Blanca
Mitglied
- Beiträge:
- 7299
- Themen:
- 30
- Danke erhalten:
- 13701
- Mitglied seit:
Zitat von stillsad:Ich selbst würde mich als hoffnungsloser Fall bezeichnen, da ich 2,5 Jahre später, obwohl mein Ex schon längst verheiratet ist, immer noch jeden Tag an ihn denke und jede Nacht von ihm träume. Ich würde das gerne ändern, weil ich endlich wieder im Hier und Jetzt leben möchte. Aber es kann doch nicht sein, dass ich die einzige bin, der es hier so geht, oder?
Nein, ganz sicher bist Du damit nicht allein.
Meine erste Beziehung verlief leider sehr kurz und unschön. Noch 2,5 Jahre nach der Trennung war ich so kreuzunglücklich, dass ich immer wieder heimlich weinte. Und das, obwohl wir null Kontakt mehr hatten und ich mich schon kurz nach unserem Aus - aus heutiger Sicht viel zu früh - auf einen neuen Partner eingelassen hatte.
Über die Jahre liess das natürlich etwas nach, doch ich erinnere noch, es 10 Jahre (!) später mal in einem anderen Forum anonym thematisiert zu haben, weil ich einfach mal darüber "reden" wollte.
Als ich 20 (!) Jahre später vom Tod meines Ex erfuhr (nähere Umstände blieben mir ebenso verborgen wie seine Grabstätte) - da wußte ich im ersten Moment immer noch nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte deswegen. Es überraschte mich selbst, wie tief das immer noch in mir drin gesessen hatte. Mein Leben war bis dato äußerlich sehr gut weitergegangen; nun kamen doch nochmal mit einem Schlag viele Erinnerungen hoch, die zuvor längst verblasst waren.
Inzwischen bin ich erneut 12 Jahre weiter. Und ich kann sagen: Es ist jetzt wirklich vorbei.
Das liegt nicht nur daran, daß sein Tod natürlich einen sehr harten Endpunkt markierte seinerzeit (wir waren einander weiterhin nie mehr begegnet). Viel entscheidender waren vielmehr ein paar Erlebnisse, die mich endgültig erkennen und begreifen ließen, daß es nicht mein Ex war, um den es hier ging, sondern das Thema Ablehnung und Verlust in meinem Leben ganz allgemein. Letztlich ging es also nicht um ihn, sondern um mich selbst.
Ich gestand mir dann zu, daß dies eine ganz natürliche Reaktion ist, die nichts mit "Egoismus" zu tun hat. Anders gesagt: Ich war keineswegs "oberflächlich" oder gar "böse", weil sein Tod mich in so ein Wechselbad der Gefühle gestürzt hatte. Vielmehr meldete sich hier mein inneres Kind zu Wort, das jetzt endlich in den Arm genommen und akzeptiert werden wollte. Zwar war ich damals mit diesem Begriff noch nicht (therapeutisch) betraut, doch intuitiv spürte ich, dass ich jetzt etwas für mich selbst tun mußte.
Es hat brauchte in weiterer Folge dann nochmals viele Jahre, um endlich an diesen Punkt ("vorbei") zu gelangen. Zwar war ich seit jeher recht selbständig; außer meinen Eltern hat mich nie jemand finanziert und auch das nur zur Schulzeit. Darauf war ich auch stets sehr stolz gewesen, diesbezüglich fehlte meinem Selbstbewußtsein also überhaupt nichts.
Doch tief im Inneren fehlte es an Ausgeglichenheit. Dafür mußte ich erst meine ganz persönliche Reise antreten, die mich über viele Jahre und teilweise äußerst schmerzliche Stationen hinweg schließlich genau zur rechten Zeit, im passenden emotionalen Zustand, am geeigneten Ort und in eine Begegnung hineinführte, die an einem einzigen Abend alles für mich ins Gleichgewicht brachte - nicht nur, aber eben auch, was meinen Ex betrifft.
Seitdem ist der Gute tatsächlich nur noch eine seltene und blasse Erinnerung an längst vergangene Zeiten, mehr nicht. Bis ich Deinen Beitrag las, hatte ich beispielsweise schon wieder wochenlang keinen Gedanken mehr daran. Auch jetzt, wo ich nach langer Zeit mal wieder darüber schreibe, empfinde ich nur noch Gleichmut und den Wunsch, Dir in Deinem eigenen Anliegen zu helfen.
Wie Deine eigene Reise ins innere Ich verlaufen wird, kann hier niemand wissen, nicht mal Du selbst. Nachdem jeder Mensch ein Individuum mit seiner ganz eigenen Geschichte ist, wird sie aber definitiv andere Stationen haben als meine. Ich kann Dir nur empfehlen, Dich Deiner Trauer zu stellen und in Dich hineinzuspüren: Was ist denn nun wirklich los? Warum hat dieser Mann so eine Bedeutung für Dich? Was konkret fehlt Dir denn so?
Zugleich mach weiter mit Deinem Leben: Fortbildung, Sport, neue Kontakte, etc. - was immer auf Deiner ganz persönlichen Agenda steht. Aber verlier Dich nicht darin (so wie ich es viel zu lange tat), sondern bleib bei Dir selbst und übe Dich in Achtsamkeit. Es gibt inzwischen soviel mehr Angebote diesbezüglich, als ich sie in meinen jungen Jahren bekam... nutze sie.
Ich wünsche Dir viel Glück und hoffe, daß auch Du irgendwann an den Punkt kommen wirst, wo Du mit einem Lächeln einfach loslassen und weitergehen wirst können.
