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Ich lernte einen Mann durch seine Abwesenheit kennen

Amb25

Amb25
Mitglied

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Es gibt Dinge, denen wir keine Beachtung schenken und die Leben zerstören; ich möchte mit dieser Geschichte die Aufmerksamkeit vieler darauf lenken:

Ich kannte einen Mann durch seine Abwesenheit.

Ich habe nie wirklich mit ihm gesprochen. Ich wusste hauptsächlich, was seine Freunde und Familie hinterher sagten.

Er war diskret. Immer für andere da. Der Typ Mann, den man anruft, wenn es einem nicht gut geht, aber den man nie fragt: „Und dir, geht es dir wirklich gut?“

Er hatte eine Frau tief geliebt. Keine laute, demonstrative Liebe. Eine treue, beständige, fast unsichtbare Liebe. Er war nicht gut in großen Worten oder darin, sich in den Vordergrund zu drängen. Er glaubte, dass es genügte, da zu sein, zu helfen, zu unterstützen – das reichte, um geliebt zu werden.

Als die Beziehung endete, sprach niemand von Tragödie. Sie sagten: „So etwas passiert“, dass „das Leben weitergeht“. Er nickte. Er arbeitete weiter, half, lächelte, wenn nötig.

Aber etwas in ihm verschloss sich.

Er klagte nicht. Er belästigte niemanden. Er behielt dieses seltsame Gefühl für sich: das Gefühl, unzulänglich gewesen zu sein, ohne zu wissen, warum. Das Gefühl, alles gegeben zu haben, aber nie am richtigen Ort.

Eines Morgens erfuhren wir, dass er nicht mehr da war. Kein Brief. Keine dramatische Erklärung. Nur eine unermessliche Leere und eine Frage, die uns alle zu spät traf:

„Haben wir ihn wirklich gesehen?“

Danach strömten die Reuegefühle herein.

Das „Hätte ich es doch nur gewusst.“

Das „Er hat nie etwas gezeigt.“

Das „Wir dachten, er wäre stark.“

Die Wahrheit ist: Er war zu stark.

Ich erzähle diese Geschichte, um euch an etwas Beunruhigendes zu erinnern:
Manche Menschen sterben nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie zu früh gelernt haben, nie zu fragen.

Der Rat ist einfach, aber lebenswichtig:
Idealisiert nicht stille Stärke. Lernt, denen zuzuhören, denen es scheinbar gut geht.

Die einzige wirkliche Lösung, sowohl gemeinsam als auch persönlich, ist, Verletzlichkeit zuzulassen:
auszusprechen, wenn es uns nicht gut geht, und vor allem zu wissen, wie wir ohne Scham um Hilfe bitten können.

Denn es gibt Schmerzen, die nicht schreien.

Und oft sind es diese, die töten.

x 13 #1


S
Das ist schlimm, aber niemand kann alles vorher ahnen...
...ich kann nur sagen, ich will auch oft niemanden belasten wenn es mir richtig schlecht geht - aber ich habe noch ein solche Gedanken habt.

#2


A


Ich lernte einen Mann durch seine Abwesenheit kennen

x 3


Amb25
@Schnuddel74
Tu as raison, personne ne peut tout prévoir.
Beaucoup d’entre nous ont appris à se taire pour ne pas peser sur les autres, même quand ça devient lourd à porter.
Le plus difficile, c’est souvent d’accepter qu’exprimer ce qui ne va pas n’est pas une nuisance, mais un besoin légitime.
Quant à la rupture comme opportunité, je te rejoins : elle force parfois à se rencontrer soi-même, même si le chemin est douloureux.
Merci pour ton partage, il résonne profondément

x 1 #3


Worrior
Ja das stimmt, Männer brechen still.

x 2 #4


Arella
Zitat von Worrior:
Ja das stimmt, Männer brechen still.


Ach das muss 2026 wirklich nicht mehr sein. Mach den Mund auf und sprich über dich, das Leben, die Welt, weiß der Kuckuck. Manche Frau hätte genau das gern.

Keine Notwendigkeit ein stiller Halm im Schilf zu sein.
Bis er einsam bricht.

x 6 #5


Arella
Zitat von Amb25:
Als die Beziehung endete, sprach niemand von Tragödie. Sie sagten: „So etwas passiert“, dass „das Leben weitergeht“. Er nickte. Er arbeitete weiter, half, lächelte, wenn nötig.

Aber etwas in ihm verschloss sich.

Er klagte nicht. Er belästigte niemanden. Er behielt dieses seltsame Gefühl für sich: das Gefühl, unzulänglich gewesen zu sein, ohne zu wissen, warum. Das Gefühl, alles gegeben zu haben, aber nie am richtigen Ort.

Er hätte reden sollen. Was auch immer ihn dazu veranlasst hat, zu lernen, dass er schweigen soll, wer auch immer ihn so hat aufwachsen lassen, hat ihm geschadet.
Das Leben ist leichter mit Menschen, die sich öffnen und das auch wollen.
Und können.
Und es macht Spaß.

#6


S
@Amb25
C’étaient de si beaux mots, dans une langue si belle!

Danke, ich habe tatsächlich Französisch in der Schule gehabt - aber alles eingerostet... ...ich habe es durch den Translater schicken müssen Zwinkerndes Gesicht

Warum hast du es in Französisch geschrieben?

x 1 #7


C
Zitat von Amb25:
Ich habe nie wirklich mit ihm gesprochen.


Er hat dich also nie interessiert, aber jetzt wo er tot ist fühlst du dich betroffen und gemüßigt, andere zu ermahnen.

Warum?

x 2 #8


hotte
Zitat von Arella:
Ach das muss 2026 wirklich nicht mehr sein. Mach den Mund auf und sprich über dich, das Leben, die Welt, weiß der Kuckuck. Manche Frau hätte genau das gern. Keine Notwendigkeit ein stiller Halm im Schilf zu sein. Bis er einsam bricht.

Sorry, leicht am Thema vorbei aber das "triggert" mich ein wenig weil ich leider eine gaaaaaaaanz andere Erfahrung machen musste... Ich habe in meiner Ehe viel übermeine Gefühle gesprochen mit denen ich nie klar gekommen bin, Ich weiß mittlerweile das dies noch aus meiner Kindheit stammt und arbeite aktuell daran.

Wohlgemerkt, ansonsten bin ich zuverlässig und erfolgreich und habe die Familie immer versorgt und beschützt.

Während meiner Trennung habe ich von meiner Frau zu hören bekommen ich solle doch ein richtiger Mann werden und was das bedeuten würde solle ich andere Männer fragen. Mittlerweile bin ich relativ tief in die Männerarbeit eingetaucht und habe mich viel ausgetauscht. Im letzten Jahr habe ich in meiner Firma einen Award bekommen weil ich offen über meine Probleme und Herausforderungen gesprochen und mich damit für das Thema "Mental Health" und vor allem "Mens Health" eingesetzt habe (neben Gleichberechtigung und anderen Themen).

Ich will hier nicht wieder die alte diskussion anfangen oder einen Geschlechterkrieg auslösen. Das Problem ist das Männer meiner Generation (Gen X) damit groß geworden sind das zu Hause Sozialtheater gespielt wurde und nach aussen immer die heile Welt vorgegaukelt wird während zu Hause alles in Trümmern lag. Ein Indianer kennt keinen schmerz und stell dich nicht so an waren dinge die man(n) ständig gehört hat. Wir soll man(n) da einen gesunden Umgang mit seinen Gefühlen lernen?

Und ja, viele Frauen sagen das sie wollen das ihr Mann Gefühle zeigt. Viele gehen damit sicherlich auch gut um, aber es gibt leider auch die die dann schlagartig den Respekt verlieren weil der Mann ja nicht mehr der Fels in der Brandung sei.

Dabei bedeuted eine echte Partnerschaft für mich das JEDER das recht hat auch mal nen schwachen Tag zu haben. Deshalb ist man in einer PARTNERschaft.

Nun zum eigentlichen Thema, ja, ich habe auch mehr als einmal an suizid gedacht als es mir richtig dreckig ging. wie gesagt, ich habe nie gelernt mit Gefühlen umzugehen, also hat mich alles innerlich aufgefressen und ich brauche alles kompensationsstrategien um nicht "durchzudrehen". Lediglich der Gedanke das ich meiner Tochter sowas nicht antun kann und die "sachliche" gewissheit das dieses Gefühl der Hilflosigkeit nur vorrübergehend ist hat mich davon abgehalten.

Es is immer traurig wenn ein Mensch keinen anderen Ausweg mehr sieht und wir dürfen uns alle fragen ob dies nicht ein Armutszeugnis für uns als Gesellschaft ist. Jeder von uns darf sich fragen wann er oder sie das letzte mal bedingungslos für jemand anderen da war. Einfach nur da, ohne zu werten oder so. Ich denke die Leute hier im Forum werden das eher machen aber schaut mal in euer Umfeld....

x 8 #9


Sonnenschein85
Selbstvorwürfe in so einer Situation kommen wahrscheinlich automatisch. Trotzdem denke ich das man vielen Menschen die still leiden es gar nicht ansehen kann. Und selbst wenn man nachfragt ob alles ok ist, kriegt man auch oft ein Ja zu hören.

Dabei sieht es im Inneren ganz anders aus. Eine meiner besten Freundinnen ist sehr depressiv auch mit schlimmen Gedanken. Aber nach außem wirkt sie extrem fröhlich und "normal"
Sie sagt auch selbst das man es ihr nicht anmerkt und sie nur ausgewählten Menschen ihr innerstes zeigt und sich verletzlich macht.

x 1 #10


Arella
Zitat von hotte:
Und ja, viele Frauen sagen das sie wollen das ihr Mann Gefühle zeigt. Viele gehen damit sicherlich auch gut um, aber es gibt leider auch die die dann schlagartig den Respekt verlieren weil der Mann ja nicht mehr der Fels in der Brandung sei.

Danke @hotte, für deine Offenheit und deine Beschreibung. Dieses Thema hatten wir hier schon mal in einem anderen Faden angerissen. Muss leider sagen, dass das, was du erlebt hast, gibt es auch für den anderen Fall. Also den Fall, dass sie bitteschön immer perfekt zu sein hat.

x 4 #11


Arella
Zitat von hotte:
Und ja, viele Frauen sagen das sie wollen das ihr Mann Gefühle zeigt. Viele gehen damit sicherlich auch gut um, aber es gibt leider auch die die dann schlagartig den Respekt verlieren weil der Mann ja nicht mehr der Fels in der Brandung sei.

Ich denke, das kommt darauf an, wie jemand aufgewachsen ist. In unserer Leistungsgesellschaft wird, oder wurde, in den letzten Jahrzehnten das Materielle und das Erreichen wirtschaftlichen Wohlstands sehr hochgestellt. Dementsprechend suchen sich auch bestimmte Männertypen Frauen, mit denen sie diese Ziele zu erreichen gedenken. Und dementsprechend haben beide eine Rolle auszufüllen und je nachdem wie hart das eigene Ego diesen wirtschaftlichen Hochschwung benötigt, hat der Partner in einem festen Korsett zu existieren, um dieses zu erreichen.

x 3 #12


Vivi_
Zitat von Amb25:
Manche Menschen sterben nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie zu früh gelernt haben, nie zu fragen.

Und selbst wenn sie sich doch mal überwinden zu fragen (was enorm schwer fällt) gibt es teilweise keine Hilfe, weil sie zu stark wirken. Selbst schon erlebt. Da fragt man denn auch kein zweites Mal sondern kommt klar oder eben auch nicht.
Die Gesellschaft ist egoistisch geworden. Jeder sich selbst der Nächste.
Gehört werden wollen alle, zuhören fast keiner.

x 3 #13


E-Claire
Zitat von hotte:
Während meiner Trennung habe ich von meiner Frau zu hören bekommen ich solle doch ein richtiger Mann werden und was das bedeuten würde solle ich andere Männer fragen. Mittlerweile bin ich relativ tief in die Männerarbeit eingetaucht und habe mich viel ausgetauscht. Im letzten Jahr habe ich in meiner Firma einen Award bekommen weil ich offen über meine Probleme und Herausforderungen gesprochen und mich damit für das Thema "Mental Health" und vor allem "Mens Health" eingesetzt habe (neben Gleichberechtigung und anderen Themen).

Finde ich sehr cool, dass Du Dich da engagierst.

Nur ein kleiner Reminder: Partner sind keine Therapeuten. Es ist nicht die Aufgabe des Partners Kindheitstraumata zu lösen oder zu heilen.

x 3 #14


Sonnenschein85
Zitat von Vivi_:
Und selbst wenn sie sich doch mal überwinden zu fragen (was enorm schwer fällt) gibt es teilweise keine Hilfe, weil sie zu stark wirken. Selbst ...

Ja. Das stimmt.

Oft merkt man aber auch leider als Außenstehender nicht was los ist weil man zu sehr mit sich und seinem stressigen Alltag beschäftigt ist

x 3 #15


A


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