Zitat von unregistriert:Und die Konsequenzen waren bei uns klar ausgesprochen, von beiden Seiten - wenn Seitensprung, dann Ende der Beziehung. Vielleicht ist es wichtig, das zu formulieren?
Dann würde die Androhung einer Strafe ja alle Menschen vor Straftaten bewahren.
Nein, manche Menschen tun das alles TROTZDEM, das ist ja das Problem (siehe unten).
Ich hatte ja versprochen, dass ich euch berichte von unserem Gespräch gestern. Ich werde allerdings jetzt nicht alles wortwörtlich wiedergeben.
Also, es war seit langer Zeit das erste Gespräch ohne Abwehr, ohne Vorwürfe, ohne Streit und ohne Augenrollen. Auf Augenhöhe, verständnisvoll und fair. Geholfen hat wohl auch, dass wir das weitab von zu Hause, öffentlich, in einem Eiscafe gemacht haben. Es war auch das erste Mal, dass sie versucht und es geschafft hat, mal einen anderen Blickwinkel, also meinen, einzunehmen. Da haben wir einen Riesen-Schritt gemacht. Das haben wir beide auf der Rückfahrt auch zueinander gesagt.
Ist jetzt alles gut? Haha, nein, natürlich nicht. Aber eine Annäherung und das fühlt sich gut an.
Ich bin sicher, es wird noch weitere Gespräche geben. Wir haben auch ausgemacht, dass wir gemeinsam mal theratalk besuchen.
Eins ist mir klargeworden: Ich werde nie wirklich verstehen, wie dieser Mechanismus in dem Fremdgeher abläuft. Dass es da eine Menge Scheinargumente gibt, die einen dazu bringen, sich selbst so etwas zu erlauben, ja. Aber dass sie tatsächlich funktionieren, das werde ich nicht verstehen. Ich glaube das will ich auch nicht.
Mal eine Aussage meiner Frau gestern: Eine Abwandlung der 1. Lektion des Fremdgeher-Lehrbuchs "Das hatte mit dir nichts zu tun". Sie sagte: "Ich hab gedacht, dass ich dir doch irgendwie nichts wegnehme". Also, dieses einzig und allein meine Sache.
Wie funktioniert das, dass man sich das selber glaubt? Klar, sie sieht das natürlich mittlerweile genau so, dass das alles Pseudo-Rechtfertigungen sind, damit man sich selbst vor einem schlechten Gewissen schützt.
Interessant, auch für unsere Beziehung, ist dabei auch, dass sie Annahmen über mich gemacht hat, die es zusätzlich leichter gemacht haben. "Ich habe gedacht, dass du in der Hinsicht ziemlich locker bist, dass dir das echt nicht so wichtig ist". Klasse. Da wurde mein Vertrauen, also der fehlende Argwohn, quasi gegen mich verwendet. Dazu muss ich kurz ausholen. Sie hatte mir während der Affäre immer mal etwas erzählt. Wie nett ihr Chef ist, wie gut sie sich mit ihm versteht, seine tragische Familiengeschichte (Mitleid, einer der größten Wegebner), dass sie sich jetzt duzen, von einem Küsschen, dass er ihr vorm Hotelzimmer gegeben hat usw. Sagt bitte jetzt nicht, dass ich naiv bin/war, das stimmt nämlich nicht. Das hieße nämlich großes Vertrauen mit Naivität gleichzusetzen. Ich kann euch hier keine Bilder posten, aber ihr müsst von Folgendem ausgehen: Meine Frau war und ist wahnsinnig hübsch, attraktiv und charmant. Ihr Chef (20 Jahre älter) ist/war aus meiner Sicht das vollkommene Gegenteil. Selbst wenn ich extrem schlecht geträumt hätte, diese Konstellation wäre nicht vorgekommen. Das war abwegig wie nur sonst was. Tja, so kanns gehen.
Auf diese ganzen Erzählungen habe ich dann halt eben ziemlich gelassen reagiert und das hat dann diese Annahme, dass ich das sehr locker sehe, natürlich (gerne) verstärkt. Ich habe das hier, glaube ich, schon mal erwähnt. Sie ist von uns beiden mehr der Genießer, ich bin, wenn überhaupt, eher der Gönner, im Sinne von, dass ich ihr es gönne, wenn sie eine gute Zeit hat.
Annahmen über den Partner zu haben und sie dann irgendwann als Quasi-Tatsachen zu empfinden, ist tödlich in einer Beziehung. Das hat sie eingesehen und will da an sich arbeiten.
Vor ihrem Fremdgehen hatte sie den Verdacht, ich hätte was mit der Saxophonistin meiner Band. Das entbehrte jeder Grundlage, auch wenn ich sie attraktiv fand und innerhalb dieses Band-Kosmos es auch mal Flirts gab. Dummerweise hat meine Frau aber nie darüber mit mir gesprochen und dann hat sich das irgendwann zu einer Tatsache eingefressen. Tödlich. Und ein weiterer Baustein des Selbst-Erlaubens.
Warum hat sie nicht mit mir darüber geredet? "Nein, da hätte ich Schwäche gezeigt, da mache ich mich verletzbar. Und seit der Zeit, als ich meine Mutter so am Boden zerstört sah, nach dem Betrug und der Trennung (!?), habe ich mir geschworen, dass ich mich nie so verletzen lasse". Dieser Satz ist mit Sicherheit für Psychologen ein paradiesischer Ansatz, ich lasse das einfach stehen. Wir sind uns aber beide, besser spät als nie, hundertprozentig einig, dass so etwas einfach keine Basis in einer Beziehung sein kann. Das darf nicht sein.
Ich stelle, als vorläufiges Resümee, hier mal eine Behauptung auf. Und ich weiß, dass das eine Menge Widerspruch erzeugen wird und da freue ich mich drauf:
Fremdgehen ist eine Art Charakterzug. Es gibt Menschen, die können fremdgehen und tun das dann auch in entsprechenden Situationen und bei günstigen Gelegenheiten. Die "Genießer". Und es gibt Menschen, die können nicht fremdgehen. Selbst in den günstigsten Situationen und Gelegenheiten verbieten sie sich das. Die "Kontrollierten"?
Ich schaue jetzt erstmal wie sich das alles weiterentwickelt.
Schönen Muttertag noch