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Kontaktabbruch von Familie - Gefühle

A
@Naturist

Exakt so ist es.

Wenn hier jeder mal aufschreibt wen er von seinen Verwandten weit, weit weg auf eine einsame Insel schicken möcht, wäre diese Insel ruckzuck voll.

#46


T
Hallo ihr lieben, nun möchte ich mich wieder melden. Hatte noch ganz schön mit mir zu tun die letzten Tage und auch noch etwas Trouble mit meinem Kind. Daher konnte ich mich nicht wieder mit dem sehr schmerzhaften Thema hier auseinandersetzen.

Ihr habt noch viele wahre Worte hier geschrieben. Auf ein paar möchte ich noch eingehen.

Zitat von Plague:
Das ist die beste Ausgangsbasis, um für den Rest des Lebens verbittert zu bleiben, weil ich das, was mir fehlte, nie bekommen werde. Ein typisches "unfinished business" im Sinne von Les Greenberg.

Wenn das tatsächlich so wäre, dann wäre jede Art von Psychotherapie, bei der es darum geht, neue Bindungserfahrungen im geschützten Raum und auch in der weiten Welt zu machen, sinnlos. Allerdings ist es tatsächlich so, dass Bindungsstile nicht in Stein gemeißelt sind. Jemand mit unsicher-ambivalentem Bindungsstil kann im Laufe des Lebens einen sicheren Bindungsstil entwickeln, wenn er entsprechend positive und nicht bedingte Bindungserfahrungen machen kann.

Also, ich denke nicht, dass es verbittert, wenn man seine Gefühle von Wut und Trauer zulässt. Finde ich besser, als sie zu verschließen. Das tut auf Dauer auch nicht gut, glaube ich.



Zitat von GreenTara:
Nun, die TE, um die es hier geht, hat es wohl leider nicht so gut weggesteckt. Auch wenn sie weiß, dass es richtig war

Naja, wenn man noch keine eigene richtige Familie gründen konnte und die anderen noch fröhlich beieinander sitzen, nagt das doch mal an einem. Leider zu viel Zeit allein, dadurch auch zu viel Zeit zum nachdenken
Was mich eben auch ärgert ist, dass durch die ganze sch., die ich erlebt habe, es mir schwer fällt, gute Beziehungen aufzubauen. das mich der Mist immer noch negativ begleitet. Das ist halt mies. Ertragen hatte ich eigentlich schon genug, wäre schön, wenn es mir mal besser gehen würde. Aber aus der Rolle des schwarzen Schafes kommt man schwer raus. Als wäre es eingebrannt. Da könnte ich genug Geschichten erzählen, wo ich versucht habe an meiner Situation etwas zu ändern und es sind Dinge passiert, die ich nicht in der Hand hatte, die mich aber sabotiert haben. Ich will es mal mit einer systemischen Aufstellung versuchen. An manche Dinge kommt man selbst nicht so leicht ran, um diese „aufzulösen“.

Zitat von Sonnenschein85:
Aber ich finde es gut liebe Te, wie du dich nun auch um dich selbst kümmern möchtest und dein Leben in die Hand nimmst

Das mach ich schon seit vielen vielen Jahren. Hab als Alleinerziehende mein Abi nachgeholt und dann bis zum Masterabschluss studiert. Ohne Unterstützung. Arbeite mich aus meiner niedrigen sozialen Schicht raus. Beruflich läuft es. Mit meinem Sohn habe ich es auch geschafft ein gutes Verhältnis zu haben. Aber er hat natürlich auch seinen Rucksack und das macht es in der Pubertät nicht einfacher. Privat läuft es leider noch nicht so, wie es mir gut tun würde. Daran arbeite ich nun schon seit 15 Jahren. Hab nicht mehr viel Hoffnung, das es auch da gut wird bzw. es sich noch gut ändert. Ich soll wahrscheinlich keine gute Partnerschaft haben.

Zitat von whynot60:
sich nicht immer wieder mit dieser ganzen - Du verzeihst - sch. zu konfrontieren und damit zu hadern, sondern abseits davon seiner eigenen Wege zu gehen und sich auf die schönen Dinge des Lebens und seine eigenen Talente zu konzentrieren.

Ich verzeihe denen das nicht. Von solchen Gedanken habe ich mich verabschiedet. Ich mein, es gab auch Gewalt und verschiedene Arten von Misshandlungen. Und manches wird heute noch weitergetragen in der Familie. Wie soll man Menschen verzeihen, die sich nicht terfragen oder entschuldigen. Klar, meine Mutter und meine Schwester zum Beispiel hatten es auch nicht immer einfach. Aber deswegen hab ich so gut wie kein Mitleid mit denen. Warum auch. Nach mir fragt doch auch keiner.
Zitat von merretich:
hinzu kommt halt oft, dass wer aus solchen Familien kommt, sich oft unbewusst dann später
Partner sucht, die eine ähnliche Dynamik mitbringen (schrieb die TE nicht, in der letzten Beziehung
wäre sie gerne vom Balkon gesprungen?!).


da muss ich was klarstellen. Als ich die Gedanken hatte, hatte ich Kontakt mit meiner Herkunftsfamilie. Zu der Zeit ging es mir dadurch immer schlechter.

in meiner letzten Partnerschaft hatte ich solche Gedanken zum Glück nicht. War aber auch wieder an einem Narzisten geraten. Nicht ganz so schlimm wie ein vorheriger Partner, aber leider zeigte er dann doch irgendwann sein wahres Gesicht.


und irgendwie scheine ich solche Menschen anzuziehen. Ohne dass ich jetzt eine „Brille“ trage und mir sie gezielt raussuche. Lerne ich durch Zufall fünf Menschen kennen, kann ich davon ausgehen, dass vier davon Narzisten sind. Da steckt irgendwie noch so im System drin. hatte auch viele Freunde mit solchen Zügen. Habe da im letzten Jahr ziemlich ausgemistet. Dadurch habe ich natürlich Platz für neue Freundschaften. Aber leider fehlen mir halt auch dadurch Menschen, mit denen ich Zeit verbringen kann.

ich danke euch für den Austausch hier! Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen. Ich wünsche euch auch noch ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

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A


Kontaktabbruch von Familie - Gefühle

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M
Zitat von Tautröpfchen:
Hallo ihr lieben, nun möchte ich mich wieder melden. Hatte noch ganz schön mit mir zu tun die letzten Tage und auch noch etwas Trouble mit meinem Kind. Daher konnte ich mich nicht wieder mit dem sehr schmerzhaften Thema hier auseinandersetzen. Ihr habt noch viele wahre Worte hier geschrieben. Auf ein paar möchte ...

Ich kann das gut verstehen.
Es lässt sich schwer jemandem erklären, der aus halbwegs (!) normalen Verhältnissen kommt. Dass keine Familie oder Eltern perfekt sind ist klar. Aber wer in eine Herkunftsfamilie hereingeboren wird, in der derart zerstörerische Muster zB wie ein narzisstisches System, sex. Missbrauch, körperliche Gewalt, emotionale Vernachlässigung oder alles zusammen erlebt hat, hat nicht das Hauptproblem mit dem Verzeihen oder Weitermachen.
Ich konnte schon mit Anfang zwanzig zB meiner Mutter verzeihen (NPS) und bei seinem Tod auch meinem Vater (hat alle seine Kinder schon als Baby und kleines Kind hunderte Male missbraucht).

Es geht darum, dass das ganze System auf dysfunktionale Beziehungen und Überlebensmodus gepolt ist. Denn paradoxerweise kann ein Kind in der Umgebung nur überleben, wenn es irgendwie gelingt, die toxischen Eltern zu stabilisieren. Und später werden diese Kinder Erwachsene, die scheinbar nur die Wahl zwischen Einsamkeit (=Sicherheit) oder dem Vertrauten (toxische Beziehungen, wo sie sich mit Tätern identifieren oder diese retten wollen). haben.

Es ist eine Lebensaufgabe und was mich betrifft trotz Fortschritten die Hauptbelastung immer gewesen, obwohl auch ich auf eigene Faust zwei Studiengänge und zwei Ausbildungen erfolgreich durchlaufen und selber finanziert habe ohne jeden familiären Rückhalt. D.h. auch fleissige und intelligente Menschen kommen hier an ihre Grenzen.

Daher kann ich Dich gut verstehen.

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GreenTara
Liebe @Tautröpfchen
Zitat von Tautröpfchen:
Naja, wenn man noch keine eigene richtige Familie gründen konnte und die anderen noch fröhlich beieinander sitzen, nagt das doch mal an einem

Mein Aussage war doch nicht als Vorwurf gemeint. Im Gegenteil, ich verstehe dich nur zu gut. Meine Eltern haben mir auch das Gegenteil von dem geboten, was ich gebraucht hätte.
Zitat von Tautröpfchen:
Dadurch habe ich natürlich Platz für neue Freundschaften. Aber leider fehlen mir halt auch dadurch Menschen, mit denen ich Zeit verbringen kann

Auch das ist mir schwergefallen. Oft waren es Leute mit einem ähnlichen Hintergrund, sie haben aber nicht an sich gearbeitet. "Such dir doch vernünftige Freunde", war der billigste Rat, der mir als junger Mensch erteilt wurde. So stand ich nach meinem Heimaufenthalt in einer fremden Stadt, mein Lehrgehalt ging für Essen und Miete drauf. Ich war gefühlt der einsamste Mensch, bis ich beschlossen, selbst mein bester Freund zu werden. Aber auch das war nicht einfach.
Ich habe mir erlaubt, ohne Verzeihen loszulassen.
Jetzt bin ich 67, mein Freundeskreis sind langjährige Gefährten. Ich habe ein paar gute Menschen gefunden, mit gegenseitigem Verständnis.

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E
Fühl dich lieb gedrückt. Ich stelle mir es unglaublich schwer vor Weihnachten so zu verbringen. Die Pubertät ist echt hart, auch für uns Eltern und man kann sich verdammt einsam fühlen, wenn das Kind langsam flügge wird.

Kennst du Leihomas? Normalerweise suchen Familien diese weil sie kleine Kinder haben die ohne Großeltern aufwachsen. Aber ich kann mir vorstellen, dass dir eine Leihoma gut tun würde. Vielleicht schaust du mal bei der Caritas in deiner Nähe (oder ähnlichen Stellen) nach. Oder schalte doch mal ganz altertümlich eine Anzeige in einem Blättchen.

Natürlich ersetzt das keine biologische Familie, aber familiäre Strukturen lassen sich auch durch Freundschaften aufbauen. Ein Ehrenamt könnte auch helfen Menschen zu finden die gerne sozial aktiv sind und gerne Freundschaften schließen.

Alles Gute dir!

#50