Aprilrose
Gast
Zitat von Razzi:
Jetzt kamen vor ein paar Tagen förmliche gute Wünsche bezüglich meiner Zukunft. Abschied. Er hat also aufgegeben. Das hat er nicht so gesagt, war aber deutlich rauszuhören.
Ich dachte, ich bin darüber hinweg. Jetzt ist er so distanziert und das zieht mir den Boden weg. Er hat mich monatelang ohne sich zu sehen, als seine Frau betitelt. Jetzt ist er weg.
Bin völlig am A. Warum? Ich will ihn doch nicht mehr. Nur weil er mich nicht mehr belästigt und verarscht, bin ich fertig. Das heißt also, daß mir eine negative Aufmerksamkeit lieber ist als gar Keine? Wie fertig bin ich rigentlich? Er verarscht mich und ich bin fertig, wenn es jetzt offiziell aufhört?
Erschießt mich.....
Das ist doch nicht normal.
Liebe Razzi,
Das, was du da beschreibst, ist der Grund, warum ich in diesem Forum und genau hier in Philas Thread gelandet bin.
Das ist soooooo anstrengend. Diese innere Widersprüchlichkeit. Aus Selbstschutz oder Erschöpfung oder einer Enttäuschung zu viel, beginnt man mit viel Anstrengung, sich eine neue Geschichte über den Mann auszudenken:
"Wer mich nicht will, der hat mich auch nicht verdient." "Also, was will ich denn mit einem Typen, der...
Seine Frau nicht verlässt/ seine Miete nicht selber zahlen kann/ ständig mit Selbstmord droht/ mich nicht mal in seiner eigenen Kneipe auf einen Drink einlädt/ mir nie schreibt, wenn er online ist/ mich nicht als Vertraute wählt, wenn er einen Schicksalsschlag erleidet..." Ach, tausend Gründe fallen uns ein. Und dann überzeugen wir uns selbst: "Ich habe keine Gefühle mehr für ihn. Der könnte jetzt machen, was er will, es ist vorbei."
Und in der Regel ist es ja auch so, dass der Schmerz leiser wird, je länger wir nichts von dem Mann hören oder sehen oder lesen.
Es fehlt dann was, klar. Für eine ganze Weile ist die Welt wie ein Fernseher, bei dem der Farbchip etwas nachgelassen hat. Das Bild ist nicht mehr ganz so bunt, nicht mehr ganz so HD. Aber man gewöhnt sich daran. Denn sonst ist die Welt ja trotzdem so wie immer... Und man bildet sich ein, dass man wieder in die Spur kommt, dann man "ihn" überwunden hat.
Das Leben geht weiter...
Und dann... Plötzlich... Erscheint er wieder auf der Bildfläche. Und ... Autsch.
Das ist dann der Moment, der sich bei mir immer so anfühlt, als habe er mich buchstäblich an der Angel. Als laufe ich seit Jahren mit einem Angelhaken im Herzen herum. Meist tut er nicht weh. Wenn ich an den "Anderen" denke, krampft es kurz im Bauch oder halt im Herzen. Aber die Leine ist so locker, dass ich die Verbindung kaum mehr spüre, nur durch diesen kleinen Schmerzreiz.
Doch dann meldet er sich. Und es zieht. Die Leine ist gespannt. Und dann kommt entweder wieder gar nichts oder es kommt die Güte als Gift... In meinem Falle z. B.: "Ich möchte dich nicht verletzen. Ich verspreche dir, dass ich mich nie mehr melden werde."
Autsch, autsch. Und dann spüre ich wieder für lange Zeit den Angelhaken, der die Wunde wieder aufreißt.
Und was bringt uns das?
Nur die Möglichkeit zu einer radikalen Innenschau. Zur Selbsterkenntnis. Das Tröstliche daran ist: hinter den Abgründen, vor denen die meisten zurückschrecken, liegt immer das Licht! Wirklich!
Eine kurze Meditation hilft schon. Regelmäßiger Rückzug an einen stillen Ort. 5 oder 10 Minuten reichen für den Anfang. Ruhiges Ein- und Ausatmen. Die Gedanken, die kommen, wie Wolken am Himmel betrachten und sie ziehen lassen. Wenn man merkt, dass man mit ihnen anfängt zu reisen, zurückkommen zum Atem, den "man" beobachtet. Kommen die Gedanken an "ihn", einfach fragen: was tut JETZT weh? Dann in den Schmerz hineinatmen und um die Antwort bitten. Die Intuition, oder man kann es auch "das höhere Selbst" nennen, wird die Antwort liefern.
Ich kann hier gerne im Laufe der Zeit verschiedene Übungen hineinschreiben, die der Erweiterung des Bewusstseins dienen. Die helfen, sich und anderen zu vergeben.
Radikales Loslassen ist schwer. Das ist mir leider auch noch nicht gelungen. Aber Akzeptanz und Achtsamkeit sind wichtige und heilende Bausteine auf dem Weg dahin.
Und das schaffst du, Razzi, und alle anderen hier auch.
Es gibt keine Zufälle! Und auch die Gruppe, die sich hier gefunden hat, ist nicht zufällig hier gelandet. Wir können uns gegenseitig inspirieren und begleiten. Ihr habt mir schon, ohne es zu wissen, sehr geholfen, einfach nur, weil ich lange mitgelesen und mitgefühlt habe.
Ich bin seit 6 Jahren mit dem "Anderen" verbunden. Ich musste Wege finden, damit umzugehen. Und ich bin gerne bereit, diese mit dir und euch zu teilen.
Aprilrose


und daß obwohl dieser hübsche kleine Geier um mein Anwesen kreist.