Zitat:Magst Du mehr über Deine Erfahrungen erzählen ?
Ok - das kann jetzt allerdings etwas eisig werden ...
Ich habe meinen Vater immer erlebt als tyrannischen Familiendespoten, der mir vor allem das Gefühl vermittelt hat, nur ein Störfaktor in seinem sonst durch Routine, Rituale und Zwänge strukturierten Leben zu sein, eine Störung, die ihn von seiner wohlverdienten Ruhe abhält. Gefühle zeigen kann er nur beim Fußballgucken. Fühlt er sich bedrängt, wird er laut, abwertend oder fing früher an zu prügeln. Engagement und Enthusiasmus konnte ich nur wahrnehmen, wenn es um seine eigenen Interessen ging. Meine Mutter hat das Spielchen zu lange mitgemacht und erst viel zu spät angefangen, Widerstand zu leisten.
Der Mann weiss bis heute nicht wirklich, was ich studiert habe und was ich eigentlich mache. Das einzige, was ihn dabei irgendwie interessiert hat, waren die Fragen: Wie lange dauert es und was kostet es mich?
Solange alles so funktioniert hat, wie er sich das vorgestellt hat, man in der Schule "gespurt" hat, ohne dass er groß was tun musste, war alles ok. Aber wehe wenn nicht. Die harmlosere Seite waren Flüche, Beschimpfungen, Demütigungen der übelsten Art und wenn ihm nichts anderes mehr eingefallen ist, musste der Teppichklopfer oder der Gürtel herhalten.
Der Mann ist in Wahrheit ein kleines unselbstständiges, verwöhntes Kind. Als sich meine Mutter vor einigen Jahren den Fuß gebrochen hat, musste er mit über 70 endlich lernen, wie eine Mikrowelle, eine Waschmaschine oder der Herd richtig bedient werden. Meine Mutter darf auch keinen Unternehmungen über längere Zeit alleine machen, weil der Mann sonst verhungert, wenn ihm nicht minutiös pünktlich sein Essen serviert wird.
Meine Mutter war der ideale Gegenpart, weil weiblich narzisstisch, d.h. aufopferungsvoll bis zur Selbstaufgabe, aber immer vor einem selbstwertdientlichen Hintergrund. Beide kommen aus entsprechenden "vorgeschädigten" Familien. Meine beiden Opas haben sich in dieser Beziehung auch nichts geschenkt. Einer schlimmer als der andere. Aber das würde jetzt zu weit führen.