Zitat von Ninawi83: Ich wünsche mir vllt, dass ich jemand hier finde, der diese Erfahrung auch gemacht hat.
Naja, ich denke, dass diese Frage eigentlich zweigeteilt ist.
Es gibt hier viele, viele Menschen, die um eine Beziehung gekämpft haben, aus der sich der/die andere innerlich schon lange verabschiedet hatte.
Und es gibt viele User hier, deren PartnerIn sich getrennt hat, während ein neuer Partner schon mindestens in der Anbahnung in der Hinterhand war.
Was viele dieser User nicht getan haben, und womit ich auch an deiner Stelle sehr vorsichtig wäre, ist, von einem "Trauma" zu sprechen.
Versteh mich bitte nicht falsch, ich will dir hier deine Gefühle und insbesondere die Intensität deiner Gefühle nicht absprechen. Darum geht es nicht. Und wenn du anfangs erst mal dieses gedankliche Konstrukt brauchst, um deine Gefühle zu verstehen und einzuordnen, dann hat es wahrscheinlich auch einen Sinn.
Warum würde ich dir trotzdem raten, dich möglichst schnell von diesem Begriff zu lösen?
-weil es dich ganz stark in die Opferrolle drängt. Wie du ja selber sagst, hast du schon lange gespührt, dass die Beziehng nicht mehr stimmt. Ja, wenn einem dann Gespräche und gemeinsames Arbeiten an der Beziehung verwehrt wird, dann werden einem einige Handlungsmöglichkeiten genommen. Die Handlungsmöglichkeit, auf dein offensichtlich gesundes Bauchgefühl zu hören und die Beziehung "rechtzeitig" zu verlassen, die hattest du aber immer noch. Du hast dich dagegen entschieden. Hier wäre das Warum sehr interessant und selbstermächtigend.
-Weil du dir eine selbsterfüllende Prophezeihung bastelst. Wenn du dich als "traumatisiert" labelst, wirst du an dir immer weitere Symptome entdecken, und da wir alle wissen, dass Traumata schwer bis gar nicht heilbar sind, wirst du evtl. übersehen, dass du heilst.
-weil du in der absoluten Akutphase steckst. Dass da Gefühle und Gedanken Geisterbahn fahren, und zwar leider deutlich länger als ein paar Wochen, das ist völlig normal. Ob eine Traumatisierung vorliegt, oder eben, hoffentlich, nicht, das zeigt sich erst nach viel Zeit.
-Weil ich ich immer der Meinung bin, dass es die bessere Strategie ist, unnötiges Drama rauszunehmen. Ich würde mich an deiner Stelle lieber als Frau sehen, die geliebt hat, um eine Beziehung gekämpft hat, aus der sich die andere schon lange verabschiedet hat, und die jetzt zusätzlich damit klar kommen muss, dass ein Warmwechsel stattgefunden hat. Schlimm genug, aber mehr ist es nicht. Ich würde mich nicht als Traumatisierte Person sehen wollen, die vermutlich schlimme, bleibende Schäden davonträgt, nie mehr vertrauen kann, und evtl. nie mehr glücklich wird. Macht das Sinn?
Immer wieder Realitätscheck: Ist die Situation wirklich so grauselig, oder fühlt sie sich nur augenblicklich, verständlicherweise, grauselig an? Gefühle, auch schlechte, gehen wieder weg.
Was aber auf jeden Fall Sinn macht, ist, dass du dir Hilfe holst, wenn du merkst, du kommst nicht klar.