@AngelsWings
Nun möchte ich dir auch gerne antworten, da ich vor etwas über 10 Jahren ähnliches erlebt habe.
Zwar ähnlich aber nicht gleich, denn die Affäre meines Mannes war kürzer und schon länger beendet, als ich davon erfuhr.
Dafür war die AF meine Freundin, die ich seit Kindertagen kenne.
Somit, in dieses riesige schwarze Loch fiel ich auch. Ich erinnere mich noch gut.
Als ich davon erfuhr, war ich traurig, verzweifelt, wütend, entsetzt, zornig… und das alle abwechselnd.
Zuerst wollte ich alles detailliert erfahren.
Warum? Weil ich glaubte, dass es mir ein Stück Kontrolle zurückgeben würde, denn genau der fühlte ich mich entrissen.
Irgendwann erkannte ich, dass das ein Trugschluss ist, denn Detailwissen hilft nicht, es richtet nur weiteren Schaden an, da es quälende Bilder erzeugt.
Zudem zermürbten mich/uns diese anklagenden Gespräche (bohrende Fragen und beschämte Antworten).
Dann (endlich) entzog ich mich der Situation und versuchte für mich meine persönlichen Prioritäten zu klären.
Denn meine Rolle bis dahin gefiel mir nicht.
Ich wollte nie Anklägerin sein. So hatte ich mir meine Ehe nie vorgestellt.
Erst, ab dieser Erkenntnis war ich zu ehrlichen, tiefen und immer noch sehr aufwühlenden Gesprächen in der Lage. Es kam alles auf den Tisch.
Diese Gespräche brachten mich/uns zwar auch an meine/unsere Grenzen, aber nicht mehr so ergebnislos und frustrierend.
Auch mein Mann litt unter der Situation.
Er hatte Monate vorher die Affäre beendet und gehofft, dass ich es nie erfahren würde. Jetzt musste er sich mit mir und meinem Leid, aber auch mit sich selbst auseinandersetzen. Er bemühte sich sehr.
Er beantwortete mir ehrlich und offen meine Fragen, auch wenn die Antworten für ihn und auch für mich teilweise wirklich schwierig waren.
Besonders, dass ich ihm nicht mehr vertrauen konnte, setzte ihm sehr zu, da er sich selbst (bis zu der Affäre) als integer angesehen hatte. Nun überwog Scham und die Ungewissheit, ob ich bleiben würde.
Das musste er aushalten!
Denn, ob ich ihm verzeihen könnte und auch irgendwann wieder vertrauen, wusste ich sehr lange nicht.
Warum erzähle ich dir das alles?
Mit der Schilderung unseres steinigen und letztendlich erfolgreichen Weges, möchte ich dir zeigen, dass es verschiedene Wege gibt.
Wohin dein Wege dich führt, wird sich zeigen.
Das braucht Zeit.
Eine Entscheidung kannst du noch nicht treffen.
Ob du ihm verzeihen kannst, weißt du jetzt noch nicht.
Ob du ihm jemals wieder vertrauen kannst, ebenfalls nicht.
Vieles hängt jetzt auch von deinem Mann ab.
Bemüht er sich um erneutes Vertrauen?
Wie transparent, offen und ehrlich ist er?
Übernimmt er Verantwortung?
Verschleiern, weitere Heimlichkeiten, Lügen und Salamitaktik sind gerade zerstörerisch.
Zitat: ja, für ihn war es nur eine Affäre. Keine Gefühle keine Liebe. Er hat es direkt beendet, nachdem er mir alles gebeichtet hat. Ich höre auch die Reue die von ihm kommt.
Was ist denn „nur eine Affäre“?
Zu einer Affäre gehören Lügen, Heimlichkeiten, Angst davor entdeckt zu werden und bewusstes Hintergehen.
Ehrlich gesagt, die Erklärung einer längeren Affäre ohne Gefühle klingt seltsam.
Wozu der ganze Schlamassel?
Zitat: Zuneigung wäre da aber mehr nicht …. Aber jetzt wo es aufgeflogen ist meint er das er sich einfach gut gefühlt hat mit ihr weil sie ihn halt so angehimmelt hat und das hatte ihn so gefehlt …er hätte mit mir drüber reden sollen sagt er jetzt
Naja, „nur“ Zuneigung?
Und weil es so schön ist, angehimmelt zu werden?
Vermutlich war es genau das am Anfang auch.
Allerdings, um dann eine Affäre ohne quälenden Gewissenskonflikt täglich für eine so lange Zeit zu (über)leben, muss es einen größeren Antrieb und eine weitere Motivation gegeben haben.
Auch wenn er dir diesen tiefen Einblick in sein Herz scheinbar nicht gewähren möchte, würde ich es so nicht glauben,
Ob du es dabei belässt, ist eine andere Frage, denn andererseits klingen erzwungene Liebesschwüre dir gegenüber gerade vermutlich ähnlich unglaubwürdig.
Möglicherweise ist es jetzt gerade auch viel zu früh, um eure momentanen Gefühle genau zu sondieren.
Trotzdem bleibt die Frage nach eurer Liebe zueinander.
Zitat: Es tut ihm leid und er sagt auch er kann sich nicht erklären wie es soweit kommen konnte den er liebt uns und unsere Familie und es bricht ihm das Herz mir so weggetan zu haben.
Auch solch eine Aussage „ich kann es mir nicht erklären…“ klingt lahm.
Er war weder besinnungslos noch willenlos und dumm ist er sicherlich auch nicht.
Ja, vermutlich war er zu diesem Zeitpunkt sehr auf sein eigenes Wohl fixiert und hatte euch und auch mögliche Konsequenzen ausgeblendet.
Und vermutlich wollte und konnte er sich auch nicht vorstellen, was das alles bei dir verursachen würde.
Dass er jetzt bestürzt ist, würde ich ihm ohne weiteres glauben.
Schade ist, dass nicht nur er die Konsequenzen für seine rücksichtslosen Entscheidungen tragen muss, sondern du ebenso.
Dass eure Partnerschaft in Schieflage geriet, euer Sexleben nicht mehr gut funktionierte und die wichtigen Gespräche fehlten… dafür ward ihr beide verantwortlich.
Dass dein Mann eine Affäre begann, anstatt mit dir zu sprechen… dafür trägt er die alleinige Verantwortung.
Sieht er das?
Zitat: Ich weiß nicht ob ich ihm das vergeben kann und ob ich überhaupt wieder vertrauen kann aber ich liebe ihn das weiss ich deswegen tut es um so mehr weh
Nein, das kannst du auch noch nicht wissen.
Lass dir Zeit!
Es tut leider super weh.
Fühl dich umarmt.
Zitat: Die Entscheidung wie dein Leben weiter geht musst du selbst entscheiden. Und ich glaube das ist grad deine größte Angst, das du nicht weißt wie es weitergeht. So geht es vermutlich vielen, am Ende bleiben sie und leben mit einer Lüge, da Veränderung und neues weh tut.
@sadbutstrong
Ja klar, muss sie eine Entscheidung treffen.
Und, ja, das erzeugt Angst.
Fakt ist, dass diese Affäre ihres Mannes immer ein Teil ihrer Lebenserfahrung sein wird. Sie wird es nie vergessen - ganz egal, wie sie sich entscheidet
Welche Konsequenzen es letztendlich für ihre Zukunft hat, wird sich zeigen.
Aber, selbst wenn sie bleiben möchte, ist es zu diesem Zeitpunkt dann
ihre Entscheidung und ganz sicher keine Lüge!
Zitat: Eine sehr ehrliche Frage an dich,
wenn du tief in dich reinfühlst:
Ist da noch Respekt für ihn?
Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?
Ganz ehrlich, niemand empfindet „Respekt“ vor dem Partner, der einem gerade eine Affäre gestanden hat.
Es gibt diverse Gefühle.
Aber, Respekt gehört zu diesem Zeitpunkt ganz sicher nicht dazu.
Das bedeutet aber nicht, dass das dann für alle Zeiten so bleibt.
Zitat: In einer Beziehung auf Augenhöhe muss man zu dem Punkt kommen, dass die Schuld keine Rolle mehr spielt.
Es geht nicht an, dass der fremdgänger bis ans Ende aller Zeiten im büßergewand zu wandeln hat
@BernhardQXY
Stimmt, aber das dauert!
Wenn ich mich dazu entschließe, zu verzeihen, dann auch nur dann, wenn dieses Geschehnis für mich auch zukünftig abgehakt ist, Auch wenn ich es sicherlich nie vergessen werde, hat es nicht mehr diese Brisanz.
D.h. es spielt dann auch keine Rolle mehr in späteren Auseinandersetzungen.
Du hast schon recht, ein ewiges Büßergewand wäre zerstörerisch und macht es unmöglich eine gleichberechtigte Partnerschaft zu leben.
Nur, bis dahin braucht es Zeit.