Guten Morgen zusammen,
ich musste mich gestern der Diskussion entziehen. Nicht zuletzt weil ich einfach Feierabend hatte und zuhause dann auch einfach keine Zeit mehr habe. Aber auch weil ich mich in der Diskussion gestern in die Ecke gedrängt gefühlt habe. Ich habe auf Vieles grade einfach keine Antwort. Ich verstehe euch, wie ihr über die Sache denkt und auch was ihr für richtig und falsch haltet. Ich habe auch nie gesagt, dass ich dem ganzen nicht zustimmen kann.
Es geht hier grade sehr viel um meine EF. Ich verstehe das, dass euch das umtreibt. Aber für mich ist die Frage nach Beichte oder nicht Beichte im Moment garnicht so relevant. Das ist schlicht so. Nicht weil ich mich drücken will. Ich bin noch nicht an dem Punkt. Ich bin vorgestern hier her gekommen, weil ich mir das von der Seele schreiben musste. Ich bin im Trennungsschmerz von meiner AF. Nicht weil ich sie liebe oder weil ich sie zurück will. Weil ich an den Erinnerungen hänge. Diese Erinnerungen überlagern aber Vieles, was auch einfach von Anfang an nicht gepasst hat. Es hatte nie eine Zukunft, alleine weil ich das selbst ziemlich schnell garnicht wollte. Ich habe mich einer Träumerei hingegeben, die dumm war. Insbesondere weil sie Erinnerungen geschaffen hat, die mir jetzt vorgaukeln ich hätte was Tolles verloren. Das ist halt einfach Blödsinn. Ich habe nix Tolles verloren. Ich habe mit der AF ein emotionales Luftschloss aufgebaut was kein Fundament hatte. Ende. Mein Verstand weiß das. Mein Kopf/Herz noch nicht. Darum bin ich hier, weil mich das mal mehr, mal weniger auffrisst. Ich bemitleide mich bestimmt auch ein Stück weit selbst. Aber ist das nicht normal? Ich versuche ja auch aktiv Lösungen für mich zu finden. Einer der ersten Antworten war: Akzeptanz der Situation. Das hilft mir wirklich. Ich verdränge die Gedanken nicht an die AF. Ich frage mich warum ich grade an sie denke und an was ich eigentlich grade denke. Ich komme da auch immer wieder auf das gleiche Resultat, dass ich da an nichts hänge, was ich ernsthaft gewollt habe oder mir zurück wünsche. Ich merke von Tag zu Tag, dass sich etwas verändert. Ich falle aber auch zurück. Gestern nach der Diskussion hier musst ich im Auto auf dem Heimweg einfach weinen. Das warf mich zurück. Aber es tat gut. Aber auch heute morgen galten die ersten Gedanken nach dem Aufwachen (um 04 Uhr mit zwei Kindern im Arm

) nicht mehr der AF sondern mir und meinen Gefühlen. Ich kann mich mit mir selbst beschäftigen. Und das meine ich genau so. Meine EF oder AF hat damit nichts zu tun. Es geht dabei nicht um die Frage was ich will. Es geht darum, wie ich mit Gefühlen umgehe. Dass ich mich hier öffne, hätte ich vor einer Woche nicht für möglich gehalten. Ich packe normalerweise einfach alles in mich rein. Ich mach das alles mit mir selbst aus.
Ich bin mir auch sicher, ihr meint es am Ende nur gut mit euren Ratschlägen. Dafür bin ich auch ernsthaft dankbar. Ich brauche aber noch etwas Zeit. Ist das fair? Keine Ahnung, bestimmt nicht. Es ist aber das, was ich derzeit in der Lage bin zu leisten oder wie auch immer man das nennen mag.
Es tut natürlich weh zu hören ich sei schäbig und feige. Aber nochmal ganz klar an alle vom Team "Beichte": Ich habe nicht gesagt, dass ich das nicht tun möchte. Jetzt grade geht es für mich nicht. Jetzt im Moment muss ich mich zuerst um mich selbst kümmern. Und das finde ich richtig so.
Jetzt könnte man sich die Frage stellen, ob das Sinn macht dann eine Ehe retten zu wollen. Ich weiß, dass mein Gedankenchaos vergehen wird und ich weiß was ich will. Und ich würde vermuten und erwarte es ehrlicherweise auch, dass eine Paartherapie damit beginnt, mit sich selbst anzufangen. Auch meine EF hat das dringend nötig. Auch sie sollte sich selbst und ihre Ansprüche in Einklang bringen.
Es drang gester noch durch man könnte keine Liebe sehen. Ich kann für mich sagen, dass die Liebe zu meiner EF der Treiber ist das ganze retten zu wollen. Ich liebe meine EF. Das was ich getan habe, habe ich nicht aus mangelnder Liebe getan. Die Motivation war die Idee der Flucht aus dem Alltagsgefängnis. Und das auch nicht geplant. Würde ich nicht lieben, hätte ich absolut kein Interesse an einer Fortführung des Ganzen. Ich habe natürlich am Anfang der Affäre daran gezweifelt. Das verflog aber ziemlich schnell.
Mir wurde auch unterstellt ich könne keine Verantwortung übernehmen und könne keine wichtigen Entscheidungen treffen. Das ist eine Verallgemeinerung, der ich widersprechen muss. Ja, ich habe hier grade im Moment in Bezug auf meine emotionale Situation grade Probleme die Verantwortung zu übernehmen. Ich bin in einem Prozess. Aber trotzdem habe ich die wichtigste Entscheidung schon getroffen: Ich werfe meine Ehe und die Liebe zu meiner Frau nicht weg. Das da noch mehr zu gehört ist korrekt. Ich arbeite an mir. Jeden Tag. Die Überschrift lautet: "Ich erkenne mich selbst nicht wieder" -> malt euch selbst aus, wie ich in meinem Leben sonst wohl mit Entscheidungen und Verantwortung umgehen kann oder nicht. Normalerweise mach ich da keine Gefangene.
Ich möchte noch das Thema des Gewissens ansprechen: Habe ich ein schlechtes Gewissen? Ja, habe ich. Aber weniger wegen dem was passiert ist. Sondern weil ich anstatt die Probleme in der Ehe anzusprechen davongelaufen bin. Es hat sich ja gezeigt, dass das simple darüber sprechen ziemlich viel bewirken kann. Sich der Träumerei hinzugeben war unnötig. Ich habe aber auch ein schlechtes Gewissen gegenüber der AF. Denn wenn ich schon davonlaufe und in ihre offenen Arme renne, hätte ich es dann auch mit Ernsthaftigkeit machen können. Nägel mit Köpfen. Also Trennung und dann schauen ob es passt. Wäre ich damit glücklicher gewesen. Aus heutiger Sicht kann ich sagen nein. Wie gesagt, den Entschluss, dass ich die Ehe garnicht aufgeben will traf ich ja schon lange bevor meine AF sich neu umgeschaut hat.
Nun ja, long story short:
Ich hoffe, dass ich in ein paar Tagen soweit sein werde, dass mein Kopf und mein Herz wieder frei oder freier von Gedanken der Fremdverliebtheit sein werden. Einfach damit ich zu Kräften komme und anfangen kann richtig aufzuräumen. Bis dahin werde ich meine Frau aber nicht einfach links liegen lassen. Wir arbeiten im Moment aktiv täglich an uns. Geht das besser? Ganz bestimmt. Aber das ist das, was ich grade kann. Und das ist mein Weg, den ich gehe. Es muss jetzt erst um mich gehen. Dann wird es um meine EF gehen. Ich lasse mich dafür auch nicht verurteilen.
Am Horizont bahnt sich aber schon etwas an: nächsten Mittwoch werde ich sehr wahrscheinlich auf die AF in der Kita treffen. Wir haben ein Fest. Und da EF und AF sich kennen, werden wir uns nicht aus dem Weg gehen können. Ich habe jetzt schon Angst davor, was das mit mir machen wird. Das mich das beschäftigt zeigt ja, dass ich mit mir selbst noch nicht ganz fertig bin.