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Kontaktabbruch von Familie - Gefühle

T

Tautröpfchen
Mitglied

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Hallo an alle
Weil ich meine Freundin um diese Zeit nicht wachklingeln will, aber irgendwie loswerden will, was bei mir gerade los ist, schreibe ich hier.

Ich sitze gerade in meinem Bett und bin furchtbar traurig. Traurig über das, was war und was ist. Vor einigen Jahren musste ich aus Selbstschutz den Kontakt zu meiner Familie abbrechen. War kein leichter, aber notwendiger Schritt. Therapeutisch begleitet.

Und nun kam Weihnachten. Waren nicht immer leicht die Festtage für mich. Jetzt als Single nicht unbedingt einfacher. Hab mich immer bemüht es so schön wie möglich für mein Kind und mich zu machen, trotz meiner Traurigkeit. Dieses Jahr hatte ich Gäste eingeladen. Leider haben alle abgesagt, wegen Krankheit. Dann wollte ich es mir schön machen, mit meinem Sohn. Naja, er ist jetzt in einem Alter, wo er sich lieber mit Freunden trifft. Ich war also die meiste Zeit über Weihnachten allein. Dieses Jahr habe ich es nicht geschafft, es mir allein schön zugestalten. Ich habe jede Minute gezählt, dass sie endlich vorübergehen und Weihnachten vorbei ist. Das hab ich ja nun Gott sei Dank hinter mir. Heute war ich dann mit einer Freundin Kaffeetrinken, wir kennen uns schon seit dem Kindergarten. Wir haben uns auch über Familie unterhalten. So kam wir auf meinen Neffen zu sprechen. Und plötzlich sind wir die Tränen die Augen gestiegen. Ich wünsche mir so sehr Familie. Und nun habe ich einen Neffen, wir wohnen auch in der selben Stadt. Aber er weiß nicht mal wer ich bin. Wenn wir uns irgendwo begegnen, erkennt er mich überhaupt nicht. Und das hat mir heute so wehgetan, mir ist so richtig bewusst geworden, dass ich eine Tante bin. Aber ja gar kein Kontakt habe. Keine Tante sein kann.
ich musste damals mit meiner Familie brechen. Und das war auch gut so. Aber ich fühle mich wie abgeschnitten. Beraubt um Familie, um Dinge die mir verwehrt bleiben. wir waren eigentlich immer eine große Familie, aber alles ist kaputt.Mich macht das alles gerade so unglaublich traurig wie es ist. ich weiß ja, dass es besser ist, dass ich keinen Kontakt zu diesen Menschen habe. Aber trotzdem wünschte ich mir, es wäre anders es tut gerade so weh, dass ich so eine Familie habe.

ich weiß nicht, was ich mir davon erhoffe, wenn ich das hier schreibe. Aber irgendwie wollte ich jetzt nicht allein sein mit meinem Schmerz bzw mir von der Seele reden oder schreiben.
vielleicht gibt es ja jemanden, der nachvollziehen kann, wie’s mir geht. oder ein paar tröstende Worte.

ja, mir ist auch klar, dass es Menschen noch schlechter gehen kann oder noch schlimmere Geschichten gibt. bitte seid rücksichtsvoll mit euren Antworten. war nicht einfach für mich, das hier zu schreiben

ich grüße euch alle ganz lieb

x 14 #1


W
@Tautröpfchen
Zitat von Tautröpfchen:
Vor einigen Jahren musste ich aus Selbstschutz den Kontakt zu meiner Familie abbrechen.

Darf ich fragen, warum Du zu Deiner Familie den Kontakt abbrechen musstest?
Zumindest Dein Neffe scheint Dir ja in den Sinn zu kommen, und vielleicht wäre es eine Möglichkeit, zumindest zu diesem wieder Kontakt aufzunehem zu versuchen. Vielleicht erst einmal schriftlich.

x 3 #2


A


Kontaktabbruch von Familie - Gefühle

x 3


T
@whynot60
Vielen Dank für deine Antwort!
Es war reiner Selbstschutz. Meine Mutter ist stark narzisstisch, mein Geschwister emotional Instabil. Mein Vater lebt schon sehr sehr lange nicht mehr. Ich hatte die Rolle des schwarzen Schafes in der Familie. Da kam ich nur durch Kontaktabbruch raus. Durch die ganze Dynamik damals entwickelte ich suizidale Gedanken. Ich habe eine äußerst destruktive Familie. Naja, meine Mutter hat es auch geschafft, mich beim Rest der Familie schlecht zu machen.
Zu meinem Neffen möchte ich und kann ich zur Zeit keinen Kontakt aufnehmen. Ich bin vor einiger Zeit mit dem Anwalt gegen mein Geschwister vorgegangen, weil die meinen Sohn hinter meinem Rücken manipuliert haben. Nun ist da endlich Ruhe drinnen und wir können in Frieden leben. Irgendwann, wenn mein Neffe älter ist, können wir gern in Kontakt treten.

Ich hab das emotional die letzten Jahre abgespalten bzw. weggedrückt. Hab da gar nicht drüber nachgedacht. Und jetzt holt es mich ein.

x 6 #3


M
Zitat von Tautröpfchen:
Beraubt um Familie



knuddeln

x 3 #4


Waris07
@Tautröpfchen

Schön, dass du hier bist und den Mut gefasst hast, all deine Gedanken und Gefühle von der Seele zu schreiben. Allein das zeigt, wie viel du schon getragen hast.

Gerade die Zeit zwischen den Jahren ist oft eine Phase, in der es stiller wird und genau dann meldet sich das, was man lange im Inneren weggeschoben hat. Wenn einem plötzlich bewusst wird, welche Last man über Jahre im eigenen Rucksack mit sich herumträgt, kann das sehr überwältigend sein.

Dein Wunsch nach Familie ist so menschlich und so verständlich. Und gleichzeitig liest man sehr deutlich, dass dein Kontaktabbruch ein Akt von Selbstschutz war – ein notwendiger Schritt, um zu überleben und für dein Kind da sein zu können. Beides darf nebeneinander existieren. Die Traurigkeit über das Verlorene und das Wissen, dass deine Entscheidung richtig war.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schmerzhaft sich bestimmte Tage oder Momente anfühlen können, wenn man die Bänder zu Familienangehörigen kappen musste. Gerade dann wird einem oft besonders bewusst, was fehlt – auch wenn der Schritt richtig und notwendig war.

Dass dich der Gedanke an deinen Neffen so trifft, zeigt nicht Schwäche, sondern wie viel Bindungsfähigkeit und Liebe in dir steckt. Auch wenn du sie im Moment nicht leben kannst.

Du musst damit gerade nicht allein sein. Dein Schmerz hat hier Raum – er darf da sein und ausgesprochen werden. knuddeln

x 8 #5


Sonnenschein85
Zitat von Tautröpfchen:
Hallo an alle Weil ich meine Freundin um diese Zeit nicht wachklingeln will, aber irgendwie loswerden will, was bei mir gerade los ist, ...

Das tut mir sehr Leid. Ganz viel Kraft sende ich dir.

Gut, dass du Freunde hast und ein Kind, so dass du nicht einsam bist. Aber ja...ich verstehe diese Trauer und Sehnsucht nach einer Familie.

Wieso ist der Kontakt komplett weg?

x 2 #6


Diandra
Liebe @Tautröpfchen ,

es tut mir sehr Leid was du hier beschreibst. Du vermisst etwas, was dir verwehrt bleibt.

Und wenn ich ein wenig darüber nachdenke, stellst du dir vermutlich nette Tanten Zeit mit deinem Neffen vor, die du theoretisch ja hättest, wenn da der Rest der Familie nicht wäre.

Und trotzdem ist es ja so, dass es eigentlich ja ein Trugbild ist. In deiner Familie kann es vermutlich nie so unkompliziert sein. Zu bedauern, dass andere Menschen da etwas haben, ja, das ist sehr, sehr schade und verstehe ich. Aber mach es vielleicht nicht an deinem Neffen fest. Die Realität mit ihm wäre vermutlich ziemlich manipulativ durch den Rest deiner Verwandten.

Hab trotzdem einen schönen Tag.

x 3 #7


GreenTara
Liebe @Tautröpfchen
Ich kann deinen Schmerz gut verstehen. Keine Familie hinter und um sich zu wissen, ist nun einmal ein großes Defizit.
Nun ist der Bruch von dir aus gekommen, aber aus Notwende heraus und nicht freiwillig im Sinne des Wortes. Aber auch wenn man die negativen Energien kappt,
ist das eigene Leben noch nicht neu gestaltet. Es ist lediglich ein Anfang, das Leben konstruktiv zu gestalten.
Zu Weihnachten ist dir dein Alleinsein bewusst geworden, für das Neue Jahr wünsche ich dir Ideen und Kraft, dir dein Innen- und Außenleben neu einzurichten. Und da kann es auch ein Vorteil sein, wenn man sich nicht an anderen orientieren muss.

x 2 #8


mokka_23
@Tautröpfchen Ich kann dich gut verstehen, ich habe auch vor Jahren den Kontakt zu meiner Herkunftsfamilie abgebrochen, weil es emotional zu belastend war. Und ja, Weihnachten ist schwierig, eigentlich wie verhext, weil einen dann immer die Gefühle hochkommen von früher und man sich irgendwie minderwertig fühlt im Vergleich zu Menschen, die eine heile Familie haben. Ich versuche in dieser Zeit, meine Gefühle bewusst wahrzunehmen aber mir auch bewusst zu machen, dass sie nicht die Realität sind bzw. dass ich mich nach Weihnachten wieder anders und oft auch viel besser fühlen werde. Ich glaube, dass du ein Stück weit akzeptieren musst, dass drine Situation so ist wie sie ist und eben nicht "ideal" oder wie "im Bilderbuch". Vielleicht hilft es dir auch, dass du dir bewusst machst, dass du diesen Schritt aus Selbstschutz gemacht hast, also, dass du für dich selbst sorgst und dir selbst eine gute Familie bist.

x 2 #9


T
@Waris07 oh vielen Dank für deine lieben, mitfühlenden und aufbauenden Worte! Da rollen gleich wieder die Tränen 😢
Ja, beides ist da….

#10


T
@Sonnenschein85 danke auch dir für deinen Beitrag.
Naja, meine Mutter hat sich wieder bei mir gemeldet, nach meinem Kontaktabbruch. Also bleibt es für mich dabei. Ich hatte bereits, als ich 16 war das erste Mal den Kontakt abgebrochen (da war ich auch schon ausgezogen). Auch da kam nie etwas von ihr. Ich hatte es da nicht ausgehalten und den Kontakt wieder gesucht. aber das mache ich jetzt nicht mehr, seit Jahren nicht einmal gefragt, wie’s mir geht oder mir Geburtstagsgrüße geschickt. und dabei wohnen wir alle noch in derselben Kleinstadt. Ich hab nicht viel zu erwarten, wenn ich in Kontakt gehen würde. Außer dass ich wieder sehr unter den ganzen Anfeindungen zu leiten hätte. Und dem will ich mich nicht aussetzen. von ihrem Freund wurde ich sogar mal beschuldigt, ihn bestohlen zu haben. Dabei konnte er einfach sein Kassenbuch nicht richtig lesen und berechnen. das klingt jetzt sehr banal, aber es sind so viele Sachen passiert, die so destruktiv sind, und die mich so klein gehalten haben, dass ich da kein Kontakt möchte

x 2 #11


T
@Diandra
ja, ich bedaure eine Sehnsucht, die nie gestillt werden kann. Denn ich weiß, dass es sehr unangenehm wäre, wenn ich mit meinen Neffen in Kontakt wäre. Da würden sich wieder Sachen entspinnen, auf die ich wirklich keine Lust habe. Es wäre niemals unkompliziert und leicht. sicher, das ist es in vielen Familien auch nicht. Es ist nicht immer alles leicht, aber doch irgendwie so, dass man es miteinander aushalten kann.

Aber ja, ich wäre gerne eine Tante für meinen Neffen gewesen.

x 1 #12


T
@GreenTara auch dir vielen Dank für deine Antwort und die lieben Worte.

Ja, das Alte bleibt halt irgendwie immer mit dabei. Habe auch verstehen müssen, dass ich davor nicht weglaufen oder es bekämpfen kann. Denn es gehört zu mir und muss irgendwie mit integriert werden. Gerade um diese Zeit ist es für mich kaum zu schaffen, mit den Alten klarzukommen und auch mit den Spuren, die es heute deswegen gibt.

x 1 #13


M
Zitat von Tautröpfchen:
Hallo an alle Weil ich meine Freundin um diese Zeit nicht wachklingeln will, aber irgendwie loswerden will, was bei mir gerade los ist, schreibe ich hier. Ich sitze gerade in meinem Bett und bin furchtbar traurig. Traurig über das, was war und was ist. Vor einigen Jahren musste ich aus Selbstschutz den ...

Hi,
ich weiss genau wovon Du sprichst.
Ich habe auch keine Ursprungsfamilie mehr...Eltern gestorben, mit Geschwistern gebrochen, weil es
nach Jahrzehnten der Schlammschlachten und Missgunst nicht mehr ging.

Auch wenn ich "Wahlfamilie" habe, mag ich Weihnachten aus dem Grund auch nicht besonders.

Ich denke, man nutzt dann eben die Zeit um zu trauern. Es IST ja auch traurig.
Und es versteht auch nicht jeder, dass man manchmal tatsächlich mit der Ursprungsfamilie
brechen MUSS (in meinem Fall ging es um narzisstische Persönlichkeiten, päd. und viel
Ungerechtigkeit bzw. Bösartigkeit im Familiensystem).
Trotz des Wissens, dass es richtig war, fehlt etwas und tut es weh.
Weil es so eigentlich nicht sein sollte und auch einfach unnötig wäre, wenn man im Familiensystem
Liebe oder auch nur Respekt und Fairness als Baustein gehabt hätte.

Ich schiebe das Gefühl nicht mehr weg. An Geburtstagen kommt es auch als mal.
Es ist wie es ist und geht auch wieder vorbei.
vielleicht hilft es Dir künftig, wegzufahren (Kreuzfahrt, Skifahren, Wandern je nach Geldbeutel),
wenn Dein Sohn sich jetzt auch abnabelt, was ja auch gut ist...

x 1 #14


T
@mokka_23
Vielen Dank für deine Antwort und tut mir leid, dass es dir ähnlich geht😢🫂

Mir ist bewusst, dass ich diese Entscheidung aus freien Stücken getroffen habe. Und dass sie auch richtig ist. Als ich klein war, waren wir halt eine sehr große Familie und haben Weihnachten immer zusammen gefeiert. Abgesehen davon, dass ich einige Traumatisierung in meiner Kindheit leider erleben musste, war Weihnachten doch irgendwie immer schön. Zumindest solange mein Vater noch lebte. Und wahrscheinlich ist es auch einfach ein Bedürfnis von mir, Weihnachten mit mehreren Menschen zu feiern. Wahrscheinlich, um an dem Alten festzuhalten. Was natürlich nicht geht. Ich hatte es aber versucht, in dem ich mir zwei Freundinnen eingeladen hatte. Und auch noch eine Verabredung für den Abend hatte. Aber es hat alles nicht geklappt. Da kommt dann so ein Gefühl auch von dass man es nicht in der Hand hat und dem irgendwie ausgeliefert ist. Also, dass man alleine sein soll. und ich mein, Weihnachten alleine ist auch einfach nicht schön. Sicher, es gibt ein paar Menschen, die finden das toll. Aber ich bin eigentlich ein Familienmensch und sehne mich danach.
Ich weiß noch nicht für was das gut sein soll, dass es so war dieses Weihnachten. Will ich auch jetzt nicht drüber nachdenken. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr etwas anders mit diesen Tagen umgehen kann. Weil eigentlich mag ich Weihnachten sehr.

x 3 #15


A


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