Zitat von KBR:Danke für Deine ausführliche Schilderung. An manchen Punkten kommen wir nicht überein. Ich bin da so komplett anders gestrickt, aber natürlich ist mir klar, dass insbesondere beim Verbleib ist unbefriedigenden Beziehungen neben anderen Möglichkeiten (wie z.B. Bequemlichkeit) Ängste eine große Rolle spielen.
Vielleicht als positive Perspektive:
Es ist nicht schlechter, mit einem Mann spazieren zu gehen oder an einem See zu sitzen und aufs Wasser zu schauen als Cola in einem Restaurant zu trinken.
Für mich ist es nicht wichtig, ob ein Mann "mit etwas bieten kann" (wie man so schön sagt). Es ist schön, wenn wir beide finanziell flexibel sind, aber kein Muss. Ich würde auch i.d.R. nicht bin einen Mann erwarten, dass er mich unterstützt, weil mir Abhängigkeiten extrem zuwider sind. Die Abhängigkeit von meinem Arbeitgeber ist für mich schon schlimm genug.
Ja das ist sicherlich nicht schlimm. Aber ICH möchte einfach mehr vom Leben. Ich war 12 Jahre mit meiner Ex-Frau zusammen, davon 7 Jahre verheiratet und wir sind genau einmal für 2 Wochen in den Urlaub geflogen, 6 Monate nch unserem Zusammenkommen. Dann nie wieder. Das Paarleben existierte bei uns nicht.
Und ich will mehr vom Leben. Und ich hatte da echt Ängste, dieses mehr nicht mehr verwirklichen zu können.
Zudem hatten wir beide so viel durchgemacht, ich dachte der Alltag schafft uns nicht und es wird wieder bessere Zeiten geben.
Zitat von KBR:Was mich interessieren würde:
Wie kommt es dazu, dass ein Mann einer Frau die pure Selbstverwirklichung zugesteht, während er für sich selber überhaupt nichts tut und allein verdient? Das verstehe ich in der heutigen Zeit so überhaupt gar nicht. Im Übrigen auch nicht, wenn eine Frau nicht fördert, dass ihr Partner etwas für sich tut, wenn sie bemerkt, dass das eben nicht der Fall ist.
Sie hätte nichts tun können. Sie trägt daran keine Schuld.
Unsere Beziehung war von anfang an auf Reagieren statt Agieren ausgelegt und wenn man in so einem Kreislauf drin ist, kommt man schwer wieder raus.
Ich versuche es mal kurz zusammenzufassen aber die Auswirkungen auf die Seele kann man dabei nur erahnen.
Wir lernten uns kennen (am Briefkasten). Ich 4 Jahre lang Single, vereinsamt, kein Selbstvertrauen, gerade Ausbildung abgeschlossen und im Job - sie alk. Mutter, kein Schulabschluss, keine Ausbildung, Überschuldet, viele Tiere.
Erste Amtshandlung war mit ihr die Schuldnerberatung aufzusuchen damit diese Inkasso Briefe aufhören. parallel Hunde OP finanzieren, weil der Hund krank war (Darmdrehung), nach seinem Tod sind wir in den Urlaub geflogen. Dann habe ich ihr einen neuen Hund gekauft, weil sie so unendlich traurig war.
Es folgten weitere Tiere und mein Geld ging dafür drauf. Ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht gesehen, dass es total falsch läuft. Wollte sie nicht verlieren, endlich jemanden gefunden der mich liebt.
Und sie hat meine Vergangenheit (Mobbing in Schule etc.) auch akzeptiert. Zudem war es im Bett toll mit ihr, konnte vieles nachholen, entdecken, ausprobieren - mich entwickeln!
Zudem habe ich zu den Lasten immer meine berufliche Entwicklung gehabt. Die ersten 10 Jahre könnte man sagen jedes Jahr fast 10 % Gehaltserhöhung. Also immer wenn finanzielle Probleme auftauchten - durch sie, ihren Spleen oder so, hat mein Job dies sofort ausgeglichen.
Die Tiere bzw. ihr Umgang mit diesen sorgte aber für Spannungen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch Freunde aber meine pers. Entwicklung, das Reifen stockte. Ich war nur damit beschäftigt sie zu trösten wenn ihre Mum wieder trinken war (alle 2-3 Monate für 2-3 Wochen), ständig Konflikte mit ihren Schwestern und ihrem Vater...
Dann kam Ihre Affäre und die Schwangerschaft. Ihre Plazenta riss an und sie war Bettlegerich (20 Wochen lang). Also half ich ihr im Haushalt, fuhr sie ins KH etc. So kamen wir uns wieder Näher. Ihre Mutterinstinkte haben die Tiere entfernen lassen - bis auf 2 Katzen (was ok war) - aber kein ganzer Zoo mehr.
Es wurde zwischen uns echt besser.
Das 1. Jahr mit Baby war schrecklich. Sie durch diese 20 Wochen ständig Kreislaufzusammenbrüche, Baby war Schreikind. Ich Jobwechsel, Probezeit und die Nachtschichten mit Baby. Ich bin teilweise um 4 Uhr morgens zu ihrer Mum gefahren damit sie auf meine Frau aufpasst. In den Zeiten wo sie trocken war, war sie als Mutter immer für ihre Kinder da. Es ist halt eine Krankheit aber sie zieht alles im Umfeld nach unten.
Wir heirateten 1 Jahr nach der Geburt vor allem aus finanziellen Gründen. Sie war nicht wirklich krankenversichert - nur durch die freiwillige Versicherung die ich zahlte. Mit Eheschein waren das 300 Euro mehr Netto und 150 Euro weniger KK Ausgaben! Zudem die Absicherung im Todesfall.
Meine Freunde bauten sich parallel ihr eig. Leben auf, entwickelten sich weiter, zogen weg.
Ich war nur mit Arbeiten und Ehe beschäftigt - es war ein Teufelskreis.
Ich sah keinen Ausweg, kein Entkommen.
Dann wurde sie wieder schwanger. An meinem 30. BDay setzte dann die Depression bei mir ein. 8 Jahre Dauerbeschuss von allen Seiten...meine Psyche war am Ende es war nur noch Durchhalten...irgendwie.
Sie aber entwickelte sich weiter, konnte sich auf mich stützen.
In den letzten 4 Jahren kam es eben zum Ende, langsam, unerbittlich. Mit 31 oder so kam der Fall mit ihrer Freundin und ich einen Nervenzusammenbruch, ging in Therapie - aber das war alles so sinnlos. Der Psychologe hat nie richtig verstanden was mich belastet. Das es zwar auch die Ehe ist aber eben auch meine Vergangenheit, das Mobbing in der Schule - was ich nie verarbeitet habe. Seit dem ich 11/12 bin, bin ich im Verstandsmodus. Gefühle einsperren, keine Schwäche zeigen, gegen alle Widrigkeiten des Lebens weiter vorgehen und weitermachen.
Nur gab es, als ich 30 wurde, keinen Weg mehr, dem ich folgen konnte. Auf dem Papier habe ich alle meine Wünsche erfüllt. Abi, Ausbildung, Job, Frau, Kinder, Eigenheim...Check. Und total unglücklich.
Aber der Psychologe setzte auf einen Erfolg im Job...das funktionierte nur eine zeitlang und gab für weitere Monate Kraft.
Aber die Sackgasse, nicht wissen wie es weiter geht....diese Mauer, die ich seit meinem 11. Lebensjahr immer weiter aufgebaut habe existierte nicht mehr.
Und in der Beziehung mit meiner Frau hatte ich keine Zeit für eine Selbstheilung.
6 Monate vor der Trennung begannen wir eine Paartherapie bei proFamilia.
Dann kam die Trennung und ich zog 50 km weiter weg in eine 1-Zi Bude und sie amüsierte sich mit ihrem Freund in meiner Eigentumswohnung.
Ich weiß noch es war April 2017. Ich stand an der Bushaltestelle, es regnete, es war kalt und ich wollte nach einem Arbeitstag wieder "nach Hause" in diese Bude. Die geg. Anwältin wollte mir meine Kinder wegnehmen, forderte mehr Unterhalt als ich Netto hatte und dann kam der Anruf von ProFamilia warum wir zu den Terminen nicht gingen. Meine Ex wollte die Termine canceln.
Ich erläuterte ihr das Vorgefallene und sie bot mir Einzelgespräche an. Seit dem gehe ich regelmäßig zu Gesprächen hin. Das ist viel besser als dieser Psychologe und hat mir geholfen mich selbst zu finden.
Parallel hat mein Verstand wieder die Kontrolle übenommen und so konnte ich den Anwälten entsprechend entgegentreten.
Ich gewann alle Verfahren, Sorgerecht, Unterhalt gegen Jobcenter und letztlich auch die Scheidung zu meinen Bedingungen.
Tja wie kann man sich so vergessen? Indem man andere Dinge für wichtiger erachtet.
Ich gebe meiner Ex-Frau nicht die Schuld. Sie ist schlicht und ergreifend nicht intelligent genug und hat miese Karten im Leben bekommen. Sie hat gehandelt, wie sie es für richtig empfunden hat - nicht aus der Intention mir zu schaden - ich war nur Kollateralschaden.
Diese Einsicht hat geholfen.
Ansonsten Synergieeffekte. Die Liebe zu einer Frau, die Angst vorm Alleinsein, die Verantwortung gegenüber der Kinder, die finanziellen Auswirkungen, kein Selbstbewusstsein....das in Synergie zueinander lässt ein manche schlechte Entscheidung treffen.
Und ich war damals anfang 20 nicht mitte/ende dreißig!