phoenix123
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Meinem Ex Partner ging es genau so wie dir. Nur noch aus Mitleid und Angst da. Er hat, bevor er die Trennung ausgesprochen hat, alle Freunde und Familie darüber informiert und sie fast schon angebettelt, dass sie doch bitte nach mir schauen mögen, sich kümmern sollen. Er war genau wie du davon überzeugt, dass ich untergehen werde. Und ich werfe ihm das nicht vor, denn er hatte genau wie du berechtigte Gründe für diese Sorge. Ich wurde genau wie dein Mann sehr unselbständig, habe starke Angststörungen entwickelt und konnte vieles nicht mehr alleine machen. Hinzu kamen Depressionen und eine starke Vernachlässigung meiner Selbst.
Ich habe mich wie eine Ertrinkende an ihn geklammert. Wir waren einmal gemeinsam beim Psychologen. Dieser sagte zu ihm folgendes :"Sie MÜSSEN dringend damit aufhören, ihr alles abzunehmen. Sie machen es dadurch nur schlimmer und sie wird immer kleiner und abhängiger". Letztendlich hat er es nicht geschafft, sich meinen "Zuständen" und stets starken Argumenten entgegen zu setzten. Und ja, auch ich habe unbewusst emotionale Erpressung betrieben. Ich werfe es ihm nicht vor, dass er es nicht geschafft hat zu tun, was nötig gewesen wäre. Nämlich mich zu stärken, indem er NEIN sagt.. Indem er mein Selbstvertrauen und meine Selbständigkeit fördert, indem er mich bewusst "alleine" lässt.
Aber der Partner muss nun mal nicht die Rolle des Therapeuten einnehmen.. Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum er und auch du, nicht die Kraft habt, dieser extremen Wucht entgegen zu stehen.
Ich möchte dir gerne das Ende meiner Geschichte nachlegen : Als er mich letztendlich nach 15 Jahren fast wortlos hat sitzten lassen und sich getrennt hat... Ab da hat mein Leben erst richtig begonnen. Freunde und Familie haben mich fast nicht wiedererkannt. Sie meinten "Wow. Dir sind Flügel gewachsen. Du bist so schön wie nie zuvor." Auf einmal MUSSTE ich alleine klarkommen. In mir hat sich sowas wie ein Überlebensmechanismus aktiviert. Der Schalter umgelegt. Meine Ängste bin ich sofort angegangen, da mir klar wurde ich MUSS. Es ist niemand mehr da, der es für mich macht. Ich habe ein paar Monate später vorm Spiegel gestanden und mich selbst gefragt :Wo war diese Frau all die Jahre!? Das ganze ist jetzt 4 Jahre her und ich bin gesünder und glücklicher denn je.. Ich bin trotz seiner Befürchtungen nicht untergangen sondern im Gegenteil... Eben wie Phönix aus der Asche gestiegen. Manchmal muss man Menschen loslassen, damit sie fliegen lernen... Und ja, es hat extrem weh getan und ich bin durch ein langes und tiefes Tal der Tränen und Schmerzen gegangen. Habe viel Therapie gemacht und mich sehr intensiv mit mir und meinen "Abgründen" auseinander gesetzt. Ich bin mir sicher, auch dein Mann wird sich Hilfe holen und in gute Hände kommen. Darauf darfst du vertrauen...
Lass ihn los... Er wird erst so sehen und lernen können, zu wieviel mehr er fähig ist... Wieviel mehr er kann als er glaubt und wieviel größer er ist, als das was er lebt.
Und auch wenn er vieles ausblendet.. Glaub mir. Glücklich ist er nicht. Er hat sich nur daran gewöhnt, von dir nicht geliebt zu werden. Erst wenn du weg bist, wird er realisieren mit wie wenig er sich zufrieden gegeben hat und was das für schädliche Auswirkungen auf ihn und seine mentale Gesundheit hatte.
Er hat es verdient, geliebt zu werden. Erst mal von sich selbst und dann von anderen. Nimm ihm diese Chance nicht...
Ich wünsche mir von Herzen für ihn und für dich, dass du den Mut findest euch beide zu "retten".