Lieber Marmorkuchen!
Du tust mir so leid Ich bin schon so oft in deiner Situation gewesen, und glaub mir, es geht immer wieder vorbei, auch wenn man sich das im Moment nicht vorstellen kann.
Leider brauchen wir immer eine Autorität oder jemanden, den wir ernst nehmen, sonst begreifen wir das Ausmaß des Schadens nicht. Ich konnte auch nicht nachlassen, bevor es mich vollends in die Knie gezwungen hat. Und dann beginnt der Ärztemarathon, damit man es amtlich hat, und das kostet auch noch Kraft.
Wir Menschen sind nicht gebaut für permanente Anspannung und Leistung und Reizüberflutung, darauf reagiert der Körper irgendwann ganz drastisch, nachdem man die Warnungen jahrelang überhört hat. Und es zwingt einen dann zur Ruhe.
Depressionen sind eigentlich eine ganz natürliche Reaktion auf permanente Überlastung kombiniert mit mangelnder Lebensfreude. Irgendwann ist Schluss. Der Serotoninspiegel im Blut fährt runter, und die Depressionen lassen einen den ganzen Schmerz auf einmal spüren, und man ist wie gelähmt, kann nicht mehr, will nicht mehr...
Und da liegt auch der Schlüssel zur Heilung begraben. und der liegt nicht im Suizid
Jemand, der nicht mehr kann, ist auf sich selbst zurückgeworfen, muss sich endlich Gedanken um seinen Zustand machen.
Jemand, der keine Kraft mehr hat, kann sich unmöglich um Andere kümmern.
Jemandem, der nicht mehr will, sind die Konsequenzen letztendlich egal.
Du brauchst keine Angst zu haben, es bleibt nicht so, aber es geht schneller, wenn du akzeptierst, dass das einfach eine Notbremsung war. SO geht es nicht weiter, und die Erschöpfung und die Depression lehren dich, dass die Anderen es auch ohne dich schaffen müssen. Und wie wichtig es ist, auch an sich selbst zu denken.
Und es ist verdammt schwierig, wenn man das nicht gelernt hat!
Du wirst lernen, dich vor jeder Aktivität zu fragen: Schaffe ich das jetzt überhaupt? Und du wirst lernen, dich NICHT dazu zu zwingen. Und wenn dein Körper Ruhe braucht, egal wie lange, dann wirst du darauf hören.
Irgendwann wirst du dich maximal erklären, aber nicht mehr rechtfertigen, denn du bist niemandem etwas schuldig. Informiere dich, recherchiere, je klarer dir dein Zustand ist, desto besser kannst du ihn auch erklären, ohne als psychisch Kranke dazustehen. Denn du bist in erster Linie erschöpft. Kein Sinn, dagegen anzukämpfen!
Und ganz, ganz wichtig: Sei gut zu dir! Das ist wirklich eine Chance, Umstände zu verändern, und was jetzt Not tut sind diese Fragen: Womit fühle ich mich wohl? Was kann ich tun, damit es mir besser geht? Was macht mir Freude? Wer tut mir gut?
Das sind die Wegweiser, und wenn man sich daran hält, kann der geschundene Körper darauf vertrauen, dass er nicht wieder missachtet wird. Sich wohl fühlen und entspannen regt die Serotoninproduktion an.
Ich habe das alles mühsam begriffen, und hoffe, dass ich dir den Weg ein wenig abkürzen kann. Jedesmal, wenn es mir ein wenig besser ging, habe ich wieder dieselben Fehler gemacht, aber man kann und soll nicht in die alten Muster zurückfallen.
Da gibt's gleich Konsequenzen
Hab Mitleid und Verständnis für dich, du hast lange genug gekämpft!
Alles, alles Gute!