Liebe, traurige Razzi,
Was hast du denn deiner momentanen Ansicht nach falsch gemacht?
Hat er sich getrennt? Und zahlt seine Miete nun selbst, in einer Wohnung, die er für euch beide hübsch gemacht hat?
Oder kann er keine Miete zahlen und wartet frierend unter einer Brücke?
Hat er denn irgendetwas richtig gemacht in der Zwischenzeit?
Deine Gefühle der Trauer, des Abschieds und der Sehnsucht kann ich gut nachempfinden. Das habe ich mit dem "Anderen" seit 6 Jahren. Nach jedem seiner Kontaktabbrüche.
Und nun ist auch noch die Trauer über meine zerbrochene Beziehung zu meinem Nochmann dazugekommen, wo ich ja nun mal einen Riesenanteil an dem ganzen Schlamassel habe.
Es ist okay, traurig zu sein.
Aber werte dich nicht ab. Und schon gar nicht dafür, dass du Grenzen gesetzt hast. Hast du Spielchen mit ihm gespielt? Nein, du hast in dir gespürt: "Bis hierher und nicht weiter. Bis hierher reicht meine Kraft und meine Liebe, überschreitest du aber diese Linie, zerstörst du mich."
Das war Achtsamkeit und Wertschätzung dir selbst gegenüber.
Nun scheint ein wenig Zeit vergangen zu sein. Und dein Hippocampus, ein Teil deines Großhirns, hat ganze Arbeit geleistet und scheint damit zu beginnen, deine Erinnerungen zu verzerren: Erlebnisse werden beschönigt, Unangenehmes wird weggelassen. Unser Gedächtnis ist ein unzuverlässiger Chronist.
All die regelmäßig hier Lesenden und Schreibenden können dich sicher an die eine oder andere Anekdote erinnern, die du beschrieben hast ( wobei du immer sehr dezent warst, Razzi), wo dein Traummann nicht ganz so traumhaft erschien.
Und heute, angetrieben von deiner Trauer und Sehnsucht, ist er eine Mischung aus Daniel Craig, George Clooney und Richard Gere, allerdings dem jungen!
Alter Schwede!
Bleib heute am besten hier, lass dich trösten, wir stoßen alle auf dich an
Du hast hier so vielen Menschen schon Mut zugesprochen, heute bist du mal dran.
Ganz liebe Grüße von April