Auch wenn dich jetzt wahrscheinlich nichts trösten kann, liebe Phila, weil sich... Vermute ich einfach mal, die Enttäuschung wie ein heißer Strom durch deine Eingeweide ergießt, so hast du es ja selbst gesagt:
Danke, Schicksal!
Genauso ist es, es ist ein Wink des Schicksals, und dein Typ selbst ist der Bote.
Zwei Enttäuschungen an einem Tag, und auch noch an dem, den du als den letzten ( in diesem Jahr) auserkoren hast, ihn zu sehen...
Das muss eine Frau erst mal wegstecken.
Ja, sei ent-täuscht. Wieder einmal. Und nutze diesen Schmerz als Erkenntnisweg. Was genau tut jetzt so weh. Du hast gesagt, dein Körper zeigt Symptome einer Panikattacke. Die wird immer ( kognitiv) begleitet von einem absoluten Vernichtungsgefühl bis hin zur Todesangst. Es geht also um Verlust. Von Kontrolle. Und nun frag dich, über was du die Kontrolle zu verlieren befürchtest.
Deinen Selbstwert? Den hast du heute im Gegenteil gerettet.
Deine Liebe zu ihm? Hast du das Gefühl, du hast unmäßig viel auf euer gemeinsames Liebeskonto eingezahlt, und er bedient sich da hemmungslos, und du sitzt plötzlich auf einem Berg von Schulden?
Tatsächlich geht aufrichtig empfundene Liebe nie verloren. Ja, du bekommst sie vielleicht nicht vom dem Objekt, das du geliebt hast, zurück, aber sie wird zu dir zurückkehren.
Das bisschen Gunst, was du dir von ihm erhoffst? Hattest du je auch nur den Hauch einer Chance, diese zu kontrollieren?
Du hast gestern oder so in die Runde gefragt, wieso du und noch einige andere hier, v.a. sonnenblume und Gast67, euch so quält.
Hast du eine Antwort gefunden?
Nun, sich zu quälen erzeugt Schmerz.
Und Schmerz ist ein starkes Gefühl. Und er kann auch die Tür zu anderen Gefühlen öffnen.
Deshalb ritzen sich Borderline-Erkrankte. Sie wollen sich spüren. Sie wollen Zugang bekommen zu anderen Gefühlen, und vor allem wollen sie diese kaum aushaltbare innere Leere überwinden.
In allen Kulturen gibt es Schmerzrituale zur Initiation oder um einen Zugang ins höhere Bewusstsein zu erlangen. Siehe Fakire oder Selbstgeißelungen von Schiiten bei dem Fest Aschura, oder Feuerlaufrituale. Grundsätzlich ist an dem bewussten Umgang mit seinem eigenen realen Schmerz also nichts Schlechtes.
Was anderes dagegen ist Leid.
Leiden ist nie möglich ohne den Gedanken davor. Leiden entsteht immer in uns selbst.
Ich leide, weil....
... Er nicht anruft...
... Er anruft, aber das Falsche sagt...
... Er online ist, aber nicht mit mir schreibt...
... Er eine Ehefrau hat/ keine Zeit hat/ sich nicht trennt/ nur das Eine will/ nicht mal mehr das Eine will/usw. usf.
Und das beruht IMMER auf der eigenen Interpretation einer Situation.
So wie heute bei dir, Phila. Erst muss er seine Tochter hüten (" Er wusste solange von dem Termin mit mir und wie sehr ich mich darauf freue. Er hätte einen Babysitter organisieren können. Ich bedeute ihm nichts".)
Dann lädt er dich auch noch aus der Kneipe aus. ("Irgendwelche entfernten Bekannten sind ihm wichtiger als ich. Er steht nicht zu mir. Ich bin ihm unangenehm. Ich bin ihm nichts wert. Ich bin überhaupt nichts wert.")
Merkst du, wie schnell du in einer destruktiven Abwärtsspirale der Selbstabwertung landen kannst, die ausschließlich von deinen eigenen Gedanken genährt wird?
Und genau hier kannst du ansetzen! Und wieder zur Meisterin deiner eigenen Gedanken werden. Für heute ist es sicher genug, über den Typen nachzudenken.
Hier wurde ja schon etwas über die Abhängigkeit zu den jeweiligen Typen geschrieben. Abhängigkeit im Sinne von Sucht. Und über den Entzug, der wirklich schmerzhaft sein kann.
Für eine zufriedenstellende Abstinenz haben die Anonymen Alk. einen Leitspruch:
Nur für heute.
Versuche mal, so die nächsten Tage ohne Kontakt zu ihm zu überstehen...
