Blacksilver87
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bislang habe ich hier mitgelesen, vor allem in einer Zeit, in der ich ziemlichen Liebeskummer hatte.
Und auch wenn mein Problem nicht nur den Bereich "Liebe" betrifft, hoffe ich hier auch vielleicht Stärkung oder Ideen, wie ich mit meiner Situation umgehen könnte.
Ich stecke in einer vollumfänglichen Lebenskrise, die mich so plötzlich getroffen hat und die sich seit Monaten zieht. So richtig ein und aus weiss ich nicht.
Ich skizziere kurz die Punkte. Ich habe in der Coronazeit meinen Job verloren. Hatte dort erst im Januar gestartet und mich sehr wohl gefühlt, habe ihn förmlich geliebt. Im Lockdown war dann Sense. Da mir auch zuvor der Lockdown zu schaffen machte und sich mein privates Umfeld gerade massiv verändert und ich hier weniger Halt als regulär habe, bin ich in ein ziemliches Loch gestürzt.
Mein Leben war zuvor eigentlich sehr schön. Hatte viele Menschen um mich herum, genug eigene Interessen, die ich verfolgt habe. So habe ich z.b. vor ein paar Jahren meinen Lebenswunsch Kunst zu studieren, angefangen nebenberuflich nachzuholen. Und habe generell viel an mir gearbeitet, hatte große Probleme mit Angst vor Ablehnung. Wobei das sehr paradox ist und von Außen kein Mensch drauf kommt. Weil meine Persönlichkeit an sich sehr klar und gefestigt ist und ich irgendwo auch eine gute Selbstliebe habe, ich mag mich gerne. Allerdings habe ich mich dieses Jahr auf ADS testen lassen und wurde diagnostiziert. Woher wohl auch die Angst vor Ablehnung gewachsen ist. Ich war eigentlich irgendwo immer beliebt, dennoch wurde mir vielfach gerade früher gesagt, ich sei verpeilt, dazu aber sehr klug. Ich glaube ich habe auch immer gespürt, dass ich wohl ein wenig "anders" bin als manche Menschen und das hat vielleicht diese Angst entfacht.
In jedem Fall habe ich mich nach dem Jobverlust und viel Reflektion testen lassen und mir geht es gut mit der Diagnose. Ich muss zwar öfter erklären, was das genau heisst, weil die landläufigen Meinungen zwischen Krankheit und "dann kannst du dich nicht konzentrieren" liegen. Hier würde ich auch ganz kurz gerne erklären, was das eigentlich bedeutet. Meine Ärztin sagt klar, es ist keine Krankheit, aber eine besondere Art zu sein. Der Reizfilter ist offener als in der Norm, so dass ich wirklich alles parallel registriere und aufsauge. Außerdem geht Hochsensibilität immer mit einher. Ich habe also eine sehr starke Intuition und Kreativität, weil mein Bewusstsein so vieles aufnimmt. Und kann schnell in Menschen hineinschauen. Nachteile gibt es natürlich auch, Neigung zur emotionalen Instabilität und den Fokus verlieren, beim Einprasseln aller Reize. Konzentrieren kann ich mich sehr gut, solange ich Dinge wichtig oder spannend finde. Ansonsten drifte ich ab.
Das kurz dazu. Also habe ich in diesem Jahr meinen Job verloren, diese Diagnose bekommen und mein privates Umfeld hat sich verändert und fühlt sich weniger stabil an. Ich bin ein Typ Mensch, so wurde mir unter anderem im Job, von Freunden, meiner Therapeutin und einem Jobcoach gesagt, der den Raum einnimmt, sobald ich eintrete. Und sehr sympathisch wirke und andere Menschen mich bewundern würden. Leider ist es so, dass ich früher größere Selbstwertprobleme hatte und dadurch auch Freunde habe, die teils, nicht alle, auch nicht so sicher sind. Ich habe da viel dran gearbeitet und hab mich heute sehr lieb. Manche meiner Freunde treten sehr häufig mit mir in Konkurrenz und versuchen mich klein zu halten. Da arbeite ich gerade mit meiner Therapeutin dran, sie sagte, dass ich diese Menschen vermutlich einschüchtern und sie merken, dass ich aufgrund meiner Angst vor Ablehnung ins Wanken geraten kann.
Es ist nicht so, dass ich wegen der Angst vor Ablehnung ein Jasager bin oder mich nicht zeige. Meine Persönlichkeit ist sehr ausgebildet und ich zeige sie auch. Damit scheinen die weniger sicheren manchmal ihre Schwierigkeiten zu haben. Sehr selbstsichere Menschen hingegen begegnen mir auf Augenhöhe.
Nun ist es so, dass einige Freundinnen von mir dieses Jahr schwanger geworden sind und weggezogen, frisch verliebt sind. Von einer Freundin habe ich mich nach endlosen Kleinmachversuchen getrennt. Ich hatte darauf keine Lust mehr.
Eine Freundin ist sehr komisch, haben kaum noch Kontakt. Sie hat selbst Depressionen und ist seit 10 Monaten Mama. Sie sagte mir, sie hat keine Kapazität mir zu helfen in der aktuellen Situation. Hat aber meine Hilfe dann in den wenigen Treffen dieses Jahr sehr beansprucht und mir erzählt, nachdem sie sich bei mir gar nicht mehr meldet, dass sie ganz viel Kontakt zu ihrem neuen Kumpel hat und ihn stark unterstützt in einer schwierigen Zeit. Wir sind seit 9 Jahren befreundet und mich hat sie wirklich fallen lassen. Ihn kennt sie ein paar Monate. Dazu muss ich sagen, dass sie seit ein paar Jahren ständig neue männliche Kumpel sucht, da starke Verlustängste entwickelt, keine Zeit für mich hat, ihre Ängste aber dennoch bei mir platziert. Es ist immer das gleiche Muster mit den männlichen Kumpeln. Dieses mal ist es sehr extrem und ich bin auch sehr verletzt von ihrem Verhalten.
Alles in allem habe ich keinen Job, dadurch kein Geld um gerade meinem Studium nachzugehen (musste pausieren) und für andere Hobbys, wo ich auch unter Menschen komme. Mir fehlen die sonst so engen Beziehungen zu Freundinnen, die dieses Jahr schwierig sind. Plötzlich auf einmal. Für mich ist es leicht neue Kontakte zu machen und viele Menschen mögen mich gerne, aber im Moment habe ich keine Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und fühle mich einsam.
Dazu kommt, dass ich leider auch keinen Partner habe und hier auch meine Bindungsängste habe. Die bearbeiten wir aber in der Therapie. Ich gerade häufig an bindungsängstliche Menschen und ich kann mir selbst erklären wieso, weil ich Angst vor einer "Pärchensymbiose" habe. Mein Wunschleben sieht so aus, dass ich einen guten Job habe mit lieben Kollegen, liebe enge Herzensfreundinnen, die ich regelmäßig sehe, meinen Hobbys und meinem Studium nachgehen kann und einen lieben Partner habe, der sowohl Zweisamkeit, als auch Autonomie genießt. Habe klare Vorstellungen von meinem Partner, picke nur leider immer die falschen raus.
Naja. Also ganz schön viel Kram. Habt ihr Ideen, wie ich das Ganze angehen könnte? Die Grundvoraussetzungen sind da. Lerne leicht neue Menschen kennen und weiß auch, dass ich interessant für andere bin. Durch den fehlenden Job habe ich nur derzeit weder Kollegen, noch Geld für regelmäßige Situationen, um Menschen kennenzulernen. An der Bindungsangst arbeite ich und erkenne auch langsam, was ich anders machen muss. In meinem Berufsfeld gibt es leider aktuell wenig Stellen, so dass ich nur wenige Bewerbungen schreiben kann. Mit meinen jetzigen Freundinnen. Tja. Es ist schwierig, wenn manche weggezogen sind oder frisch verliebt oder einfach nicht mehr greifbar. Manche melden sich kaum noch. Letztes Jahr um Die Zeit, war ich noch ständig unterwegs, hatte sehr viele Kontakte.
Und plötzlich ist alles anders