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Leben nach der Katze Vom Gehen und Bleiben Tagebuch

Fontanella


In der Nacht leuchten die Fäden der Netze der Fischersleute in seinen eigenen Farben. Die Meerhexe hatte aus Liebe zur Meerjungfrau das Netz verflucht.
Es gab violette Fäden der Gewohnheit und Vertrautheit der Fischersleute.
Es gab hellgrüne Fäden, aus den Lügen und dem Betrügen des Fischers gewoben. Durchwirkt mit den dunkelgrünen Strängen des Pflichbewusstseins des Fischers, seine Familie nicht zu verlassen und ein Versprechen zu halten.
Es gab gelbe Fäden, entstanden aus einer gemeinsamen Elternschaft, gemeinsamen Freunden und einem geteilten Alltag.
Es gab orange Fäden beider, gewoben aus Angst, der Angst vor einem Neubeginn, vor der Wahrheit, der Veränderung, der Verantwortung für das eigene Leben.
Es gab rote Fäden der alten Liebe zueinander.
Es gab viele blaue Fäden, entstanden aus den Verletzungen des Betruges, des Schweigens, des Rückzugs, der fehlenden körperlichen Nähe, des gescheiterten Neubeginns, der Kontrolle, des Zorns, der Verachtung.
Dieses Netz hielt, aber der Fang darin war nur mager und reichte nur für ein Überleben. Für ein wahres Glück reichte es nicht mehr.

31.07.2021 09:28 • x 1 #706


Fontanella


Nach einiger Zeit mussten sich die Fischersleute den kargen Fängen stellen. Der Mangel war einfach zu groß geworden. Die Meerhexe hatte ihnen gesagt, dass sie nur wieder Glück finden können, wenn sie es schaffen, ihre Netze neu zu weben.
Da standen sie nun..ihre Hände wund vom Lösen der festen Knoten. Wem gehörte welcher Faden? Viele Fäden zerfielen und lösten sich auf ohne neu geknüpft werden zu können. Zu lange hatten die Zeit und die Lügen ihnen zugesetzt.
Gehen oder Bleiben?

31.07.2021 09:56 • x 2 #707



Leben nach der Katze Vom Gehen und Bleiben Tagebuch

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Fontanella


Die Schuld des Fischers wog schwer.
Er hatte alle angelogen, seine Frau, die Meerjungfrau. Er dachte, so behält er die Kontrolle. Erst jetzt verstand er, dass er sich selbst am meisten belogen hatte. Er hatte das Vertrauen aller verloren. Die Meerjungfrau schwieg und war verschwunden. Seine Frau wusste nicht alles, sie hatte nie die ganze Wahrheit erfahren, sondern nur was nötig war, damit er bleiben konnte.

31.07.2021 16:25 • x 2 #708


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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gehen oder bleiben? Ja, diese Frage wird den Fischer noch lange beschäftigen, bzw. seine Entscheidung dazu wird er oft noch überdenken. Irgendwann wird sich ein Schleier über alle Netze legen wie eine stumme Akzeptanz. Glück ist anders! Aber was zählt?

02.08.2021 09:41 • x 1 #709


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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Ich suchte lang durch Lebenstäler
Was ich fand
War meist zu blass
Du liesst mich lange ziehen
An kargen Wegen
und im hohlen Nass.

Wie sucht ich Dich
An fremden Orten und
in Wiesen weit
im großen dunklen Stein
fragenden.
vor den Bäumen
und unterm blauen Himmelskleid.

Welch Antwort
War so schwer..
so wahr
So ruhend
wie in 1000 Jahr..

Dass Lieb allein
Nicht selig macht
Dass alles seine tiefre Ordnung hat
Drum ..
lass die Seele frei
und hab für immer acht!

17.08.2021 15:45 • x 1 #710


Cicero


Menschen am Meer
Lieben sehr.

Die Frau am Meer
Schaut sehr nah
Und sieht es nicht.
Das Schiff das bricht.

Der Mann am Meer
Steuert das Boot
Und weiß es mehr
Das Schiff das bricht

Die Frau am Meer
Kennt nicht den blinden Passagier
Der immer mit fährt.
Das Schiff das bricht

24.08.2021 12:47 • x 1 #711


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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Eine Feder
Zart im Gras
Sie wies den Weg
Und wie gut er tat.
Machtumkehr
Mit kleinem Schmerz
Leben
In voller Größe
Wieder da.
Wies um mich stand
das weißt Du nicht.
Ist auch egal.
Was zählt?
Du fühlst wie ich
Es war ein stilles
wundersames Einverständnis
Gefühl und Kopf getrennt
Verständnis
tief und innig
Wohlwollen am Horizont.

So soll es sein
So kann man auseinandergehen.

Lebenswege zeichnen
Im Vorübergehen
Im Vorbeigehen
Beschwichtigen und weiter gehn.

25.08.2021 09:20 • x 1 #712


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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Ein Mann
Versunken in sich
Alleine mit sich
Tief im Innern

Zugang dazu
Ist heilig
Liebe lässt er zu

Er sitzt und hört
Hören kann er gut
Wo klingen die Worte an?
Bis wohin reichen sie?

Wieviel Gefühl
Kann er zulassen?
Wie sehr kann er sich spüren?
Wie sehr kann er alles vergraben?

Er sitz und hört
Und fühlt
Und ist so erreichbar

Liebe erreicht
Manchmal

Dann ist es Glück
Dann ist es Verstehen
Dann ist es Einheit
Dann ist es Zusammengehörigkeit

Liebe tut nicht weh
Liebe gibt und empfängt
Im Glück

Das erleben zu dürfen, nach so langer Zeit, nach so einem Weg, nach Irrwegen, nach Schmerz, nach Vernichtung.
Das ist heilig. Das wird immer tief im Herzen bleiben.

Auch so kann Abschied sein. Weich, offen, zart.

25.08.2021 09:21 • x 1 #713


Cicero


Und doch bleibt es ein Abschied.

25.08.2021 09:23 • #714


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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Zuerst kommt die Akzeptanz des Abschieds, dann das WIE und die Erinnerung. Dabei geht es nur um mich, wie ich für mich alles einordne und weitermache. Friedvoll und ohne Groll ermöglicht vielleicht auch irgendwann Dankbarkeit für diese Lebenserfahrung.

25.08.2021 09:41 • x 1 #715


Cicero


Menschen am Meer
Lieben sehr

Die Frau am Meer
sah es nicht
wusste es nicht.
fragte auch nicht.

Der Mann am Meer
Wusste mehr.
Sagte es nicht.

Das Schiff das bricht

25.08.2021 14:50 • #716


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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Nicht fragen und nicht wissen
gehen oder bleiben

das Schiff bricht in jedem Fall ersteinmal.

25.08.2021 15:35 • #717


Cicero


Bei einigen sogar zweimal.

25.08.2021 15:37 • #718


EinsamerKranich

EinsamerKranich


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Das Schiff zerbrach
Vor ihren Augen
doch die Frau am Meer
Fing an die Teile wieder einzusammeln
Und ein neues Schiff zu bauen
Sie zwang den Mann mitzuhelfen
Und er fügte sich
Wie er sich immer schon fügte
Sein versuchter Ausbruch war sein Schicksalslos.
Ab jetzt gab es nichts mehr Eigenes für ihn.

Die Meerjungfrau war lange geschwommen und blickte auf ein längst vergessenes Land.

Und die Frage: gehen oder bleiben
beschäftigte sie alle ab und an

25.08.2021 16:52 • x 1 #719


Cicero


Ein schönes Märchen.
Der Mann am Meer als armes Opfer der Gezeiten?
Ich denke nicht.
Jeder kann gehen wohin er möchte.
Niemand muss bleiben.
Jeder ist da, wo er sein möchte, weil er es gewählt hat.
Die Fischer, seine Frau und auch die Meerjungfrau.
Nur Fischer erzählen ihren Frauen meist nichts. Lieber spinnen sie Seemannsgarn.

25.08.2021 16:53 • x 1 #720



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