst davor, dass genau dieser Anruf alles endgültig macht.
Ich weiß gerade einfach nicht, ob ich heute eine notwendige Grenze gezogen habe oder ob ich etwas viel zu schnell beendet habe, das ich eigentlich überhaupt nicht verlieren wollte. Und trotzdem gibt es auch einen Teil von mir, der sich denkt, vielleicht musste es so kommen. Weil es einfach so schwer war. Und vielleicht habe ich es uns beiden damit leichter gemacht.