Scheinheilig
Gast
Ist aber auch nicht angenehm, immer wieder an das alte Laster erinnert zu werden. Da wächst die Angst, wieder rückfällig zu werden.
Deswegen hatte ich auch geschrieben, dass alte Wunden aufgerissen werden. Das hatte ich in einem anderen Faden gelesen, den Räubertochter auch kennen dürfte. Da haben sich mehrere Leute verabschiedet, gerade weil es ihnen nicht gut getan hat, immer wieder in alten Wunden herum zu stochern. Es gab einen Zusammenschluß, um sich gemeinsam mit anderen und vor allen Dingen positiveren Themen zu beschäftigen. Einer von denen hatte es "den Zenit überschreiten" genannt.
Das war bei mir genauso. Ich habe mich gezielt andersweitig beschäftigt, sobald ich wieder in dem Gedankenkarussel steckte. Sobald er wieder in meinem Kopf war, ging ich laufen und hörte dabei ein Hörbuch, damit ich mich andersweitig konzentrieren musste.
Sport war sehr wichtig, um den Ballast vom damaligen Frust los zu werden. In der Zeit mit ihm hatte ich mir gehörig Speck angefressen.
Ich traf mich gezielt mit Leuten, die keinen Liebeskummer hatten. Da redet man automatisch weniger darüber.
Zu guter Letzt habe ich mich von einer Kollegin dazu überreden lassen, mich an Perlentierfiguren zu versuchen. Früher hätte ich so eine Frimelei nie angefangen, doch das half wirklich, zu vergessen.
Irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, da war er weg. Oder mehr die Gefühle für ihn. Da konnte ich auch endlich bewusst und ohne Schmerz das Eigenverschulden annehmen.
Das ganze ist nun 2 Jahre her. Ich war viele Monate dem Forum fern geblieben. Bewusst. Seit einem Monat schau ich sporadisch wieder hier rein, weil ich eine neue Liebe gefunden habe. Ich mißtraue nicht ihm, sondern mir selbst. Die alten Muster will ich nicht wiederholen.
Er soll nicht ausbaden müssen, was bei mir schief gelaufen ist. Im Forum werden mir die alten Fehler deutlich bewusst gemacht. Ich mach mein Glück nicht von meinem Neuen abhängig. Da bin ich selbst für verantwortlich. Er rundet das Glück nur ab.
Meine Fehler sind nicht seine Fehler. Ich trage die Verantwortung dafür, ihn nicht zu überfordern. Ich muss entscheiden, ob mir reicht, was er geben kann. Und es reicht vollkommen. Für den Rest muss ich selbst sorgen. Würde es mir nicht reichen, wäre ich verantwortlich gewesen, zu gehen, anstatt permanent und latent Druck aus zu üben. In dem anderen Faden erwähnte Einer "emotionale Erpressung". Durch meine Erwartungshaltung habe ich früher oft erpresst, ohne dass es mir bewusst gewesen war.
Wenn heute etwas für mich nicht in Ordnung ist, hau ich auf den Tisch. Dann weiß der andere, was Sache ist. So kann er mit entscheiden, ob und wie es besser laufen könnte. Das ist nicht nett, aber ehrlicher. Natürlich muss ich so auch die Konsequenzen tragen. Es besteht die Gefahr, dass er geht. Dieses Recht muss ich ihm einräumen. Aber auch mir.
Nur bin ich so viel freier in meinen Entscheidungen. Das macht mich nachsichtiger. Ich kann leichter über seine und meine Schwächen hinweg sehen. Meine Stärken gleichen das vollkommen aus.
@Liva: Halte an deinem Plan fest. Nimm ihn nicht mit ins neue Jahr. Verbanne ihn aus deinem Leben. Du kannst keine Entschuldigung erwarten, weil ein Mann von seinem "Format" keine geben kann. Dazu ist dieser Wicht zu schwach. Er kann es einfach nicht! Erwarte diese Entschuldigung lieber von dir selbst, weil du einem Wicht soviel Raum gegeben hast.
Im anderen Faden wurde vorgeschlagen, ihn sich mit Unterhosen auf dem Kopf vor zu stellen. Das hab ich probeweise bei einem nervigen Arbeitskollegen angewandt. Seitdem ist es mir nicht mehr möglich, ihn für voll zu nehmen. Nun nervt er viel weniger.
Verbanne ihn nicht nur körperlich, der muss ganz raus aus deinem Kopf! Das ist viel wichtiger. Sowas schmerzt erst einmal, aber das ist nur die Gewohnheit. Man kann sich tatsächlich auch an negative Dinge gewöhnen und hat dann Angst, ohne das "Vertraute" aus zukommen. Fülle den Raum mit neuen Interessen. Lass die Gedanken solange nicht mehr zu, bis es nicht mehr weh tut. Erst danach wird es heilen. Es erfordert Selbstdisziplin, dafür musst du dir aber auch keine Strategien mehr überlegen, wie du ihm aus dem Weg gehst. Er wird von allein verschwinden, selbst wenn er neben dir stehen sollte.
Kämpfe den Kampf mit dir selbst, es lohnt sich.
Euch allen viel Glück.
@scheinheilig

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