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Leben nach der Katze Vom Gehen und Bleiben Tagebuch

Brückenamfluss


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Strandgut des Lebens

Du und ich.
Sind wir.
Wir küssen.
Wir lieben.
Wir streiten.
Wir zürnen.
Wir wüten.
Wir trauern.
Wir schweigen.

Keine Worte.
Mehr.
Unsere Hände entgleiten uns
Bis sie
ins Leere greifen.

Liebst du mich?
Das weißt du doch.

20.12.2020 08:21 • x 1 #646


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Ihre Füße trugen sie an diesen Strand, von ganz allein, dieser Strand war leer und einsam, seltsam vertraut, zwischen den rauhen Klippen entdeckte sie ein kleines trutziges Strandhaus. Die Tür stand weit offen, einladend?, Zögernd betrat sie den gemütlichen Innenraum. Er schien aus alten Schiffsplanken gemacht zu sein, neben dem Kamin stand eine dunkle reich verzierte Kommode, kleine vergilbte Zettel hingen an den Schubladen, auf dem staubigen runden dunklem Holztisch stand eine Vase mit trocknen Blumen, darunter ein vergilbter Brief, durch das geöffnete Fenster rauschte das Meer, die dünnen Vorhänge blähten sich vom Sturm auf und fielen wieder zusammen. Zögernd griff sie nach dem Brief. Sandkörner fielen heraus. Ein roter Samtsessel lud zum Sitzen ein, sie schlang sich in die feste Decke...

An die Frau, die nun in meinem Sessel sitzt, sei willkommen, hier findest du, alles, was du brauchst, nutze die Stille des Hauses und die Weite des Meeres, um dich zu finden, und sei gewiss, echte Liebe schmerzt nicht, sie erfüllt dich, wahre Liebe vertraut, macht stark und glücklich. Werde wieder ganz, setze neu zusammen, was so zerstört wurde, lerne loszulassen, akzeptiere deine Gefühle, alles wird wieder gut, du wirst wieder lieben, vergiss nie, du bist wundervoll, stark und wertvoll, suche dich und finde dich.

P. S.
Fütter die Katze.

Knarrend öffnete sich die Tür, die Katze sprang in ihren Schoß, schnurrte. Warme Zuversicht in ihrem Inneren.

20.12.2020 08:48 • #647



Leben nach der Katze Vom Gehen und Bleiben Tagebuch

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Liebe mich.
Liebst du mich.
Ich liebe dich.
Ich liebe dich nicht.
Du mich auch nicht.
Lieben wir uns.
Ich liebe mich.
Manchmal sogar dich.
Am meisten aber uns.

Uns gibt es aber gar nicht.
Drum lieb ich erstmal mich.

22.12.2020 07:20 • #648


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Erschöpft schlief sie im roten Samtsessel ein. In ihren Ohren das Rauschen des Meeres in seinem stetigen Auf und Ab des Wellenganges. Die Katze kuschelte sich warm an ihr dünnes Kleid.

Am nächsten Morgen fanden blassgrüne Sonnenstrahlen ihren Weg ins Haus und weckten sie. Wo war sie? Viel wichtiger wer war sie?

Auf der Suche nach Frühstück fand sie eine kleine dunkle Holztruhe. Ein verschlungenes schwarzverziertes Metallschloss hielt den Deckel fest.
Nur nach einiger Anstrengung ließ sich der Deckel lösen.

Im dunklen Inneren leuchtete das Herz der früheren Hausherrin. Anscheinend hatte sie es hier vergessen?. Das Herz glänzte kräftig purpurn. Es schlug immer noch regelmäßig. Ruhig und gelassen. Ein inneres Licht schien es ausfüllen. Sein purpurnes Leuchten spiegelte sich an dunklen Ebenholzwänden der Truhe. Auf seiner glänzenden Außenhaut zierten breite und tiefe Narben das Herz. Jede für sich schien eine eigene Geschichte zu haben.

Zögernd und vorsichtig streckte sie ihre schmale Hand nach der breitesten Narbe aus. In diesem Augenblick schien etwas in ihrem Inneren zu brechen, sie zu durchfluten...

Schwarzweiße Bilder zogen durch ihren Kopf. Füllten sie völlig aus, die Macht ihrer Schönheit durchflutete sie. Die tiefe und umfassende Liebe der Hausherrin durchströmte sie, nahm ihr sprichwörtlich den Atem. Ebenso die Hoffnungslosigkeit ihrer Liebe und der unbeschreibliche Schmerz dieser Liebe. Der Kampf des Loslassen. Wer war die Insel?

Die Bilder nahmen ihr den Atem. Keuchend ließ sie los. Was war das?

Schnurrend schlich die Katze um ihre Beine und bettelte. Fütter mich.

22.12.2020 07:48 • #649


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Sie sagte
Das Schlimmste ist, dass ich verletzt werde. Egal, ob ich gehe oder bleibe.
Er schwieg.

23.12.2020 07:00 • x 1 #650


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Kalter windiger Regen wühlte den sandignassen Strand auf. Ihre Fußspuren brachen tief in der glatten Ebene ein. Dunkle Wolken zogen am Himmel ziellos und scheinbar zufällig hin und her. Tiefe Grüntöne wechselten über Blauschwarz zu Grau. Wolken blähten sich auf und schienen sich zu jagen.

Am Strand stießen ihre tiefeinsinkenden Füße auf eine Handvoll moosiger und eingewehter Flaschen. Sie schienen auf sie gewartet zu haben. Für eine lange Zeit. Während der Sturm an ihren Kleider zerrte und ihre Haare aufwühlte, zog sie Korken für Korken jeder Flasche ab. Was sie fand, waren Nachrichten voller Liebe, Zorn und Verzweiflung. Soviel Liebe. Soviel Schmerz. Erschöpft ließ sie sich in den Sand sinken. Wo war die Insel?

Helle Sonnenstrahlen durchbrachen den sturmgefärbten Himmel, ihre sonnig blassgelben Strahlen brachen sich glitzernd im sandigem Glas der moosigen Flaschen. Am Horizont wartete die Katze in den Dünen. Fütter mich.

24.12.2020 08:45 • #651


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Manchmal muss man Entscheidungen treffen, die das Herz brechen, aber der Seele Frieden geben.
Ich liebe dich und deshalb gehe ich.
Lebewohl

PS.
Fütter die Katze

24.12.2020 21:34 • #652


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Ein altes knorriges, wettergegerbtes Ruderboot liegt im weißen Sand am nassen Strand. Die soliden Paddel lagen auf eine Art und Weise im Boot, dass niemand wusste, kam oder ging der Besitzer. Gehen oder Bleiben.

Die grünen Augen der Katze waren auf den weiten endlosen Strand gerichtet. Wer füttert mich?

25.12.2020 07:42 • #653


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Manchmal muss man sich trennen um sich neu zu begegnen.
Sprach die Katze.
Ihre grünen Augen wurden grau.

08.01.2021 15:46 • #654


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Leben am Strand. Eine Sammlung.

Die Zettel, der Flaschenpost waren vergilbt, eingerissen, die Tinte verblasst, verschwommen, zerknittert. Eine ungeordnete Sammlung.

Sie waren Liebe und Leben. Am meisten Liebe. Eigentlich nur Liebe. Oder erstmal Liebe. Vielleicht auch Leben. Oder erstmal Leben. Am meisten Leben?

Die Katze schmiegte ihr weiches Fell an ihren Körper. Sie schnurrte behaglich. Sie war immer da, wo sie sein wollte.

09.01.2021 08:00 • #655


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In der Ferne, weit am Horizont, gab es eine Insel mit zwei Bewohnern. Der eine fuhr mit dem Boot auf dem Meer und fing Fische. Einmal sogar eine Meerjungfrau. Die hätte er so gerne behalten. Aber er durfte nicht. Der andere Bewohner kochte die Fische und schrieb Geschichten.
Eigentlich war es friedlich, tatsächlich aber still, weil beide nicht miteinander sprachen. Das machte den einen Bewohner oft traurig und dann dachte er an die Meerjungfrau und wie gut sie küsste. Immer wieder warf beim Fischen Flaschenpost ins Meer, in der Hoffnung mit ihr im Meer leben zu können. Das durfte er aber nicht sagen, denn dann wäre der andere Bewohner böse gewesen. So zogen die Jahre ins Land..

10.01.2021 00:42 • #656


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Eines Tages sah der eine Bewohner die Meerjungfrau am Strand auf dem Felsen sitzen. Er warf sein Netz und fing sie ein. Lange wehrte sich die Meerjungfrau und sie stritt mit dem Fischer. Am Ende aber küssten sie sich wie immer. Dann sprang die Meerjungfrau wieder ins Meer und Fischer fuhr mit leeren Netz und schwerem Herz nach Hause. Dort war alles wie immer und die Stille schien noch lauter zu sein.

12.01.2021 05:55 • #657


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Der andere Bewohner merkte nichts von der Sehnsucht des Fischers. Manchmal hätte er gerne gefragt, aber die Angst vor den Antworten war größer. Also schwieg er. Alles sollte so bleiben wie es ist.

12.01.2021 07:10 • #658


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Aber ihn begleite die ständige Angst, dass der Fischer, die Meerjungfrau wieder finden wird, also kontrollierte er die Netze, das Boot und war oft unfreundlich zum Fischer. Die Stille des Schweigens wurde immer lauter. Der Fischer immer stiller. Gerne hätte er gesagt, dass er die Meerjungfrau liebte und wiedergefinden hatte. Noch lieber wäre es ihm gewesen, dass der andere Bewohner es alleine entdeckte. Der wollte aber nichts wissen und so zogen die Jahre ins Land.
Eines Tages fand der Fischer die Meerjungfrau nicht mehr vor. Zurückblieb nur eine Muschel mit Erinnerungen.

13.01.2021 20:37 • #659


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Ein Fahrrad vor dem Haus.
Ein altes Auto in Warteschlange.
Verdörrte Äste im Garten.
Ein dunkler Wald.
Ein sandiger Weg.
Moos am Putz.
Dinge, die halten.

16.01.2021 17:25 • #660



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