Lieber @mquadrat
Danke für Deine Antworten, die zeichnen ja schon auch so ein bißchen ein anderes Bild. (Weswegen ich ja am Anfang so viel gefragt habe).
Weißt Du, ich finde dich eigentlich nicht besonders feige. Du warst in einer Situation, die eben sehr chaotisch war. Die Sache mit der Kindesmutter gehen, bleiben; die Frage, ob Du wirklich doch noch mal Familie willst und viel Arbeit, die eben unterwegs sein miteinschließt.
Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber immer wenn ich für meinen Job unterwegs bin, blende ich auch durchaus Dinge zuhause aus. Nach einem langen Tag mag ich meine Ruhe und bin dann nicht sehr offen für andere oder eben Beziehungsgespräche.
Vielleicht geht es Dir ja manchmal auch so.
Schau mal, mal angenommen Du hättest ihr von der Tochter erzählt, ja zu allen familiären Plänen ihrerseits gesagt und schließlich rausgefunden, daß Du eigentlich nicht noch mal ein Kind wollen würdest, wärst Du letztlich in nicht der gleichen aber schon der ähnlichen Tinte gesessen.
Du kannst es drehen und wenden, wie Du willst, aber das ganze Ding stand unter keinem glücklichen Stern.
Lassen wir mal die Kind-Sache für einen ganz kleinen Moment außer Acht, was haben wir denn dann:
Eine Frau und einen Mann, die sich schon am Anfang über Zeit streiten. Natürlich wird sie gespürt haben, daß Du ihr etwas nicht erzählst. Wir können uns jetzt fragen, ob das eben am Verheimlichen Deinerseits lag. Was wir aber nicht wissen, nicht wissen können, ist, ob sie nicht einfach doch genauso reagiert hätte, wenn du nichts verheimlicht hättest. Dann wäre es eben weiter (nur) der Job gewesen und daß Du am WE halt platt warst.
Beides sind Umstände, die Du jedenfalls nicht einfach mal mit einem Fingerschnippen hättest lösen können. Dafür hätte es auch von ihrer Seite Geduld gebraucht.
Ich verstehe, daß Du glaubst, daß wenn Du es nur erzählt hättest, wären die Dinge anders verlaufen. Es ist einfach verführerisch so zu denken. Persönlich glaube ich das nicht. Ich glaube, daß ihr recht schnell wieder in die Zeit-Diskussion eingestiegen wäret.
Wohin bringt uns das? Es bringt uns zunächst dazu, daß Du eine Frau kennengelernt hast, die dir vor Augen geführt hat, daß die Trennung von der Mutter deiner Tochter zum einen nicht das Ende der Welt ist und zum anderen eben (zumindest jetzt) richtig war. Es hat dich auch dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie das mit deinem Job und vielleicht mal Familie tatsächlich funktionieren soll.
Schau mal, daß ist ja schon etwas, was vermutlich auch Thema zwischen Dir und Deiner Ex-Ex (Kindesmutter) war. Natürlich hört es sich plausibel an, wenn Du sagst, daß eigentlich die Idee war, daß sie zu Dir zieht, aber kannst Du nicht auch verstehen, daß das vielleicht nicht die tollste Lösung war, wenn man bedenkt wie viel du unterwegs bist?
Für Dich in eine andere Stadt zu ziehen, eine neue, in der es nicht besonders viel Hilfe und Netzwerk für die EX-Ex gegeben hätte und Du bist viel unterwegs und auch am Wochenende platt. Überleg mal, Du wolltest am WE lieber zuhause einen ruhigen machen, statt mal etwas zu unternehmen. Weißt Du wie viel Kraft, Energie und Leistung ein Baby fordert? Klar, für Unternehmungen muß man vor die Tür gehen, das Baby wäre zuhause gewesen, aber mal ehrlich so richtig durchdacht sind deine Wünsche und Pläne gemessen an dem, was Du tatsächlich lebst, nicht.
Wie gehts es jetzt weiter? Eine Anregung habe ich ja schon gegeben. Eine zweite, die ich für Dich habe, ist die Sache mit Deiner Tochter auf die Ketten zu kriegen. Du bist also zu Weihnachten nicht eingeladen worden.
Hast Du mal drüber nachgedacht, daß das im Grunde genau die gleiche Argumentation ist, die Du bringst, wenn Du sagst bei der neuen wollte ich abwarten bis.
Du wartest. Darauf das alles stabil ist. Du wartest auf eine Einladung. Du wartest auf den richtigen Zeitpunkt und auch irgendwie darauf, daß etwas vom anderen kommt, sei es Stabilität oder Weihnachtseinladung. Oder eben machst erst Schluss um dann auf die Einladung zur Wiederaufnahme der Beziehung zu warten.
Großer, ich sag Dir das jetzt ganz freundlich und wirklich plüschig gemeint, dafür bist Du einfach zu alt.
In drei Jahren bist Du vierzig und in dreizehn Jahren 50. Und natürlich kann man darauf warten, daß andere einen dazu einladen zu leben und man kann dann auch noch die Einladung ablehnen mit dem hübschen Verweis darauf, daß man zu fertig vom Job unter der Woche wäre. Nur nicht nur, daß die Einladungen dann irgendwann aufhören, weil andere Leute einen nämlich auch ab und zu ernst nehmen, man hat halt leider auch sehr wenig Einfluss auf die Einladungen selbst.
Wenn die Kindesmutter bockig (Deine Worte) ist, ist das nicht schön, hier gibt es ein paar Threads mit betroffenen Vätern, die wirklich traurige Geschichten erzählen. Ja, insofern gibt es keine Garantie dafür, daß Deine Bemühungen Früchte tragen, aber weißt du was, in spätestens 18 Jahren wird ein richtig süßes Mädel daher kommen und dich fragen (wenn du Glück hast), wo du eigentlich warst. Willst Du dann wirklich sagen, ich hab halt auf eine Einladung gewartet?
Fazit: Die Situation mit der neuen Ex war nicht die beste. Und einiges davon hast einfach nicht smart gelöst. Dein Eigenanteil, wenn Du mich fragst, bestand aber nicht darin, eine Situation zu versemmeln, Dein Eigenanteil bestand und besteht darin, daß Du, so scheint es, immer einen Grund findest zu warten. Ob es nun die Kindesmutter ist, die erst zu Dir ziehen sollte oder jetzt keine Einladung schickt oder die neue, die darauf warten sollte, bist Du so weit bist, echt den Job zu wechseln oder dich wirklich auf die Beziehung einzulassen.
Und jetzt wartest Du darf, daß die neue Ex, nach Deinem Schluss machen, sich mit genügend Zeit besonnen hat und zur erneuten Beziehungsaufnahme einlädt.
Weißt Du, ich kann das mit dem Warten so gar richtig gut verstehen. Es ist nur so, zwanzig Jahre später dann vielleicht doch auf die Party eingeladen zu werden, auf die man mit 17 hätte gehen wollen, zeigt einem leider nur, was man damals vielleicht cool oder eben nicht cool gefunden hätte und eben wie sehr die eigenen Wünsche sich verändern.
Es gibt diesen hübschen Satz von John Lennon, das Leben ist, was passiert, während man andere Pläne macht.

Der Satz heißt aber nicht, daß Leben ist, was passiert, wenn man nur lange genug wartet.
Hör auf zu warten, fang an zu leben. Ansonsten bleibst Du immer nur der, der auf der Bank sitzt. Zuzuschauen, wie alle leben, ist übrigens echt schlimmer, als manchmal eben auch eine nicht so clevere Entscheidung zu treffen. Und eigene unclevere Entscheidungen mögen manchmal auch weh tun, sind aber deutlich besser als ständig damit konfrontiert zu sein, daß alle (insbesondere die Ladies) um dich herum, eigene Entscheidungen treffen.
Hoffe das hilft.