whynot60
Mitglied
- Beiträge:
- 6158
- Danke erhalten:
- 10452
- Mitglied seit:
Daß Du das nicht möchtest, daß Dein Partner beim S. mit Dir an eine andere oder etwas anderes denkt, ist ja verständlich. Die Frage ist nur: Wie stellst Du denn das fest, woran er denkt?
Jedenfalls ist es doch wohl unstrittig, daß sich S. hauptsächlich im Kopf abspielt und die entsprechenden Körperteile lediglich die ausführenden Organe sind. Würde jemand beim S. tatsächlich an gar nichts denken, wäre er ja in drei Jahren nicht fertig damit ...
Und würde sich seine Erregung über Jahre und vielleicht Jahrzehnte immer aus derselben Quelle speisen, dann würde das jeder Erfahrung widersprechen.
Auf alle Fälle halte ich es für einen echten Glücksfall, daß man zumindest bislang noch nicht in die Köpfe der Menschen schauen kann - denn sonst wäre die Tragödie ja eine vollkommene.
Was ich schon gar nicht verstehen kann, ist, was es denn bringen soll, dem Partner etwas zu verbieten, ihn einzuschränken, ihn möglichst zu isolieren und zu überwachen. Neben der Unsinnigkeit eines solchen Unterfangens muß das ja auch einen enormen Dauerstress verursachen. Wenn ich mir vorstelle: Das eigene Handy dauernd im Auge, dann auch noch jenes Partners kontrollieren, seine Mails checken (und das jeden Tag, denn man weiß ja nie). Das muß ja ein nervenaufreibender Fulltimejob sein. Oder gar noch, wenn man aus einer Kultur kommt, in der überhaupt noch echte Werte herrschen - da muß man dann ja auch noch die Mutter, die Omas, die Schwestern, Tanten, Nichten, Cousinen überwachen, damit denen auch nichts einfällt.
Ich glaube, woran es wirklich mangelt, ist das Vertrauen in sich selber. Deshalb versucht man sich eine illusorische Sicherheit aufzubauen und reagiert auf jede Störung mit enormer Aufgeregtheit und Weltuntergangsstimmung bzw. versucht einer möglichen Störung schon im Voraus mit allen Mitteln vorzubeugen.
Ich möchte mir das Leben jedenfalls nicht zu einem privaten Nordkorea machen, weder als der Narr oben noch als jener unten.
Im übrigen sehe ich es so wie Hologramm: nicht wenige Beziehungen sind ein Betrug an sich selber und am Partner. Es wird zwar auf Liebe und Verlangen und weiß Gott was gemacht, aber nicht, weil all das auch tatsächlich vorhanden wäre, sondern weil nicht verloren und verschwunden sein darf, was doch einmal so schön war. Besser wenig bis nichts halbwegs sicher als vielleicht mehr im ganz Ungewissen.