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Komplette Lebenskrise Tausend Baustellen auf einmal

Blacksilver87

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Hallo liebe Forenmitglieder,

bislang habe ich hier mitgelesen, vor allem in einer Zeit, in der ich ziemlichen Liebeskummer hatte.

Und auch wenn mein Problem nicht nur den Bereich "Liebe" betrifft, hoffe ich hier auch vielleicht Stärkung oder Ideen, wie ich mit meiner Situation umgehen könnte.

Ich stecke in einer vollumfänglichen Lebenskrise, die mich so plötzlich getroffen hat und die sich seit Monaten zieht. So richtig ein und aus weiss ich nicht.

Ich skizziere kurz die Punkte. Ich habe in der Coronazeit meinen Job verloren. Hatte dort erst im Januar gestartet und mich sehr wohl gefühlt, habe ihn förmlich geliebt. Im Lockdown war dann Sense. Da mir auch zuvor der Lockdown zu schaffen machte und sich mein privates Umfeld gerade massiv verändert und ich hier weniger Halt als regulär habe, bin ich in ein ziemliches Loch gestürzt.

Mein Leben war zuvor eigentlich sehr schön. Hatte viele Menschen um mich herum, genug eigene Interessen, die ich verfolgt habe. So habe ich z.b. vor ein paar Jahren meinen Lebenswunsch Kunst zu studieren, angefangen nebenberuflich nachzuholen. Und habe generell viel an mir gearbeitet, hatte große Probleme mit Angst vor Ablehnung. Wobei das sehr paradox ist und von Außen kein Mensch drauf kommt. Weil meine Persönlichkeit an sich sehr klar und gefestigt ist und ich irgendwo auch eine gute Selbstliebe habe, ich mag mich gerne. Allerdings habe ich mich dieses Jahr auf ADS testen lassen und wurde diagnostiziert. Woher wohl auch die Angst vor Ablehnung gewachsen ist. Ich war eigentlich irgendwo immer beliebt, dennoch wurde mir vielfach gerade früher gesagt, ich sei verpeilt, dazu aber sehr klug. Ich glaube ich habe auch immer gespürt, dass ich wohl ein wenig "anders" bin als manche Menschen und das hat vielleicht diese Angst entfacht.

In jedem Fall habe ich mich nach dem Jobverlust und viel Reflektion testen lassen und mir geht es gut mit der Diagnose. Ich muss zwar öfter erklären, was das genau heisst, weil die landläufigen Meinungen zwischen Krankheit und "dann kannst du dich nicht konzentrieren" liegen. Hier würde ich auch ganz kurz gerne erklären, was das eigentlich bedeutet. Meine Ärztin sagt klar, es ist keine Krankheit, aber eine besondere Art zu sein. Der Reizfilter ist offener als in der Norm, so dass ich wirklich alles parallel registriere und aufsauge. Außerdem geht Hochsensibilität immer mit einher. Ich habe also eine sehr starke Intuition und Kreativität, weil mein Bewusstsein so vieles aufnimmt. Und kann schnell in Menschen hineinschauen. Nachteile gibt es natürlich auch, Neigung zur emotionalen Instabilität und den Fokus verlieren, beim Einprasseln aller Reize. Konzentrieren kann ich mich sehr gut, solange ich Dinge wichtig oder spannend finde. Ansonsten drifte ich ab.

Das kurz dazu. Also habe ich in diesem Jahr meinen Job verloren, diese Diagnose bekommen und mein privates Umfeld hat sich verändert und fühlt sich weniger stabil an. Ich bin ein Typ Mensch, so wurde mir unter anderem im Job, von Freunden, meiner Therapeutin und einem Jobcoach gesagt, der den Raum einnimmt, sobald ich eintrete. Und sehr sympathisch wirke und andere Menschen mich bewundern würden. Leider ist es so, dass ich früher größere Selbstwertprobleme hatte und dadurch auch Freunde habe, die teils, nicht alle, auch nicht so sicher sind. Ich habe da viel dran gearbeitet und hab mich heute sehr lieb. Manche meiner Freunde treten sehr häufig mit mir in Konkurrenz und versuchen mich klein zu halten. Da arbeite ich gerade mit meiner Therapeutin dran, sie sagte, dass ich diese Menschen vermutlich einschüchtern und sie merken, dass ich aufgrund meiner Angst vor Ablehnung ins Wanken geraten kann.

Es ist nicht so, dass ich wegen der Angst vor Ablehnung ein Jasager bin oder mich nicht zeige. Meine Persönlichkeit ist sehr ausgebildet und ich zeige sie auch. Damit scheinen die weniger sicheren manchmal ihre Schwierigkeiten zu haben. Sehr selbstsichere Menschen hingegen begegnen mir auf Augenhöhe.

Nun ist es so, dass einige Freundinnen von mir dieses Jahr schwanger geworden sind und weggezogen, frisch verliebt sind. Von einer Freundin habe ich mich nach endlosen Kleinmachversuchen getrennt. Ich hatte darauf keine Lust mehr.

Eine Freundin ist sehr komisch, haben kaum noch Kontakt. Sie hat selbst Depressionen und ist seit 10 Monaten Mama. Sie sagte mir, sie hat keine Kapazität mir zu helfen in der aktuellen Situation. Hat aber meine Hilfe dann in den wenigen Treffen dieses Jahr sehr beansprucht und mir erzählt, nachdem sie sich bei mir gar nicht mehr meldet, dass sie ganz viel Kontakt zu ihrem neuen Kumpel hat und ihn stark unterstützt in einer schwierigen Zeit. Wir sind seit 9 Jahren befreundet und mich hat sie wirklich fallen lassen. Ihn kennt sie ein paar Monate. Dazu muss ich sagen, dass sie seit ein paar Jahren ständig neue männliche Kumpel sucht, da starke Verlustängste entwickelt, keine Zeit für mich hat, ihre Ängste aber dennoch bei mir platziert. Es ist immer das gleiche Muster mit den männlichen Kumpeln. Dieses mal ist es sehr extrem und ich bin auch sehr verletzt von ihrem Verhalten.

Alles in allem habe ich keinen Job, dadurch kein Geld um gerade meinem Studium nachzugehen (musste pausieren) und für andere Hobbys, wo ich auch unter Menschen komme. Mir fehlen die sonst so engen Beziehungen zu Freundinnen, die dieses Jahr schwierig sind. Plötzlich auf einmal. Für mich ist es leicht neue Kontakte zu machen und viele Menschen mögen mich gerne, aber im Moment habe ich keine Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und fühle mich einsam.

Dazu kommt, dass ich leider auch keinen Partner habe und hier auch meine Bindungsängste habe. Die bearbeiten wir aber in der Therapie. Ich gerade häufig an bindungsängstliche Menschen und ich kann mir selbst erklären wieso, weil ich Angst vor einer "Pärchensymbiose" habe. Mein Wunschleben sieht so aus, dass ich einen guten Job habe mit lieben Kollegen, liebe enge Herzensfreundinnen, die ich regelmäßig sehe, meinen Hobbys und meinem Studium nachgehen kann und einen lieben Partner habe, der sowohl Zweisamkeit, als auch Autonomie genießt. Habe klare Vorstellungen von meinem Partner, picke nur leider immer die falschen raus.

Naja. Also ganz schön viel Kram. Habt ihr Ideen, wie ich das Ganze angehen könnte? Die Grundvoraussetzungen sind da. Lerne leicht neue Menschen kennen und weiß auch, dass ich interessant für andere bin. Durch den fehlenden Job habe ich nur derzeit weder Kollegen, noch Geld für regelmäßige Situationen, um Menschen kennenzulernen. An der Bindungsangst arbeite ich und erkenne auch langsam, was ich anders machen muss. In meinem Berufsfeld gibt es leider aktuell wenig Stellen, so dass ich nur wenige Bewerbungen schreiben kann. Mit meinen jetzigen Freundinnen. Tja. Es ist schwierig, wenn manche weggezogen sind oder frisch verliebt oder einfach nicht mehr greifbar. Manche melden sich kaum noch. Letztes Jahr um Die Zeit, war ich noch ständig unterwegs, hatte sehr viele Kontakte.

Und plötzlich ist alles anders .

22.10.2020 13:23 • x 1 #1


Tin_

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Hört sich sehr reflektiert und aufgeräumt an. DARAUF solltest du ein wenig mehr schauen: Das was du bist und was du kannst. Da gibt es meiner Ansicht nach viel Positives zu beleuchten. Leider legst du deinen Fokus stark auf die "negativen" (Achtung: Bewertung) Dinge. Wieso eigentlich? Was mir auch auffällt: Du machst Probleme anderer zu deinen Problemen. Wenn jemand deinen Invest nicht teilen kann, kommt es auf die Bewertung an: Ist es IM MOMENT nicht möglich oder ist das eine längerfristige Geschichte (Siehe die Freundin mit den Kumpels). Danach kannst du dich orientieren und auch handeln.

Hast du mal überlegt selbstständig etwas zu machen, auch wenn es nur nebenbei ist? Deine künstlerische Ader ausleben und Kacheln bemalen, die du dann im Netz anbietest? Hilflos bist du ja nicht. Das ist schon einmal als sehr positiv zu werten. Du hast dich hier registriert und suchst den Austausch/Hilfestellung. Also... eigentlich läuft es doch bei dir ganz gut.

Ist es für dich eine Option den Job deiner Wahl auch woanders zu beginnen, also dich auch räumlich zu verändern?

Zum Thema Leute kennenlernen und sogar in "kostenlos" Facebook bietet Gruppen an (dort bin ich in ein paar regionalen Gruppen auch sehr aktiv inkl. Stammtischen, Spass-Sport, usw.) kostet nicht die Welt, wenn man sich mal trifft und dann eben für die Sporthalle ein paar Euro springen lässt. Da habe ich wirklich tolle Menschen kennengelernt. Meetup - die bieten auch Gruppen für Hochsensible an. Vielleicht schaust du da auch mal vorbei.

Vielleicht lernst du ja sogar hier nette Menschen kennen, mit denen du dich über das Forum hinaus austauschen kannst.

Will damit sagen: Du bist ein Mensch, der seine Stärken und Schwächen kennt. Du bearbeitest deine Baustellen und weisst, was du brauchst. Das ist schon so viel mehr als die meisten Menschen von sich wissen. Versuch ein wenig mehr darauf zu schauen. Die Krise macht dein Denken - nicht die Fakten.

22.10.2020 13:45 • x 6 #2



Komplette Lebenskrise Tausend Baustellen auf einmal

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Blacksilver87

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Zitat von Tin_:
Hört sich sehr reflektiert und aufgeräumt an. DARAUF solltest du ein wenig mehr schauen: Das was du bist und was du kannst. Da gibt es meiner Ansicht nach viel Positives zu beleuchten. Leider legst du deinen Fokus stark auf die "negativen" (Achtung: Bewertung) Dinge. Wieso eigentlich? Was mir auch auffällt: Du machst Probleme anderer zu deinen Problemen. Wenn jemand deinen Invest nicht teilen kann, kommt es auf die Bewertung an: Ist es IM MOMENT nicht möglich oder ist das eine längerfristige Geschichte (Siehe die Freundin mit den Kumpels). Danach kannst du dich ...


Ganz tausend Dank für deine einfühlsamen Zeilen. Ich denke mal darüber nach und gehe ein wenig in mich, dann schreibe ich etwas dazu. Aber wirklich vielen Dank ))

22.10.2020 13:48 • x 1 #3


Blacksilver87

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Zitat von Tin_:
Hört sich sehr reflektiert und aufgeräumt an. DARAUF solltest du ein wenig mehr schauen: Das was du bist und was du kannst. Da gibt es meiner Ansicht nach viel Positives zu beleuchten. Leider legst du deinen Fokus stark auf die "negativen" (Achtung: Bewertung) Dinge. Wieso eigentlich? Was mir auch auffällt: Du machst Probleme anderer zu deinen Problemen. Wenn jemand deinen Invest nicht teilen kann, kommt es auf die Bewertung an: Ist es IM MOMENT nicht möglich oder ist das eine längerfristige Geschichte (Siehe die Freundin mit den Kumpels). Danach kannst du dich ...


Lieben Dank dir für deine Zeilen:). Also ich denke, ich muss mich wieder mehr auf mich selbst besinnen. Es ist gerade auch einfach eine doofe Zeit, wegen corona . Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Antrieb aus mir selbst nutzen muss. Mich hat es sehr getroffen, wie das gerade privat aussieht. Aber du hast schon recht, es ist wichtig auch zu unterscheiden, was gerade aktuell so ist wegen der Umstände und was wohl langfristig so sein wird.

Mit der einen Freundin bin ich sehr unschlüssig. In der Schwangerschaft wurde es schon komisch. Ich habe drei andere Freundinnen, die schwanger sind bzw eine hat ihr Baby schon. Da war es schon in der Schwangerschaft anders und sie haben alle Interesse für mein Leben gezeigt. Diese Freundin zunehmend weniger. Es war öfter schon so, dass wenn sie einen neuen Kumpel hatte, sie sich wochenlang nicht gemeldet hat und mit diesem hat sie sich gezielt vor dem Mutterschutz angefreundet. Viele Gedanken drehten sich dann darum, ob sie die Freundschaft, die gerade mal wenige Wochen bestand und ich selbst nur als lose Bekanntschaft gewertet hätte, aufrecht erhalten könne, wenn sie aus dem Job raus wäre.

Sie sagte außerdem vor der Geburt, dass sie Angst hat, dass ich sie als Mama langweilig finden könnte. Wir haben schon immer gegenteilige Leben geführt, sie ist in einer langen Beziehung, geht nicht gerne aus und ist kein sonderlich aktiver Mensch. Ich liebe es auszugehen, Menschen kennenzulernen und bin auch vom auftreten und der Erscheinung wesentlich extrovertierter. Wir haben uns mal bei einem Praktikum kennengelernt, wo sie gerne mal kleine Pfeile in meinem Beisein schoss, wenn ich von männlichen Kollegen mehr bemerkt wurde, als sie.

Sie sagte auch schonmal zu mir, wenn ich in deinem Alter noch Single wäre, damit käme ich ja gar nicht klar.

Oder hat häufiger Kleidung von mir kommentiert. In jedem Fall meldete sie sich, seit sie Mama ist immer weniger, hatte gerade meinen neuen Job gestartet und erzählte, wenn sie sich meldete in den sprachnachrichten davon, dass sie kaum schlafen würde und wie es mit dem Baby sei, fragte mich aber nicht, wie ich den Job finden würde.

Irgendwann hörte ich gar nichts mehr von ihr, so dass ich sie irgendwann fragte. Und ihr sagte, dass ich auch unsicher sei, ob sie denn noch so Interesse hätte, weil mein Leben ja auch sehr anders sei als ihres. Und sagte ihr, dass ich mir genauso Gedanken mache wie sie vor der Geburt, ob sie mir dann zu langweilig sei.

Daraufhin kam, ich würde meine Verlustängste auf sie projizieren. Ich habe eigentlich keine Verlustängste, sondern Angst vor Ablehnung und ich fand auch, dass sie sich es da sehr einfach machte, weil sie sich ja nun mal nicht meldete, 3 Wochen sprachnachrichten nicht anhörte oder von ihr nichts von ihr aus kam.

Zu meinem Jobverlust sagte sie, ja da mache ich mir keine Sorgen, dass du was neues findest, aber ich hatte keinen Raum meine sorgen ihr diesbezüglich mitzuteilen.

Sie sagte auch, sie habe keine Kapazität für meine Probleme, weil sie selbst genug hätte. Das verstand ich und war umso erschrockener, als sie mir im gleichen Atemzug aber ihre Unsicherheiten bzgl des neuen Kumpels erzählte und dass sie ja sehr viel für ihn da sei und sie sehr viel Kontakt hätten. Mir war auch aufgefallen, dass sie ständig online war, ohne meine Nachricht abzuhören oder sich mal zu melden. Wir sind wie gesagt seit neun Jahren befreundet.

Einmal als wir uns sahen, musste sie ständig dem Kumpel bei whatsapp antworten und ich fand das auch sehr irritierend, weil sie mir immer erzählte, sie würde gerade bei allen so wenig antworten.

Ihre Therapeutin sagte ihr, dass sie ein sehr unsicheres Selbstwertgefühl habe und sie zu einer ängstlich vermeidenden Bindung neigen würde.

Sie hatte einmal den Kontakt zu einem vorherigen besten Kumpel abgebrochen, weil er ihr zu viel klammern würde. Was sie aber erzählte bei den kumpelversuchen, die weniger greifbar waren, klammerte sie selbst massiv.

Sie war auch einmal wütend auf diesen neuen besten Kumpel, weil er nicht telefonieren wollte, als was mit dem baby war. Wo ich mich auch fragte, wieso ruft sie keine ihrer Freundinnen hierzu an. Und ich weiß auch noch, dass sie bei meiner Trennung von meinem exfreund nicht telefonieren wollte, weil sie nicht gerne telefoniert.

Ich finde ihr Verhalten sehr ich bezogen und auch sehr unreflektiert. Sie sagt aber immer über sich selbst, sie sei sehr reflektiert. Und unsere Freundschaft wäre ja jetzt enger, weil ich mehr so wäre wie sie, weil ich früher oberflächlicher gewesen sei (?!?), da ich viel ausgegangen bin. Das hat sie schon mehrfach betont und dass sie sich in der Zeit ja distanzieren musste, weil ich viel ausgegangen bin. Dadurch bin ich doch kein anderer Mensch und dass hat ja auch nichts mit unserer Freundschaft zu tun...

Ich gehe außerhalb von Corona nach wie vor sehr gerne aus. Seit wann bewertet man Freundschaften daran?

Ich verstehe nicht, was gerade ihr Problem ist und finde ihr Verhalten unmöglich, weil sie, wenn das jemand anders bei ihr machen würde, durchdrehen würde. Was ich mehrfach schon gesehen habe...

Langsam merke ich auch, dass ich wütend werde. Fühle mich selbst bewertet und habe auch das Gefühl, dass es ihr nicht gepasst hat, dass ich z.b. immer offener und auch modischer war als sie. Das war auch immer ein Thema. Vor ihrer Geburtstagsfeier vor 3 Jahren sagte sie mal, aber nicht dass meine Freunde dich cooler finden als mich.

Weiss nicht so recht, was ich da machen soll. Hab sie vor zwei Wochen nach einem treffen gefragt, da kam ihr ginge es nicht so gut gerade. Aber ohne Gegenvorschlag oder die Frage, wie es mir eigentlich geht. Habe auch das Gefühl dass es sie seit einem Jahr eigentlich nicht mehr juckt, sie mir ihre Probleme aber ungefragt erzählt bei den wenigen treffen. Einmal, nach dem Jobverlust, redete sie eine Stunde von sich bis ich meinte, ich würde dir auch gerne mal was erzählen.

Wie würdet ihr das denn angehen ? Habe sie ja einmal angesprochen und wurde da weggebügelt und meine Gedanken, dass sie mich immer (vorher kurzzeitig weil die neuen kumpelbeziehungen ja immer kaputt gegangen sind) kurzzeitig links liegen lässt und jetzt wo die Freundschaft mal zu klappen scheint, sich alles andere als freundschaftlich verhält, konnte ich bisher nicht äußern.

Was würdet ihr hier machen ? Bin wirklich langsam sehr angenervt von ihr und empfinde sie als sehr ego. Und eigentlich glaube ich steht da ein desaströses Selbstwertgefühl hinter. Sie macht ja schon eine Therapie und da wundere ich mich, dass sie anscheinend da nicht wirklich weiter kommt. Weil ich denke, sonst würde sich ihr Verhalten doch langsam mal ändern ?

Ihre anderen Freundinnen sind vom Typ her ihr etwas ähnlicher. Sie sagte auch, sie fühlt sich aktuell nur als Mami. Ist dass das Problem?

24.10.2020 20:31 • #4


Tin_

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Zitat von Blacksilver87:
Weil ich denke, sonst würde sich ihr Verhalten doch langsam mal ändern ?


Warum? Weil du es erwartest? Kein guter Grund.
Ich habe eben diesen ganzen Text gelesen und denke die ganze Zeit: warum will sie mit so einer Freundin befreundet sein, wenn es offenbar nicht passt?
Du trägst da so viel Ärger bzgl. diesem Menschen in dir, dass du dich mal fragen solltest, ob dieser Invest gerechtfertigt ist und warum du an ihr so festhältst.
Es ist auch völlig egal, was ihr bei dem anderen an Beweggründen für euer verhalten MEINT ausmachen zu können m. Das kann man totanalysieren bis zum Ende der Welt und zurück. Übrig bleiben jedoch nur Fakten. Fakt ist übrigens, dass ihr vorher schon in zwei unterschiedlichen Welten gelebt habt und es sich nun intensiviert hat, dadurch, dass sie Mutter geworden ist. Ich glaube schon, dass der Fokus oder auch die Perspektive aufs Leben sich da ändern.

Weisst du, ich glaube die wenigsten sozialen Bindungen halten ein Leben lang. Manchmal sich sie einfach zu Ende (gelebt). Ablehnung sehe ich da nicht, denn das würde aktives Handeln voraussetzen, was ich hier nicht erkennen kann. Ich sehe eher ihren Fokus auf die Dinge gerichtet, die sie als wichtig für sich ansieht. Die laufen offenbar im Bezug auf deine Erwartungen in andere Richtungen. Sowas kannst du nur akzeptieren. Ihr Leben und ihre Entscheidungen.

Ich würde mal bei dir hinschauen und deine Schlüsse ziehen.

Ich empfinde es so, dass du derzeit deinen Fokus auf etwas richtest, was sehr wenig mit dir zu tun hat und was du auch nicht beeinflussen kannst.

Ich schaue mir deine Aussagen morgen nochmal genauer an.

Gute Nacht!

25.10.2020 04:29 • x 1 #5


Karili


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Hallo Blacksilver

Ich musste bei dem Nick schmunzeln und dachte, Blacksilver lässt sich doch gut putzen und strahlt dann wieder Hoffentlich du auch.

Deine Situation klingt für mich weniger nach einerLebenskrise als nach einem typischen Lebensumbruch. Der scheint sich aber schon länger angekündigt zu haben, So wie du zumindest die eine Freundin beschreibst, die dich in der Vergangenheit kritisiert hat. OT ich finde es immer wichtig, dass Freunde einem auch einmal unbequeme Wahrheiten sagen, aber z.B. zu sagen, dass sie in deinem Alter nie Single sein könnte oder deine Kleidung kritisieren, das halte ich schon für unsensibel und unter der Gürtellinie. Da würde ich mir überlegen, ob es sich hier nicht um Unsicherheit und Frustration ihrerseits handelt. Ich kann mich noch erinnern, wie in meinem Freundeskreis die Hochzeiten und Schwangerschaften begannen. Es war z.T. furchtbar. Kaum noch Gespräche über etwas anderes möglich und ich fühlte mich aus einem elitären Kreis irgendwie ausgeschlossen. Geblieben ist mir nur eine Freundin von damals und bei ihrer Tochter durfte ich Patentante werden. Das war und ist super, auch wenn sie heute weit weg wohnen. Wir haben Kontakt und wir sind irgendwie Familienmitglieder. So kann man einen Single im Freundeskreis ja auch mit einbinden.

Deshalb würde ich mir klar machen, dass du aktuell an einem ganz normalen, wenn auch schmerzhaftem, Bruch im Leben stehst, nach dem es aber in der nächsten Phase weiter geht.

Du scheinst mir, das haben andere hier schon geschrieben, sehr reflektiert. Das bewahre dir und sei darauf stolz. Denn das wird dir helfen in neuen Kreisen, Facebookgruppen fand ich übrigens einen super Tipp, die Menschen zu finden, die auf deinem gedanklichen Level sind. Es geht für dich weiter. Nur sehr wahrscheinlich mit anderen Menschen, die viel besser zu dir passen. - Denn eins lass dir gesagt sein, hinter dem Stolz deiner Freundinnen wird bald zwischendurch die Sehnsucht nach deinem freien Leben aufflammen. Das nur nebenbei.

Was deine Arbeit angeht, das ist schrecklich. Du bist hier jedoch nicht allein. Denn du hast dir dein Kunststudium an die Seite gestellt und kannst so weiter eines deiner wichtigen Ziele verfolgen. Dazu würde ich einmal gucken, ob es in deiner Gegend Möglichkeiten gibt, während deiner Arbeitslosigkeit karitativ zu arbeiten. Möglichst in dem Bereich, in dem du arbeitest. Eine Bekannte von mir ist ebenfalls im März während der Probezeit durch Corona gekündigt worden und engagiert sich in einem neuen Kinderprojekt vor Ort. Sie ist Beriebswirtschaftlerin und organisiert da gerade die Finanzen für den Verein besser. So hat sie Kontak, viel Spaßt und der Lebenslauf bleibt aktuell. Vielleicht wäre so etwas das eine Idee für dich?

25.10.2020 09:39 • x 2 #6


Anker1


Zitat von Blacksilver87:
Es ist nicht so, dass ich wegen der Angst vor Ablehnung ein Jasager bin oder mich nicht zeige. Meine Persönlichkeit ist sehr ausgebildet und ich zeige sie auch. Damit scheinen die weniger sicheren manchmal ihre Schwierigkeiten zu haben. Sehr selbstsichere Menschen hingegen begegnen mir auf Augenhöhe.


Guten Morgen,

danke für deinen super strukturierten Text, ich kann mir Dich als Person bildlich sehr gut vorstellen.

Mir ist insbesondere das von mir gewählte Zitat oben aufgefallen.
Es liest sich , als würde dich der Umgang mit diesen unselbstsicheren Menschen immer wieder wie eine unsichtbare Hand zurückziehen und an deinem persönlichen Vorankommen hindern.

Vielleicht wäre eine Möglichkeit dich an den Personen zu orientieren , die dir, wie du beschreibst, auf Augenhöhe begegnen.

Ich habe auch so einen Kumpel.
Der zeigt sich mir unter vier Augen auch hilfsbereit und verständnisvoll , insbesondere in der Gruppe stichelt er dann gerne und wertet Dinge die ich mache vor anderen ab (bspw. kraftsport oder dass ich meinen Vollbart pingelig pflege, bis hin zu manchen Einstellungen die ich konsequent verfolge und danach lebe).
Mir ist irgendwann aufgefallen, dass das alles Dinge sind, die er selbst nicht macht oder hat.
Ich habe mich mittlerweile distanziert.

Vielleicht kannst du da ja auch mal drauf schauen, wie das bei Dir ist.
Denn du merkst ja wie schnell solche Menschen weg sind, wenn man selbst eine Weile nicht so gut kann.

Ich hatte neulich ein Gespräch mit einem Freund im Auto , da ging es um das Thema Freundschaft.
Ich hab dann mal die Überlegung in den Raum geworfen (also den Raum im Auto^^) ,wer denn beispielsweise noch zu einem kommt, wenn man bspw. ohne Beine im 7. Stock ohne Aufzug lebt.

Das waren gar nicht so viele.
Und genau an die halte ich mich und investiere auch .

25.10.2020 10:26 • x 1 #7


Blacksilver87

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Zitat von Tin_:

Warum? Weil du es erwartest? Kein guter Grund.
Ich habe eben diesen ganzen Text gelesen und denke die ganze Zeit: warum will sie mit so einer Freundin befreundet sein, wenn es offenbar nicht passt?
Du trägst da so viel Ärger bzgl. diesem Menschen in dir, dass du dich mal fragen solltest, ob dieser Invest gerechtfertigt ist und warum du an ihr so festhältst.
Es ist auch völlig egal, was ihr bei dem anderen an Beweggründen für euer verhalten MEINT ausmachen zu können m. Das kann man totanalysieren bis zum Ende der Welt und zurück. Übrig bleiben jedoch nur Fakten. Fakt ist übrigens, dass ihr vorher schon in zwei unterschiedlichen Welten gelebt habt und es sich nun intensiviert hat, dadurch, dass sie Mutter geworden ist. Ich glaube schon, dass der Fokus oder auch die Perspektive aufs Leben sich da ändern.

Weisst du, ich glaube die wenigsten sozialen Bindungen halten ein Leben lang. Manchmal sich sie einfach zu Ende (gelebt). Ablehnung sehe ich da nicht, denn das würde aktives Handeln voraussetzen, was ich hier nicht erkennen kann. Ich sehe eher ihren Fokus auf die Dinge gerichtet, die sie als wichtig für sich ansieht. Die laufen offenbar im Bezug auf deine Erwartungen in andere Richtungen. Sowas kannst du nur akzeptieren. Ihr Leben und ihre Entscheidungen.

Ich würde mal bei dir hinschauen und deine Schlüsse ziehen.

Ich empfinde es so, dass du derzeit deinen Fokus auf etwas richtest, was sehr wenig mit dir zu tun hat und was du auch nicht beeinflussen kannst.

Ich schaue mir deine Aussagen morgen nochmal genauer an.

Gute Nacht!


Lieben Dank dir nochmal für deine ausführliche Antwort:). Ich stimme dir da auf jeden Fall zu, dass ich den Fokus zu sehr aufs außen lege. Mich hat das mit der Freundin sehr getroffen, weil ich das Gefühl hatte, es ist eigentlich etwas in ihr, vielleicht weniger Kapazität, unsere Freundschaft für ihren Abschnitt nicht mehr so passend, warum auch immer. Und sie suchte aber irgendwo die "schuld" bei mir, mit der Aussage, du projizierst deine "verlustängste" auf mich. Sie war halt früher mal lange Zeit eine sehr konstante Freundin, auch wenn mal diese kleinen Sticheleien kamen. Das liegt dann vielleicht auch an mir, dass ich mich abgelehnt fühle und es mich sehr getroffen hat. Habe von meiner Seite nie ein Problem in Unterschieden gesehen, sondern fand es auch spannend, wie sie ihr leben gestaltet. Habe das irgendwie nie besonders entscheidend gesehen, ob man gleich lebt. Dieses fallen lassen hat mich sehr verletzt. Aber ich denke, ich werde da nichts mehr machen, sondern sie ziehen lassen. Zwingen kann ich ja niemanden und möchte ich auch nicht. Möchte Menschen um mich herum haben, die gerne mit mir zusammen sind und sich wohl fühlen. Fand es ungerecht irgendwo, dass ich das Gefühl habe, es sind eher Punkte in ihr selbst, die dazu führen. Und ich glaube es nervt mich auch, wenn jemand sich selbst so falsch einschätzt. Sie betonte immer, sie sei so selbstsicher, aber ihre Therapeutin sagte ihr mittlerweile, dass sie große selbstwertprobleme hat.

Naja wie dem auch sei. Jemanden gehen lassen, den man eigentlich mag, ist nie so leicht. Aber das, was jetzt seit einem Jahr ist, ist in meinen Augen keine Freundschaft mehr und tat mir auch nicht gut.

25.10.2020 15:11 • #8


Tin_

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Zitat von Blacksilver87:
Jemanden gehen lassen, den man eigentlich mag, ist nie so leicht.

Der Grundgedanke, um den es hier im Forum geht.

Weisst du, auch ich habe in meinem Leben Trennungen jeglicher Art durchgemacht. Demnächst einen Jobwechsel, nach 18 Jahren. Dazu gibt es den Tod, Menschen die sich in eine andere Richtung entwickeln, Paartrennungen, oder, oder.
Die sich daraus ergebende Frage ist doch immer dieselbe: wie gehe ich damit um und was genau löst es in mir aus? Auch ich empfinde es als sehr schmerzlich, Menschen gehen zu lassen, wenn ein Kontrollverlust damit verbunden ist.
Den Tod können wir nicht kontrollieren, dieser Grundgedanke ist in uns und deswegen ist so eine Trennung wohl einfacher zu akzeptieren. Bei einer Freundschaft oder Partnerschaft sieht das anders aus. Hier entscheidet jemand sich aktiv gegen dich - das geht dann ungefiltert auf die Emotionen. Warum? Weil sich jemand von dem trennt, was genau dich ausmacht: dein tiefstes und innerstes ICH. Tut verdammt weh, ich weiss.
Aber hier möchte ich dir den Gedanken nahebringen, dass wir Menschen uns immer entwickeln, in wir wollen oder nicht. Selbst Stillstand ist im Grunde Entwicklung. Mittlerweile glaube ich, dass das Leben eben auch daraus besteht, dass Menschen in dein Leben treten, dich eine Weile auf deiner Reise begleiten, aber auch wieder "aussteigen". Manche Dinge sind einfach so, sie passieren. Ein Hinterfragen ist dort nicht relevant. Obwohl ich selbst zu den Menschen gehöre, die analysieren und "alles" verstehen wollen.
So wie du deine Freundin beschreibst, hat sie sehr von dir und deiner Art profitiert. Nun liegt ihr Fokus aber auf einem neuen Lebensabschnitt.

Aber wo genau siehst du deine Lebenskrise? Zweifelst du an dir selbst, weil einen liebgewonnenen Menschen nicht in deinem Leben halten kannst? Dazu gehören immer zwei. Aber um ehrlich zu sein: ich habe auch so meine Probleme damit, dass ich gewisse Dinge nicht beeinflussen kann - übrigens ist Liebeskummer nichts anderes (bezugnehmend auf dieses Forum hier).

Wichtig ist, dass du nicht damit haderst, dass sich eure Wege trennen werden. Sie kann so ihren Wünschen und Bedürfnissen nachgehen, du den deinen. Und wenn man es genau betrachtet, dann sind diese bei euch beiden immer weiter auseinander gedriftet. Sie waren mal ähnlich - deswegen ist eine Freundschaft entstanden.

Oder ist es etwas anderes? Schaust du auf sie und deine anderen Freundinnen mit dem Wunsch (den du derzeit nicht umsetzen kannst) auch eine Familie zu haben? Ich meine damit nicht Neid. Ich meine damit, dass du dich derzeit in einer Sackgasse wähnst und glaubst, bald als Frau ohne Familie alleine dazustehen?

So ganz kann ich nicht wirklich greifen, was dich stört. Im Kontext meines Eindrucks von dir, ist es für eine Person wie dich zu "einfach" (auslaufende Freundschaft) als dass es das einzige ist, was dich beschäftigt und hertreibt. Du wärst nicht hier, wenn es nur das wäre. Wie schaut es wirklich in dir aus? Sorry, wenn das zu direkt war.

25.10.2020 22:31 • x 1 #9


Blacksilver87

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Zitat von Tin_:
Der Grundgedanke, um den es hier im Forum geht.

Weisst du, auch ich habe in meinem Leben Trennungen jeglicher Art durchgemacht. Demnächst einen Jobwechsel, nach 18 Jahren. Dazu gibt es den Tod, Menschen die sich in eine andere Richtung entwickeln, Paartrennungen, oder, oder.
Die sich daraus ergebende Frage ist doch immer dieselbe: wie gehe ich damit um und was genau löst es in mir aus? Auch ich empfinde es als sehr schmerzlich, Menschen gehen zu lassen, wenn ein Kontrollverlust damit verbunden ist.
Den Tod können wir nicht kontrollieren, dieser Grundgedanke ist in uns und deswegen ist so eine Trennung wohl einfacher zu akzeptieren. Bei einer Freundschaft oder Partnerschaft sieht das anders aus. Hier entscheidet jemand sich aktiv gegen dich - das geht dann ungefiltert auf die Emotionen. Warum? Weil sich jemand von dem trennt, was genau dich ausmacht: dein tiefstes und innerstes ICH. Tut verdammt weh, ich weiss.
Aber hier möchte ich dir den Gedanken nahebringen, dass wir Menschen uns immer entwickeln, in wir wollen oder nicht. Selbst Stillstand ist im Grunde Entwicklung. Mittlerweile glaube ich, dass das Leben eben auch daraus besteht, dass Menschen in dein Leben treten, dich eine Weile auf deiner Reise begleiten, aber auch wieder "aussteigen". Manche Dinge sind einfach so, sie passieren. Ein Hinterfragen ist dort nicht relevant. Obwohl ich selbst zu den Menschen gehöre, die analysieren und "alles" verstehen wollen.
So wie du deine Freundin beschreibst, hat sie sehr von dir und deiner Art profitiert. Nun liegt ihr Fokus aber auf einem neuen Lebensabschnitt.

Aber wo genau siehst du deine Lebenskrise? Zweifelst du an dir selbst, weil einen liebgewonnenen Menschen nicht in deinem Leben halten kannst? Dazu gehören immer zwei. Aber um ehrlich zu sein: ich habe auch so meine Probleme damit, dass ich gewisse Dinge nicht beeinflussen kann - übrigens ist Liebeskummer nichts anderes (bezugnehmend auf dieses Forum hier).

Wichtig ist, dass du nicht damit haderst, dass sich eure Wege trennen werden. Sie kann so ihren Wünschen und Bedürfnissen nachgehen, du den deinen. Und wenn man es genau betrachtet, dann sind diese bei euch beiden immer weiter auseinander gedriftet. Sie waren mal ähnlich - deswegen ist eine Freundschaft entstanden.

Oder ist es etwas anderes? Schaust du auf sie und deine anderen Freundinnen mit dem Wunsch (den du derzeit nicht umsetzen kannst) auch eine Familie zu haben? Ich meine damit nicht Neid. Ich meine damit, dass du dich derzeit in einer Sackgasse wähnst und glaubst, bald als Frau ohne Familie alleine dazustehen?

So ganz kann ich nicht wirklich greifen, was dich stört. Im Kontext meines Eindrucks von dir, ist es für eine Person wie dich zu "einfach" (auslaufende Freundschaft) als dass es das einzige ist, was dich beschäftigt und hertreibt. Du wärst nicht hier, wenn es nur das wäre. Wie schaut es wirklich in dir aus? Sorry, wenn das zu direkt war.


Vielen lieben Dank für deine Antwort und deine ausführlichen Zeilen, die mich sehr zum Nachdenken bringen.

Ich glaube es sind verschiedene Punkte. Das manchmal meine alte Angst vor Ablehnung hervor tritt. Die ist dieses Jahr plötzlich wieder präsenter geworden, ich denke durch corona, was mir zusetzte und durch den Jobverlust und viele Änderungen im Leben.

Früher hatte ich diesbezüglich ganz schlimme Gedanken. Wenn mich Menschen nicht mögen, habe ich dann eine Daseinsberechtigung? Da ist ein bisschen was in meiner Familie schief gelaufen damals, dass ich solche Gedanken hatte. Meine Familie ist wunderbar, ich liebe meine Eltern. Aber es sind leider trotzdem ein paar Dinge nicht so optimal gelaufen, wodurch diese Glaubenssätze entstanden.

Und dazu kam die ads, die ja ewige Jahre gar nicht diagnostiziert war. Früher habe ich z.b. meine Sensibilität abgelehnt. Ich bin in manchen Punkten etwas anders, als viele Menschen, die ich kenne. Aber nicht alle Menschen auf dieser Welt:).

Dieses Jahr kamen diese Gedanken manchmal hoch. Getriggert durch sehr vieles. Und ich glaube, das mit meiner Freundin. Ich glaube ich hatte manchmal das Gefühl, dass sie ein wenig urteilt über mich. Aus irgendeinem Grund konnte ich das dieses Jahr nicht gut vertragen. Und ich glaube mich machen Abschiede sehr traurig. Auch da weiß ich gar nicht so recht warum. Wenn der Abschied vollzogen ist, kann ich nach einiger Zeit wieder gut damit umgehen. Vielleicht blockiert mich auch Unwissenheit über den Bestand einer Beziehung. Meine Eltern haben leider häufiger mich mit schweigen bestraft. Das scheint tief in mir zu sitzen.

Ich glaube manchmal ist es die Angst vor Einsamkeit. Weil ich vom Gemüt her Menschen liebe und mich gerne verbinde. Finde es ein wunderbares Gefühl mich mit anderen zu verknüpfen und ein harmonisches miteinander zu haben.

Ich glaube ich hatte generell dieses Jahr manchmal das Gefühl meine Wurzeln zu verlieren. Habe mich selbst ja von einer Freundin getrennt. Manchmal hatte ich den Gedanken, selbst wenn du niemanden mehr hättest, du hättest doch dich. Und das war ein schöner Gedanke. Und plötzlich kamen trotzdem wieder Ängste hoch. Aber was ist, wenn Menschen gehen, weil ich nicht richtig bin. Diese Ängste sind irgendwann vor Jahren entstanden und meine Therapeutin sagte, dass scheint ein junger Anteil in mir zu sein, der manchmal dem selbstsichereren und gesunden Anteil dazwischen redet. Wir arbeiten daran, dass ich diesen Anteil heilen kann, aber es dauert wohl etwas.

Ich glaube manchmal das reine gehen lassen von Menschen, ist für mich nach verarbeitungszeit gut zu handeln. Ich glaube dabei geht es doch innerlich manchmal um die tief sitzende Angst, mein kindliches ich, nicht richtig zu sein.

Ich glaube das auch daher meine bindungsängste kommen. Wenn ich so drüber nachdenke, finde ich das alles kompliziert und wünschte, ich könnte mich da besser noch verstehen. Aber das wird vielleicht eine weitere und tiefere Reise noch beinhalten.

Ich danke euch allen für eure Zeilen. Irgendwie hat es mir so gut getan und auch Ruhe gegeben, dass ich das alles so annehmen darf und es nicht nur negativ bewerten muss. Sondern als weitere Reise, die ich nicht so erwartet habe, aber innerlich lange die Notwendigkeit gespürt habe. Ich glaube manchmal, dass die eigene Seele oder wer, was auch immer, einen dann vor Herausforderungen stellt, wenn man weit genug ist, weiter zu wachsen und auch den Schmerz, der damit einhergehen mag, auszuhalten.

Was Kinder und Familie angeht. Ich wünsche mir das mal, aber in eher späteren Jahren. Vielleicht in vier oder fünf. Oder noch später. Ich weiss dass es eher später wäre, aber im Moment bin ich noch nicht so weit. Und wenn es nie so sein sollte oder kommen sollte, hoffe ich, dass ich dann soweit bin, komplett zu mir selbst zu stehen und mich nicht verunsichern zu lassen, ob ich denn so richtig bin. Dann wäre ich wohl auch ohne Kinder ein zufriedener Mensch und dürfte mich vielleicht ein wenig um die Kinder anderer kümmern:)

25.10.2020 23:02 • x 3 #10


Tin_

Tin_


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Ich werde dir morgen ausführlicher antworten. Aber ich möchte dich unbedingt mit folgenden Worten ins Bett "schicken"....

Das was ich hier von dir gelesen habe, wie du es formulierst und welch positive Art trotz oder wegen der Ernsthaftigkeit deiner Gedanken rüberkommt: du bist völlig "richtig" wie du bist und ich würde mir eine Welt mit mehr Menschen wünschen, die so selbstkritisch und differenziert auf sich selbst schauen können, ohne in Negativtät zu verfallen.

Chapeau!

Ich bin schon eine Weile hier, lese aber selten solche Gedanken. Danke dafür!

25.10.2020 23:17 • x 3 #11


Blacksilver87

Blacksilver87


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Zitat von Tin_:
Ich werde dir morgen ausführlicher antworten. Aber ich möchte dich unbedingt mit folgenden Worten ins Bett "schicken"....

Das was ich hier von dir gelesen habe, wie du es formulierst und welch positive Art trotz oder wegen der Ernsthaftigkeit deiner Gedanken rüberkommt: du bist völlig "richtig" wie du bist und ich würde mir eine Welt mit mehr Menschen wünschen, die so selbstkritisch und differenziert auf sich selbst schauen können, ohne in Negativtät zu verfallen.

Chapeau!

Ich bin schon eine Weile hier, lese aber selten solche Gedanken. Danke dafür!


Das ist ganz ganz lieb. Vielen Dank:) ich wünsche dir eine gute Nacht:)

25.10.2020 23:19 • #12


Tin_

Tin_


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Dir auch eine angenehme und erholsame Nacht.

Wobei: ich darf nicht zu nett und empathisch auftreten. Das kratzt an meinem Image.

Aber deine Zeilen lösen irgendwas in mir aus. Keine Ahnung zu diesem Zeitpunkt was es ist, aber ich fühle mich "erreicht".

25.10.2020 23:23 • x 1 #13


Tin_

Tin_


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Hm... ich habe ja gedacht, dass ich noch ausführlicher auf deine Aussagen eingehen könnte. Dazu habe ich mir gestern Gedanken gemacht und dein letztes Posting mehrfach gelesen.
Ich glaube aber mittlerweile, dass ich dir nichts wirklich neues erzählen könnte, denn an die Dingen die ich bei dir sehe, bist du schon gut dran.
Zudem habe ich dein anderes Thema gelesen und denke, ich kann mir (hoffentlich) ein ganz gutes Bild von dir machen. Die Frage, die mich da beschäftigt: Ist es wirklich ein Ratschlag und eine Meinung, die du hier suchst oder ist es der Austausch an sich? Es ist in vielen Aussagen von dir fast spürbar, dass dir das "runtergefahrene" Leben derzeit zu schaffen macht und dir menschliche Interaktion fehlt. Allerdings sehe ich da für dich nun die Gefahr, dass du es verkomplizierst. Weil du dich sehr stark mit dir selbst und deinem Leben bechäftigst.
Verstehe mich bitte nicht falsch - Reflextion ist eine tolle Sache und gehört für mich zur Zufriedenheit dazu, ABER:

Solche Topics, wie das hier oder aber auch das andere, setzen sich sehr stark mit dem eigenen ICH auseinander. Sowas schreibt man auch nicht so einfach mal in einer Kaffeepause runter. Die Gefahr ist nun, dass du "überanalysierst".. Wie ich schon sagte, du bist gut, wie du bist. Wenn du nicht grade kleine Kinder schubst oder ein Kapitalverbrechen planst, kannst du doch einfach zufrieden sein. Ok, das "einfach" nehme ich zurück.

Ich kenne so eine Frau, die da ähnlich "tickt". Die sich permanent Gedanken macht, sich selbst optimiert bist zum Erbrechen - und was sich auf ihre Gemütslage und ihr Umfeld auswirkt. Eine sehr kluge Frau und doch gefangen in ihren Gedankenkreisen mit extrem hohen Ansprüchen an sich selbst.
Von dir lese ich "die Gier nach Leben", die Angst vor Enttäuschung und Verletzung aber auch das Bedürfnis dich mitzuteilen und verstanden zu werden. Über allem steht irgendwie auch das Wort "Nähe".
Wie definierst du für dich ein zufriedenes Leben? Hast du das mal zu Papier gebracht? Dazu Hinderungsgründe und Tatsachen, die es derzeit nicht möglich machen, dass du dich gut und ohne solche Gedanken (siehe Threadtitel) darin blockierst das zu erreichen.

Bleib mal bitte dem Forum hier erhalten, denn deine Art dich auszudrücken ist toll. Davon sollte es hier mehr Menschen geben.

28.10.2020 13:48 • #14


Blacksilver87

Blacksilver87


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Hallo ihr Lieben. Es ist ein wenig, wenn auch nicht so viel Zeit vergangen, dass ich hier schrieb. Seitdem hat sich viel getan, ich habe einen neuen Job gefunden, habe mich mit der einen Freundin ausgesprochen und auch so läuft es wieder viel besser . Habe in den letzten Wochen eine interessante Reise hinter mir. Wurde viel von Außen gespiegelt, unter anderem von einem Jobcoach und eben meiner Therapeutin. Beide sagten mir, dass ich ein sehr starkes Selbstwertgefühl auf eine Art habe und ich nach außen sehr "wirke". Z.b. das ich einen Raum einnehmen würde und faszinierend auf andere wirke. Ich habe z.b. im Bewerbungsprozess überall, wo ich mich beworben hatte, Einladungen erhalten.

Beide meinten aber auch, dass es genauso auffallend sei, dass ich mich manchmal im Inneren zweifelnder ansehe, als das was ich von außen über mich höre. Der Jobcoach sagte mehrfach, er wünscht sich, dass ich mehr sehe, was ich eigentlich kann und wer ich bin und mich nicht von anderen klein machen lasse.

Dabei habe ich wieder auch an die Sache mit meinen Freunden zuletzt gedacht. Die eine Freundin mit dem Baby hat mir z.b. jetzt offen gesagt, sie glaubt nicht mit mir mithalten zu können.

Ich spüre bei manchen Freunden viel Neid und muss auch sagen, dass ich seit ganz früher Pubertät von viel Stutenbissigkeit umgehen bin. Ich habe nie verstanden wieso. Aber lästerein wie, so hübsch ist die nun auch wieder nicht oder ähnliches, haben mich häufig tief verletzt und manchmal unsicher werden lassen.

Ich habe das Gefühl, dass bei mir dadurch selbst Selbstzweifel entstanden sind und ich mich eher an unsicheren Menschen orientiert habe, die aber neidisch auf mich sind. Ich verabscheue Neid und sehe es als sehr schlechte Eigenschaft.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mir wirklich selbstsicherere Freunde suchen muss. Weil ich das kleinmachen mit der Zeit annehme und mich selbst hinterfrage. Was dann wieder niemand versteht, warum ich manchmal unsicher bin.

Wie geht ihr denn mit Neid um? Ich finde das furchtbar. Eine Freundin meldet sich gerade wieder gar nicht mehr, seit ich den neuen Job habe. Sie sucht gerade etwas neues, hat aber eine sehr hoch bezahlte Stelle und bekam ein paar Absagen..sie ist immer für mich da, wenn es mir schlecht geht, aber macht mit giftigen Kommentaren oder Distanz auf sich aufmerksam, wenn es mir gut geht.

Ich ertrage das langsam nicht mehr so gut. Mich verletzt das ziemlich.

Wie würdet ihr damit umgehen ?

23.11.2020 19:02 • #15



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