Ratloser_Rudi
Gast
ich stehe an einem Wendepunkt in meinem Leben, ich bin 27 und seit 8 Jahren mit meiner Frau (30) verheiratet und habe zwei Kinder (8 und 5).
Wir sind seit etwas über 10 Jahren zusammen, die ersten Jahre waren zwar größtenteils harmonisch aber immer wieder von Schicksalsschlägen und Herausforderungen geprägt. Kurz um, wir waren eigentlich viel zu sehr mit anderen Dingen Beschäftigt und sind irgendwie nie in das Thema "reden" über Gefühle, Bedürfnisse etc. eingestiegen, hingen auch immer nur zusammen und es gab kaum Raum für eigene Unternehmungen.
Nach der Geburt unseres ersten Kindes war dann natürlich noch weniger Zeit da, Sex und Zärtlichkeit wurden zur Nebensache und es plätscherte so vor sich hin. Mit dem zweiten Kind kam immer wieder Streit und Stress auf, ich wollte ein wenig Zeit für mich haben (2x die Woche für 2 Stunden ins Fitnessstudio) nachdem ich die letzten Jahre Vollzeit arbeiten war, danach immer direkt nach Hause um Haushalt, Kochen, Wäsche Waschen, Einkaufen usw. zu erledigen.
Alles eigentlich Nichtigkeiten aber wir konnten so etwas nie abschließend klären, ohne dass einer von uns beiden Schmollt.
Das ganze gipfelte vor ca. 2 Jahren in einer ausgesprochenen Trennung die nach einer Woche durch einwirken meiner und ihrer Eltern verworfen wurde. Bei mir wurde kurze Zeit später eine mittelschwere Depressive Episode diagnostiziert (nicht das "übliche" nur im Bett rumhängen, eher Probleme mit der Konzentration, Gedächtnis und Schlaf) mit psychiatrischer Behandlung etc. die sich so über das letzte Jahr zog. Aus diese Phase bin ich wieder raus, auch wenn ich manchmal kleine Einbrüche feststelle die ich mit den erlernten Methoden ganz gut abfangen kann. Ich bin also (fast" wieder der Alte, außer dass ich viel besseren Zugang zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen habe
Die kurzzeitige Trennung hat dazu geführt, dass wir quasi gar nicht mehr über uns als Paar reden. Jeder frisst seinen Teil in sich hinein (bei mir absolut aus Angst, da ich Konflikte hasse und meine Frau oft unfair wird) und somit gibt es auch kaum Streit. Ich merke jedoch, dass ich mich die letzten Monate immer weiter von meiner Frau entferne, Küsse und Zärtlichkeit vehement ablehne und auch kein Interesse habe wirklich (Paar-)Zeit mit Ihr zu verbringen. Meine Frau ist eine super Mutter, kümmert sich um alles und jeden und ist wirklich liebenswert, ich mag sie auch unheimlich gern aber irgendwie eher platonisch inzwischen.
Jetzt sitze ich hier total ratlos mit meiner Situation und weiß mir nicht so recht zu helfen.
Auf der einen Seite habe ich eigentlich ein Bilderbuch leben: Frau, Kinder, Haus, finanziell keine größeren Sorgen etc. und ich will auch nicht meine Familie zerstören, meine Frau verletzten und das alles aufgeben.
Andererseits möchte ich so definitiv nicht die nächsten 40 Jahre verbringen, denke oft an eine Trennung weil mich das derzeitige Zusammenleben (wobei das eher auf die letzten 4-5 Jahre bezogen ist) einfach nicht erfüllt und glücklich macht. Mir fehlt eine ganz große Portion an emotionaler Nähe und Empathie, natürlich auch Zärtlichkeit und Sexualität die ich aber momentan nicht wirklich zulassen kann.
War vielleicht jemand von euch schon in so einer Situation und möchte berichten? Kann sich jemand mein Gefühlschaos erklären und mit Tipps und Hilfe bieten?
Um das gleich vorwegzunehmen weil es in Foren oft gefragt wird: Es gibt (und gab) definitiv keine andere Frau in meinem Leben, keine Seitensprünge o.ä.
Viele Grüße
Rudi Ratlos