tina1955
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Im Studium lernt man mit als Erstes, den Patienten Angst zu nehmen, sich in ihre Ängste hineinzuversetzen und beruhigend einzuwirken. Durch Zuhören, Aufklärung, Gespräche, Antworten auf Fragen .
Auch das reichen der Hand und das Berühren der Schulter gehören dazu, denn es wirkt in erster Linie beruhigend.
Und dies haben unsere Ärzte immer getan, ohne jegliche Hintergedanken.
Sie möchten, dass der Patient sich wahrgenommen und geborgen fühlt.
Wir Schwestern durften überhaupt keine medizinischen Gespräche führen, wir durften zuhören, die Hand reichen und beruhigend einwirken.
Wenn zu große Ängste bestanden, besonders vor operativen Eingriffen, wir nicht helfen konnten, ging immer noch mal ein Arzt ans Krankenbett. Soviel Zeit war immer.
Natürlich sind die Ärzte nett, zwinkern auch mal zu, fragen im Vorbeigehen auf dem Flur, ob alles gut ist...., aber im Rahmen ihres Berufes.
Oftmals verstehen aber Patientinnen und auch sogar Patienten diese Nettigkeiten komplett falsch. Das erging unseren Ärztinnen ebenso, dass sie aus " medizinischen" Gründen oftmals umsonst ans Krankenbett gerufen wurden.
Trotzdem blieben sie ruhig, höflich und nett .
Oftmals wurde sogar bei der Visite seitens der Patientinnen ein Flirtversuch gestartet, ich musste schon schmunzeln, wenn es unseren Ärzten peinlich war und sie so schnell wie möglich die Visite beenden wollten und sich nur auf das rein medizinische beschränkt haben.
Ich war damals selbst noch Raucherin und im Raucherbereich fanden auch kurze private Gespräche statt, die aber meist durch Initiative der Patienten begannen.
Bis es unseren Ärzten zuviel wurde und ein extra Pavillon für unser rauchendes medizinisches Personal errichtet wurde.
Wenn ich bedenke, wie oft ich zum Kaffee eingeladen wurde ? Oh Gott ich kann es nicht zählen
Oder mein Mann, der mich dann ansah und sagte, da wäre meine Frau bestimmt nicht einverstanden .
Die Patienten wussten ja nicht, dass wir verheiratet waren und so oft haben wir nicht die selben Schichten gehabt.
Manche junge Ärzte machten sich sogar einen Jux daraus, spielten bei Flirtversuchen mit und das wurde dann im Schwesternzimmer zum Besten gegeben.
In über 30 Jahren habe ich nicht erlebt, dass sich eine Ärztin oder ein Arzt auf eine Beziehung mit einem Patienten/Patientin eingelassen hat.
Nun arbeite ich seit fast 3 Jahren nicht mehr im Klinikum, vielleicht hat sich ja auch einiges geändert ?
Vielleicht ist dieser Arzt ja wirklich offen für ein Kennenlernen mit der TE ?
Wir wissen es nicht.
Sie hat Interesse daran, ihn kennenzulernen. Wir leben in einer modernen und aufgeklärten Zeit, in der Frau auch mal die Initiative ergreifen darf.
Schlimmeres als eine dankende Ablehnung kann ihr nicht passieren.
Vielleicht wird aber aus beiden auch ein Paar ?
Nichts ist unmöglich.