@gast67: Ich kann mich Roja, Räubertochter und den anderen nur anschließen:
Du steckst in einer derartig destruktiven Falle, dass es selbst für uns Außenstehende kaum zu ertragen ist.
So, wie du ihn beschreibst, ja, kann man sich vorstellen, dass er depressiv ist. Aber noch mehr ist er persönlichkeitsgestört.
Was er da tut, nennt man "sekundären Krankheitsgewinn". Was verbindet euch eigentlich noch außer verblassende Erinnerungen an bessere Zeiten und sein immer wieder von neuen Superlativen nur so strotzenden Beschreibungen seines selbst verursachten Leidens? Wer ist er ohne sein Leid, was in seinem Falle ja nur eine ganz besonders pathologische Variante des Selbstmitleides ist?
Seine Position ist doch ganz bequem. Du vergehst vor Sorge, also wirst du einen Teufel tun, ihn zu einer Veränderung zu motivieren. Stattdessen kann er sich weiterhin all deiner Aufmerksamkeit und Energie sicher sein. Leider ist er in der Regel dann von der mannigfaltigen Beschreibung seines um sich selbst drehenden Weltschmerzes so erschöpft, dass er für dich kaum noch etwas übrig hat. Das Ende vom Lied ist, dass du mittlerweile offenbar- als empathischer Mensch, der du unbestritten bist, liebe Gast67- dem Phänomen der "Gefühlsansteckung" unterliegst. Ja, das gibt es. Negatives Denken kann ansteckend sein. Und du wirkst recht isoliert, nur noch auf ihn fixiert.
Oder wann warst du das letzte Mal stundenlang mit ausgelassenen, fröhlichen Menschen zusammen und hast mit ihnen herzhaft gelacht?
Traust du dich das überhaupt noch oder bekommst du dann schlechtes Gewissen, weil du es gewagt hast, Freude am Leben zu haben, obwohl es ihm ja so furchtbar schlecht geht?
Auch, wenn dir der Gedanke nicht behagt ( denn auch du müsstest dann eine neue Aufgabe in deinem Leben finden... Wobei ich da einen Vorschlag hätte: Selbstfürsorge!), tust du ihm mit einem vollständigen, meinetwegen zeitlich begrenzten ( ich schlage vor: ein halbes Jahr) Kontaktabbruch einen großen Gefallen. Du wirst damit zu seiner Heilung beitragen.
Im Moment starrt ihr beide wie hypnotisiert auf eine symbolisch offene Wunde an seinem Körper. Bejammert sie gemeinschaftlich und pult ständig den Schorf ab, um zu schauen, ob sie schon am Heilen ist.
Lass das sein.
Sein Leid ist selbstgewählt! Bitte, Gast67, du nährst dieses Leid durch dein Mitleid! Habe kein Mitleid! Nie! Mit niemandem! Mitleid ist immer passiv und destruktiv und verstärkt das Leid. Es geht NICHT um Mitgefühl, um Empathie, das ist etwas ganz anderes und sehr gesund und den anderen wahrhaft erkennend in seinem Bedürfnis.
Mitleid wird immer vom eigenen Ego angetrieben. Auch du scheinst gerade deine Daeinsberechtigung aus deinem Mitleiden für diesen Mann zu ziehen.
Suche dir eine andere Aufgabe! Ziehe deine Energie von ihm ab! Du wirst ihm genau damit helfen, denn du gibst ihm dadurch den Anstoß, sein Leben aktiv zu verändern.
Viel Glück und Stärke wünsche ich dir
