Zitat von Alles_auf_0: Ich schaffe es an manchen Tagen fast nicht aus dem Bett, nach 6 Wochen Trennung. Ich frage mich, wie ich zu meinem neuen Leben komme? Hab so wenig Kraft.
Das ist normal. War bei mir auch so. Zum Teil habe ich mich auch, wie meine VorschreiberInnen, zu Aktivitäten gezwungen (manches ging ja auch gar nicht anders - Schule der Kinder, Arbeit ...), zum Teil aber auch die Trauer und Lethargie zugelassen.
Sechs Wochen ist einfach gar nichts. Da war ich auch noch abgrundtief verzweifelt.
Zitat von Alles_auf_0: Aber allein bei dem Wort "meine Familie" könnte ich schon wieder heulen wie ein Schlosshund.
Ging mir auch so. Macht mich sogar jetzt, nach über einem Jahr, noch traurig.
Zitat von Alles_auf_0: meine Freunde werden auch schon ungeduldig mit mir,
Die können das nicht nachfühlen, wobei ich das Ungeduldigsein nach so einer kurzen Zeit trotzdem grenzwertig finde. Such Dir Hilfe bei einer Beratungsstelle. Mir hat das sehr geholfen - gar nicht unbedingt wegen des tollen Inputs, den ich von dort bekommen habe - sondern wegen der Möglichkeit, mich hemmungslos, ohne schlechtes Gewissen und ohne "political correctness" ausk... zu können, ohne FreundInnen und Familie zu sehr zu belasten. Schreiben hier im Forum hilft auch.
Zitat von Alles_auf_0: weil ich es mit 44 Jahren anscheinend nicht geschafft habe, seelische, weibliche, soziale Strukturen zu schaffen, die mich liebenswert für einen Partner machen und überlebensfähig in dieser Situation.
Und da habe ich noch nicht von meiner Rolle als Mama gesprochen: was für eine Mama bin ich, wenn ich noch nicht mal weiß, was ich jetzt für meine Tochter entscheiden soll.
Kenne ich. Das ist furchtbar, dieser Schlag fürs Selbstwertgefühl. Manche sagen, dass ihnen da Anerkennung von außen (Flirten etc.) hilft, also, dass das das kaputte Selbstwertgefühl wieder aufpoliert. War bei mir leider nicht so.
Zitat von Alles_auf_0: Mein Leben war bisher sehr bunt, habe an mehreren unterschiedlichen Orten und in drei Ländern gelebt. Das war schön, aber jetzt weiß ich nicht, wo meine Heimat ist. Meine Heimat war mein Partner, unsere kleine schöne Familie.
Irgendwo muss ich komplett falsch abgebogen sein, denn plötzlich merke ich, dass ich nichts mehr habe.
Exakt so war das bei mir auch. Mit Anfang 30 hatte ich ein Leben (Leben im Ausland, glänzende Karriereperspektiven ...), von dem viele andere träumen. Ich habe dann leider auch beruflich wegen des Ex und unserer Familie einige Kompromisse gemacht (typische Frauenfalle, ich weiß). Ein bisschen klingt das bei Dir auch so. Es hat aber nichts mit unserem Wert als Person zu tun, ob wir jetzt eine Karrierestufe mehr oder weniger erklommen haben oder (noch viel schlimmer) ob wir eine Partnerschaft haben oder nicht.
Zitat von Alles_auf_0: ich glaub, ich hab eine leichte Depression.
Vermutlich nicht, obwohl die Übergänge da fließend sind. Ich habe das in der ersten Phase nach der Trennung bei mir auch gedacht und den Rat bekommen, mir medikamentöse Unterstützung zu holen. Letztendlich war das bei mir nicht nötig, aber das Wissen darum, dass es eine Möglichkeit wäre, auf die ich im Ernstfall zurückgreifen könnte, hat mir geholfen.
Edit, noch vergessen: Ich hätte in der ersten Zeit so etwas wie Wohnungssuche, Organisation des Umzugs etc. nicht geschafft. Wir hatten noch ca. ein Jahr das Nestmodell, bei dem wir uns tageweise im Haus abgewechselt haben. Das war auch für unsere Kinder gut, weil sie sich schrittweise an die neue Situation gewöhnen konnten. Nach ca. einem Dreivierteljahr bin ich dann auf Wohnungssuche gegangen, habe das mit dem Umzug alles (mehr oder weniger) gut hinbekommen und bin jetzt sehr froh, dass wir da raus sind. Wenn Dein Ex jetzt ohnehin nicht mehr dort wohnt, wäre es vielleicht eine Möglichkeit, dass Du doch noch einige Zeit mit Eurer Tochter in Eurer jetzigen Wohnung bleiben kannst, bis es Dir wieder besser geht. Da machen wirklich schon ein paar Monate viel aus. Hängt aber natürlich auch von den Finanzen ab, klar.
Edit 2: Dass meinem Ex die Kinder in der ersten zeit nach der Trennung gefühlt komplett egal waren, hat mir auch sehr wehgetan. Ich drück' Dich mal virtuell.