Sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und eine Lösung zu finden, ich denke das fänden hier alle gut und richtig.
Wie aber kommt man da hin?
Wann kommt alle Beteiligten an den Punkt, dass das möglich ist?
Was braucht es um an diesen Punkt zu kommen? Was braucht jede einzelne Person? (In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass sich die Töchter irgendwann VONEINANDER emanzipieren und jede für sich entscheidet. Noch brauchen sie sich aber als Einheit. Gefühlt die letzte, die ihnen übrig geblieben ist!)
Warum/mit welcher Intention will man an diesen Punkt kommen?
Usw.
Bei dem Tod eines geliebten Menschen ist es in aller Regel so, dass Menschen Gründe suchen, Gründe brauchen.
Tritt der Tod im Alter ein ist die Akzeptanz in aller Regel recht groß. So ist das Leben, es ist traurig, die Verarbeitung braucht unterschiedlich lange.
Wenn der Tod bei Krankheit in früherem Alter eintritt hardert man oft mit dem Leben. Mit dem Schicksal. Vielleicht mit dem eigenen Karma. Mit Gott.
Bei Unfall oder Mord ist man auf den Verursacher sauer. Man verflucht, man hasst, man weiß ganz gezielt gegen wen sich die Wut richtet. Manche Menschen schaffen es zu verzeihen, andere brauchen das Gefühl von Gerechtigkeit (jemand kommt ins Gefängnis), andere verarbeiten nie.
Bei einem Mord ist es dabei gesellschaftlich sehr akzeptiert, dass die Hinterbliebenen Jahre, gar Jahrzehnte, gegen den Mörder schießen, ihn hassen, nicht verzeihen, sogar bis hin dazu, die Familien mit zu verteufeln.
Gegen wen richtet sich aber die Wut und Verzweiflung im Falle eines Suizids? Ist doch der "Mörder" gleichzeitig das Opfer, die Person um die man trauert. Und mit der keine Kommunikation mehr möglich ist. Wut auf die verstorbene Person wechselt sich ab mit schlechtem Gewissen, weil man doch traurig sein muss, weil die Person doch Opfer ihres Lebens war.
Viele Menschen richten die Wut gegen sich. Sie fühlen sich schuldig. Aber auch ungeliebt. Grade Kinder. Oh gott, was macht das mit einer Kinderseele? War ich es nicht wert, dass mein Vater leben wollte?
Wenn dieser Teil therapeutisch aufgearbeitet werden konnte, wohin dann aber mit der Wut? Gegen die Mutter? Die man gleichzeitig liebt, braucht und versteht. Der man aber trotzdem kaum verzeihen kann?
Die einfachste Lösung ist da doch ein neuer Partner. Oh wie wundervoll. Ein Mensch, den man nicht kennt, dem man nichts schuldet. Das dadurch hervorgerufene Leid der Mutter ist dann vielleicht die "gerechte" Strafe für ihren Anteil, für die Wut, die man auf sie hat.
Das Thema ist so komplex, betrifft es doch uns alle im Falle eines Verlustes eines geliebten Menschen, und gleichzeitig sind die Menschen mit ihren Gefühlen so isoliert, weil es so konkret so wenige Menschen betrifft. Weil die Gesellschaft, anders als bei Mord, erwartet, dass man verzeihlich mit allen Beteiligten umgeht. Sind doch alle Opfer irgendwie. Weil jemandem die Schuld geben (siehe auch hier im Strang) verboten wird, moralisch verwerflich wäre. Weil diese Last zu groß ist, zu weitreichend, gar zu weiteren Suiziden führt.
Diese Thematik braucht sehr viel Zeit, sie braucht sehr viel Fingerspitzengefühl, sie hat so viele Gefühle, mehrer involvierten Personen, unausgesprochenes und verletzendes. Ich verstehe, dass Menschen, dass Familien da nicht dran rühren wollen. Weil es zu mächtig ist, zu gefährlich, weil Verdrängung manchmal das einzige ist, was ein wackliges Gerüst einigermaßen stabil hält.
Mein Vorschlag: selber Therapie machen, selbst in die Tiefe der unausgesprochenen Gefühle gehen, selbst verarbeiten. Und dann in einer neuen Haltung, weicher und empathischer, auf die Kinder zugehen und sie hören. Zwischen den Zeilen zuhören. Ihre Wut hören, ihre Angst, ihr Leid. Dann möglichst mit Unterstützung, wenn sie soweit sind. Wenn sie soweit sind all das bewusst und nicht unbewusst zu fühlen.