Zitat von MünchenimSchnee: Ich denke ich hab mir da ggf zu viel Hoffnung gemacht, das stimmt. So verschätzt habe ich mich tatsächlich noch nie.
Naja, gibt immer ein erstes Mal.
Das glaube ich auch. Da ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Du würdest ihn gerne näher kennenlernen und mal unter vier Augen mit ihm zusammen sein. Daher die Idee mit dem Kaffee die ja generell nicht schlecht ist. Aber Du hast selbst gemerkt dass seine Reaktionen aurf Dich gelinde gesagt unberechenbar sind. Er scheint zugänglich zu sein, aber dann reagiert er nicht auf Dich. Du hättest gerne Nähe und er ignoriert Dich.
Und daher klammerst Du Dich an jedes Zeichen seiner Aufmerksamkeit und bewertest es über. Er hat Dir beim Gespräch in die Augen gesehen. Das ist der Normalzustand bei Menschen, die sozial nicht völlig daneben sind. Du siehst aber, dass er Dir lange in die Augen geschaut hat, was vielleicht gar nicht der Fall war. Du bewertest es so, dass es Dir gefällt und in den Kram passt. Und interpretierst jedes Fitzelchen seiner scheinbaren Aufmerksamkeit als Interesse an Deiner Person.
Ich habe mich vor Jahren auf den ersten Blick in einen verguckt den ich dienstlich kennengelernt hatte, der aber woanders arbeitet. Ich sprach mit ihm und fühlte eine tiefe Verbundenheit mit ihm obwohl wir uns nur über eine frühere Kollegin die wir beide kannten ausgestausch hatten. Ich fühlte tatsächlich als hätten wir um uns beide ein rotes Band gewickelt und alles andere da draußen ist unwichtig inklusive anderer KollegInnen die sich auch in diesem Raum befanden. Ich war maximal angefixt von diesem Mann und er ging mir über Monate nicht mehr aus dem Kopf. Ich hatte das Gefühl wir hätten unser Gespräch auf eine Ebene besonderer Verbundenheit gehoben und vo allem bildete ich mir ein, dass es ihm doch wohl genauso gehen würde.
Leider kam er nie von selbst auf mich zu was mir schon zu denken hätte geben müssen. Ich unternahm Monate später einen Anlauf und wir trafen uns tatsächlich zu zweit. Die Initiative ging nur von mir aus - und er folgte ihr. Wir kamen dann tatsächlich zusammen aber die Beziehung war nicht vom Glück verfolgt und ging gewaltig schief.
Als wir zusammen gekommen waren erzählte ich ihm was ich alles bei unserer ersten Begegnung gefühlt hatte und wollte wissen, wie er sie gesehen hatte. Seine Antwort war: ich fand Dich nett und sympathisch, mehr nicht!
Aua, eine volle Breitseite für mich! Meine Empfindungen waren nicht seine Empfindungen, meine Wünsche nach einem Wiedersehen waren nicht seine Wünsche. Wäre ich nicht auf ihn zugegangen wäre er nie auf die Idee gekommen mich treffen zu wollen und hätte mich auch nicht vermisst. Ich war eine Kollegin die er halt mal kennengelernt hatte - mehr nicht.
Damals habe ich verstanden dass ein und dieselbe Begebenheit von zwei Menschen ganz unterschiedlich bewertet und gefühlt wird und dass ich nicht davon ausgehen kann dass mein Gegenüber das sieht, was ich sehe und das fühlt was ich fühle. Ich fühlte maximales Interesse und er einen netten Plausch unter Kollegen.
Den Fehler sehe ich bei Dir auch. Du denkst Dir wenn Du Interesse hast hat er es auch und traut sich z.B. nicht und braucht einen Anstoss. Und daher fängst Du dann an zu interpretieren. Ein Augenkontakt wird zu einem langen Augenkontakt hochstilisiert, ein einfaches Gespräch wird gedeutet als Interesse an Dir usw.
Aber Du siehst ja auch, dass er Dich immer wieder kalt stellt und ignoriert. Also ist Deine Wichtigkeit für ihn nicht so hoch wie Du es gerne hättest. Ein Mann der etwas will zeigt es, vor allem weil er ja mehr als genug Gelegenheit hat, aber sie nicht nutzt.