Zitat von TimmyTrumpet: Was die Beziehung zu meiner Frau angeht: Es läuft ziemlich gut zwischen uns. Wir beide geben uns richtig Mühe. Und seitdem kein Kontakt mehr zur AF besteht ist auch der Fokus da, wo er sein sollte. Was doof ist, dass die Paartherapie erst Ende des Monats beginnt. Das bringt meine Frau fast dazu zu glauben es sei garnicht nötig, weil wir ja so auch gut zurecht kommen. ABER: Es gibt für mich schon Punkte, die müssen besprochen werden. Ich möchte und muss für mich herausfinden, ob ich in die Situation geraten bin, weil ich einfach nur fliehen wollte anstatt mich um Probleme zu kümmern oder ob es wirklich unüberwindbare Dinge in der Beziehung zwischen meiner Frau und mir gibt, die es rechtfertigen die Ehe zu beenden. Es gab auch nochmal die ein oder andere Meinungsverschiedenheit, wo ich dann explizit auf Dinge hingewiesen habe, die mich stören. Und da benötigen wir dann auch Hilfe, denn die Wahrnehmung mancher Situationen unterscheidet sich zwischen uns manchmal deutlich. Aber ich nehme mich da auch in die Pflicht. Auch durch diesen Thread hier konnte ich zuletzt Dinge an mir erkennen, die ich klar allein zu verantworten habe.
Ich finde es sehr gut, dass du trotz des aktuellen Hochs an der Paartherapie festhältst. Gerade diese Phase, in der alles wieder leichter und zugewandter wirkt, kann tatsächlich auch trügerisch sein - ein kurzes Aufbäumen nach der Krise, bevor sich alte Muster doch wieder einschleichen.
Deshalb ist es umso wichtiger, jetzt dranzubleiben und die Themen, die du schon erkannt hast, gemeinsam in der Therapie anzugehen. So besteht die Chance, das Fundament wirklich zu stärken, anstatt später wieder in ein neues Tief zu rutschen.
Dein reflektierter Blick auf dich selbst und eure Dynamik ist dafür auf jeden Fall eine richtig gute Basis.
Zitat von TimmyTrumpet: Was mich selbst angeht: Ich tummle mich ein wenig im Trennungsschmerz Thread. Ich habe immer noch damit zu kämpfen. Es wird aber besser. Leider hatte ich vorgestern eine Zufallsbegegnung mit der AF. Wir haben uns vielleicht dann zwei Minuten unterhalten. Danach hab ich mit zittrigen Beinen im Auto gesessen und wusste erstmal nicht weiter. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich bin doch noch mehr im "Was wäre wenn" gefangen als ich möchte. Aber auch hier ein großes ABER: Ich habe schon auch ziemlich direkt nach dieser Begegnung gemerkt, wie ich in den letzten Wochen vieles über die AF idealisiert habe und mich gedanklich sehr auf Positives fokussiert habe. Die Begegnung hat mich auch wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich kann grundsätzlich bedeutend freier auf die Dinge blicken. Und für mich ist auch klar, dass es mit Sicherheit der falsche Weg war zuerst etwas mit jemandem anzufangen bevor man sich die Gedanken macht, was eigentlich aus dem Status Quo wird. Das führt in mir im Moment dazu, dass ich enttäuscht von mir selbst bin. Und ich habe in mir was entdeckt, dass ich so nicht in und an mir sehen möchte. Und dazu werde ich mich auch selbst nochmal unterstützen lassen. Sind wir doch mal ehrlich. AF wollte keine Affäre. Sie als Alleinerziehende Mutter sucht einen Partner an ihrer Seite, den sie nicht verstecken muss. Was konnte ich ihr denn bieten? Und was ich mir jetzt auch sage, wenn Gedanken kommen: Was genau sollte ich ihr denn jetzt bieten? Ich lasse einfach mal das Gedankenspiel zu und sage: Hey, ich möchte die Ehe beenden. Ich will diese Frau und keine andere. Es wäre jetzt trotzdem falsch den Kontakt zu suchen. So lange ich meine Dinge nicht geklärt habe, geht alles in die absolut falsche und in eine unehrliche Richtung. Und es ist nur ein Gedankenspiel, denn es ist nicht mein Wunsch meine Ehe zu beenden. Ich suche auf diese Weise nur einen Weg dieses "Vermissen" in den richtigen Kontext zu rücken.
Es ist nachvollziehbar, dass dir dieses unerwartete Treffen mit der Ex-AF erstmal weiche Knie beschert hat - das wäre wohl den meisten so gegangen, gerade weil du selbst noch im "Was wäre wenn“ hängst.
Aber richtig stark finde ich, dass du dich danach nicht einfach von diesen Gefühlen überrollen lassen hast, sondern sie dir bewusst angeschaut hast.
Besonders bemerkenswert finde ich auch, dass du das Gedankenspiel ganz bewusst zulässt, um der *beep*, harten Realität ins Auge zu schauen – und damit diese Verklärung und Idealisierung aufzulösen. Genau das ist so wertvoll - nicht nur zu fühlen, sondern auch kritisch zu prüfen, was davon wirklich Substanz hat.
Dass du dabei auch Enttäuschung über dich selbst spürst, zeigt nur, wie ernst du das nimmst und wie sehr du Verantwortung übernehmen willst.
Bleib unbedingt bei dieser ehrlichen, mutigen Selbstreflexion – das ist der beste Weg, um wirklich herauszufinden, was du willst, ohne dich von Schuldgefühlen oder Wunschbildern leiten zu lassen.
Zitat von TimmyTrumpet: Es ist sogar so: Ich fange an wieder emotional näher an meine Frau zu rücken. Und auch S. sind wir uns wieder näher gekommen.
Ich habe noch nicht ganz raus, was ich wirklich verarbeite und was ich verdränge, wenn Gedanken kommen. Es stehen jetzt die Sommerferien an, in denen wir gute drei Wochen weg sein werden und die anderen drei Wochen viel mit den Kindern geplant haben. Ich hoffe, dass mich auch die räumliche Distanz hier weiterbringt. Jeden Tag fahre ich an ihrer Wohnung vorbei. Ich könnte auch anders fahren, mache es aber nicht. Dumm von mir. Wenn ich dann weg bin, vielleicht schafft die räumliche Distanz dann das was ich hier noch nicht ganz alleine hinbekomme.
Klingt für mich nach einem durchdachten Plan, wie du Schritt für Schritt mehr Abstand zur Ex - AF gewinnen und emotional wieder näher an deine Frau rücken willst. Gerade die Sommerferien mit viel gemeinsamer Zeit und räumlicher Distanz können da wirklich helfen.
Einen Punkt möchte ich trotzdem nicht ganz unerwähnt lassen – auch wenn ich weiß, dass wir da schon mal drüber gesprochen haben: Was wäre, wenn deine Frau – egal auf welchem Weg – doch noch von der Affäre erfährt?
Ich glaube, das könnte deinen ganzen Plan ziemlich durcheinanderbringen, weil es dann eben nicht mehr nur um deine innere Verarbeitung geht, sondern eure Beziehung in eine ganz andere Dynamik rutschen würde.
Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen, weil ich meine Haltung ja schon ausführlich dargelegt habe. Aber ich finde, gerade weil du so reflektiert unterwegs bist, darf diese Komponente in deinen Überlegungen zumindest kurz mitgedacht werden.
Ansonsten finde ich es stark, dass du so ehrlich mit dir selbst bleibst, auch über das, was du noch nicht ganz greifen kannst. Genau das macht am Ende den Unterschied.
Zitat von TimmyTrumpet: Was übrigens auch noch dazu kommt: Als ich mich hier angemeldet habe, hielt ich meinen "Fall" für außergewöhnlich. Das mag naiv sein, aber für mich ist das Geschehene neu gewesen und war auch nicht geplant oder bewusst so gewollt. Aber hier lese ich viele andere Geschichten und merke, dass ich einfach ein ziemlich klassischer Fall bin. Das hilft mir bei der Einordnung, weil es für typische Fälle auch etablierte Lösungen gibt. Und gleichzeitig ist mir hier bei der ein oder anderen Geschichte schon die Kinnlade runtergefallen, was mich in der Art beruhigt, dass mein moralischer Kompass nicht komplett abhanden gekommen ist.
Okay du hast beim durchstöbern des Forums für dich erkannt, dass dein Fall vielleicht doch nicht so "außergewöhnlich" ist/war, wie es sich am Anfang angefühlt hat.
Genau das ist ja oft das Starke an einem Forum - so viele verschiedene Geschichten, so viel Input, aus dem man unglaublich viel für sich selbst mitnehmen und dazulernen kann.
Gleichzeitig gibt es aber nicht die eine Standard-Lösung oder Patentstrategie - weil jeder Mensch, jede Beziehung und jede Vorgeschichte anders ist. Was sich jedoch fast immer überschneidet, sind ein paar grundlegende Punkte wie - ehrliche Selbstreflexion - sich wirklich unbequeme Fragen stellen - Verantwortung übernehmen . sich klarwerden: Wer bin ich eigentlich? Was will ich wirklich? Und wie komme ich dahin, ohne andere weiter zu verletzen?
Dass du genau diesen Weg gerade so konsequent gehst, finde ich wirklich stark und das sind die besten Voraussetzungen, daraus etwas zu machen, was langfristig trägt – ganz egal, wie dein Weg am Ende aussieht.
Ich wünsche dir alle Gute auf deinem weiteren Weg. Hab irgendwie doch ein recht gutes Gefühl bei dir.