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Kontaktabbruch von Familie - Gefühle

GreenTara
@Plague
Zitat von Plague:
Das verklärte Bild der heilen Familie ist ein von narzisstischer Weltordnung gepflegter Mythos mit dem Ziel von Macht, Kontrolle und Versorgung

Es ist schwierig, über Erfahrungen zu reden, die man nicht gemacht hat.
Ich selbst weiß ja auch, dass Bindung und Unterstützung nicht von der Ursprungsfamilie abhängen.
Allerdings, wenn die Rückendeckung im Kindesalter nicht gegeben ist, kann das auch später nicht von einer Wahlfamilie ausgeglichen werden. Es wird eine bleibende Prägung hinterlassen.

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A
Was wir als Familie im Kopf haben und uns wünschen ist meistens die Traumwelt von Bullerbü. Tja, und wem wurde die schon gegeben? Tatsächlich ist das Stresslevel bei den meisten nach Weihnachten mit der heiligen Familie sehr stark erhöht und viele haben sich geschworen: Nie wieder! Familien sind Schicksalsgemeinschaften, die man sich nicht aussucht. Manchmal funktionieren sie sogar sehr gut - bis der Erbfall eintritt... Oder die Alten alt werden und sich die Frage stellt, wer sich kümmert und wie.

Ich kann mir vorstellen, dass dir die Wärme einer idealen Familie fehlt. Das tut es wohl vielen. Ich würde mir überlegen, ob es nicht andere Menschen gibt, die "deine Leute" und dein <clan sind. Insgesamt klingt mir aus deinem Post, dass du dich an einem Kreuzweg befindest und Angst vor einer Einsamkeit hast, die dir in Zukunft drohen könnte. Guck doch mal, ob du nicht aktiv vorbauen kannst, indem du z.B. neue Gruppen beim Sport, bei der vhs oder in Hobbygruppen findest. Es gibt so viele Menschen in einer ähnlichen Situation wie dener und man kann seine eigenen festen Verbindungen starten. Mit tollen Menschen, die man sich selbst aussucht.

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A


Kontaktabbruch von Familie - Gefühle

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Plague
Zitat von GreenTara:
Allerdings, wenn die Rückendeckung im Kindesalter nicht gegeben ist, kann das auch später nicht von einer Wahlfamilie ausgeglichen werden. Es wird eine bleibende Prägung hinterlassen.

Das ist die beste Ausgangsbasis, um für den Rest des Lebens verbittert zu bleiben, weil ich das, was mir fehlte, nie bekommen werde. Ein typisches "unfinished business" im Sinne von Les Greenberg.

Wenn das tatsächlich so wäre, dann wäre jede Art von Psychotherapie, bei der es darum geht, neue Bindungserfahrungen im geschützten Raum und auch in der weiten Welt zu machen, sinnlos. Allerdings ist es tatsächlich so, dass Bindungsstile nicht in Stein gemeißelt sind. Jemand mit unsicher-ambivalentem Bindungsstil kann im Laufe des Lebens einen sicheren Bindungsstil entwickeln, wenn er entsprechend positive und nicht bedingte Bindungserfahrungen machen kann.

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GreenTara
@Plague
Ich denke mir, dass Prägungen nicht ausgelöscht werden können. Dass aber ein Umgang und Akzeptanz mit dem Geschehenen gefunden werden kann, so dass keineswegs eine Verbitterung entstehen muss.

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Sonnenschein85
Zitat von GreenTara:
@Plague Ich denke mir, dass Prägungen nicht ausgelöscht werden können. Dass aber ein Umgang und Akzeptanz mit dem Geschehenen gefunden werden ...

Das denke ich auch. Man lernt damit umzugehen und seinen Frieden damit zu finden. So etwas wie Akzeptanz zu entwickeln. Nicht mehr krampfhaft etwas kompensieren zu wollen oder auch sich nicht mehr unvollständig zu fühlen.

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N
Nur mal eine andere Perspektive.

Ich habe Familie, habe aber keine Lust darauf. Eine alternde Mutter, die nur nervt und die ich notgedrungen viermal im Jahr im Heim besuche. Einen Bruder, der mir fremd ist wie sonstwer, der bekommt es eine Weihnachtskarte und eine WhatsApp zum Geburtstag. Und einen Haufen Onkels und Tanten und Cousins und Cousinen, mit denen wir es erfolgreich "ausgeschlichen" haben, seit Jahren zum Glück keinerlei Kontakt.

Warum sollte ich Leute mögen, weil man familiär zusammenhängt? Ich finde es wertvoller, Leute zu mögen, weil ich sie einfach mag. Freunde halt.

Du hast dich gegen deine Familie entschieden. Sieh es als Chance. Auch wen es Hinz und Kunz anders sagen: Familiäre Bindung ist viel weniger wert als Freundschaft, eben weil nicht freiwillig.

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Plague
Zitat von GreenTara:
Prägungen

Unterscheidet uns tatsächlich so wenig von den Graugänsen?

Zitat von GreenTara:
ein Umgang und Akzeptanz

Und da gibt es halt Unterschiede: Ich für meinen Teil akzeptiere, dass die Erzeugerfraktion so ist, wie sie ist, muss ich ja trotzdem nicht gut finden und habe daher den Umgang auf Null reduziert. Damit lebe ich mein halbes Leben lang bereits sehr zufrieden.

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GreenTara
@Plague
Nun, die TE, um die es hier geht, hat es wohl leider nicht so gut weggesteckt. Auch wenn sie weiß, dass es richtig war

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Sonnenschein85
Zitat von GreenTara:
@Plague Nun, die TE, um die es hier geht, hat es wohl leider nicht so gut weggesteckt. Auch wenn sie weiß, dass es richtig war

Ja. Und ich verstehe das auch. Manchmal trifft man Entscheidungen weil man weiß das es besser ist aber man hätte sich es trotzdem anders gewünscht. Auch gewünscht man hätte diese Entscheidung nie treffen müssen.

Aber ich finde es gut liebe Te, wie du dich nun auch um dich selbst kümmern möchtest und dein Leben in die Hand nimmst.

x 1 #39


M
Zitat von Plague:
Wenn ich eins in über 50 Jahren gelernt habe, dann das hier: Positive Bindungserfahrung ist keine Frage von Blutsverwandtschaft. Das verklärte Bild der heilen Familie ist ein von narzisstischer Weltordnung gepflegter Mythos mit dem Ziel von Macht, Kontrolle und Versorgung. Vielleicht eine Ironie des Schicksals, dass ...

..ich gehe noch einen Schritt weiter: meine Ursprungsfamilie war nicht nur kein Anker,
sondern lebensgefährlich mit sex. Missbrauch, emotionalem Missbrauch, Manipulation, Gewalt,
emotionaler Vernachlässigung und Spaltung, Hetze.
Und TROTZDEM verstehe ich die Trauer der TE. Man kann auch um etwas trauern, was halt
nie sein durfte. Oder nicht auf gesunde Art. Sogar wenn wie bei mir die meisten Familien
mitglieder auch längst verstorben sind. Und man auch liebevolle Erfahrungen machen durfte
die einiges revidieren können.

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W
Zitat von Tautröpfchen:
Es war reiner Selbstschutz. Meine Mutter ist stark narzisstisch, mein Geschwister emotional Instabil.

Danke, nun verstehe ich, worum es geht.
In einer so destruktiven Familie aufzuwachsen und dann auch noch das schwarze Schaf zu sein, ist natürlich eine große Bürde, und die Distanzierung ist das Beste, was man machen kann.
Ich will da jetzt auch nicht groß daherreden; aber wenn es Dir irgendwie möglich, dann versuche aus Deinem Leben konstrutiv das Beste zu machen. Es ist Dein Leben, auch wenn D unter denkbar schlechten Voraussetzungen herangewachsen ist. Aber wenn Du selber nun, wo Du erwachsen bist und die Dinge selber in der Hand hast, in die Konstruktivität kommst, also aus den unefreulichen Grundlagen etas Gutes machst, dann stehen Dir alle Tore offen,
Es mag sich zwar fast zynisch anhören, aber wenn man in einer solchen Familie das schwarze Schaf ist, ist das ja sogar ein positives Zeichen. Denn es heißt ja nichts anderes, als dass Du in Deinem Familienverband die "Andersartige" warst, und das kann in diesem Fall nur gut sein.
Worauf man achten muss, ist, sich nicht immer wieder mit dieser ganzen - Du verzeihst - sch. zu konfrontieren und damit zu hadern, sondern abseits davon seiner eigenen Wege zu gehen und sich auf die schönen Dinge des Lebens und seine eigenen Talente zu konzentrieren. Die Vergangenheit, wie immer sie war, ist die Welt in und hinter uns - aber was alles wir noch erleben ist die Zukunft, die Welt vor uns. Und die muss man zu seinem Besten gestalten zu versuchen. Und das hat man tatsächlich selber in der Hand, mögen die Analysten der Vergangenheit das auch nicht wahrhaben wollen, die ja wiederum die Vergangenheit durchwühlen und meinen, durch das Finden von Gründen etwas zu erreichen. (In Wahrheit bleibt man aber auf diese Weise erst wieder in die Vergangenheit hängen und von ihr beeinflusst, wenn nicht überwältigt.)
Meiner Erfahrung nach ist es das Beste, zu sehen und sich bewußt zu machen, dass auch diese Menschen (also in dem Fall die Familie) ja Opfer in ihrer eigenen Vergangenheit waren und nicht einfach bösartig aus sich selber heraus. Und die Kette der Vergangenheitsopfer muss man ganz bewusst durchbrechen und daraus aussteigen. Tablua rasa zu machen ist, wie weit es geht, das Beste, und sein eigenes geschenktes Leben bestmöglich zu gestalten. Das eigene Leben, dieses Wunder das Daseins, ist ein Schatz, der größte, den es gibt, und warum sollte man sich diesen Schatz mit Mist zumüllen?
Du trägst weder Verantwortung dafür, dass es in Deiner Familie so war, wie es war, Du kannst auch nichts mehr daran ändern - aber dazu Du hast auch keinerei Verpflichtung, Dir Dein Leben dadurch nehmen oder auch nur beeinträchtigen zu lassen.
Alle Gute dazu!

x 2 #41


GreenTara
@whynot60 Für den Beitrag schenke ich dir ein Blümchen
🪷

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W

Waris07
Hallo @Tautröpfchen, ich wollte mal nachfragen, wie du den gestrigen Tag überstanden hast und wie es dir heute geht?

#44


M
Zitat von whynot60:
Danke, nun verstehe ich, worum es geht. In einer so destruktiven Familie aufzuwachsen und dann auch noch das schwarze Schaf zu sein, ist natürlich eine große Bürde, und die Distanzierung ist das Beste, was man machen kann. Ich will da jetzt auch nicht groß daherreden; aber wenn es Dir irgendwie möglich, dann ...

...hinzu kommt halt oft, dass wer aus solchen Familien kommt, sich oft unbewusst dann später
Partner sucht, die eine ähnliche Dynamik mitbringen (schrieb die TE nicht, in der letzten Beziehung
wäre sie gerne vom Balkon gesprungen?!). Es gleicht einem Branding.
Das macht es doppelt schwer. Ich weiss genau wovon ich spreche. Auch dass Veränderung möglich ist.
Aber es ist knallharte Arbeit und in manchen Phasen muss man wie gesagt einfach durch die Einsamkeit
hindurch, weil keine Bindung besser ist als eine sehr schädliche Bindung.
Aber am gesündesten ist natürlich gesunde Bindung 💕 Natürlich kommt das an Feiertagen hoch.

#45


A


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